Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1769 (12.4.1960)
- Date
- 1960-04-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Maries, 12 de Abril de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Aiîo XXI. — Wo. 1766 Mart* ie Seder-Feier als Symposion Das Wort Symposion, das bei uns in Israel geradezu ein Modewort geworden ift, meint ursprünglich nicht eine Konferenz mit kontradiktorischen Referaten über politische, literarische oder wirtschaftliche Fragen, wie das nun so g;rg und gäbe wurde, sondern zunächst ein Gastmahl, bei welchem dann freillich auch tiefgründige Gespräche geführt wurden. Als das klassische Symposion ist Platons „Gastmahl“ anzusprechen, welches von dem berühmten Symposion des Agathon berichtet, auf welchem Sokrates seine Lehre des Eros entwickelt. Indessen haben wir auch im hebräischen Kulturkreis klassische Formen des Symposions, die zur Spätzeit des zweiten Tempels nach Judäa gelangten. Von diesen Symposien hat sich bis auf den heutigen Tag die Feier der Seder-Nacht erhalten. Dieselbe steht ja in geradezu augenfälligem Gegensatz zu der alten Vorschrift im Priesterkodex: „Also sollt ihr es (das Pessach-Opfer) essen: eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an den Füssen, und euren Stab in der Hand, dass ihr es esset in Eilfertigkeit...“ (Ex. 12, 11). Die heutige Form der Seder-Feier ist genau das Gegenteil von diesen Vorschriften geworden. Statt der Eile, welche in der biblischen Quelle geboten wird, haben wir das ausgedehnte Festmahl mit seinem Minimum an vier Bechern Weins und Jer charakteristischen Vorschrift des Lagerns auf Polstern, die wir in der Mischna Pessachim 10,1 finden: „ad-schej assev“. Hierzu bemerkt E. D. Goldschmidt in seiner bekannten Edition der Haggada: „Weiter ist es vorgeschrieben, dass man das Mahl, zumindest aber seine pflichtmässigen Teile (Wein und Mazza), an gelehnt ein- ¿lehme. Die in biblischer Zeit bestehende Sitte, die Jdahlzeiten aufrecht sitzend von SCHALOM BEN-CHORIN einzunehmen, bestand zur Zeit der Mischna längst nicht mehr; auch bei den Äermsteil ass man auf Polstern hingedbreckt und an kleinen Tischen. Nur ftnechte assen zu jener Zeit itzencL.“ Dieselbe Sitte finden wir im „Gastmahl“ des Platon beschrieben, wo die ‘f'eiinehmer sich ausdrücklich zum Mahle niederlegen. Und weiter findet sich im letzten Absatz von Platons „Gastmahl“ eine für uns wichtige Bemerkung: „Nur Agathon und Aristophanes und Sokrates seien noch wach gewesen und hätten aus einem grossen Becher getrunken und ihn immer wieder nach rechts gereicht“. Hier haben wir den Grund für die Vorschrift, dass die pflichtmässigen Becher des Seder-Mahles auf die linke Seite gelehnt getrunken werden müssen. Ursprünglich wurde der Becher weiter gereicht und zwar mit der freien rechten Hand, da man auf dem linken Arm lagerte. Die späteren Dezisoren haben diese Sitte zum Gesetz für Seder-Mahlzeit erhoben. Wir finden Vorschriften hierüber bei Maimonides (1135—1204) im dritten Buch seiner Mischne-Thora in den Satzungen über Gesäuertes und Ungesäuertes. Ebenso bei Jakob Ben Ascher (gest. um 1340) in den Kapiteln 429—490 seines Werkes Arba Turim, Teil Orach-Chajim. Auch der Schuchan Aruch des Josef Caro bringt in dem Teil Orach Chajim die entsprechenden Vorschriften, die bis heute in Kraft sind. Goldschmidt betont, dass die Argumentation des Maharil, die er auch im Namen anderer Autoritäten vorbringt, dass Essen und Trinken in halb-liegender Haltung in unserer Zeit an Krankheit und Schwäche erinnere, sich nicht mehr durchsetzen konnte, vielmehr hält man am Anlehnen auf die linke Seite zumindest fest, welches sich als letztes Rudiment der der Symposion-Sitte erhalten hat. Es ist bemerkenswert, dass manche Autoritäten diese Haltung ebenso für verbindlich erklären wie den Genuss von Wein und Mazza. Im Rahmen der Seder- Feier wird die Pessach-Haggada gelesen. Wer kennte dieses populäre Büchlein nicht? Selbst in Kreisen, die kaum einen Zugang zur rabbinischen Literatur haben, ist die Anthologie aus Bibel - Versen, Mischna- Stellen und späteren Tischliedem Gemeingut Nun erhebt sich aber die Frage, MAIMÖNIOES iru 3* M4-f . H<«4 (jj^tànhtach $ 650.