Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1776 (10.5.1960)
- Date
- 1960-05-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Maries, 10 de Mayo de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 17/6 Wüstensöhne im modernen Staat von HERBERT FREEDEN (Jerusalem) Warum haben Israels Beduinen heute doppelt so viele Kamele — 12.000. — wie vor .zehn Jahren, obwohl keine Einfuhr dieser Tiere elattfindet? Wenn man dazu in Betracht zieht, dass ein grosser Teil der Kamele als Bind- oder Kalbfleisch — je nach dem Alter — auf den Markt gebracht worden sind, auf dem jedes Fleisch überhöhte Preise erzielt dann gibt es nur eine Erklärung: 55.000 Kamele und eine ähnliche Zahl von Schafen sind Jn den vergangenen Jahren von den Beduinen nach Israel geschmuggelt worden. Schmuggel gilt bei ihnen als ehrenwerte und männliche Beschäftigung, und keineswegs nur der von Tieren: Taschenradios und Füllfederhalter, Rasierklingen und andere leicht versteckbare Artikel sind ebenso gefragt' wie Waffen und Rauschgifte, die sie, in einen schwunghaften Handel zwischen Aegypten und Transjordanien, durch den Negew, Israels südliche Wüste, transportieren. Auf ca. 111 Quadratkilometern im Negew — d. i. einem Fünftel von Israels Staatsgebiet — leben an die 15.000 Beduinen, Angehörige von 19 Stämmen, deren Zentrum jenseits der Grenzen liegt. Im israelischen Unabhängigkeitskrieg sind diese Beduinen, aus einer Anzahl von 60.000 im Negew verblieben und somit von ihrem Klan abgeschnitten worden. Die Bande der Blutsverwandtschaft jedoch dürften stärker sein als die ■Loyalität zum jüdischen Staat, und sie haben ihren nunmehr illegalen Kontakt mit ihren Stammesbrüdern in Aegypten und Transjordanien niemals wirklich aufgegeben. Die nomadischen Stämme in Israel haben andere Probleme als die Beduinen in arabischen Ländern, in denen sie mit der. Mehrzahl der Bevölkerung eine mehr oder weniger homogene Einheit bilden: im jüdischen Staat wird die Primitivität dieser Wüstensöhne immer wieder von der Modernität des Gesellschaftswesens auf die Probe gestellt und diese Begegnung ist trotz der jahrhundertealten Beduinen-Ueberlieferung nicht ohne Ergebnis geblieben. Die Landwirtschaft der Beduinen beschränkt sich zwar noch auf den dürftigen Anbau von Weizen und Gemüse für den Zum Schutz der Landesindustrie Jerusalem. — Eine Liste von Waren, die ab 1. Juli einer 25prozentigen Einfuhrsteuer unterliegen, wurde jetzt bekanntgegeben. Durch diesen Aufschlag soll die heimische Industrie geschützt werden, wie Artikel für Küche und Heizung, W aschmaschinen, Eisschränke, elektrische Apparate usw. Eine Steuer von 15 Prozent wird für Druckerei- und Nähmaschinen sowie für plastische Waren zu zahlen sein. (ITA) Friedhof geschändet Assenheim (Kreis Friedberg) — Auf dem jüdischen Friedhof von Assenheim im Kreis Friedberg sind kürzlich in der Nacht 28 Grabsteine urogestürat worden. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Der Friedhof war erst im vergangenen Jahr neu hergerichtet worden. (AWZ) Eigenbedarf und wird traditionsgemäss von den Fl auen versorgt, da die Männer solche Arbeit unter ihrer Würde finden. Aber etwras Neues ist hinzugetreten, das dieses Bild erschüttert: die Mechanisierung der Bodenbestellung in Israel. Junge Beduinen, die eben noch Kamele geritten haben, sind kindlich stolz darauf, einen Traktor zu bedienen, und der geduldigen Arbeit der Behörden Auch hier bröckelt es im a;- ten Gefüge: die Zahl der freiwilligen „Entführungen” mehrt sich, die bereits ein Zeichen der kommenden Emanzipation sind. Wenn ein Mädchen von ei.iem Manu entführt wird, gio+ nämlich in den meisten Fällen der Vater nachträglich seinen Segen und solche „Entführungen” mit Hufe der betreffenden Mädchen dienen dazu das Einver- Erklaerungen Dr. Goldmanns Jerusalem. — Dr. Nachum Goldmann erklärte in einer Pressekonferenz, die jüdischen Organisationen in den USA, Südamerika, Europa und Südafrika würden eingeladen werden, zum kommenden Kongress, dessen Abhaltung für Ende des Jahres geplant ist, Delegationen zu entsenden. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation versicherte, diese Delegationen würden an den Diskussionen und Kommissionen teilnehmen, doch keine Stimme haben. Dieses Projekt solle dem Zionismus „ein neues Gesicht” geben und stelle eine vorläufige Massnahme dar, um den Organisationen die Möglichkeit zum Anschluss an die Z.W.O. zu bieten. Hierdurch könne die Mitgliederzahl der Bewegung um eine Million erhöht wTerden. Er äusserte, die zionistische Bewegung müsse als eine Organisation betrachtet werden, die den grössten Teil des jüdischen Volkes vereinige, und aus diesem Grunde habe er die israelische Regierung um ihre Unterstützung ersucht. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, so kündigte er an, würden sieh am 26. Mai mit der israelischen Regierung und den Führern der Parteien zusammenfinden, um einen Plan zur Engergestaltung der Beziehungen aufzustellen. Goldmann fügte hinzu, die Mitarbeit der Regierung Israels sei dazu angetan, der Bewegung einen ungeheuren Aufschwung zu verleihen, was „unerlässlich” sei, um die Z.W.O. instand zu setzen, das jüdische Volk um den Staat Israel zu sammeln. (ITA) ist es sogar gelungen, eine landwirtschaftliche Kooperative von jungen Beduinen zu bilden. Der Reichtum der Beduinen wird nach der Grösse ihrer Herden gemessen — Schafe, Ziegen, Pferde und Kaimele, die ihnen Fleisch, Milch, Käse und die Häute für die Zelte liefern und als Beförderungsmittel dienen. Da ein Kamel in Israel über 300 Dollar und ein Schaf ca. 40 Dollar kosten, sind die Beduinen in den letzten Jahren zu einem Wohlstand von einigen Millionen Dollar gelangt. Ihr Geld geben sie kaum aus — es sei denn für Waffen. Nur die Scheichs haben bereits Geschmack an den Produkten der westlichen Zivilisation gefunden, und obwohl sie nach wie vor in ihren schwarzen Zelten hausen, sind Radioapparate und Autos zu Symbolen von Macht und Reichtum geworden. Aires in allem bebauen die Beduinen im Negew ca. 40.000 Hektar Boden. Das Land, das weder registriert noch vermessen ist, wurde früher vom Scheich an die Mitglieder seines Stammes vergeben; heute werden die Ländereien direkt von der Regierung an die individuellen Familien verpachtet, was zum Niedergang im Status des Scheichs beigetragen hat. Er ist zwar noch der Mittelsmann in allen Fragen zwischen der Regierung und seinem Stamm, und es bestehen Stammesgerichtshüfe, die aus neun einflussreichen Scheichs zusammengesetzt sind und vom Staat anerkannt werden. Aber die Beduinen können sich auch an ein Zivilgericht wenden, und mehr und mehr bringen sie ihre Angelegenheiten vor die staatlichen Richter, weil die Scheichs oft ihre Macht missbraucht haben. Die Frauen werden immer noch von den Männern unterjocht und von ihren Vätern m die Elle verkauft. ständnis des Vaters zu erzwingen. Selbst in der traditionellen Klei Jung ist c-me Neuerung eing^treten: man trägt Schuhe. Die Durcnführung des staatlichen Schulzwangs ist allerdings auf grosse Schwierigkeiten gestosser., weil es Mädchen verboten ist, zm Schale zu gehen und die Jungens als Schäfer ihren Vätern helfen müssen Trotz aller Anstrengungen nehmen nur 6 Prozent der Beduinenkinder am Unterricht teil. Die nomadischen Bedingungen sind ein weiteres Hindernis, da nur wenu;e Leh rer gewillt sind, mit den Stämmen heruraz-uwandern, zumal sie meistens aus städtischen arabischen Kreisen kommen. Reiche Scheichs schicken jedoch ihre Kinder bereits in die höheren Schulen in den Städten Der grösste Erfolg Israels, die Beduinen von den Vorteilen westlicher Zivilisation j ’j1e~ für ihre Freundschafts zu überzeugen, liegt zweifei- | bezeugungenj die die schönlos auf dem Gebiet der Meg^e j^rönung einer vieljähri- JUBILAEUM JUEDISCHEN WOCHENSCHAU Mit bestem Dank wir eine grosse Anzahl von Zuschriften aus unserem Leser- und Freundeskreis aus Anlass unseres 20jährigen Jubiläums erhalten. Einige von diesen Schreiben werden wir in dieser und den nachhaben selbst das Bedürfnis empim-!den, ihrer Verbundenheit mit uns Ausdruck zu geben. Wir haben niemanden besonders eingeiaden also auch niemanden vergessen ... Nur einige zentrale und auch zentraleuropäische Ordizin. Während noch vor zehn Jahren die Wüstensöhne sich von Derwischen „kurieren” liessen, haben heute die fünf staatlichen Kliniken in den Beduinen Zentren alle Hände voll zu tun. Patienten, die sich weigern, in eine Klinik zu gehen, werden von jüdischen Doktoren in Begleitung von als Schwestern ausgebildeten Beduinenmädchen besucht. Auf diese Weise ist die Tuberkulosis, die unter