Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1782 (31.5.1960)
- Date
- 1960-05-31
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Theodor Herxl PUEYRREDON 21901. St j|( T.E. 83-2613 Der 100. Geburtstag Theodor Herzls Es war ein würdiges Unterfangen der Regierung Israels, zusammen mit der Zionistischen Weltorganisation den 100. Geburtstag Herzls durch eine Reihe von Veranstaltungen festlich zu begehen, die den Juden Israels und der Diaspora die volle Bedeutung von Herzls Persönlichkeit und seiner Rolle in der jüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts vor Augen führen sollen. Es besteht die Gefahr, dass in der heutigen Judenheit sowohl in Israel wie im Ausland die Bedeutung von Herzls Auftreten in Vergessenheit gerät. Es ist nicht nur eine moralische sondern eine geistige Pflicht, eine solche Entwicklung zu vermeiden. Grossen Persönlichkeiten Ehre und Respekt zu erweisen, ist eine moralische Aufgabe, denn es zeugt von dem 'Adel des Volkes als ganzes. In gewisser Hinsicht ist es ein Prüfstein für die moralische Haltung einer Nation. Dies .gilt besonders für ein Volk wie das unsrige, das ein einzigartiges historisches Gedächtnis besitzt lund seine Existenz diesem 1 besonderen Gedächtnis so-! wie seiner Beharrlichkeit verdankt Verehrung für unsere Führer ist von bilblischen Zeiten an bis heute eine der moralischen und geistigen Quellen gewesen, aus denen unser Volk die Kraft für den Kämpf um sein Dasein zog. Aber abgesehen von dieser moralischen Verpflichtung ist es notwendig, Herzls Bedeutung vom Intellektuellen und Geistigen her zu verstehen. Jede Generation neigt dazu, ihre Leistungen für sich allein zu beanspruchen und diejenigen frühe- .rer Generationen zu übersehen. Eine derartige Neigung ist besonders im Staate Israel zu spüren und zwar aus durchaus natürlichen und naheliegenden Gründen. Es ist klar, dass ohne den chaluzischen Geist die grosse schöpferische Kraft, den kämpferischen Geist und die Initiative des Jishuw in Israel der Staat Israel nicht entstanden sein Würde. Aber es ist gleichfalls wahr, dass ohne den modernen Zionismus und seinen grossen politischen Sieg Verständnis und guten ¡Willen für den Gedanken eines jüdischen Staates und für die UN-Resolution zu erwecken, aller Mut und alle Festigkeit des Volkes in Israel nicht für die Schaffung des Staates und seinen Weiterbestand ausgereicht hätte. Mehr als irgendeine andere Nation muss unser Volk sich vor Augen halten, dass hohe Ideale und Visionen entscheidende Faktoren in der jüdischen Geschichte sind, und dass gerade so wie Moses und die Propheten die Grösse; des jüdischen Volkes in der Vergangenheit begründet haben, auch die Vision und; die Anstrengungen der Träumer von der Rückkehr nach Zion nach der Auffassung von Dr. NACHUM GOLDMANN Herzls den Weg zur Geburt des Staates Israel gebahnt haben. Als Herzl nach der Eröffnung des ersten Zionisten-Kongresses in sein Tagebuch eintrug: „In Basel habe ich den Judenstaat gegründet“, lag in diesen Worten keine Uebertreibung. Die darauf folgenden Worte, dass dies in fünfzig Jahren jeder einsehen werde, sind ein Beweis für seinen prophetischen Glauben und die Vorstellungskraft eines grossen Staatsmannes. Aus diesem Grunde ist es zur Erhaltung des intellektuellen Gleichgewichts des jüdischen Volkes wesentlich, der zionistischen Bewegung und ihres Gründers Theodor Herzl zu gedenken, denn diese haben die siegreiche i Geburt des Staates Israel herbeigeführt. Es bedeutet eine Gefahr für eine Generation, wenn sie ihre Starke nicht richtig wertet und ihren Mut verliert. Nicht weniger gefährlich aber ist es für eine Generation, ihre Leistungen zu überwerten und Ergebnisse für sich zu buchen, die ohne den Beii trag früherer Generatioj nen nicht erreichbar gewesen wären. < Aber die Feier des 100. Geburtstages Herzls ist nicht nur für ein erneutes sländiges, der Bedeutung seiner Persönlichkeit und seines Wertes wichtig, sondern sie bietet auch — und vielleicht vor allem — eine Gelegenheit, eine geistige Bilanz zu ziehen und uns selbst zu fragen, welcher Teil seiner Vision verwirklicht wurde, und was noch zu tun bleibt Was verwirklicht wurde, ist die Errichtung. des Staates mit all der grossen damit verbundenen . historischen Bedeutung. