Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1776 (10.5.1960)
- Date
- 1960-05-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Martes, 10 de Mayo de 1960 LA SEMANA ISMAELITA Año XXI ■*- No. 1778 M«*1 Thomas Mann wollte Israel besuchen Mein Mann wollte immer Israel,besuchen, wo er so vie yon SCHALOM BEN-CHORIN le Freunde und Verehrer hatte, erklärte Frau Katja Mann, die Witwe des Dichters. die nun zum zweiten Mal im Lande Israel, aber freilich zum ersten Mal im Staate Israel zu Besuch weilte. Im Jahre 1930 waren Thomas Mann und seine Gattin schon einmal hier, aber damals erkrankte Frau Katja an einer Amöbenruhr, und sah infolgedessen eigentlich so gut wie nichts, sodass ihr praktisch heute der Vergleichsmasstab fehlt um Entwicklung und Fortschritt des-Landes zu beurteilen. Aber Thomas Mann sah damals genau das, was er sich in seiner exakten Phantasie vorgestellt hatte, als Hintergrund, als Folge seines biblischen Joseph - Romans. Damit ist das Stichwort gefallen, und wir kommen bald ins „schöne Gespräch“ über die gewaltige Bibel - Tetralogie des Meisters, die ihn im erzählenden Geiste so innig mit unserer Herkunft und damit wohl zugleich mit unserer Zukunft verbunden hat. „Haben Sie meinen Mann einmal vorlesen hören?“ fragt die Lebensgefährtin des Dichters. Ich kann bejahren: das erste Mal war’s im Auditorium Maximum der Uni- . versität München, wo Thomas Mann das Kapitel vom „Bunten Kleid* ‘ des Joseph- Knaben vorlas, das ihm der Vater Jakob zugeeignet hatte, so bilderreich und voll symbolischer Beziehungen. Thomas Mann, so meine ich, konnte damals (1929) wohl besser Hebräisch als ich, denn er las korrekt Joseph, mit Betonung auf der letzten Silbe, während ich heimatlich das „o“ breit und kehlig aussprach: „Jooseph“ Aber Frau Katja lächelt wissend: „Nein! Thomas Mann hat nie Hebräisch gelernt. Er drang intuitiv in den hebräischen Geist ein”. Frau Mann versichert mir, dass ihr Gatte eigentlich gar nicht so viel las, nicht so Viel gelehrte Studien trieb, wie man anzunehmen genötigt ist angesichts der stupenden Kenntnisse, die seilte Bibste#mane verraten. Er versenkte sich in die Welten und Zeiten, die es darzustellen galt, und mit der traumhaften Sicherheit des Genies traf er das Richtige, das gelehrter Fleiss in mühseliger Akribie erarbeitet. Es war mit den Hebräern nicht anders als mit den Indern. In späten Jahren schrieb Thomas Mann bekanntlich seine indische Legende „Die vertauschten Köpfe“. Indologen von Fach versicherten ihm, dass er in dieser krausen Mythenwelt durchaus zuhause und wissenschaftlich auf der Höhe war. Und dies meint Frau Katja lachend, eigentlich ohne alle Vorstudien, aus dem Sichversenken heraus, aus der Identifikation mit Stoff und Folie. Frau Mann ist momentan mit der Herausgabe von zwei Auswahlbänden aus der umfangreichen Korrespondenz ihres Gemahls beschäftigt. Briefe bis 1936; und dann, im zweiten Bande, Briefe aus der Emigration. Dazu habe ich nun einige wertvolle Stücke beizusteuern, Briefe, fein säuberlich mit der Hand des Meisters geschrieben. Bedeutsame Briefe, die Aufschluss geben über das Werk und den Weg des „baumeisterlichen Mannes“, um hier Goethes Bezeichnung für Aristoteles legitim zu wiederholen. Frau Katja liest die Briefe und genehmigt sie für den Auswahlband und das Archiv. Auch ein Brief ihres tragischen, so hoch begabten Sohnes Klaus Mann ist darunter... die Mutter lobt den hübschen Stil des Briefes, seine eingehende, menschlich aufgeschlossene Art. Das Geheimnis der kalligraphischen Schönheit der