Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1771 (22.4.1960)
- Date
- 1960-04-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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A:1c XXI. — No. 1771 — 3 SEMANA ISRAELITA Viernes, 22 de Abril de I960 ln den Tagen des Omer von MEIR FAERBER, Tel Aviv LA SEMANA ISRAELITA BISEMAN ARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1’ >zq. — T- E. 83-26-1: 25. Nissan 5720 -2- April 1960 Der Schiffstransport nach Israel •Lange bevor die Wochen zwischen Pessach und Schewuot der Trauer gewidmet waren, herrschte um diese Zeit die Stimmung der Erntefreude und des Erntedankes im Volke, — und heute, da wir auf eigenem Boden wieder den Segen eigener Landwirtschaft gemessen, sollten wir zu diesen Quellen zurückkehren und uns auch der schönen, alten Omer-Bräuche erinnern. Am Ausgangsabend des ersten Pessachtages schnitt man im Mondschein von einem nahe Jerusalem gelegenen Felde, es war zur Zeit der Erstlinge eine Garbe und brachte sie ins Heiligtum. Am nächsten Tage in der Früh wurde sie nach allen Windrichtungen geschwungen. Aus den gewählten Körnern dieser Omer-Garbe wurde siebenfach gesiebt reinstes Mehl gewonnen und dieses, mit edlem Oel vermengt, als Opfer dargebracht. Bis zur Durchführung dieses religiösen Aktes war der Genuss des neuen Getreides untersagt. Ein schöner Brauch war es in Israel, als Wahrzeichen der Einigkeit des Volkes, für die ganze Judenheit eine einzige Garbe zur Opferung zu bringen. Nicht jeder Stamm gesondert, nicht jede Familie oder Landschaft für sich, sondern für ganz Israel eine gemeinsame Opferspende, das war ein Zeichen friedlichen Zusammenlebens, der Vorbedingung zu gesegneter Entwicklung. Nach Zerstörung des Tempels verknüpfen sich viele traurige Erinnerungen mit der Zeit zwischen Pessach und Scnewout, von Schaft mit ihren Verfolgungen unserer Freiheitskämpfer bis zum ersten Kieuzzug 1096 und der mit ihm verbundenen ersten grossen Judenverfolgung in Deutschland. Unter diesen vielen Erinnerungen ist eine für uns besonders interessant und lehrreich: Es heisst, dass in den Sefira-Tagen (wie die Omer-Zeit wegen der in ihr vorgeschriebenen Zählung auch genannt wird) 12.000 Schüler des Rabbi Akiba (nach anderer Ueberlieferung sogar 24.000) im ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung plötzlich einer Seuche zum Opfer gefallen seien. Diese Häufung der Todesfälle wurde damals doppelt schwer als nationales Unglück empfunden, da die Schriftgelehrten die Führung des Volkes über nommen hatten. Als Grund für das Massensterben wird angeführt, dass die Schule; einander gegenseitig ,die Achtung versagt" hätten. Es ist wohl anzunehmea. dass diese merkwürdige Geschichte als Gleichnis zu betrachten ist Rabbi Akibas Schüler fielen kämpfend im Bar-Kochba-Aufstand, der an den inneren Meinungsverschiedenheiten und der Spaltung im jüdischen Lager scheiterte. Hätte die jhdische Jugend inneren Frieden und gemeinsame Planung gewahrt, wäre der Aufstand gelungen. Aber nicht nur historische Erinnerungen birgt die Sefira-Zeit, sondern sie ist auch voller Mystik. Viele unserer Weisen und Grossen haben in den Omer-Tagen diese Welt verlassen here Sphären gefolgt' Jehoschua Ben Nun. der Prophet Samuel, Rabbi Meir Baal Haness,’ Rabbi Schimon Bar Jochai,’ Rabbi Meir Rothenburg, Maharam Lublin, Rabbi Jecheskiel Landau, Rabbi Jakov Emden und che Märtyrer von »Vorms. Interessant, dass auch Rabbi Mosche Isserles, der in seinen Bemerkungen zum .Schulchan Aruch* die Bedeutung des Lag be-Omer speziell hervorhebt, an diesem Tage gestorben ist AM GRABE VON RABBI MEIR BAAL HANESS Alljährlich strömen am 14. Ijar, das ist in diesem Jahr der 11. Mai, der 29 Tag des Omer, dem James tag des grossen Wundertäters, Juden und Muslemin an seinem Grabe zusammen. Denn auch die Mohammedaner verehren in Rabbi Meir Baal Haness einen Heiligen. Malerisch und weitläufig hebt sich das alte, weisse Gebäude von den Abhängen des Berges ab, der sich an Ufer des Kinneret-Sees gegenüber Tiberias hinstreckt. Die Juden pflegen seit eh und je am Marmorsarkophag des Wundermannes Kerzen zu entzünden und ein Gebet zu sprechen. Das Gehöft besteht aus dem Saale mit dem Grabmal, zwei Betzimmern und mehreren Unterkunftsräumen für Pilger. Die wertvolle Ausstattung der Beträume, Vorhänge der Tho ra - Lade u. a. sind leider während der Unruhen 1936 bis 39 einer Brandstiftung durch arabische Banden zum Opfer gefallen. Sie wurde nachher zwar ersetzt, doch fehlt dem Neuen das ehrwürdige Alter. Aber die Erhabenheit des Ortes und seine mystische Wirkung auf den Gläubigen haben darunter nicht gelitten. Manche Historiker glauben, dass die Grabstätte des Rabbi Meir Baal Haness