Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1770 (19.4.1960)
- Date
- 1960-04-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Martes, 19 de Abril de I960 LA SEM All A ISR AELITA Ano XXI. — No. 1770 — 7 T IfeKl PUEYRREDON 21901. St. * * T.E. 83-2613 SCHALOM BEN-CHORIN: Theodor Herzl lebt in Israel Theodor Herzl, der Visionär des Judenstaates, der Schöpfer der Zionistischen Organisation und ihres Kongresses, war nur ein Mal während seines kurzen Lebens im Lande Israel. Die berühmte Reise, die er 1898 zusammen mit einer kleinen zionistischen Delegation unternahm^ um in Jerusalem Kaiser Wilhelm II. für die Idee des Judenstaates zu gewinnen, war der einzige Besuch Herzls im Lande. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die gesamte zionistische Wirksamkeit Herzls sich nur über sieben Jahre erstreckte, so dass es ihm einfach physisch nicht möglich war, das Land, das er vor allem in seinem Zukunftsroman „Altneuland” so wundervoll beschrieben hat, zu wiederholten Malen zu besuchen. Die historische Wahrheit erfordert aber noch eine Einschränkung. Herzl hatte sich ursprünglich nicht ausschliesslich auf Erez Israel festgelegt. Sein Zionismus war nicht „palästinozentrisch”. Er stand dem Projekt, einen Judenstaat in Uganda zu errichten, durchaus positiv'- gegenüber und erst auf dem 6. Kongress, dem letzten in seinem Leben, erklärte er der Opposition der „Zionei-Zion”, die das Uganda-Projekt erbittert ablehnte: „Ich hatte meine Visitenkarte bei Ihnen abgegeben: Herzl — Judenstaatler. Jetzt erst bin ich Zionist geworden.” Und tränenden Auges legte er damals den Psalm-Treuschwur ab: „Im eschkachech Jerüschalajim — thischkach Jemini.” (Wenn ich Jerusalems vergässe, soll meiner Rechten vergessen werden). HERZL UND DER NAME DES STAATES Jerusalem, das Land Israel und heute der Staat Israel haben Treue mit Treue vergolten: das Andenken Herzls lebt im Judenstaat, in der Medinat Israel. Wir wollen hier einige Beispiele für dieses Fortleben anführen, ohne freilich den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Unmittelbar vor Proklamierung des Staates Israel am 15. Mai 1948 ging durch die hebräische Presse eine heute schon fast vergessene Diskussion. Damals fragte man sich, wie der künftige Staat heissen solle. EinVorschlag lautete „Herzlia”, um so den Namen des eigentlichen Schöpfers zu verewigen, etwa nach dem Vorbilde von Columbia, das nach Christoph Columbus, oder wie bei Rhodesien, das nach Cecil Rhodes benannt ist. Der Plan setzte sich nicht durch. Auch die Idee, die Ortschaft Herzlia zur Hauptstadt des Landes zu machen, um ihres Namens willen, wurde nicht verwirklicht. Man schlug auch vor, den Titel von Herzls Programmsehr ift „Der Juden- •taat” zum Staatsnamen zu machen „Medinat ha-Jehu- Aber auch dieser Vor- (zu seinem 100. Geburtstag) schlag wurde verworfen, Idenn die historische Kouti- 'nuität erwies sich als stärker. Der Staat wurde „Israiel” genannt, und Jerusalem | wurde seine Hauptstadt.; HERZL-STRASSEN UEBEHALL IN ISRAEL Tel Aviv in sich stellt schon eine indirekte Verewigung Herzls dar, denn dieser Name der grössten Stadt Israels wurde nach der hebräischen Uebersetzung von Herzls Roman „Altneuland” durch Nachum Sokolow gewählt, der diese freie Variation dem biblischen Buch Ezechiel entnahm. In Tel Aviv selbst trägt das älteste Gymnasium der Stadt den Namen Herzlia- Gymnasium. und natürlich fehlt auch die Herzlstrasse nicht. In jeder Stadt Israels und in jedem Orte fast gibt es eine Herzl-Strasse.. In Haifa bildet sie die Hauptstrasse der mittleren Stadt Hadar Hacarmel. In anderen Orten ist die Herzl-Strasse oft schon nicht mehr eine der schönsten, da sie eine der ältesten ist. Besonders reich an unmittelbaren Erinnerungen an Herzl ist Jerusalem. HERZL-BERG — HERZL- ZIMMER — HERZL ARCHIV Im