— VERLAG OMEGA. BUENOS AIRES OURRUCHAGA UM — T. R. 71ATH Sh h«aieh«n durch alle abuchiägig— Buch, haadtenfen and durch dW JURDISCHE WOCHENSCHAU rVRTRRSDOK HM V — T. U. welcher Art Literatur ist die Pessach-Haggada zuzuzählen Obwohl sie doch Haggada, also die Aggada mit dem bestimmenden Artikel nennt, gehört sie nicht zu jener Literatur, die wir als Aggada bezeichnen. Die Aggada ist homiletische Ausschmückung biblischer Erzählungsmotive, gleichnishafte Legende, lehrhaftes Märchen. Gerade das finden wir in der Pessach-Haggada nicht. Gewiss haben wir die Urform unserer Haggada im Mischna-Traktat Pessachim, wo sich auch im zehnten und letzten Abschnitte dje Urform der berühmten vier Fragen „Mah Nischthana“ findet. Aber während in der Quelle, wie gesagt, diese Fragen gegen Ende stehen, leiten sie in dem uns geläufigen häuslichen Ritual die Feier ein und werden dem Jüngs* n in den Mund gelegt. Er soll damit den Auftakt nicht eigentlich zum Ablesen des Haggada-Textes geben, sondern zu weitläufigen Gesprächen, von denen ausdrücklich bemerkt wird: „Wer viel erzählt, ist lobenswert“. Der Text der Haggada gibt uns mit der Episode von Bne-Brak, die wir wohl zur Zeit des Bar- Kochbau - Aufstandes anzusetzen haben, ein Exempel des klassischen hebräischen Pessach - Symposions, das sich ebenso wie das Gastmahl des Plato bis in die Morgendämmerung, hinzieht. Ein jüngerer Gelehrter unserer Zeit, S. Stein vom University College in London, hat vor einiger Zeit in einer Reihe von Vorträgen darauf hingewiesen, dass die Pessach-Haggada ihrem Wesen nach zur Symposien-Literatur zu rechnen ist. Stein erbringt in seiner Untersuchung, die späterem „Journal of Jewish Studies“ (Vol. VII, 1—2) publiziert wurde, den Nachweis, dass die Pessach - Haggada keineswegs das einzige Dokument der hebräischen Symposien-Literatur ist. Da wir unsere Seder-Feier ohne weiteres als ein Symposion erkennen können, ist es ja nur naheliegend, dass der Text der Feier ebenfalls dem Charakter des Symposions an gepasst ist, bzw. aus ihm hervorging und sich so bis in unsere Zeit, mit allerlei Erweiterungen, erhalten hat. Aber es gibt auch eine spezielle Vorschrift, die vor dem Abgleiten des Symposions in die Orgie warnen soll. Aus unserer Haggada kennen wir alle die Stelle Pessachim 10,8: „En Mapiitirin achar Hapessach Aphikoman“. — Wir fassen diese Vorschrift im allgemeinen dahingehend auf, dass nach dem Pessach-Opfer kein weiterer Nachtisch mehr genossen werden durfte, aber diese Auffassung ist keineswegs die alleinige. In der erklärenden Stelle der Gemara zu unserer Mischna finden wir bei Pess. 119 b: „Mai Aphikoman? f RATUR •Amar Rabh, schelo jaakru me - Chavura le - Chavura“. „Was heisst Nachtisch? Rabh erklärte: man darf nicht von -iner TischgeselLcöaft zur anderen gehen.