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Jüdische Wochenschau · 1960-04-26 · 1772 (26.4.1960) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1772 (26.4.1960)
Date
1960-04-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Spanish
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177J LA SEMANA 1SHAELITA Ane XXI. — No. 1772 — 5 lier Stetliner Juden Dr E. G. LO WEN TH AL r'Um *<2 er ei”e J ^anntj. , trauli^e jf Jie MelS ir* **» s«in», k. ’*** Hi* gssch^j, k?»areniJfe *r**kk „siett,n« Ä iT”' -rschieti«!i, & ien *«a w!e »Perbaib iot n ß^rtsöflanda, n? 5« fei T *»ne. verli* ort- <*em 23^ la?i< Männer nai Tiefe Kinder jeaogehörten, «terbahsboi. j* ein«i HacdKoifer Ssck vdü Leeirufthren. Aber da« tunft in lublifl _ i) Tagen -nichts 1?äb, befeäen ’ tiaiJanfn. einem wrzweifeld. Einige siaba feg in die h Alten minie a eil im jidiscta ¡us in Loilin a t. Nach ekieuAt oericht sollen it ehr bald agnni ¡ein. Die aus«* Kälte smratfci in vielen Fallen erhebliche Erfrierungen, und es wird berichtet, dass einem kleinen Stettiner Schulmädchen Hände und Fiisse amputiert werden mussten. In den drei kleinen Ghetti von Lublin und Umgebung (Glusk. Piaski usw.) herrschten Not und Elend. Fleckfieber trat auf. Der Tod hielt reiche Ernte bereits im März, einen Monat nach dem Abtransport von Stettin, so dass die Zahl der Umgekommenen 230 erreicht hatte. Zwei Jahre nach der „Evakuierung’, im März 1942 begannen die sog. Aussiedlungen aus den Ghetti. Datei handelte es sich um Weitertransporte, deren Schicksal unbekannt geblieben ist. Was sich im Zusammenhang mit dieser „Aussiedlung” an Grausamem zugetragen hat, ist unbeschreiblich; es gab Misshandlungen und Quälereien, Erschliessungen. Massaker, auch Selbstmorde; hierzu traten die Trennung von Familienangehörigen, die Ueberstellung in Arbeitslager, ins KZ oder in die Gaskammern, je nach Möglichkeit der Verwendung der Arbeitskraft des einzelnen, hinzu. Einer der ganz wenigen Ueberlebenden der Stettiner „Aktion”, von einem Lager ins andere verschleppt, hat das Inferno jener Greuel festzuhalten versucht, das im Herbst 1942 sein tragisches Ende fand... nach mehr als zweijährigem Todeskampf war das Schicksal der Stettiner Juden besiegelt. Es sollen „nur” 800, es mögen aber auch 1000 gewesen sein, ein winziger Bruchteil der unvorstellbaren Millionenzahl von Juden, die in Europa die Opfer der grossen Katastrophe wurden. Was Anfang 1940 in und von Stettin aus geschah, noch im gleichen Jahr gefolgt von nicht minder grausamen Deportationen von Schneidemühl (im März) und von Baden/Pfalz/Saarland (im Oktober), war ein Auftakt zu dem systematisch organisierten und durchgeführten Judenmord der Jahre danach. Noch sollte, wie das erwähnte Communiqué zu erkennen gab, all dies vertraulich behandelt werden. Aber schon bald spielten Träger und Diener des sog. Dritten Reiches mit offeneren Karten: Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas, die GRUNDSTEINLEGUNG FUER DAS LEHRERSEMINAR DER KEHILLA. — Von reehls tisch links: Der Präsident der bonaerenser Kehilla (hinter dem Balken) Emilio Gulkin, der Generalsekretär der Kehilla, Zsrl Feit gersch. der Beischefier Israels, s. E. Dr. Arle Levari, der argentinische Unterrichtsmimsler. s. E. Dr. Luis R Mac Kay und der Direktor de« Lehrerseminars, Herr Josel Mendelsohn, „Endlösung”, wurde - mit dem „Wannsee - Protok, 11” vom Februar 1942 „offiziell” zumindest parteiintern. Die