Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1960-04-05 · 1767 (5.4.1960) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1767 (5.4.1960)
Date
1960-04-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9616703-9611224-9611414--0297-9611419
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mart««, S d« Abril de 1960 Año XXL — No. 1767 — S h und KUNST auf der Wanderung fin Ha. °n SCH% alechem * .in det t, . hin8«swit lebendige Tote Issaei. .! ïti - ' — machte in weissen Und Sossel ich Leinenkleidern. lC® patscht mit der nassen Bürej8 ste über die Zimmerdecke hin und her. Patsch, patsch, Rüttelte di« ■ du to du.., 1 Wai>dte ,u - so spe]JT in Buhe. ■ Wei# mir Andeutungen, sah « „ nn W¡ ,andtefWie* f f» mich J* St"¡H llotj ■ ^hitizj. dürfe nicht 2ranich^ 30011 er hone n!e*lr> »nder, ¡» sein; ® dem er d*rte- Ichaber in 0® zur Tür I* in ad stam;e Dinie an, £e i wahres Par,. patsch. Und beide sind aufgeregt, zornig wie Bienen. Ich sehe verwundert auf das seltene Schauspiel. Aber sie lassen mich nicht lange Erst machen sie . _ _ dass ein Junge nichts in der Stube z-u suchen hat, wenn zu Pessach reine gemacht wird. Bald aber kommen sie schärfer.— Du Junge, vielleicht würdest du in die Schlafkammer gehen?, sagt die Mutter, fasst mich an der Hand und zeigt mir den Weg. Ich habe aber nicht I.ust, ihrer Weisung zu folgen, und trete nur ein bisschen zun Seite. Dabei komme ich nun Sossel in die Quere, die mich kurzerhand von sich stösst. — Ueberall steht er einem im Wege, schilt sie. In Teufels Namen gehe doch schon einmal zum Vater hinein, ruft die Mutter und schleudert mich zurück, indem sie beteuert: So lange ich lebe, habe ich einen so zudringlichen Jungen noch nicht gesehen. Dem ist nicht beizukommen, sagt die Mutter und gibt mir einen Stoss von hinten. Sossel aber fängt mich auf und kalkt mich weiss an. Dann falle ich wie ein Ball zum Vater ins Zimmer hinein und vergehe schier vor Weinen. Der Vater blickt auf und beruhigt mich, wie er kann, sezt mich auf seine Knie und vertieft sich wieder in seine Bücher. 3. AUS DEM SCHLAFZIM¬ MER IN DIE SPEISE¬ KAMMER Entschuldigt, Herr. Die Frau lässt euch sagen, ihr sollt so gut sein und von hier aus in die kleine Schlafkammer gehen, bestellt Sossel, die Dienstmagd, die imer Kall, eben zum Erschrecken sie aus wie schmierig, mit all ihren Ge¬ 81 Kränze Zwie. c|muck. Alles ach, für p», > Zü HAND ärdet ihr euch ichern in fe zimmer begedie Mutter za «gekleidet, '■ Serviette aut i einen langen Hand, einen i der zweiten, t sie ganz zu- und blickt zur (ist du denn;e? Na, rühr . Kom doch.— Dienstmagd, a weissen Fetjpf gewunden, r nassea Büren allen unseren Freunden und Bekannten e BARMIZWAH unseres Sohnes t AUL RICARDO Srhabbath, dea 9. April 1960, im Tempel i sta’.tfinden wird. Enrique Feniger und Frau Marion geb. Bierhoff m gleichen Inzwischen 17 und 20 Uhr ia Laprida 15® '1 Quader v. Sta. Fe) 1FGEN I® FEIERTAGE JeDISCHRK JAHRES 5720 11 April frew Pessach Aorii 1. Tag Pessach "Vüifl 2. Tag Pessach n 1 Jnrj) 7. Tag Pessach 18- .ptii 8. Tag Pessach 11®- ,p Jom Haazma’ut 2- *!al (Unabhängigkeitstag Israels) . Lag b’Omer 15’ Erew Schawuot i al- . 1. Tag Schawuot i VCd 2- Tag Schawuot len “ 27. Tammus (Fasten) 12. Jul* Erew Tischa b'Aw Aug<* Tischa b'Aw 2. Aus-'Lkf Erew Rosch Haschana n. 5721 raten ein tritt, dem Vater. Und .wir gehorchen und wandern mit den Büchern aus dem grossen in das kleine Schlafzimmer. Die kleine Kammer ist gerade so gro^s wie eine Nuss. Es gibt dort nichts als ein Bett, wo ich schlafe, und leider muss ich sagen, auch Sossel, die Dienstmagd. Sossel gehört nämlich mit zur Familie und ist eine lange, lange Zeit bei uns im Hause. Ich sei noch gar nicht auf der Welt gewesen, sagt sie, als sie zu uns kam, und das ist eine lange Zeit. Auf ihren Händen sei ich aufgewachsen. Wer weiss, wo ich heute wäre, ' 'enn sie nicht gewesen wäre. Denn es gäbe keine Heimsuchung, kein Unglück, keine