Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1772 (26.4.1960)
- Date
- 1960-04-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Año XXL — No. 1772 — 3 Sowjetische ■i Verschiedene Anzeichen in der sowjetischen Presse deuten darauf hin, dass Moskau jetzt gewillt ist, in seiner Politik in - der arabischen Welt das Risiko in Kauf zu nehmen, gelegentlich mit Nasser und Kassem in Konflikt zu geraten. Da wäre zunächst die Affäre „Assaf Mansour” zu erwähnen, die seit Monaten die arabische Oeffentlichkeit beschäftigt. Ende vorigen Jahres verhafteten die syrischen Sicherheitsorgane einen libanesischen Staatsbürger, der sich Assaf Mansour'’ nennt; nach Aussagen der Polizei war er kommunistischer Umtriebe verdächtig. Nun verbarg sich hinter diesem Pseudonym niemand anderes als Farjallah al Hilou, der Sekretär der libanesischen Kommunistischen Partei, der eigens nach Syrien gefahren war, um die dortige Kommunistische Partei wieder aufbauen zu helfen. Die Regierung der VAR behauptet aber steif und fest, dass ihr von einem Farjallah al Hilou nichts bekannt sei; sie wisse lediglich von einem „Assaf Mansour”, der sich in der Tat in Untersuchungshaft befindet. Dies hat aber lediglich dazu beigetragen, den Zorn der Kommunisten zu steigern; in der letzten Nummer der „World Marxist Review’’, des Organs der angeblich nicht mehr bestehenden, Kominform, spricht man bereits von „Gestapomethoden” Nassers. Das mag nicht völlig unrichtig sein, aber ein solcher Verkehrston zwischen befreundeten Mächten ist im allgemeinen nicht üblich. Dazu kommt, dass in letzter Zeit Radio Sofia die Regierung Nasser in arabischen Sendungen in schärfster I Weise angegriffen hat. Das wurde in Kairo sehr übel aufgenommen, und man reagierte darauf mit der Rückberufung der vielen in Sofia befindlichen arabischen Studenten, die wie die ägyptische Presse behauptet, dort angeleitet wurden, gegen ihr Vaterland Spionage zu treiben. Nun hat man in Moskau entgegnet, dass die Sowjetregierung weder für die „World Marxist Review” (die in Prag erscheint) noch für die bulgarischen Rundfunksendungen verantwortlich sei. Die Aegypter beharren jedoch darauf, dass ein gewisser Zusammenhang bestehe, und ihre Beschwerden gehen weiter. Auch mit den Chinesen gibt es in Kairo Schwierigvon WALTER Z. LAQUEUR keiten. Bekanntlich befindet sich in der ägyptischen Hauptstadt der. Sitz des „Asiatisch-Afrikanischen Solidaritâtscomités”, einer vor etwas über zwei Jahren gegründeten prokommunistischen Organisation. Seitdem aber Nasser sich mit den irakischen Kommunisten zerstritten hat, kommt diese Organisation ihrer Aufgabe — der antiwestlichen Propaganda in Asien und Afrika — nicht mehr voll nach, und seit der indisch-chinesischen Verstimmung hat sich auch der indische Vertreter in dem Comité, Schri Malaviya, geweigert, im alten Stil mitzumachen. Nun gibt es im Comité eine Mehrheit, die aus Aegypten, Indien und allen anderen Staaten einschliesslich Russland besteht, und eine Minderheit, in der China lediglich von dem Vertreter Sekou Toures unterstützt wird. Die Gründe für die grössere Differenzierung in der sowjetischen Einstellung zu’ den Arabern sind nicht schwer zu erraten. Nasser ist in den letzten Monaten sowohl in wirtschaftlicher als in politischer Hinsicht. wieder stärker von Moskau abhängig geworden; schliesslich finanziert die Sowjetunion den Assuan - Damm. Nasser hat ferner in einigen Reden den Westmächten in letzter Zeit wieder eine scharfe Absage erteilt. Auch für seine Politik gegenüber Israel ist Nasser auf sowjetische Unterstützung angewiesen. Im Hinblick auf diese wachsende Abhängigkeit, ist man nun anscheinend in Moskau der Meinung, dass Nasser sich antikommunistische Eskapaden nicht mehr leisten kann. Aber auch im Irak hat es letzthin Komplikationen für die Kommunisten gegeben. Die Kommunistische Partei ist von der Regierung Kassem nicht anerkannt worden, wogegen man Daud al Sayegh, einen Mann, der im wesentlichen nur sich selber, seine Familie und seinen engeren Freundeskreis, rpräsentiert, zum Führer der irakischen Kommunisten, von Kassems Gnaden, ernannt hat. Derlei Manöver sind im Mittleren Osten nicht ganz neu; auch Kemal Atatürk verbot im Jahre 1921 die wirkliche Kommunistische Partei und ernannte sich seine eigene „kom- Wird die „Wegwarte” weiter erscheinen? Wien. — Mit der Verhaftung des Herausgebers der Wegwarte”, Hans Wagner, und eines ständigen Mitarbeiters Hermann Munk aus Innsbruck, wegen einem in der „Wegwarte” vom 2. April d.s. Js. erschienenen Artikel „Europa, horch!” wurde durch das Einschreiten der Sicherheitsbehörden vorläufig ein ständiger Unruhe- und Hetzherd stillgelegt. Die „Wegwarte”, zu deren Mitarbeitern ausser den Genannten auch die in Haft befindlichen Konrad Windisch und Fred Borth zählten, führt eine unentwegte Hetze gegen Juden und gegen die demokratischen Einrichtungen. In fast jeder Nummer versuchte das Blatt auf irgendeine Weise die „Errungenschaften” des