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Jüdische Wochenschau · 1960-04-26 · 1772 (26.4.1960) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1772 (26.4.1960)
Date
1960-04-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 Martes, 26 de Abril de 1960 L A SEMANA ISRAELITA Año XXI, — No. 1772 . Nach fünfzehn Jahren Hier musst du ganz leise auftreten. Denn hier ist der gewaltigste Friedhof der Erde. -iber suche nicht nach den Gräbern. Ueberall ist iJrab, Wiese, Weg, Grabe.-, Teich alles ist Grab. Zu deinen Füssen ist Grab. Bücke dich und hebe vom Beden eines der hellen Blatte :en, von denen der Grund übersät ist, nicht grösser als der Nagel deines Fingers. Was du jetzt auf deinem Handteller hältst, das ist, was übrig blieb von einem Menschen. Einem Mann, einer Mutter vielleicht, oder einem Kind. Knochenkalk und Protoplasma, zusammengebrannt von 1200 Hitzgraden. Und sei glücklich, dass es dir nicht gegeben ist,, die Stimmen der Abgeschiedenen zu hören.Wer unter den Lebenden wollte den gellenden Chor der vier Millionen Toten ertragen können, deren Geister sich auf diesem unseligen Erdenfleck am Unterlauf der Weichsel zusammendrängten. Von diesen entschlief keiner friedlich am Ende eines erfüllten Lebens. Keinen erlöste der Tod von schwerer Krankheit. beweint von dien Seivon HERMANN SCHUELER nen, im weissbezogenen sauberen Bett. Sie wurden ermordet. Fährst du nach Auschwitz, dann versetze dich um 15, 16, 17 Jahre zurück in die Vergangenheit. Da rollten auf dem Gleis parallel zu der Strasse, auf der dein Autobus fährt, Güterzüge mit plombierten Wagen, vielleicht unter der gleichen dünnen Sonne eines Novembertages, wie heute. Und wie du, erlebten die in den Waggons eingepferchten Menschen die 'Landschaft — durch einen schmalen Bretterspalt allerdings. Es ist noch immer die gleiche Ebene mit den begrenzten Horizonten, gebildet von niedrigen Kiefern und Birken, von den Zementplanken, die sich um die Gruben des oberschlesischen Reviers ziehen, überragt nur von häufigen Halden und ab und zu von einem dickköpfigen Wasserturm. Städtchen schiebt sich vorüber, mit zweistöckigen Häusern, einem viereckigen Marktplatz, Friedhof mit Kreuzen und Steinen und einem Kapellchen, in dem neben dem Sarg allenfalls noch einige Kränze Platz haben. Die Trauergemeinde bleibt bei Wind und Wetter draussen vor der Tür. Die letzten Kilometer führen durch Niemandsland. Am eingleisigen Schienenstraug stehen heute noch die Eisenbahnerzeichen. Im Schotter hat dürres Gras Wurzeln geschlagen. Dann ist nur noch flaches Bauernland ringsum. Ein Birkenau ist der Name des Ortes. Er steigerte das Entsetzen, das sich mit dem Namen Auschwitz verbindet, zur Bewusstlosigkeit. Wie bei einem Schmerz, der nicht mehr ertragen werden kann. In Birkenau endet das Gleis auf einer Verladerampe die sich den Anschein eines Bahnhofs gibt. Hier entschied der „lächelnde Satan”, SS-Obersturmfiihrer Dr. Thilo, über Leben und Tod, der aus den Waggontüren quellenden Menschen. Genauer gesagt: frühere ZwaipMer in dm Kn - Mm sind berechtigt, Ansprüche auf Entschädigung bis zu DM 5.000.