Briefe Thomas Manns lag darin, dass er sich in den Jahren der Emigration angewöhnt hatte, lateinische Buchstaben zu benutzen, während er ursprünglich — fürs Manuskript bis zuletzt — die gotischen Lettern beibehielt, die kindvertrauten. Nun, gothisch hastete die Hand oft flüchtig übers Papier, aber lateinisch blieb sie bewusst und korrekt, und so kamen diese graphisch schönen Briefe zustande. Frau Katja kommt ins Erzählen: der letzte unausgeführte Plan' ihres Mannes war ein Theaterstück „Die Hochzeit des Mönchs“, ein Luther-Drama. Seit früher Jugend hatte sich Thomas Mann eigentlich nicht mehr als Dramatiker versucht, obwohl Reinhardt drängte: diese Lesung auf Grammophonplatten auf sodass auch LITERATUR MAlMONIDES « W04 »ftvC«d«nkbugh % 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES OURRUCKAGA EMS — T. E. 7L6708 a« beziehet] durch all« einschlägigen Buchhandlungen und durch di« JUKDISCHE WOCHENSCHAU PVXYStREDON 11N 1* — T. X. S9-M19 „Schreiben Sie mir ein Stück. Es braucht gar keinen Inhalt zu haben... wenn es nur von Ihnen ist“. Verlokkend — in der Tat, aber Thomas Mann war so zutiefst Epiker, dass er der Bühne ein Leben lang entsagte. Und nun wollte der über Achtzigjährige fürs Theater schreiben. Vierzig Notiz-Zettel nahm er mit auf die letzte Reise an die geliebte Nordsee und wollte ans Schaffen gehen. Aber die Beintrombose liess es nicht mehr zu. Der Tod hatte bereits seine Visite angesagt. .. „Wenn ich nicht mehr arbeiten könnte, möchte ich nicht mehr leben...hatte Thomas Mann seiner Frau anvertraut. Das Schicksal meinte es gut mit dem Schriftsteller. Er arbeitete bis zuletzt. Dann kam ein sanftes Ende nach erfüllten Tagen. Kurz vor seinem Tode hatte der Hamburger Rundfunk den Dichter eingeladen, seine berühmte Novelle „Tonio Kröger“ für zwei Radiosendungen zu lesen. In seinem Arbeitszimmer in Kilchberg bei Zürich las der greise Autor sein Jugendwerk — in vierstündiger Rezitation, ohne sich auch nur einmal zu versprechen. Und nun nimmt der S. Fischer-Verlag vom Tonband wir hier wohl demnächst die Freude haben werden, diese Stimme wieder zu hören. die so vertraute, die „Achtung Europa!“ in den Kriegsjahren gerufen hatte, die Stimme der Humanität und der wahren Demokratie, die sich mit dem „Adel“ in ihm verband. Frau Thomas Mann ist erfreut, da ich ihr mitteilte, dass wir hier in Veranstaltungen des „Irgun Olej Merkas Europa” Thomas Manns Lesung aus dem „Krull ‘ begeistert gehört haben. Es gäbe noch so vieles zu berichten und zu erzählen, aber ein Hotelpage des „King David“ an „Krull“, erinn'ernd, steuerte quer durch die Halle auf uns zu, um Frau Thomas Mann zu einer Fahrt abzurufen, die das israelische Aussenministerium für sie und ihren Zwillingsbruder, den Dirigenten aus Tokio, Prof. Pringsheim, arrangiert, um den Gästen einen Kibbuz zu zeigen. Die alte Dame geht jugendlich-behend zum Auto, das sie in die Bereiche des neuen Israel entführt: Europa in seiner reinsten Repräsentation stattet uns einen Besuch ab — und fühlt sich eigentlich zuhause in „reinem Ostend *, um es goethischwestöstlich zu sagen. MUSIK TN BUENOS AIRES COLON-SPIELZEIT 1960 Im Rathaus fand eine Pressekonferenz statt, in deren Verlauf der städtische Kultursekretär und der Generaldirektor des Teatro Colón Details der diesjährigen Saison gaben, die unter dem festlichen Eindruck des argentinischen iubiläumsj ähre s stehen soll, sofern, wie es lakonisch hiess, „die bei der .Comisión Nacional Ejecutiva’ unternommenen Schritte keine unvorhergesehenen Störungen erleiden sollten.” Die