“ In diesem Zusammenhang müssen wir wahrscheinlich das Lehenwort „Aphikoman“ in seiner ursprünglichen Form „epikomion“ verstehen, was sowohl Nachtisch wie auch Tischmusik, insbesondere Flötenspiel bedeutet. Strack nimmt in diesem Zusammenhang an, dass wir hier vielleicht an Jesaja 30,29 denken können: „Einen Gesang werdet ihr dann haben wie in der Nacht der Festesfeier, und ein frohes Herz wie der, welcher daherzieht mit der Flöte, um nach dem Berge des Herrn zu wallen, zu dem Hort Israels“. Die „Nacht der Festesferer“ wird wohl nicht zu Unrecht mit unserer Pessach-Nacht identifiziert, da dies die einzige Nacht-Feier des alten hebräischen Kalenders ist, wenn man von den nächtlichen Reigentänzen in den Weinbergen um Jerusalem in der Nacht nach Beendigung des Versöhnungstages absieht. Die Epikomion-Vorschrift wird uns wiederum aus einem Vergleich mit Platons „Gastmahl“ recht verständlich, wenn wir in der schon einmal zitierten Schlusspartie lesen: „Da kam plötzuch eine Menge von Zechern an die Tür, und da diese offenstand — es war eben jemand herausgegangen —, so konnten diese weiter und sich zu den anderen legen. Es herrschte dann viel Lärm, und ohne Ordnung ward jeder gezwungen, soviel wie möglich zu trinken.“ Hier haben wir genau die Szene, welche unser Verbot vermeiden will. Die Teilnehmer eines Gastmahles brechen als ungebetene Gäste bei einem zweiten ein, legen sich unaufgefordert neben die ermüdeten Gäste und verführen alle zu einer allgemeinen Sauferei. Die Lehrer der Mischna wollten vermeiden, dass das heilige Mahl der Nacht der Hut in dieser Weise ausarte. Die unbewachte Türe, von der Plato hier spricht, mag uns auch ein Hinweis auf das rätselhafte Oeffnen der Türe im Seder-Ritual, nach der Mahlzeit, sein. (Die volkstümlichen Erklärungen dass hier die Türe für den Propheten Elia geöffnet wird, dass die Flüche aus den Klageliedern des Jeremias r.icht auf die Festteilnehmer kommen mögen, oder gar die Zurückführung dieses Brauches auf die Furcht vor untergeschobenen Kinderleichen, welche Judenfeinde in dieser Nacht im Mittelalter vor jüdische Häuser gelegt haben sollen, entbehren jeder historischwissenschaftlichen Grundlage). Aber im Zusammenhang mit dem Symposion verstehen wir wohl, dass nach Beendigung des Mahles man vorsichtig vor die Tür blickt, ob sich nicht wilde Zecher nähern, die in der Vater und Sohn auf & (Schluss) In die Kammer, in die Speisekammer, sagt die Mutter, ehe eben mit ihrem langen Stocke und dem neuen Flederwisch wie ein bewaffneter Feind eingedrungen ist. In der Speisekammer _st es doch jetzt zu kalt, versucht der Vater das Unheil abzuwenden. Ja, gewiss, eine Bärenkälte, höhnt die Mutter. Man findet Erfrorene draussen, hilft ihr Sossel, und schon klatscht sie mit ihrer nassen Bürste über die trokkenen Wände hin. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns aus der kleinen Kammer in die Speisekammer zu trollen. Schon beim Eintritt schaudern wir vor Kälte zusammen. Und auch sonst ist die Speisekammer nicht das geeignete Studierzimmer für den Vater. Sie ist finster, klein, eng — kaum, dass zwei Menschen darin Platz haben. Freilich für mich ist sie einfach ein Paradies. Es gibt da nämlich Simse, aut die man klettern kann. Der Vater gestattet es zwar nicht — er meint, man könne sich dabei das Genick brechen — aber wer kümmert sich schon darum? Er ist längst wieder in seine Bücher vertieft, und ich klettere lustig von Sims zu Sims, bis ich oben auf dem letzten, dritten bin. Kikeriki, rufe ich, um den Vater auf meine grosse Geschicklichkeit aufmerksam zu machen und hebe den Kopf hoch. Dabei stosse ich so wuchtig an die Dekke, dass mir beinahe die Zähne aus dem Munde fliegen. Der Vater erschrickt und erhebt sein Geschrei. Sossel stürzt herein, ihr nach die Mutter, und beide teilen mir soviel zu, als ich nur vertrage. Kind? Kind? Was der nicht anstellt, ereifert sich meine Mutter. Kind? Kind? das ist kein Kind, das ist ein Teufel, hilft ihr Sossel und verkündet uns gleich