gar nicht hier ist, sondern auf der anderen Seite von Liberias, wo ein einfacher Grabstein einen Anhaltspunkt hierfür gibt. Bis vor einiger Zeit entzündeten die meisten Wallfahrer ihre Kerzen an beiden Gräbern, um sich ihren Fürbitter auf jeden Fall zu sichern. So birgt das unterhaltungsreiche und gesundheitsspendende Tiberias unserer Tage reiche Erinnerungen an historische Zeiten, denen gelegentlich nachzuspüren sich kein Besucher entgehen lassen sollte. AUCH BARON HIRSCH Auch Baron Moritz Hirsch ist am Lag be-Omer plötzlich verschieden, bevor er sich noch mit Herzl zum zweiten Male treffen konnte. Es ist spannend, wie Herzl in seinen Tagebüchern diese Verhandlung schildert, die zur Verwirklichung des Zionismus ein Menschenalter vor Hitler hätte führen können, — wenn durch unerbittliche und unerklärliche Vorsehung Baron Hirsch nicht einige Tage vor dem mit Herzl verabredeten Termin abberufen worden wäre. Baron Hirsch hatte, objektiv gesehen, die materielle Möglichkeit und angesichts seines riesenhaften Aufwandes für Ansiedlung von Juden ausserhalb Erez Israels wohl auch den guten .Willen, Hätte er Herzls Linie akzeptiert, so wäre damit ein der Grösse der Aufgabe angemessener Start gesichert gewesen. Jetzt, zu Beginn des Herzl-Jahres das anlässlich von Herzls hundertstem Geburtstag gefeiert wird, ist die Erinnerung an Baron Hirsch durchaus am Platz. DIE TRAUERBRAEUCE Die Trauerbräuche der Sefira-Zeit bestehen im wesentlichen darin, dass keine Hochzeitsfeiern abgehalten werden, dass man auf Haarschneiden, Arbeit nach Sonnenuntergang und grössere Feste und Unterhaltungen verzichtet. Während des Freiheitskampfes in der letzten Phase der Mandatszeit sorgte eine Verordnung des Militärkommandanten, die über den Jischuw „Curfew“, also Ausgehverbot, Sperre der Unterhaltungslokale, etc. verhängte, noch besonders dafür, alle Unterhaltungen zu unterbinden. Jener britische Offizier ahnte wahrscheinlich nicht, dass seine hartherzige Strafverordnung gar nicht so originell war. Die Trauer der sieben Wochen wird nur von einem _Tage, dem 33. Tage der Sefira, dem Lag Beomer unterbrochen, und in gewissem Ausmass auch vom 5. Ijar, dem Unabhängikeitstag dem Tag der Gründung des Staates Israel, der auf den 20. Omer-Tag fällt, und der selbst von religiösen Kreisen immer mehr .als Unterbrechung der Trauerzeit anerkannt wird. Am 33. Omertag, dem Lag Beomer, in diesem Jahre der 15. Mai, findet auf dem Grabe des Rabbi Schimon Bar Jochaj in Meron die ausserordentlich populäre Feier statt, zu der besonders Orthodoxe und Sefarden aus allen Teilen des Landes herbeiströmen, und die ein prächtiges Schauspiel bietet, wenn der nächtliche Himmel die roten Flammen der Freudenfeuer widerstrahlt, .die füi? manche auch heute noch Opferfeuer sind, da sie in ihnen seidene Tücher verbrennen. Einige Schiffahrts-Gesellschaften aus dem Ausland planen die Einrichtung geregelter Schiffahrtsdienste von und nach Israel. In den letzten Monaten haben sich eine Reihe von Schiffahrtsgesellschaften hierfür interessiert und „Zim”, die israelische Schiffahrtsgesellschaft, betrachtet diese Entwicklung mit ausserordentlicher Besorgnis. Bisher hat die israelische Regierung den derartigen Antrag einer griechischen Gesellschaft noch nicht bestätigt, wird aber sicherlich den der amerikanischen Schiffahrtsgesellschaft „Export Line” bewilligen, die ein 22.000 Tonnen-Schiff einsetzen will, das 900 Passagiere mitnehmen kann. Die Preise auf diesem Schiff werden denen der ,Zim” angepasst sein. Die ausländischen Gesellschaften kamen zu diesen Vorschlägen, nachdem sie festgestellt hatten, dass auf der Linie nach Israel in den Sommermonaten billiger Schiffstransport fehlt. Angesichts der allgemeinen schwierigen Lage des Schiffs trän sports Del ur eiltet man in Kreisen der israelischen Gesellschaft, aass diese Konkurrenz ihnen sehr zu schaffen machen wird. Dazu kommt die Tatsache, dass Israel im Laufe dieses Jahres weitere 15 Schiffe erhalten wird, die zusammen 191.700 Tonnen Schiffsraum haben. 13 dieser Schilfe kommen aus Deutschland, eines aus Japan und eines aus Frank’ reich. Tod eines Kirchenfürsten Jerusalem. — Monsignor Antonio Vargani, der während langer Jahre das Oberhaupt der katholischen Gemeinde in Israel war, ist im Alter von 56 Jahren verschieden. Der katholische Geistliche litt seit zwei Jahren an Krebs und hatte sein Amt in Israel vor einiger Zeit niedergelegt. Als sein Tod gemeldet wurde, gab die israelische Regierung ihrem Beileid Ausdruck und würdigte seine „positive Haltung” zum Staate Israel. (ITA) den Tagen der Römerherr- I und sind dem Rufe in hö- Der Greifer griff noch nicht zu! 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