Krankheit, die nicht ihren Weg zu mir gefunden hätten, und nur sie habe mich aus allen diesen Nöten herausgerettet. Und heute lohn'; er mir es mit solchen Schlechtigkeiten. Sollte man ihn da nicht prügeln? So fragt Sossel und gibt gleich die Antwort, indem sie mir ein paar Rippenstoß sse versetzt und mich zur Draufgabe an den Haaren ziept. Und merkwürdig. Nieman sagt ihr auch nur ein Wort. Weder der Vater, noch die Mutter nimmt sich meiner an. Sossel tut mit mir, was sie will, ganz so, als ob ich ihr Kind wäre und nicht das meiner Eltern. In der kleinen Schlafkammer ziehe ich mich in eine Ecke zurücK, setzte mich auf den Fussboden hin und betrachte den Vater, wie er sich mit der Hand über die Stirne streicht, am Barte kaut, den Oberkörper hin md her bewegt und immer sein schönes ,,und ja...” hören lässt. Aber nicht lange, denn Sossel ist schon wieder mit ihrem Handwerkszeug da. Wir seien gebeten, auch von da wieder ein wenig weiter zu wandern. Wohin denn noch? fragt der Vater erschrocken. — Was weiss ich? antwortet Sossel und stellt sich mit ihrer Bürste mitten ins Zimmer. (Schluss folgt) NIUI André Schwarz-Barth: El último Justo. Editorial Barrai, Barcelona 1959. WüiÿlÊÊiMiii Israel-Sondernummer des ,,Figaro” Tel Aviv. — Die pariser Zeitung „Figaro” wird im April eine Israel gewidmete Sondernummer herausgeben. Das Blatt wird in Hebräisch erscheinen und im Lande vertrieben werden. Der israelische Korrespondent des „Figaro” begab sich jetzt nach Paris, um bei der redaktionellen Vorbereitung der Sondernummer zu helfen. (AWZ) Fussballsieg Tel Aviv. — In einem Spiel zur Qualifikation für das olympische Fussballturnier bezwang Israel Griechenland in Tel Aviv mit 2:1 Toren. Den Gruppensieg und damit die Reise nach Rom gewann jedoch Jugoslawien, gegen das Israel 2:2 gespielt hatte. (AWZ) Die Verfilmung von „Exodus” Tel Aviv. — Otto Preminger, der Regisseur des Films „Exodus” hat viele Israelische Schauspieler für kielemu Bas ' ' ' Tormei Or Das Erstlingswerk dieses bisher völlig unbekannten jüdischen Schriftstellers, das in mystischer und doch realistischer W'eise den jahrhundertelangen Leidensweg des jüdischen Volkes im „Golus Europa” schildîrt, hat in literarischen Kreisen riesiges Aufssehen erregt und dem Verfasser den französischen Literaturpreis „Goncourt 1959” gebracht, so dass er heute in der ersten Reihe der zei'genössischers Novellisten der Welt steht. André Schwarz-Barth ist ein junger Jude aus Mitteleuropa. der seine Jugerd in Deutschland und während des Hitlerregimes in Frankreich verbracht. Seine Eltern und Geschwister wurden in Auschwitz zusammen mit Millionen Juden und Niehtjuden verbrannt. Der junge Dichter hat die Schrecken der deutschen Kamarilla, die er kurzweg als die „Bestie” bezexbnet, am eigenen Leib erfahren. Er versucht den uralten jüdischen Leidensweg in Form der Geschichte einer jüdischen Familie zu schildern, deren Ursn-ung bis ins frühe MittclaPer bis zum Jahre 1185 zurückgeht, und deren Stammvater Jom Tow Levy während der Judenverfolgungen sich und seine Familie bis auf einen Sohn dem Oofer*od weihte. Dieser Sohn setz-t dann die Reihe der Nachkommen als einer der . 36 Gerechten” fort, auf denen nach jüdischem Glauben die Welt beruht, und die nach der Ueberlieferurg unerkannt das Leid der Welt auf sich nehmen um die Menschheit zu erretten. André Schwarz-Barth, der durch die Naziverfolgungen in Deutschland und Frankreich und später als französischer Freiwilliger keine Möglichkeit sich zu bilden hatte, eignete sieh dann durch intensives Studium weitgehende Kenntnisse der jüdischen Geschichte, Mythik und Folklore an. Er verbindet in seinem Buch Realistik mit Mystik in dichterischer Feinheit. Die ununterbrochene Kette jüdischer Leiden und Opfer spiegelt sich in der Geschichte der Familie des Gerechten bis zum Auftreten des Haupthelden wider. Dieser ist ein kleiner jüdischer Junge in Deutschland, dessen Qualen inmitten einer