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Jüdische Wochenschau · 1960-04-29 · 1773 (29.4.1960) · p. Seite 12

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1773 (29.4.1960)
Date
1960-04-29
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German, Spanish
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12 — Viernes, 29 de Abril de 1960 JtBlSCHE WOCHENSCHAU Año XXI. — No. 1773 PUEYRREDON 21901. St. Heñí ♦ * T.E. 83-2613 In das Jahr I960 fällt; neuland“ ins Hebräische zu nicht nur der 100. Geburtsj übersetzen. Dies und die tag Theodor Herzls, des | Frage der Verbreitung des ersten Präsidenten der Zioj Romans unter den Juden nistischen Weltorganisation sondern auch der 100. Geburtstag von Nahum Sokolow, einem Pionier der hebäischen Presse und dem fünften Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation. Als Herzl erstmalig im Jahre 1896 in der jüdischen Oeffentlichkeit erschien, nach Veröffentlichung seines Buches ..Der Judenstaat“. war Sokolow bereits eine bekannte Erscheinung in den Chowewe-Zion und jüdischen intellektuellen Kreisen. Die „Hatzefirah“ in Warschau, welche er seit Mitte der 1880er Jahre redigierte, diente als Sprachrohr für seine Ideen in allen Sphären jüdischen Lebens, Literatur, Beziehungen zu den öffentlichen Behörden oder zu der nationalen Auferstehungsbewegung, welche zu jener Zeit entstand. Man muss sich vor Augen halten, dass Sokolow selbst fast alle Spalten seiner Zeitung selbst schrieb. Russlands nahm in ihrer Korrespondenz während der Jahre 1902/3 einen zentralen Platz ein. (Dieser Briefwechsel ist im Zionistischen Zentralarchiv aufbewahrt). Herzl sah seinen Roman .,Altneuland“ als die Verkörperung seines zionistischen Planes ap. und wünschte, dass die Veröffentlichung des Buches ein hervorstechendes Ereignis in der zionistischen Bewegung als Ganzes bilden würde. Er wollte, dass der Inhalt des Romans zum integralen Bestandteil des Wissens eines jeden Zionisten würde. Selbst bevor er ihn beendete — das Verfassen dieses Romans zog sich über drei Jahre hin — plante er die ¡len. Veröffentlichung in mehreren anderen Sprachen, sodass das Buch Lesern in verschiedenen 'Ländern zur gleichen Zeit zugänglich wäre. dein im Jahre 1901, sprach Herzl zu Sokolow über das Buch, und Sokolow übernahm anscheinend gern die Uebersetzung ins Hebräische. In einem Brief an Sokolow vom 22. 1. 1902 schrieb Herzl in Erwiderung einer Anfrage Sokolows, dass er auf die Frage der Uebersetzung zurückkommen würde, sobald die Zeit dazu reif sei. Am 29. 4., eine Woche, bevor Herzl den Roman beendete, schreibt er tatsächlich an Sokolow: „Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, wurde in Basel Ihnen der Auftrag gegeben, die Sache zu leiten, und es wäre selbstverständlich in meinem künstlerischen Interesse gelegen, dass die Uebersetzung ins Hebräische von einem solchen Meister besorgt wird, wie Sie einer sein sol- Meine Unwissenheit (des Hebräischen) verhindert mich, das aus eigenem Urteil zu sagen.” HERZLS „ALTNEULAND“ SCHARFE GEGNER HERZLS Sokolow gehörte zunächst nicht zu Herzls Anhängern; im Gegenteil, er war unter seinen scharfen Gegnern. Das kann aus seinen sarkastischen Artikeln in „Hatzefirah“ entnommen werden — bis nach dem Ersten Zionistenkongress. Sokolow, der Pinskers „Autoemanzipation'’ scharf kritisiert hatte, glaubte nicht an die „wunderbaren Gerüchte über die Errichtung eines jüdischen Staates, der dem Gehirn Dr. Herzl’s entsprang." Als Herzl mit seiner eigentlichen Arbeit in dieser Sache begann, schlug Sokolow vor, sich mit seinen Prophezeiungen in Grenzen zu halten, oder „Hatzefirah“ würde genötigt sein, „zu veröffentlichen dass das, was dieser ehrenwerte Träumer proklamierte, die Vision seines eigenen Herzens war und nicht die des Volkes.