darauf, man werde uns bald bitten, dass wir uns von hier nach der Küche verfrachten. Denn in den Zimmern sej schon der Pessach fast über die Hälfte fertig. Israel - Marken fe «routM Auswahl: u. a. T1ERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTEN-NUMuv.n _ MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) — VOLL. STAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN - ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWÜRDIGE BERATUNG AifoRBO MORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 ••*. CABILDO .. von SCHOLEM ALECH dami 4. AUS DER KUECHE IN DEN KELLER Ich begreife eigentlich nicht, warum der Vater so unzufrieden mit den Achseln zuckt und „die wahre Aus. Wanderung“ in den Bart brummt. Ich sehe nicht ein was das für ein Unglück sein so-11, wenn man einmal im Keller Mittag isst Es riecht nach sauren Gurken, Kraut und Milchkannen — was schadet es? Und was ist dabei, dass der Tisch aus zwei umgelegten Fässern besteht, auf die man ein Nudelbrett gelegt hat, und dass man selbst auf umgelegten mich, schneller doch mal, du m Vater Sa S ich » brummt. Na» Boden gar. So . Ein sondert mein Vater. S Boden ist er n l'nbegreiflicfi. hätte doch nH sach wenn jed pessach E?r auf den I müsse. Denn e, •das Klettern j «rächten. Jüdische Japanerinnen feiern ¡Mammen n sehen Armee æfihiirigen. Festnacht von Gesellschaft zu Gesellschaft mit munterem Flötenspiel ziehen und so die „Lejl-Seder“, die Nacht der Ordnung, in eine Nacht wüster Unordnung verwandeln. Hier schliesst sich der Kreis, den wir durch die Einbeziehung der Seder- Nacht und ihres Mahles in die Tradition der Symposien begonnen haben. Der Aphikoman ist das non plus ultra des spätjüdischen Symposions, das nie ins Dionysisch-Orgiastisehe ausarten sollte, wie dies die Gastmähler der Griechen taten. Fässern am Tische sitzt? Ich finde sogar, dass es viel besser und lustiger ist So kann man zum Beispiel auf dem Fasse über den ganzen Keller rollen. Dass man dabei hinfällt? Nun, so steht man wieder auf und rollt noch einmal. Die Sache hat nur den einen Fehler, dass Sossel aufpasst und einen nicht rollen lässt. Aha, ruft sie wieder, er hat schon wieder etwas Neues gefunden; er will sich eine Hand oder einen Fuss brechen... Weis der einfällt. Ich weiss nicht, warum sie mir das Leben verbittert. Immer verfolgt sie mich und immer prophezeit sie mir Unheil. Wenn ich laufe, sagt sie, ich werde mir das Genick brechen. Komme ich an irgendetwas heran, so sagt sie, ich wolle es kaputt machen; halte ich einen Knopf im Mund, schlägt sie Lärm: der Unglücksjunge will erstikken. Meine Rache erlebe ich nur, wenn ich krank bin, denn dann ist sie ganz aus dem Häuschen und möchte die Welt umkehren, nur um mir zu helfen. Jetzt nimm das Kind und gehe mit ihm hinauf. Man muss jetzt das letzte Chomez aus dem Keller hinausschaffen, so sagt die Mutter nach dem Tischgebet, und ehe der Vater noch Zeit findet zu fragen, wohin wir eigentlich gehen sollen, fügt sie hinzu: Für einige Stunden auf den Boden. Denn in den Zimmern sind schon die Fussböden gewaschen, ergänzt Sossel. Aber gebt acht, dstss der Unglücksjunge nicht vom Boden hmmterpurzelt und sich dabei das Genick bricht. Musst du immer di« Zunge laufen lassen, ärgert sich «te Mutter. Und Sossel stös*t aiem gewöh achen wollte ich ja nicht, os Leben gin aife ich die 1 ¡ms frei wie '•’cd der Vater oir und mal Aber er hat 14 fühle das ¡wachsen sin Ü fliege. 1 AUS DEM MN BODE SCHLUSS "as wisst Schätzen, die Boden sii 8 Schätze. k®Pecgläser v* Wäsche ob es i aem oder Wi “*• Bann ife( Pelz Ja - Schnee. ffeizte Bi f“ ^rissen! w Luliew?a!Ra % *ie Fant die , lst ganz De {fon AMD