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass der jüdische Staat zu keiner Zeit ein Selbstzwer1' nur ein Werkzeug für die 'Durchführung der ■ Ziele seiner Vision, nämlich I erstens die Existenz des Vol- 1 es durch territoriale ICon-! zentration und zweitens die I Unabhängigkeit des jüdi- | sehen Volkes in seinem Hei-! matland zu sichern [ Das Hauptziel des Staates j Israel ist vor allem die Fortdauer der Existenz des jüdischen Volkes, die durch Emanzipation, durch Assimilation, sowie durch unser Leben in der Diaspora gefährdet war. Bis zur Erreichung dieses Zieles ist noch ein weiter Weg, da die Mehrheit des jüdischen Volkes nicht in Israel lebt. Es ist eine tragische Paradoxie in der zionistischen Geschichte, dass in dem Augenblick, in dem wir unser Land erhielten, uns der Teil unseres Volkes, der wesentlich dazu bestimmt war, in Erez Israel zu leben, verloren ging. Die Millionen, deren Traum und Sehnsucht die Einwanderung und Niederlassung in Erez Israel gewesen waren, wurden in den Konzentrationslagern Hitlers umgebracht.. Was vom jüdischen Volk übrig blieli, ist nicht „eine Nation ohne mühsame Arbeit, jahrzente- Land.“ Es muss darauf ge- | langen Kampf und Opfer, achtet werden, dass die ' denn nichts verlangt grösse- Wirklichkeit des Staates Is- ' re Ausdauer, Geduld und rael im Leben der Juden in ' Mühe als der Prozess der der "Welt fest verankert j Umsetzung von Ideen in die wird; es ist wesentlich, das | Wirklichkeit historischer Volk als Ganzes — oder doch Ereignisse. Der Masstab für seine Mehrheit — für Israel J die Wertung von Erreichtem zu organisieren und den und Unerreichbarem darf Staat Israel zum Mittel-! unter keinen Umständen punkt des nationalen Lebens ' das Kriterium für eine zu machen. Diese Aufgabe, 'wirkliche Durchführung sein die Judenheit der Welt un- ' sondern nur das endgültige lösbar an Israel zu binden Ziel unserer Bestrebungen. - und die Gleichgültigkeit der’| Es \ äre nicht fair zu fragen, Mehrheit des jüdischen Vol-! was denn nun die hohen kes zu überwinden, ist nicht | menschlichen Ziele des Zioweniger wichtig und nicht ' riismus sind, die bisher in weniger schwierig als die Israel durchgeführt wurden, der Errichtung des Staates. , Israel ist und wird auch in Sollte der Zionismus diese Zukunft in erster Linie mit Aufgabe nicht erfüllen, wiir- 1 der politischen, wirtschaftlide die erste Entscheidung chen und sozialen Konsoiisozusagen in der Luft hängen bleiben. Der Staat Israel mit zwei oder selbst dierung befasst sein, besonders nach der Anfangsperiode der wahllosen Massendrei Millionen Einwohnern, j Einwanderung. Aber es ist die jedoch vom jüdischen ¡richtig und sogar wesentlich Volk abgeschnitten sind, j zu fragen, was Israel anwürde nur mit Schwierigkei- | strebt. Um grosse Dinge j ten existieren können. Nach dur#hzufüh«en, benötigt Is- ] der Ausrottung der europäiirael Zeit. Es ist jedoch un- | sehen Judenheit würde das : möglich, grosse Dinge ohne jüdische Volk, losgelöst von ’ein Streben nach Grösse zu Israel, seiner Zukunft be- I vollbringen, und das beraubt sein. I rühmte Wort des Dichters, j Von der Gesamtheit der, dass „nur Narren beseheizionistischen Ideen Herzls den sind“, gilt für Nationen; haben wir nur den ersten J nicht weniger als für den | Teil vollendet — das Inj Elinzeinen. Hier kann man ' strument, den Staat. Das; die Fehlschläge im heutigen I Ziel, für welches das Ini Leben Israels erkennen und j strument geschaffen wurde, : nämlich die Sicherung von //Existenz und Zukunft des jüdischen Volkes, ist noch! weit entfernt. Es ist, beson- : ders in diesen Tagen, in de- : nen wir Herzls gedenken, eidarf sie nicht übersehen. Man neigt heute in Israel dazu, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, sich mit kleinen Dingen abzufinden. Ohne sein utopisches Element würde der | ne sowohl moralische wie I Zionismus nicht möglich gej geistige Notwendigkeit, diej wesen sein, und ein Tropfen 1 ser bitteren Wahrheit ins ] einer solch utopischen Beii Auge zu sehen. j mischung ist ein vitaler Bej Der zweite Gesichtspunkt 1 standleil jeder grossen Bein Herzls Vision v/ar Natur ,'wegung und aller grossen und Charakter des jüdischen j Nationen. Es ist die Pflicht Staates, wie er ihn vorausi einer Nation und einer Besah. Er hat nicht einen jiidiwegung, nach dem Höchsten sehen Staat, wie all die anzw streben, auch wenn es deren Staaten gefordert. Elr! nicht erreicht werden kann, hat einen Staat als eift In-; Ich hin nicht sicher, ob auf strument für die Erreichung j die Dauer eine solche Eineines hohen Zieles verlangt, ¡Stellung nicht wirksamer i-.t für die Verwirklichung der j als eine realistische. Ideen und Ideale jüdischer j Die Lösung des jüdischen Kultur. Der Zionismus hatj Problems durch Schaffung te immer höhere Ziele, als eines jüdischen Nationalj nur eine rein politische und ¡heims war eine phantasti- I nationale Bewegung zu wer- J sehe Idee, als sie von Herzl den. Kein zionistischer Fiihverkündet wurde Die Aus- ■ rer besass jemals grösseren | Ehrgeiz im besten Sinne des Wortes als Herzl selbst, wie er mit seinem Buch „Altneuland“ gezeigt hat. rufung des Staates Israel war ein beispielloser Akt des Mufes seitens des Jishuws in Palästina. Den Staat aufrecht zu halten und Wir haben von der nichtj zu sichern, war und wird j jüdischen Welt, die uns bei I such in Zukunft in verschie- . der Errichtung des Staates wer Hinsicht schwieriger für , geholfen hat, immer das Israel sein als für andere! Recht gefordert, einen Staat! Völker, für die es keine I nicht nur zu dem Zweck Dia.spora gibt. Wir haben; aufzubauen, leidenden und üas einzigartige Ergebnis er-; heimatlosen Juden eine Heireicht, einen Staat in einem mat zu geben, sondern auch kurzen halben Jahrhundert ,um den hohen Idealen un- . auf gerichtet zu haben, weil serer Kultur konkreten Aus- . all dies einzigartig und druck zu verleihsnj Aber phan*as tisch war. können wir ernstlich bej Ich b’n überzeugt, dass all haupten, da*s der Zionis-' die Methoden, durch die wir mus in dieser Hinsicht verden anfänglichen ¡Erfolg erwirklicht worden ist? Ich* reicht haben, notwendig sein bm mir drrüber klar, dass; werden, um diesen Erfolg es naiv und töricht wäre, zu einem dauernden zu gesolche Vo'lkommenheit von stalten. Israel ih der Rolle e;n-?m!r.dhMv,n st»*t zu , eines Staates im Mittleren r’U’ f w, r1p~ t 12 Jah"e , Osten wäre unfähig, die besteht. So etwas dauert Einbildungskraft anzufachen oder den guten Willen der I Welt wachzurufen, aber ein Israel als Ergebnis seiner einzigartigen Geschichtsentwicklung, als ein Erfolg des Heldentums und des tragi- | sehen Duldens unseres Volkes und als eine ernsthafte Anstrengung, solchem Leiden ein Ende zu bereiten und diesem Leiden und Märtyrertum Bedeutung zu verleihen, in Durchsetzung unserer Ideale für den Frieden, — nur solch ein Israel kann auch in Zukunft Bewunderung und Beistand seitens der besten Elemente in der öffentlichen Meinung der Welt erwarten. Der Zionismus steht jetzt der grössten moralischen und geistigen Krise seines Bestehens gegenüber. Eine solche Krise haben alle grossen revolutionären Bewegungen nach ihren ersten wirklichen Siegen .durchzumachen. Die Gefahr solcher Erfolge liegt erstens in der Tatsache, dass das Erreichte irrtümlicherweise als letztes Ziel angesehen wird, dass das grosse Fieber der Revolution verloren gegangen ist, weil man wähnt, das Ziel sei schon err?;h* und dass das Volk auf seine Leistungen stolz ist und apathisch wird Die meisten geschichtlichen Bewegungen sind an solchen Krisen zerbrochen. Oft erreichen Revolutionen ihre ersten Siege und können dann nicht mehr die Kraft auf bringen, den Weg zum nächsten Ziel zu beschreiten, mit dem Ergebnis. dass ihr Hauptziel dadurch verzerrt wird. So verschwinden sie vollkommen. Des ist die Gefahr, die jetzt der zionistischen Bewegung vom geschickt’!