Opernspielzeit wird den Maskenball, Traviata, Macht des Schicksals (Verdi), La Boheme (Puccini), Andrea Chenier (Giordano), La Gioconda (Poncielli), Cosí Fan Tutte (Mozart), Tannhäuser und Walküre (Wagner), Die Liebe zu den drei Orangen (Prokofieff) und Hoffmanns Erzählungen (Offenbach) bringen. Ein besonderes Ereignis wird die argentinische Erstaufführung von Juan José Castros „Prosperina y el Extranjero” bedeuten, die der Komponist seinerzeit im Exil an der Mailänder Scala uraufgeführt hatte. Das zur Zeit gastierende „Ballett Internacional del Marqués de Cuevas”, das „London’s Festival Ballett” und das „Ballet Nacional Chileno“ werden zusammen mit Symphoniekonzerten des Philharmonischen und des Colón-Orchesters die Saison vervollständigen, letzteres mit einer Gustav Mahler-Feier. Von den vielen guten und international bekannten Sängern seien nur einige genannt, zum Teil neu für uns: Gre Brouwenstijn, Marta Modi, Antonietta Stella, Grace Hoffmann, Hans Beirer, Giuseppe Campora, Leopoldo Simoneau, Hans Hotter, Mario Serení, Arnold Van Mili und Otto von Rohr. Als Regisseure werden Tito Capobianco, Otto Erhardt und Ernst Poettgen ihres Amtes walten, während das Dirigentenpult u. a. von Ferruccio Calusio, Carlos F. Cillario, Ferdinand Leitner, Fernando Previtaliz und Roberto Kinsky betreut werden wird. c-n Teatro Colón Theodor Herzl als Martes 10, a las 21.30 hs.: Quinta y última de Gran Abono (Serie “A“) “Ballet Internacional del Marqués de Cuevas”: “Diagramme“, “Duetto“, “Giselle“. Orquesta Filarmónica de Bs. As. Director: Jean Doussard. Sobrantes de abono en venta. Miércoles 11, a las 18 Quinta y última de abono vespertino (Serie “B”. “Ballet Internacional del Marqués de Cuevas”: “Diagramme”, “Giselle”, “Rondo Caprichoso”. Orq. Filarmónica de Bs. As. Director: Jean Doussard. Miércoles 11. — Apertura de Abono a 20 Conciertos Nocturnos en días lunes. Orquesta Sinfónica Nacional. Platea y Platea Balcón 1.000 pesos, delantera de paraíso $ 240. Seit eh und je haben die Menschen sich nach einer besseren Welt, nach einer besseren Zeit gesehnt. Sie suchten das Land de's Gliikkes abwechselnd in der fernen Vergangenheit und in der fernen Zukunft, oder auch in örtlicher Ferne auf anderen Erdteilen, entlegenen Inseln, in der von der „zivilisierten Menschheit” noch unverdorbenen Einsamkeit der freien Natur. So einen Mann schildert Herzl in „Altneuland”. Mr. Kingscourt erklärt dem jungen Dr. Löwenberg: „Nichts mehr wissen von den Menschen, ihren elenden Kämpfen, Unsauberkeiten Treulosigkeiten. Die wirkliche, echte, tiefe Einsamkeit ohne Wunsch und Ringen, Die volle, wahre Rückkehr zur Natur! Diese Einsamkeit ist das Paradies, das die Menschen durch ihre Schuld verloren haben.” Alles Glück ist relativ, anscheinend nicht nur das auf der Südsee-Insel Mr. Kingscourts, der eben doch nur zwanzig Jahre lang in seiner paradiesischen Abgeschiedenheit aushielt, sondern auch das Glück der Zukunft und der Vergangenheit. Herzl schildert in seinem utopischen Roman den gewordenen Judenstaat, wie er, rein äusserlich, mit seinen Städten und Feldern, seinen Strassen und seiner Betriebsamkeit heute wirklich nicht viel anders aussieht. Und doch ist der Unterschied so gross, wie eben die Kluft zwischen Utopie und Wirklichkeit sein muss. Es ist eben eine andere Zeit, in der wir leben, als sich selbst Herzls lebhafte Phantasie vorstellen konnte. Nicht nur, dass die Menschen mit ihren Unzulänglichkeiten, Fehlern, ihrer Bosheit und ihrem Eigennutz sich in ihrem Charakter nicht gewandelt