Westen der Stadt erhebt sich der Herzlberg mit dem Grabe Theodor Herzls, dessen Gebeine am 11. Mai 1949 von Wien aus hierher überführt wurden. Das Herzl-Grab ist ein nationales Heiligtum geworden. Von hier aus wird alljährlich am 5. Iyar der Unabhängigkeitstag feierlich proklamiert. Auch der Todestag Herzls wird hier stets mit einer schlichten, eindrucksvollen Feier begangen. Offizielle Gäste verabsäumen es nie, am Herzl-Grab Kränze niederzulegen, um so dem „Vater des Vaterlandes” ihre Ehrenbezeugung zu erweisen. Im Zentralgebäude des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemet le-Israel) befindet sich das Herzl-Zimmer, das in seinen Ausmassen und seiner inneren Ausstattung, einschliesslich Vorhängen und Parkettboden dem Arbeitszimmer Herzls in der Haiz-ingergasse in Wien nachgebildet ist. Möbel, Bilder Bibliothek atmen den Geist des Hausherrn, der an diesem Schreibtisch unermüdlich für das jüdische Volk gearbeitet hat. :Nach Herzls Tod nahm sein Freund und Präsidentschaftsnachfolger, David Wolffsohn, diese Erinnerungsstücke zu sich nach Köln, und nach dessen Tode übernahm Dr. Leszynsky. dessen Familie heute in Jerusalem lebt, die Gesamteinrichtung, bis sie nach Jerusalem in den Erinnerungsbesitz der Nation überführt werden konnte. Im Zionistischen Zentralarchiv wird der gesamte Nachlass Herzls von seinem Biographen Dr. Alex Bein verwahrt und gepflegt, und aus den Archivbeständen wird die hebräische Gesamtausgabe der Werke, Tagebücher und Briefe in Israel herausgegeben. In der Mamilla Strasse Nr. 83, nahe an der Grenze zwischen Neujerusalem und der Altstadt, befindet sich im Hause Stern eine Erinnerungsplakette, die besagt, dass in diesem Hause Dr. Theodor Herzl 1898 während seines Besuches in Jerusalem wohnte. Ein Zimmer mit alten Photos und Erinnerungsstücken an dieses historisch denkwürdige Ereignis wird jedem Besucher gezeigt. VORNAMEN Der Name Theodor Herzls wurde als Vorname in Israel sehr gebräuchlich. Wir wollen nur als Beispiel den Knesset-Abgeordneten Herzl Berger nennen und den Chefredakteur der Abendzeitung „Jedioth Acharonot” Herzl Rosenblum. Auch Mädchen tragen den Namen Herzlia. Natürlich gibt es ausser den Herzlstrassen in den verschiedenen Städten auch ganze Viertel, die nach Herzl genannt wurden, wie „Givat Herzl” u. s. w. Zuweilen findet auch der hebräische Nar me Herzls, Binjamin-Seev, in diesem Sinne Verwendung. Der Ort Binjamina Wägt jedoch seinen Namen nicht nach Herzl, sondern nach seinem Zeitgenossen, Baron Benjamin de Rothschild. - Auch Organisationen in Israel haben gelegentlich Herzls Namen übernommen — wie z. B. die Theodor Herzl Loge der Bne Brit in Tel Aviv. Der in Deutschland gegründete Herzl-Klub der zionistischen Kaufleute besteht heute noch in Israel als ..Altherrenverband”. Ein besonders schönes Denkmal wurde Herzl mit dem herrlichen Personen- Dampfer dieses Namens der ZIM-Shobam-Linie gesetzt. Das stolze Schiff „Theodor Herzl” trägt den Namen des Schöpfers des politischen Gedenken an Vor kurzem ist Dr. Abraham Mibashan, die überragende zionistische Persön- ' Iichkeit im argentinischen Jisehuw, unerwartet der gesamten Kollektivität, seinem von ihm so heiss geliebten Volke und dem jüdischen Lande, für das er unendlich viel getan hat, entrissen worden. Mit allen Gruppen verbindet uns Zionisten des zentraleuropäisch ea Herkunftskreises der Schmerz Zionismus in alle Teile der Welt HERZL LEBT IN ISRAEL FORT So lebt Herzl in. vielen Namen, Bezeichnungen aller Art im Staate Israel fort, der selbstverständlich auch eine Briefmarke mit dem Bild Herzls herausbrachte, genau sor wie dies der Keren Kajemet schon vor vielen Jahren getan hatte. Das Herzlbild schmückt den Plenarsaal der Knesset ebenso wie den des Zionistischen Aktionscomites im Gebäude der Jewish Agency. Hinter dem Schreibtisch