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Jüdische Wochenschau · 1960-03-29 · 1765 (29.3.1960) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1765 (29.3.1960)
Date
1960-03-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 — Martes, 29 de Marzo de 1960 la semana israelita Ano XXI. No. 1765 von SCHALOM BEN-CHORIN Zu Ende des vergangenen Jahres ergoss sich ein Strom von Touristen ins Land, die zum nicht geringen Teil sogar halb-offizielle Gäste des Aussenministeriums waren, aber im allgemeinen von der Presse ferngehalten wurden, obwohl es sich meist um Presseleute handelte. In den Spalten der Zeitungen, speziell den Ankommenden und Abreisenden gewidmet, wurden diese offiziösen Gäste nicljt geführt, offizielle Empfänge fanden für sie nicht statt, und doch sprachen die Gäste mit den Menschen im Lande, für die sie sich interessierten. Eine besondere Abteilung im Aussenministerium war in dieser Richtung sehr aktiv, und auch das Nachrichtenamt der Regierung schaltete sich ein, um solche Kontakte herzustellen. Auf diesem Wege erfuhr ich, dass die Korrespondentin des Berliner „Tages- Epiegel”, Karina Niehoff, im Lande weilte und unbedingt mit einem Vertreter des reformiert - religiösen Judentums in Israel sprechen wollte, um gewisse Fragen von Religion und Staat zu klären, die offenbar ihren Legerkreis besonders interessieren. Ganz nebenbei erfuhr ich, dass Frau Karina Niehoff aber keineswegs allein im Lande eingetroffen war, sondern zusammen mit einer ganzen Gruppe von westdeutschen Journalisten und Rundfunk - Reportern, die von der Presseabteilung der Israel-Mission in Köln ausgewählt wurden und als Gäste unserer Luftlinie El Al den Jungfernflug von München nach Lod und zurück mitmachten. Im Lande selbst waren die Pressevertreter Gäste des Aussenministeriums und der Schilumimgesellscbaft. Aber jeder Kontakt mit hiesigen Berufskollegen wurde sorgsam vermieden. Am Mittwoch, den 18. November, traf die Gruppe in Jerusalem ein und hatte im Eden- Hotel ein gemeinsames Mittagessen, nach welchem Prof. Leb Kohn vom Au- SsenmLnisterium referierte, Auf speziellen Wunsch der Gruppe wurden schliesslich fix Tel Aviv Vertreter deutschsprachiger Blätter mit den Kollegen bekannt gemacht. Nicht einmal der Vertreter der Deutschen Presse- Agentur (dpa) in Jerusalem war mit zu diesem Treffen geladen, selbstverständlich nicht Repräsentanten der hiesigen Presse oder Korrespondenten der Auslandspresse. Die offiziellen Stellen vermieden es, auch die Anwesenheit der Gruppe bekannt zu geben, obwohl sonst jede Pressedelegation aus dem Ausland gross angekündigt wird. Diese „Untergrund-Methoden’’ waren umso ärgerlicher, als dieser Gruppe auch ein Vertreter der jüdischen Presse in Deutschland angehörte, der Herausgeber der „Münchner Jüdischen Nachrichten’’, Mosche Lustig, der so gerne Kontakt mit den hiesigen Berufskollegen aufgenommen hätte. Es war ihm nicht vergönnt Eine geschäftige Organisation, die allerdings dafür sorgte, da9S die „Untergrundgäste” das ganze Land von Metalla bis Elat in einer Woche besichtigen konnten, zog zugleich einen „Cordon sanitaire” um die Reisegesellschaft, die sehen sollte, ohne gesehen zu werden. Der Zufall wollte es, dass ich mit der ganzen Gruppe, als sie aus Jerusalem nach Tel Aviv zurückkehrte, im selben Hotel wohnte, und so traf man sich — programmwidrig — im Yarden-Hotel. Die deutschen Journalisten waren hocherfreut, einen lebendigen israelischen Journalisten (keine Beamten des Pressedienstes der Regierung) vor sich zu haben und bestürmten mich mit Fragen. Wie viele Tageszeitungen gibt es in Israel? — Neunzehn? — Nicht möglich. In Berlin gibt es nur fünf. In wievielen Sprachen erscheinen Tageszeitungen in Israel — In Hebräisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Ungarisch, Rumänisch, Arabisch, Jiddisch. Ist Jiddisch und Hebräisch nicht dasselbe? Was ist der Unterschied? Das sind so einige Berufsfragen. .. Und dann kam das Kern- Anliegen von Frau Karina, die Frage der Fragen, die sie geradezu verdüsterte: „Seit vier Tagen bin ich nun in Israel und habe schon ein Dutzend Leute gefragt: Wer ist Jude? — — und darauf habe ich zwölf verschiedene Fragen bekommen...” Ich darf mir selbst, nach dem Zeugnis der Fragestellenrin, die umfassendste und klarste Antwort zuschreiben, denn nach meiner Definition atmete die Berlinerin hörbar auf und sagte: „Jetzt hab ich’s intus: so hat’s mir noch keiner erklärt...” Ich versuchte der eifrig Mitschreibenden die Antwort wort historisch verständlich zu machen: „In der