— geltend zu machen. Wir geben im folgenden eine Übersicht über die anerkannten Krupp-Lager: 1. BAD HARZBURG. Kruppsche Bergverwaltung, Bad Harzburg 2. BOCHUM, Fa. Krupp, Kommando Buchenwald 3. FRIEDRICH KRUPP, Beyerwerk Essen, cca 16 camps in Essen 4. GEISENHEIM, Kommando Natzweiler. cca- 200 polnische und ungarische Juden, gearb.: Friedrich Krupp — Eisenwerke ab Dez. 1944 5. GRAEDITZ, Kommando Gross Rosen, erwähnt erstmalig im Juni 1942 / Krupp /, überführt im Oktober 1944 in Sportschule Reichenbach 6. KOENIGSWUSTERHAUSEN, Kreis Teltow, Kommando Sachsenhausen, gearbeitet für Krupp 7. KRUPP BIRKENSDORF 8. KRUPP - ESSEN, Kommando Buchenwald, cca. 500 Frauen, ab 24. 8* 1944. Am 22. 3- 45 nach Bergen Belsen überstellt. 9. LANGENBELAU, Kommando Gross Rosen, Krupp Erwähnt erstmalig März 1944, befreit am 8. 5. 1945 10. KRUPP - WUPPERTHAL 11. LINTORF, Kreis Düsseldorf 12. MARKSTAEDT-FUENFTEICHEN, Kommando Gross Rosen — Laskowitz-Meleschewitz 13. NEUDORF, Kreis Altona 14. RATSDORF, gegründet am 13. 4. 1938, geschlossen, am 29. 2 44 15 . RHEINHAUSEN, Kreis Moers 16. WANNE - EICKEL, Krupp Treibstoffwerke 17. WITTERSCHLICK — Servaiswerke u. Krupp 18. WUESTEGIERSDORF, Kommando Gross Rosen, Friedr. Krupp 19. VOERDE, Kreis Dinslaken 20. VORMEPPEN, Kreis Meppen, Krupp-Schiessplatz 21. TRIHATY - NEKOLAJEW 22. BERLIN-NEUKOELLN Anmeldungen Dienstag Mittwoch und Freitag zwischen 16—18 Uhr im Büro der Jüdischen Wochenschau, Pueyrredön 2190, l9 izq. Dr. Hardi Swarsensky er schickte die einen mit einem beruhigenden Scherzwort sofort in di« Gaskammer den anderen gewährte er einen mit unmenschlicher Arbeit erfüllten Urlaub vom Tod, der meist nach wenigen Wochen zu Ende ging. Heute steht eine ernste, junge Frau vor den backsteinenen Eingangsgebäuden des Vernichtungslagers. Ueber den Aermel ihres schwarzen Mantels hat sie eine Binde geschoben, mit der Aufschrift „Museum Oswiencim“ — Museum Auschwitz. Sie führt die Besucher zuerst ins Frauenlager. In den Pferdestallbaracken weist sie auf die dreistöckigen Pritschen. In den schmalen Fächern die zur Not Platz für drei Erwachsene, hätten, mussten neun bis zu zwölf Frauen liegen. Das ist so: Zuerst hörst du die Worte. Du siehst auch, was da ist. Du glaubst auch, dass es so war, wie dir geaschildert wird denn du hast schon viel darüber gehört. Aber du begreifst es einfach nicht. Du folgst weiter dieser Frau mit den sehwarz-weissen Trachtenstrümpfen. Du stehst mit ihr vor den gähnenden, Kellergewölben der Gaskammern, hörst: 36.000 Menschen konnten hier mit dem Blausäurepräparat Zyklon B — hergestellt bei der Degesch, die zum IG Farben-Konzem gehörte — in 34 Stunden getötet werden. Du kletterst über die Ruinen der Krematorien, die am Tage nur 12.000 Leichen in Asche verwandeln konnten. Du stehst vor den Erdlöchern, in denen die Differenz der beiden Zahlen aus der Welt geschafft wurde in offen schwelenden Feuern. Jetzt steht Wasser in den Löchern. Das Wasser erinnert dich an Ascheteiche, die du in bestimmten Industriewerken schon gesehen hast. Hier ist die Asche — Menschenasche. Du hörst wieder den Dolmetscher: „Man hat hier vernichtet die Rasse der Juden und Zigeuner“. Du hast noch immer nicht begriffen, denn wer kann das je begreifen. Leidensweg derSlf Bis kurz vor dem „Ein- * marsch“ in Dänemark und Norwegen und später bis zu dem Ueberfall auf