zivilisierte Welt "hat und wird auch die Juden aus Stettin und Umgebung, die zu den ersten Opfern nationalsozialistischer Unmenschlichkeit wurden, nicht vergessen. Wiedergutmachung gefordert Rechnung des SS - Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes besagt; dem SS- Unterscharfiihrer Gruber in Lublin sind drei Kinderjäckchen zum Preise von zusammen 1,50 RM aus Beständen des KZ Auschwitz ausgeliefert worden. * Wenn du das Lager verlässt, bleibt dein Blick an einem Gerüst aus schmalen Balken hängen. Es hat die Gestalt eines überdimensionalen Türrahmens. Aber dieser Galgen gehört nicht mehr zu den Werkzeugen des Massenmordes.Er wurde ein einziges Mal benutzt. Rudolf Höss. Kommandant von Auschwitz wurde hier auf Grund eines ordentlichen Gerichtsspruchs gehängt. Das unverhüllte Gesicht musste er dem Lager zukehren. Er starb nur einen einzigen Tod. Dieser Mann hat in der Haftzelle einen Bericht über sein Leben und über sein Wirken in Auschwitz niedergeschrieben. Im letzten Satz sagt er von sich selbst: „Mag die Oeifentlichkeit ruhig weiter in mir die blutdürstige Bestie, den grausamen Sadisten, den Millionenmörder sehen... Sie würde doch nie verstehen, ■ dass der auch ein Herz hatte — dass er nicht schlecht war.“ Wir feiern ein schönes Jubiläum, das uns zu den freudigsten Empfindungen Anlass gibt: es sind 15 Jahre, dass das nationalsozialistische Deutschland niedergerungen wurde, dass wir aus den Konzentrationslagern, aus den Verstecken und aus der Emigration zurückkamen. Wir feiern ein sehr hässliches Jubiläum, das uns zu den niederdrückendsten Empfindungen Anlass gibt: es sind 15 Jahre, dass die Opfer des Faschismus auf eine Wiedergutmachung warten. Knapp nach dem Krieg, der nationalsozialistischen Herrschaft, ist dieses Blatt wieder erschienen. Fast ausnahmslos hat sich jede Ausgabe unserer Zeitung mit der Forderung beschäftigt, ja, beschäftigen müssen, da Jahr für Jahr verging, ohne dass die Opfer des Nationalsozialismus auch nur irgendeine materielle Wiedergutmachung erhielten. Wie oft haben wir darauf hingewiesen, dass das, was man den Juden und den anderen Opfern des Nationalsozialismus angetan hat, in Wirklichkeit nicht wiedergutgemacht werden kann. Unsere Angehörigen und Freunde, die auf vielfältige und grausame Art ermordet wurden — die sind uns nicht wiederzubringen. Das Blut, das wir selbst unter Leiden vergossen. kann nicht unsichtbar gemacht werden. Die Tränen, die wir weinten, können nicht getrocknet werden. Das also alles wieder gutgemacht wird — das ist unmöglich. Aber wenigstens zu einem Teil — ach. wie wir Juden immer zu Kompromissen neigen! — könnten die materiellen Schäden wiedergutgemacht werden. Unzählige Male haben wir mit genauem Ziffernmaterial vorgerechnet, wie gross in Wirklichkeit die materiellen Schädigungen wären, die uns las nationalsozialistische Regime zufügte. Wir waren immer bereit, Abstriche zu machen und unseren Teil zum Aufbau Oesterreichs beizu tragen, obwohl gerade das wahrhaft nicht unsere Pflicht war. Wie hat man uns geantwortet? Mit Vertröstungen, die an bitteren Hohn grenzten! Und wir warteten und wir warteten! Trotz allen Erfahrungen aus der Vergangenheit über die abgrundtiefe Schlechtigkeit der Menschen, konnten wir uns ganz einfach nicht vorstellen. dass man die Pflicht auf so gröbliche Weise verletzen wird. So warteten wir also, Jahr um Jahr. So sind fünfzehn (!) Jahre vergangen!!! Befreiungsjubiläum — Wartejubiläum? Das ist die Ueberschrift eines Artikels, der kürzlich in der „Arbeiter-Zeitung“, dem Zentralorgan der Sozialistischen Partei Oesterreichs, auf der ersten Seite erschien. Das Blatt stellt mit Recht die Frage, ob die Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus weiter vertröstet werden sollen, und betont, dass die Opfer des Faschismus seit 15 Jahren warten. Nun scheint aber dcch begründete Hoffnung zu sein, dass diesem — wie die „Arbeiter-Zeitung“ selbst es ausdrückt — „unwürdigen Zustand ein Ende gemacht wird“. Das haben die sozialistischen Abgeordneten Mark, Lackner, Holaubek und Genossen im Nationalrat in einer Anfrage an die Regierung gefordert. In der Anfrage wird, wie aus dem Artikel des Zentralorgans der Sozialisten hervorgeht darauf verwiesen, dass andere Länder die vom Nationalsozialismus unterdrückt waren, aber auch die Deutsche Bundesrepublik, ihren Freiheitskämpfern und Verfolgungsopfern bereits längst Entschädigungen gewährt haben. Es wäre nun höchste Zeit, dass auch in Oesterreich eine Lösung gefunden werde _ und zwar sehr bald. Es solle schliesst der Artikel, nicht dazu kommen, dass wir Mitbürger in Festreden’’feiern, denen wir die primitivste materielle Entschädigung verweigern." Wir danken den sozialistischen Abgeordneten, dasä sie ein diesbezügliches Gesetz neuerlich forderten Wir können nur hoffen, dass endlich ein Kapitel geschlossen wird, das nicht zur Ruhmesgeschichte Oesterreichs der letzten 15 Jahre gehört! GEORG KUENSTLINGER (Aus „Neue Welt”, Wien) PUBLIKATIONEN DES I.F0 BAECK INSTITUTES Soeben erschienen' VEBOEFFENTUICHUNG DES LEO BAECK INSTITUTES Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart (1959) SELMA STERN JOSEL VON ROSHE1M BEFEHLSHABER DER JUDEN SCHAFT IM HEILIGEN ROEM1SCHEN REICH DEUTSCHER NATION Die Geschichte des klugen u»d mutigen Führers und Anwalts, Trösters und Helfers der deutschen Judenheit ir ihrem Kampf um Recht una Freiheit geeen Kirche, Kaiser und Voiksabei glauben zu Beginn der Neuzeit. (280 Seiten) VEROEFFENTLICHUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN LEO BAECK AUS DREI JAHRTAUSENDEN Wissenschaftliche Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glauöens MIT EINER EINFUFHRÜNG VON HANS LIEBESCHUETZ ir. deutscher Sprache SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN 1 S. ADLER-RUDEL OSTJUDEN IN DEUTSCHLAND 1880 — 1940 ZUGLEICH EINE GESCHICHTE DER ORGANISATIONEN, DIE SIE BETREU¬ TEN. MIT EINEM GELEITWORT VON SIEGFRIED MÖSES Eine materiaireiche sozialpolitische Studie über das Wanaerschicksal einei jüdischen Gruppe im Schatten des Antisemitismus und zweier Weltkriege. -★- ERNST SIMON AUFBAU IM UNTERGANG JUEDISCHF ERWACHSENENBILDUNG IM NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHLAND ALS GEISTIGER WIDERSTAND Eine Darstellung des einzigartigen Kampfes der deutschen Juden um Selbstbehauptung durch die Macht der Bildung angesictrs der drohenden Vernichtung durch physische Gewalt. 3 MARGARETE SUSMAN Die geistige Gestalt Georg Simmels Eine Würdigung und Deutung des ailz>u wenig bekannten Gedankenguts des Metaphysikers. Geschichtsphilosophen und Soziologen — zugleich ein Denkmal der greisen Schülerin und Freundin für Simmel WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen Im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, PueyrTedon 2190. 1* ixg. (83-2613)

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