haben, sondern zwischen Herzls Zeit und unserer liegt überdies auch noch das Grauen des Einbruchs der Hölle in Europa, das noch lange nachwirken wird. Uns erscheint heute die Zeit und die Atmosphäre, in der Herzl lebte in mancher Hinsicht so schön und ruhig, dass wir mitunter in Versuchung geraten, uns nach ihr zurii ckzusehnen. Selbst die ärgsten Erlebnisse dieses zartfiihier den Menschen, die Judc-ndiskriminierung, wie sie im Juden-Paragraphen der akademischen deutschen Verbindung „Albia” in Wien und dann gar in der Dreyfus-Affäre zum Ausdruck kam, bildeten noch eine Idylle gegen die schrecklichen Erlebnisse unserer Generation mit Massenmord in Gaskammern. Das konnte sich der Humanist Herzl selbst in seinen Albträumen nicht vorstellen. Die Judennot, die ihn be- Israel - Marken tu grösster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTENNUM- MER — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) — VOLL. STAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN - ERSTE SERIE VORHANDEN - VERTRAUENSWUERDIGE BERATUNG Alfons« MORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 «eg. CABILDO von ME IR PAEKBER» Te drängte, war weit weniger teuflischer Natur. Herzls seelische Not bestand darin, dass ihm in seinem Gefühl als Jude im Alltag des Lebens, im geschäftigen Getriebe, die andere, die höhere Seele fehlte. Sie fand er in seiner grossen Sendung. „Der Zionismus war der Sabbat meines Lebens”, notierte er in seinen Tagebüchern. Der Zionismus, dessen Erfüllung Herzl so klar vorhersah, vermittelte ihm das innere Glückgefühl hoher, historischer Leistung, wenn auch das ermüdende Tagewerk zermürbend wirkte und er sich oft darüber unglücklich fühlte, dass er — in Sehnsucht und Streben und Ungeduld seiner Zeit weit voraus — der Hindernisse nicht Herr werden konnte. Immer wieder aber, und besonders zu Beginn seines Weges als Politiker, bekennt er, dass er sich im Rausche der Arbeit für sein schwergeprüftes Volk glücklich gefühlt hat. „Es sieht aus wie ein mächtiger Traum... und berauscht mich”, schreibt er 1895 in „Der Judensache erstes Buch”. Die Zeit, aus aer Herzl emporgewachsen ist und zu einer historischen Gestalt wurde, war abgesehen von der Jüdenfrage, mit er sich ja erst nach einigen ruhigeren Jahren entscheidend konfrontiert fühlte, eine idyllische Zeit. Sie kommt in seinen Tagebüchern, in seinen zionistischen Reden, in „Altneuland” nur aus grosser Distanz noch hie und da zu einem Niederschlag . und klingt nur noch wie ein fernes Echo nach. Die Zeit seiner frühen Mannesjahre, da er schränkt ab „er Schrat Kennen »'ir « '' ,-A ei»er *lu¿ Stimmung «u Ich hätte ke‘ etwas zu p* Er tri Leser, nen. treuen _ ihm gesprach «• „Warum keine Theate) heisst es: £ ich hatte dai Die nächst' Weges zum war der Bes lerdirektors äaktionszimn her entscbiec den Weg vffl Autor. Ents« ein anderer i „Da rauscl ges seidig in tionsstube b umfing der i ter Blüten. 1 taister und gingen von weiblichen 1 ich in mein schwiegen g war Fräul langjährige Stadttheater: mehr, was s langte... J sn fortzugf mich mit Stimme: „Warum s Theaterstücl Wer ein hat, wird be rch nicht konnte.'' Herzl selb seinen ers nicht viel ge ^IMPORTADORES -EXPORT Reserve bot nismo UN EJEMPLAR DEL Bottin International ANUARIO DEL COMERCIO EXI Contiene las direcciones de todos los y exportadorec-s de todo el mundo. —Indice de Rúbricas en fasces, Inglá Alemán. _El MUNDO por PROFES.QNES, —El MUNDO POR ESTADOS, »br» , mapas y planos, etc. á PRECIO Ï 15 Dólares Pidtó. « LAVALLE 930 te 3. buenos^*) JORGE GUETAt^ 0