“ .. :kws Teilnahme am Ersten Zionistenkongress bewirkte eine Abkehr von seinem bisherigen Standpunkte. Herzl hatte Sokolow auf Anregung Dr. David Farbsteins, eines der Hauptassistenten Herzls bei der Organisierung des Ersten Zionistenkongresses eingeladcn. Es bedurfte keiner grossen Anstrengungen Herzls, um Sokolow zu' gewinnen. Herzls Persönlichkeit und die Atmosphäre des Kongresses erwiesen sich genügend stark, um eine Aenderung in Sokolows Haltung zu bewirken. Und so entstand eine Beziehung gegenseitigen Respektes und Bewunderung zwischen So koiow und Herzl, die bis zu Herzls Tode dauerte. Die nahe Beziehung zwischen diesen beiden Persönlichkeiten entwickelte sich als Sokolow es übernahm, Herzls Zukunftsroman „Alt- Herzl begann mit dem Schreiben des Romans am 8. 10. 1899 und beendete ihn am 30. 4. 1902. Während eines der Kongresse, wohl Im gleichen Brief schreibt er: „Ich hoffe, dass diese meine Publikation durch die Diskussion die sie hervorrufen dürfte, für unsere Sache eine bedeutende Propaganda ergeben wird." In einem anderen Brief drückte Herzl wieder einmal sein Vertrauen in Sokolow als hervorra- GOLDMANN UEBER HERZL gendeu Schriftsteller aus. und hier, überraschenderweise, spricht Herzl über die Zukunft der hebräischen Sprache: „Ich weiss die Ehre wohl zu schätzen, die Sic mir erweisen, in dem Sie sich der Uebersetzung annehmen, und Sie werden auch begreifen dass ich gerade die hebräische Uebersetzung, die ja für die Zukunft einige Bedeutung haben soll, nur gerne in Ihren Händen sehe/’ SOKOLOW UEBERNAHM DIE VEROEFFENTLI. CHUNG DES WE .KS Neben der Uebersetzung wurde Sokolow auch mit der Veröffentlichung des Busses in russisch und jiödisch\beauftragt. Herzl beabsichtigte, einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Buches der Zionistischen Organisation in Russland zur Verfügung zu stellen. Er gab Sokolow genaue Anweisungen hinsichtlich der Veröffentlichung und scheint sich sehr darüber zu erregen, wenn die Dinge anders verliefen wie er sie vorausgesehen hätte: „Dieses Werk hat mich eine ungeheure Geduld und Arbeit gekostet, und ich möchte dass es nicht als momenta- (Schluss von Seite 7) mich noch an das Schluchzen meiner Mutter, als sic die Nachricht von seinem Ableben erfuhr, trotzdem sie ihn nie gesehen hatte. Herzl gab dem Judentum eine Gelegenheit für psychologische Entspannung. Die Juden hatten grosse Sprecher vor ihm, Männer wie Moses Montefiore und Baron Ginzburg, sogenannte „Stadtlanim“, einflussreiche, angesehene aufrichtige Menschen welche ihre Verbindungen mit hochgestellten Männern benutzten, um die Not ihrer Brüder zu lindern. Mit untrüglichem Instinkt fühlten die jüdischen Massen irgendwie, dass diese Elemente, obwohl sie zugunsten der Juden sprachen, doch nicht wirklich im Namen der Juden auftraten. Herzl mit seiner Haltung stolz und zuversichtlich, auch in der Gegenwart von Herschern, gab dem