Belgien, Holland und Luxemburg konnten hier und da no.h Nachrichten über Leben, Lage und Schicksal der in Deutschland eingeschlossenen Juden ins westliche Ausland dringen. So blieben bis dahin die seit Kriegsausbruch das Leben der Juden immer stärker einengenden und bedrohenden Massnahmen der nationalsozialistischen Machthaber (wie der „Einsatz“ des Vermögens, die Leistung der ausserordentlichen Auswanderungs-Abgaben, der Ausschluss vom Bezug von Kleidern, die Ablieferung der Rundfunkgeräte) der freien Weit nicht verborgen. Zu Anfang 1940 war die Kunde von einer totalen „Evakuierung” der in Stettin und aus einem Teil der Provinz Pommern ansässigen Juden ins Ausland gelangt; in diesem Zusammenhang erfuhr man von einer „Aussiedlung” in das Reservat der Gegend von Lublin südöstlich von Warschau. Das klang vage, aber schreeken- und besorgniserregend in einer Zeit als nationalsozialistische Begriffe wie „Endziel” oder „Endlösung” fast noch etwas Fremdes waren. Erst nach und nach sickerten Einzelheiten durch, die andeuteten. Cass Fürchterliches geschehen war. Man fragte sich: warum gerade Stettin, was mochte wohl in oder an der Ostsee vor sich gegangen sein oder geplant werden? Was würde folgen?. .. Jene Nacht vom 12. zum 13. Februar 1940, in der die erste Massen - Deportation deutscher Juden stattfand, von Dr. E. G. lO jährte sich jetzt zum zwan- » viel® ierunge; zigsten Mal, Grauen und E;'rier Trauer überkommen einen C®' in dem Gedanken, dass ^se j schon damals — als eine (erst viel später bekannt gewordene) vertrauliche Mit- ¡d®1® t teilung des Reichspropagandaministeriums die Meldung der Auslandspresse, „dass Ein^ ^,' 1.000 deutsche Juden nach DerTod ” dem Gouvernement transbere‘ts im portiert worden seien”, benach statigte — jedwede Hilfe voa Sietbr oder Intervention von draussen praktisch unmöglich reicht halt geworden war. Zwei Was war geschehen? An kaierun*, einem Abend waren in jeder ianIiei’ (*1' jüdischen Wohnung, auch in gen aus d‘ den beiden Stettiner jüditadelte1 sehen Altersheimen, Gestairansporte pobeamte erschienen. Sie unbekaanl verlasen einen Befehl und Was sieb forderten die Wohnungsinmit dieser haber auf, innerhalb von Grausame acht stunden Deutschland zu fe unb«< verlassen. Am Mittag des Misshandl darauffolgenden Tages, bei men, Ers schneidender Kälte, verliess saker, ai der Transport, dem zahireiiierzu tri che alte, betagte Männer und von ft Frauen und Viele Kinder jedie Ueh den Alters angehörten, den beitslager Stettiner Giiterbahnhof. Jedie Gask der durfte einen Handkoffer Möglichk und einen Sack voll Lebensdüng dei mittel mitführen. Aber da es einzelnen bis zur Ankunft in Lublin — ganz w( nach vier (!) Tagen — nichts den der zu trinken gab, befanden von eine sich die so elend Transpor- -versohle; tierten in einem verzweifeljener G ten Zustand. Einige starben versucht, auf dem Weg in die Versein trag bannung. nach me Von den Alten wurde ein Todeskar grosser Teil im jüdischen sal der i Krankenhaus in Lublin unsiegelt, tergebracht. Nach einem Au- Es soll genzeugenbericht sollen dort mögen a etwa 200 sehr bald zugrunde sensein, gegangen sein. Die ausserorteil der dentliche Kälte verursachte lionenzal her gejagt wurden, als lebende Zielscheiben