-, chen Standpunkt aus droht. Es ist daher eine dringende. Notwendigkeit, eher das' Auge darauf, zu richten, was noch zu leisten übrig bleibt, als von Erfolgen und dem bisher Erreichten beglückt zu sein. Befriedigung mit dem Ma?s des Erreichten ist nur berechtigt, wenn sie den Mut verleiht, mit der gleichen Glut dem Punkt zuzustreben, der noch nicht erreicht ist. und wenn sie den Entschluss kr'HPgh er s :■ haft an die unverwirklichten Teile des grossen Ideals heranzugehen. Dies gilt für Israel, für die zionistische Bewegung und für das jüdische Volk. Es sollte jedem von uns Ivlsv so'n, Teile des zionistischen Programms. die noch nicht verwirklicht sind, schwerer zu erreichen sein werden, als diejenigen, die bereits realisiert sind. Wir wollen am 100 Geburtstag Herzls etwas von dieser grossen Gestalt lernen und der1. Bewegung jene Zuge verleihen, die ihn gross mochten/ näihlich die Kraft üntl den Mut zu weitestgehenden Erwägungen, sein nicht schwankender Glaube an die endgültige Durchführung, seine Ueberzeugung dass er etwas Grosses nicht nur für das jüdische Volk unternahm, sondern dass er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit NACHRICHTEN AUS ISRAEL RASSCO GRUENDET EINE GESELLSCHA1T FUER VIEHZUCHT Die Gesellschaft RASSCO hat im 'Laufe von einigen Monaten die Möglichkeiten und Aussichten für die Gründung einer Farm zur Zucht von Schlachtvieh untersucht; nachdem es sich er. wiesen hat, dass ein solcher Betrieb wirtschaftlich rentabel sein kann, wurde eine Farm im Lachisch-Distrikt auf einer Fläche von 16.000 Dunam errichtet. Die neue Gesellschaft hat diese Fläche für eine Dauer von 10 Jahren gepachtet. In der ersten Zeit soll der Viehstand 100 Stück betragen: im Laufe einiger Jahre hofft man zu einer Fleisch Produktion von 120 Tonnen jährlich zu gelangen. BAUMWOLLERNTE Die Baumwollsaison 1959— ' 1960 wird als sehr gut be- ) zeichnet, obwohl die Reife (der Baumwolle recht spät eingetreten ist. Man nimmt ¡an, dass die Ernte 6.000 Ton- I nen Baumwollfasern und j 12.000 Tonnen Samen ergej ben wird. Die Saatfläche betrug 71.000 Dunam, hiervon ¡65.000 unter künstlicher Bej Wässerung I DATTELPFLANZUNGEN IN SODOM i Im Rahmen einer vom Landwirtschafts _ Ministerieingeleiteten Aktion zur En tj wieklung der Aravasteppe sollen in Sodom 100 Dunam Dattelpalmen gepflanzt werden. Bis jetzt wurden 216 Dunam Dattelpflanzungen in; Elat und 42 Dunam in Sodom angelegt. | Die Erweiterung der Dati tclpflanzungen in Sodom ist möglich geworden, nachdem Untersuchungen des Bod:rs ur.d des Wassers ergeben haben. dass sich write Flächen in de’- Umgebung des Or'es für den Anbau von Datt. ln eignen. AUFLOESUNG VON MAABAROT 200 Familien von Neue'nwanderern, die sich gegenwärtig in vier Maabaro; :m Stadtgebiet von Akko be i-iden, übersiedelten vor t en Pessachfeiertagen in n: ue Wohnungen im Norden ter Stadt leistete. Wir wollen auel was aus der livgüdie Moses lernen, die auch Tragik Herzls war, min dass er das gelobte 1 von weitem sah, aber dass es ihm nicht verg war dorthin zu geia:; Die zionistische Bewe; 1 hat den grossen Vorzug, . gelobte Land schon in se : Anfängen zu sehen. I j sie die Kraft haben, Arbeit nicht in der I abzubrechen, sondern dem Wege bis zum End gehen, wenn er auch und schwierig ist, im chen Geiste der Barn zigkeit und typischen I näckigkeit, der es ihr möglicht hat, diese einz tige Aufgabe auf siel nehmen!