des Staatspräsidenten und im Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten findet man grosse Porträts Herzls, dessen edle Gesichtszüge jedem Kind in Israel vertraut sind, da natürlich Herzls Biographie und Grundideen im Unterricht behandelt werden. So kann man sagen, dass Herzl in Israel fortlebt. Der Staat selbst legt Zeugnis f ür seine Arbeit ab. und das Volk hat Herzl nicht vergessen. Es würde dem jüdischen Gefühl widersprechen, einem verehrten grossen Mann ein Denkmal zu errichten; aber durch den Herzl-,Wald des | Keren. Kajemet rauscht sein t Motto: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen.” :»nmiiuiiiiUiimiiniinnmimi8iitKifrftsm»ii}miHinii»imt»iirisi!»itiint:iimiimiiwmmiiiniinniiiuiwuH[intinnt»iifiitL WIZO / GEMEINSAME FEIER DES JOM HAAZMAUTH t= | Donnerstag, den 5. Mai 1960, um 20 Uhr 30 in den Salons der OSFA, Larrea 1225 | | COCTAIL 3. ANSPRACHEN KUENSTLERISCHE DARBIETUNGEN Eintritt nur gegen Karten, die beim Vorstand der THG .(auch telefonisch unter 33-2613) und bei den Damen der WIZO erhältlich sind. »mimimmim.»»»»»in»«iiiiiiininiiiiiiiniii1miiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiil|nmiiiuiiiiiiiimmuuiiiiiiimiiiiiiiiDiuHiiilUigL um diesen uneigennützigen, immer hilfsbereiten, von echt jüdischem Idealismus geleiteten Manu, der in den 24 Jahren seines Wirkens in Argentinien an verantwortlichen Stellen gestanden bat und Repräsentant der Gesamtheit nach aussen und innen gewesen ist. Als die Zionisten aus Mitteleuropa mit der Einwar.derungswelle von 1933—39 in dieses gas.kche Land kamen und sich allmählich zu organisieren begannen, fanden sie in dem gütigen, hochkultivierten Dr. Mibashan einen verständnisvollen Freund, der sie besonders gut verstand, nicht nur wegen der Sprache, die er — neben vielen anderen — vollendet beherrschte, sondern, der auch ihre Art des Denkens und Schaffens, ihre Mentalität begriff, ihnen ein Berater und Förderer ihrer Institutionen wurde. In Wort und Schrift, bei zahlreichen Gelegenheiten, als Vortragsredner, als Prediger an den heiligsten Tagen des jüdischen Jahres, immer war er bereit, seine kostbare Zeit aufs genaueste nutzend, zu uns zu sprechen, uns zu belehren, unsere Liebe zu Erez Israel neu zu entfachen, uns zu ermutigen, wenn wir bedrückt waren. Mit Stolz und innerer Befriedigung pflegte Dr. Mibashan von seiner ersten Begegnung als 19jähriger Student in Berlin mit dem grossen Nahum Sokolow zu erzählen, dessen Sekretär und Reisebegleiter auf Keren Hajessod-Kampagnen er später werden sollte, wie er schon 1913 zum ersten Male Erez Israel sehen und neben lernte, wie er als Statrat von Tel Aviv in den ersten Nachkriegsjahren die praktische Arbeit im Lande unter den damals so schwierigen Bedingungen Weiterzufuhren hatte. Die grossen Persönlichkeiten der zionistischen Weltbewegung sind se.ne Lehrmeister gewesen, u~d er selbst, ein Mensch mit grossen Begabungen, war glücklich, wenn er weitergeben konnte, was er von ihnen gelernt hatte, wenn er uch an ihrem Beispiel aufrichten konnte. In der letzten Vorstandssitzung unserer Organisation fand ihr Präsident, der dem Heimgegangenen besonders nahegestanden hatte, menschlich tief ergreifende Worte des Gedenkens und des Mitgefühls mit dem Schmerz der Hinterbliebenen dieses treuen Juden. Einstimmig wurde beschlossen, sein Andenken durch die Pflanzung von hundert Bäumen — eines „Gan” — in den Wäldern Israels zu ehren. Doch über diese Ehrung hinaus kennen wir keine schönere Würdigung unseres Lehrers und Freundes Dr. Abraham Mibashan als die Opferwilligkeit und Hingabe an das nationale Werk. Mitzuschaffen an. der Weiterentwicklung von Medinat Jisrael mit vollem Einsatz aller Kräfte bedeutet, Dr. Abraham Mibashan über das Grab hinaus zu danken und zu ehren. Der Vorstand der Theodor Herzl Gesellschaft