für die SS-Schützen. Das sind sie, die Fabriksmethoden des Todeskombinats, die im Vernichtungslager Birkenau zum perfektionierten serienmässigen Massenmord gediehen. Hier wurden — im berüchtigten. Block 11 — die ersten Vergasungen durchgeführt. Hier regierten aber auch die Phenolspritzen, die Kugeln und der Schlagknüppel, wenn nicht Unterernährung und Ueberanstrengung dem Henker die Arbeit abgenommen hatten. Während in Birkenau — abgesehen vom Fraueniager — nur Ruinen blieben — die Männerbaracken, Krematorien, Gaskammern und Verwaltungsgebäude waren von den abziehenden SS- Wachmannschaften gesprengt worden, — ist das Auschwitz-Stammlager unverändert erhal.ten geblieben. Der Blick gleitet in die Gassen der doppelten Lagerumzäumung — die eine der beiden Drahtwände führte vor 15 Jahren tödlichen Starkstrom. Dort ist die Totenwand. Ihre geschwärzten Heraklithplatten waren der Kugelfang vor denen Juden hin und Ein Teil der niedrigen Kasernenbauten ist .in ein Museum umgewandelt worden. Hier sind jene Dokumente. zusammengetragen, die von der Lagerbeasatzung vor ihrer überstürzten Flucht nicht vernichtet werden konnten. Hier liegen auch die Reste des Raubes an den Opfern aus 26 Nationen. Rasierpinsel türmen sich zu Bergen. Sie liegen kreuz und quer durcheinander: kaum gebraucht, oder mit abgenutztem Haarstumpf, mit Griffen aus Holz und Nickel, wertvolle Schmuckarbeiten, echter Dachs und billiges Pferdehaar kostbare und ärmlich, selbstgebundene Stücke. Mit diesem mag sich der Tischlergeselle Rudolf Kubasek, der nach Auschwitz geschleppt wurde, weil er im spanischen Bürgerkrieg mitkämpfte, die harten Bartstoppeln eingeseift haben. Der mit dem Bernsteingriff könnte einem jüdischen Gelehrten aus Amsterdam gehört haben, der mit seiner ganzen Familie in Birkenau vergast wurde. Hinter zehn Meter langer Glaswand: Tonnen von Frauenhaar. Kraus und glatt, dünne Schulmädelschwänze und schwere Zöpfe. Nur die Farbe ist nahezu uniform geworden. Das helle Haar dunkelte im Laufe der Jahre nach. Gegenüber zeigt ein kleines Schaufenster Ballen von Steifleinen — aus dem Haar der Frauen von Auschwitz. Kectaui Schafts. hauptair Up.tersci Lublin jäckchei eusamm ständen ausgelie Morl, Raub und Verter lung des Raubes sind mit bürokratischer Pedanterie registriert. Dafür gibt es Zeugnisse. Die wenigen erhalten gebliebenen Dokumente sprechen deutlich genug durch die Glasscheiben der Vitrinen. Eine Zwischenbestandsaufnahme der Edelmetall* und Währungen besagt, dass aus dem geraubten Schmuck und dem ausgebrochenen Zahnersatz 230 Goldbarren a 2.908 kg a 2800 RM erschmolzen wurden, mit einem Gesamtwert von 8.147.107 Reichsmark. Die Geldbestände umfassten über ein Halbes Hundert Währungen, vom USA-Dollar, dem englischen und P* lästinensischen Pfund über den französischen, und Schweizer Franken, de# Rubel und die Lira bis zum Mozambique-Escudor, Aber auch die Verteilung war nach kaufmännische® Prinzipien organisiert. Ein# Wenn fest, b einem i Kalken Gestalt nalen dieser hehr; des ni£ ein ein Rudolf von a auf ( ehen hängt, sieht zukeh nen e Die; Haft» über sein ’ niedei ten selbst heit i blutd grau$ Milli, würd ' dass te War," f 4-

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