Naziregimes zu verherrlichen. Zu den Mitarbeitern der „Wegwarte” gehörten ausser dem berüchtigten amerikanischen Antisemiten und Hitler-Anbeter J. J. App auch Autoren, die gleichzeitig in verschiedenen rechtsradikalen Publikationen zu Worte kamen. Restaurant „Paso ” ntrs I Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-92591 Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehilla MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BENO“ WMO HUT8CHNECKER Avia. CONSTITUYENTES 440t (Eckt Mot—) T. K. «1 * HK Die „Wegwarte” ist das Sprachrohr des sogenannten Hauptverbandes der sudetendeutschen Landsmannschaften in Oesterreich. Es handelt sich hier um eine sudetendeutsche Gruppe, die eng mit den Slowaken verbunden ist und die jegliche Versöhnung ablehnt. In ihrer Propaganda nahm sie auch immer die Rechtfertigung des slowakischen Marionettenstaates und der Hlinka- Garde auf, die bezüglich ihrer Einstellung zu den Juden der SS nicht nachstanden. Der verhaftete Wagner ist Ausschussmitglied der „Oesterreichischen Sozialen Bewegung”, einer „Filiale” der faschistischen „Europäischen Sozialen Bewegung”, deren Sitz in Malmö ist; darüber hinaus gehörte er dem „Freundeskreis der nationalen Jugend Oesterreichs“ an, einer Gruppe, die die Patronanz über einige von den österreichischen Sicherheitsbehörden wegen neonazistischer Umtriebe aufgelösten Jugendorganisationen hat. Dieser „Freundeskreis“ sollte der Wegweiser für eine irregeleitete Jugend sein. Als er gegründet wurde, erging an eine Reihe ehemaliger Nationalsozialisten die Verständigung, dass jetzt eine Basis geschaffen wurde und zugleich auch eine Aufforderung an all jene, die wieder mittun wollten. Herr Wagner war sofort dazu bereit. Wird die „Wegwarte” ihr weiteres Erscheinen infolge „Verhinderung” ihrer inhaftierten Mitarbeiter, einstellen? (IPN) Erster englischer Geschäf tsbesuch London. — Zum ersten Mal seit der Suezkrise besuchten private Geschäftsleute aus Grossbritannien die Vereinigte Arabische Republik. In den letzten Wochen waren bereits amerikanische, japanische und holländische Geschäftsleute in Kairo. (AWZ) munistische Opposition”. Ueberaschend dabei war nur, dass die Opposition der irakischen Kommunisten sehr schwach war. Gewiss, die Kommunisten protestierten, und die sowjetische Presse unterstützt sie dabei. Sie schiugen auch der Regierung vor, ihren Namen zu ändern; aber das wurde abgelehnt, da es angeblich im Widerspruch zu dem Wahlgesetz steht. Es ist nicht wahrscheinlich, dass man mit solchen Mätzchen auf die Dauer /den kommunistischen Einfluss im Irak brechen kann Die Verhältnisse im Irak' sind mit denen in der Türkei vor vierzig Jahren nicht zu vergleichen. Die Kommunisten sind auch weiterhin die stärkste Partei im Lande; sie sind aktiv, mit oder ohne Erlaubnis der irakischen Regierung, wahrem die neue „offizielle” Partei von Daud al Sayegh lediglich auf dem Papier besteht. Immerhin beweist diese letzte Entwicklung in Bagdad, dass in der arabischen Welt noch Ueberraschungen möglich sind, wie kaum anderswo in der Welt und vielleicht war selbst Moskau nicht auf eine derartige Entwicklung eingestellt. Lediglich in Persien haben die Kommunisten, nach ihren eigenen Berichten, in letzter Zeit Erfolge erzielt Ein langatmiger Aufruf der Partei wurde veröffentlicht, der den Titel trägt: „Erklärung des Zentralcomites der Volkspartei Irans und des Zentralcomitees der Asserbeidschanischen Demokratischen Partei über die Wiederherstellung einer einheitlichen Partei der Arbeiterklasse in Iran.” Dise beiden sind in Persien bekanntlich seit vielen Jahren verboten; sie haben nicht nur unter der Verhaftung führender Mitglieder durch die Polizei gelitten, Zwistigkeiten» zwischen den verschiedenen Führern haben die Tätigkeit der Partei auch in der Illegalität während mehrerer Jahre zum Stillstand gebracht. Daneben konnte sich die Leitung der Tudeh-Partei in Teheran nicht mit den Asserbeidschener Kommunisten einigen, die für eine weitgehende Autonomie dieser nordwestlichen Provinz des Landes eintreten. Nun hat man sich anscheinend darauf geeinigt, dass die Tudeh-Partei unter dem neuen Namen „Volkspartei Irans” erscheinen wird und dass die asserbeidschanischen Kommunisten sich dieser Einheitspartei unterordnen, dabei aber ihren alten Namen beibehalten, wä.hrend ihr altes Zentralkom'ié nun als Gebididkomité von der neuen Partei übernommen wird. Man ist in kommunisti. sehen Kreisen seit langem der Meinung, dass Persiep im Mittleren Osten das „schwächste Glied in der Kette“ ist. Nach dem die „objektiven Bedingungen“ für einen revolutionären Umsturz schon existieren, soll mm auch der „subjektive Faktor“, die Partei, die den Umstürz zu leiten hätte endlich ihrer Aufgabe entsprechend reorganisiert worden. Der Greifer griff noch nicht zu! Aber über kurz oder lang ist das Haus in der Lavalle dem Abbruch verfallen. Es galt an morgen zu denken. 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