den Beduinen besonders grassierte und viele Todesopfer forderte, bedeutend zurückgegangen. Im vergangenen Jahr sind zum ersten Mal Beduinenkinder mit dem Salk-Serum gegen Polio geimpft worden — und die Tatsache, dass sich 50 Prozent der Eltern dazu bereit erklärt „ haben, deutet bereits auf eine Art Revolution im Denken hin. Die israelischen Behörden wollen den Lebensstandard der Beduinen heben. Dazu gehört die Entwicklung der Wasservorkommen im Negew einerseits und andererseits die Ueberwindung der Vorurteile, die sich aus der uralten Beduinentradition ergeben. Das erste Problem hofft man in vier Jahren lösen zu können, denn bis dahin will man die Wasser des Jarkonflusses vom Norden des Landes in. die wasserlose Wüste des Südens pumpen und damit den wirtschaftlichen Ursachen der Nomaden-Existenz ein Ende machen. Ob die Beduinen dann wirklich sich in Dörfern ansiedeln und sesshaft werden, hängt von ihrer Mentalität ab, und hier wird sich zeigen, was stärker ist — Stammesüberlieferung oder technischer Fortschritt. gen und durchaus nicht immer erfreulichen Arbeit darstellen. Die Jüdische Wochenschau wird am Donnerstag, den 19. Mai, von 18 bis 21 Uhr einen Cocktail veranstalten, der in ihren Räumen stattfinden wird. Wir haben davon Abstand genommen, besondere Einladungen an einzelne Leser oder Freunde ergehen zu lassen, weil wir alle die zu begrüssen wünschen, die sten Ausgaben der Zeitung. J ganisationen und unsere i veröffentlichen. Wir danken treuen Mitarbeiter haben wir besonders aufgefordert. Wir wiederholen auf diesem Wege die Einladung und freuen uns, alle begrüssen zu können, die sich 'mit unserer journalistischen Arbeit und unserem Kampf um die Rechte des jüdischen Volkes solidarisch fühlen. Heute veröffentlichen wir als ersten „Beitrag” zum Jubiläum den Briet, den wir von der Exekutive des .Jüdischen Weltkongresses (Bitz Buenos Aires) erhalten haben: Buenos Aires, 27—4--.g0 JUEDISCHER WELTKONGRESS Südamerikanische Executive Herrn Doktor Hardi Swarsensky, Direktor der Jüdischen Wochenschau Geschätzter Freund! Wir wollen anläslich des 20. Jubiläums des Epsoheiiiens der Jüdischen Vocheiischau, die Sie in unisnuiu'^er Weise herausgeben, Ihnen und Ihren Mitarbeitern unseren herzlichen Gruss zu diesem besonderen Ereignis übermitteln und unsere herzlichsten Glückwünsche im Namen des südamerikanischen Zweiges der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses zum Ausdruck bringen. Die Jüdische Wochenschau, das Sprachrohr der jüdischen Kollektivität deutscher Sprache, hat in allen dieson Jahren in würdiger Form den berechtigten Interessen des jüdischen Volkes gedient. Und Sie haben es verstanden, Ihrer Zeitung den Stempel Ihrer Persönlichkeit aufzudrükken und sie mit der Vortrefflichkeit zu leiten, die einem Presseorgan ihres Gewichtes und ihres Einflusses entspricht, so dass diese Zeitung stets ein kulturelles uncl erzieherisches Element inmitten unserer ganzen Gemeinschaft gewesen ist. Es ist uns eine besondere Genugtuung, die ehrliche, beredte und wertvolle Mitarbeit hervorzuheben, die die Jüdische Wochenschau seit dem ersten Augenblick dem Werk geliehen hat, das der Jüdische Weitkongress in der ganzen Welt zugunsten der Einheit des jüdischen Volkes entwickelt. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Zeitung noch viele Jahre des Lebens im Dienste unserer Kollektivität und unseres Volkes. Empfangen Sie unsere besten Wünsche für das Gedeihen Ihrer Zeitung und Ihr persönliches Wohlergehen. Wir begriissen Sie mit unserem herzlichsten Schalom. MARC TU RICO W Sekretär Dr. MOISES GOLDMAN Präsident j.Uinniiiiiiiiiinniiiiiiiniiiiiiimmmiiiiiiiiiiniiiiiniinniin)iiiimiiiiiiiiiiiiiiiiii»inmimnniKiiuMiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiniiim,t 0 Jahre Jahre Aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums der Jüdischen Wochenschau veranstalten wir in unseren Räumen, Pueyrredön 2190, l9 izq. am DONNERSTAG, DEN 19. MAI, VON 18 BIS 21 UHR einen COCKTAIL, zu dem wir unsere Leser und Mitarbeiter hiermit herz, lieh einladen. Jeder, der »ich mit der Zeitung verbunden fühlt, ist willkommen. s ininlnniniiHMinniiuimimDiiiiinuimnuuliiHimniHmmHlmmoHiHtihfttHhOIHuttuOOttriWHHWffHffttiiyiiififHimTif 0002020202020100020200010100010201000001000202020253484823010226484823