vertierten deutschen Jugend, die ihr Mütchen an wehrlosen jüdischen Kindern kühlte, ebenso wie die Verfolgungen der Juden durch die immer mächtigere Nazibestie bis zum Ausbruch der offenen Feindseligkeiten in der Kristallnacht grausig real und den Tatsachen entsprechend geschildert werden. Diese Kapitel, die in dem Gesamtrahmen der Handlung nur einen Teil einnehmen, sind ein kulturhistorisches Dokument der bitteren Leidenszeit der deutschen Juden in den kleinen Städten und eine warnende Stimme für alle, die heute noch in Deutschland ihr Vaterland sehen. Man erlebt beim Studium dieser Abschnitte nochmals alle Schrecken und Niederträchtigkeiten der deutschen Mitbürger, unter denen wir jahrhundertelang gelebt haben. Der Autor schildert seine, das heisst unser aller traurige Erlebnisse, und diese Schilderungen sind für die Geschichte des deutschen Judentums zur Zeit der Hitlerverfolgungen, die bisher ncch nicht geschrieben wurde, von bleibendem Wert. Schwarz- Barth erzählt die Leidensgeschichte der deutschjüdischen Flüchtlinge in Frankreich, wohin seine Familie sich gerettet zu haben wähnte, bis zum Einmarsch der braunen Hunnen, die die „Grande Nation” niederwalzten und die in Frankreich lebenden Juden in den Todesziigen nach Auschwitz deportierten. Die grauenhaften Erlebnisse in diesen Todeszügen, in denen damals Juden aus allen Ländern zu den Verbrennungsöfen gerollt wurden, sind in ihrer realistischen Art Meisterwerke jüdischer Erzählerkunst und erregen den Leser bis ins Innerste. Aber diese Kapitel vermitteln auch eine unverblümte Schilderung vom Zusammen, bruch Frankreichs und dem Ende des französischen Judentums. Aber auch der Letzte aus dem Stamme der „36 Gerechten”, der „Lamed Wuwnik endet tragisch in Auschwitz nachdem er in Pans von der Gestapo aufgegriffen wird, und er geht zusammen mit seinen Brüdern den bitteren Leidensweg bis zum Tode. Das Buch ist keine offene Anklage gegen die Welt, die Vt '-■'Wi'1 WB K if I »sw*»*,, «■*-; /<<- « ' i ’**<***■ >6 , m Ia Israel wurde der Grundstein für ein neues Blindenheim „Tormei Oi” in Jerusalem gelegt. An den Feierlichkeiten nahm die Gattin des Präsidenten, Frau Ben Zwi, teil und im Namen der argentinischen Juden Frau Pollack. — Wir veröffentlichen in den folgenden Nummern einige Bilder über die Grundsteinlegung. — Das heutige Bild zeigt die fahnengeschmückie Stätte, auf der das Blindenheim errichtet worden ist. benswillens unseres Volkes, das immer versucht hat, mit seinen christlichen Mitbürgern in Europa friedlich zusammenzuleben und nur Verfolgungen und Pein geerntet hat. Wir haben hier einen grossen Schilderer der Ereignisse der grössten Katastrophe unseres Volkes vor uns, der erst am Anfang seiner Schriftstellerlaufbahn steht, und von dem wir noch Grosses erwarten können. Sein Roman ist kein trockener Tatsachenbericht, sondern hier spricht ein Dichter, der die Reihe unserer Klassiker fortsetzen und Verständnis und Sympathie bei der christlichen Umwelt für die, Juden erwecken kann. Die spanische Uebersetzung stammt von Fernando Aeevedo; das Buch wurde in der spanischen Fassung vom Verlag Seix Barrel iti Barcelona herausgegeben. Es sollte unbedingt von unserer Jugend, die hier so sorglos aufwächst, gelesen werden, damit sie sich einen Begriff von der jüdischen Tragödie in Europa machen kann. nere Rollen verpflichtet; die Hauptdarsteller sind Stars aus USA. In diesen Tagen sollen die Dreharbeiten beginnen. Wie die Presse schreibt, wurde die Handlung des Buches etwas abgeändert, um die antienglischen Stellen au mildern. — (ZINS) ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag:, Mittwoch u. Freitag: v. 15—19 Uhr Dr. Gñnier Frey Asuntos Argentinos y Sudamericano« TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAEGE - VERWALTUNGEN m—mt BUEROZEIT: 10—12 and 15—18 Ukr PUETRREDON 2190 esq. At. LAS HERAS - T. I. 83-2613 I 43^525

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.