jüdischen Volke Selbstvertrauen etwas, das sogar den emanzipierten Juden Mittel- und Westeuropas fehlte. Genau ¡so wie sein Verhalten den Juden der Zukunft vorwegnahm, nahm das Verhalten der Massen, welche ihm; folgten, das zukünftige Bild des jüdischen Volkes vorweg. Ein Volk formt seine Führer, Es ist nicht immer so, dass ein Führer sein Volk formt. Das jüdische Volk, als politische Einheit als militante Gemeinschaft, reagierend, verlangend, fordernd, existierte nicht vor Herzl. Er sah den Judenstaaat voraus, aber er schaffte und formte das jüdische Volk. Ein Führer braucht, um sein Schicksal zu erfüllen, nicht mehr zu erreichen als seinem Volk sein Vo’kstum und seine Fähigkeit, gemeinsam zu handeln, zum Bewusstsein zu bringen. So sehen wir Herzl aus der Perspektive eines halben Jahrhunderts. Posthume Urteile können nur die Einstellung seiner Beurteler zu ihm zum Ausdruck zu bringen. Sie können nicht dem Manne etwas zufügen oder wegenhmen, der nicht mehr unter uns weilt, denn er befindet sich jenseits von Korrekturen. ner Modeartikel vom Eigennutz der Verleger behandelt wird, sondern dauernd die Aufmerksamkeit wenigstens der ernsteren Leser bewahre, auch wenn es aus Agita- Itionsgründen zunächst in iuiiimmuimiiniiinimminmiiiniiimHmumm»i>i»nmi8»iiim!immiU»itHinmnimniinnnmninimminini»imnu»l: Form eines Unterhaltungsbuches auftritt. Sie werden mir diese Sorge um me n Buch, in das ich so viel von meiner Lebensarbeit hinein, gesteckt habe, nachfühlen.” DER HEBRAEISCHE TITEL THG GEMEINSAME FEIER DES JOM HAAZMAUTH Donnerstag, den 5. Mai 1960, nm 20 Uhr 30 in den Salons der OSFA, Larrea 1225 KUENSTLERISCHE DARBIETUNGEN Rezitationen: G e s a n g ZALMAN HIRSCHFELD GENIA RABINOWICH Ansprache: Dr. Hardi Swarsensky Eintritt nur gegen Karten, die beim Vorstand der THG (auch telefonisch unter 83-2613) und bei den Damen der WIZO erhältlich sind. COCTA IL Pünktliches Erscheinen erberen Der Roman erschien in Serienform 1902 in Hebräisch und Jiddisch, sogar vor der Veröffentlichung der deutschen Originalausgabe (Oktober 1902). Der hebräische Titel für „Altneuland”, den Sokolow ihm gab, ist von Interesse. Er fand es schwierig, den langen Na- i men zu übersetzen und sah schliesslich die Lösung in „Tel Aviv”, ein Name von historischer und symbolischer Bedeutung. „Es wird Sie vielleicht obwohl Sie kein Hebraist sind, interes. sieren zu erfahren, dass die grösste Schwierigkeit (beim Uebersetzen) der Titel bot. Ein dreigliedriges Compositum, wie es in der deutschen Sprache leicht gemacht wird, gfeht im Hebräischen nicht zu machen, und drei lange Worte wären unschicklich und klanglos, umsomehr da die hebräische Sprache sonst knapper und sinntiefer ist als die deutsche. Es gelang mir aber, einen Titel zu fin. den, von dem ich ganz entzückt bin, da er ebenso kurz (3 Silben) wie der deutsche ist und mehr Sinn, wenig, stens mehr historisch-symbolischen Sinn hat. Der hebräische Titel lautet „Tel Aviv”. Es ist dies ein bibli. scher Ortsname, besitzt des. halb mehr Klassizität als ein neugeformtes Wort und bedeutet dieselbe Verbindung von „neu” und „alt”, Tel bedeutet Ruine und Aviv Frühling, also eine Ruine, die einen neuen Frühling erlebt — Altneuland.” Es war dies etwa zehn Jahre, bevor die erste jüdi. sehe Stadt diesen Namen erhielt.

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