Antike bildeten Volk-Land- Gott bei allen Völkern des mittelmeerisch - vorderasiatischen Kulturkreises Cund nicht nur hier) eine „Dreieinigkeit”. So auch im alten Israel. Das auserwählte Volk lebte im 'Land der Verheissung im Bunde mit seinem Gotte. Während aber im Laufe der Geschichte diese Konzeption bei anderen Völkern von einem rein universalen Religionsibegriff abgelöst wurde, der nicht an eine bestimmte Nation und ein besonderes Territorium gebunden blieb, bewahrte das jüdische Volk diese Konzentration von Volk-Land-Gott bis in die Gegenwart hinein. Hier wird die Dame aus Berlin stutzig. „Das Land?” fragt sie — „Die Juden haben doch jahrhundertelang ausserhalb dieses Landes gelebt?” Aber sie haben es geistiggeistlich bewahrt, haben den Anspruch und die Hoffnung „Das nächste Jahr in Jerusalem zu sein” nie aufgegeben. Das leuchtet ein. Und so ist also auch heute und hier im vollen Sinne nur Jude, wer sich im jüdischen Land zum jüdischen Volk und zu seinem Glauben bekennt. Es ist schwer, diese Konzeption zu erfassen, die uns so selbstverständlich ist, dass wir lange, allzulange meinten, man bedürfte gar keiner ausgesprochenen Definition für das quasi Selbstverständliche. Eine weitere Frage, die vor allem immer wieder Frauen aus Deutschland bewegt, ist die Stellung der Frau in Israel. Die Mädchen in Uniform wirken auf Besucher aus dem Ausland erstaunlich, um nicht zu sagen befremdlich. Einerseits sieht man nun die völlige Gleichberechtigung und sogar Gleichverpflichtung der Frauen, andererseits hat man so etwas läuten hören, dass die Frauen vor den „geistlichen Gerichten” der Rabbiner doch nicht voll gleich berechtigt sind. Und des eröffnet Fragen über Fragen. Bis spät in die Nacht sitzen wir in der Hotel-Halle zusammen und diskutieren diese brennenden Fragen, die man so sorgsam von den nicht offiziellen Gästen fern gehalten hat. Aber diese Gäste müssten ja keine Presseleute sein, wenn sie nicht gerade für die nichtoffiziell behandelten Probleme das allererste Interesse zeigten. „Da genügt ein Artikel nicht... das muss 'ne Serie werden”, meint ein Junger energischer Redakteur aus Mannheim abschliessend. Die Elfergruppe der El Al jüAlMdNlDES * f##'l WllijS«d,"k%,Kfc $ 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES •VRRUCHAGA UM — T. X. 71-87M Mm durch alle eia*eh2£fig«n Buefc» hendlunfen und durch die «IRDISCHE WOCHENSCHAU MTRYRREDOlf S1M 1* — T. E. M-MM und der Israel-Mission war keineswegs der einzige Pressebesuch aus Deutschland, der im Lande weilte. Gleichzeitig besuchte Heinz Flügel, Redakteur der evangelischen Zeitschrift „Ekkart” das Land, ebenfalls als Gast der Scbilumim- Gesellschaft und des Aussenministeriums und von der Informations-Abteilung der Kölner Mission empfohlen. Vor ihm war zum zweiten Male der Münchner Radio-Publizist Burghard Freudenfeld hier, der kürzlich bei Kösel in München ein vorzügliches Buch „Israel, Experiment einer nationalen Wiedergeburt” erscheinen Hess und mir versicherte, dass ausser über die USA über kein anderes Land so viel Material in deutschen Redaktionsarchiven angehäuft wurde wie über das kleine Israel, das im Brennpunkt des Interesses steht. Aber nicht nur Publizisten, Journalisten, Radio- Fachleute und Photographen, ganze Gruppen von deutschen Vikarinrten und "Vertreterinnen von Frauenverbänden, unter Führung von Dr. Lilli Simon, Bremen und Vikarin Timm, Hamburg, waren in letzter Zeit hier zu Gast: — deutsche Touristen kommen nun auch als einzelne in beachtlichen Mengen. Deutschland steht wohl heute unter den europäischen Ländern an erster Stelle, was die Touristik nach Israel anlangt... eine Tatsache die man hier noch nicht offiziell bekannt gibt... „Untergrundtouristik” eben. Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, einen deutschen Fabrikanten zu sprechen, der schon vor dreissig Janen zum ersten Mal im Lande weilte,. in jenem Ungliicksjahr des Yischuw 1929, als die schweren Unruhen in Jerusalem an der Klagemauer ausbrachen und das ganze noch so schwache Aufbauwerk in Frage stellte. Und nun kam dieser Mann in Ludd an und fuhr sofort zum Dan-Hotel weiter und... glaubte zu träumen. Er wusste zwar, dass sich das Land entwickelt hatte, aber so... Eine pulsierende Grosstadt Tel Aviv umgab ihn, grösser un'd viel moderner als die westdeutsche Mittelstadt, aus der er kam. Und dann die Fahrt nach Jerusalem — an begrünten Hügeln vorbei. Traum-Land- Wunder-Land., der so nüchterne Geschäftsmann geriet ins Schwärmen. Und im Dagon-Hotel in Aschkalon traf ich eine deutsche Aerztin aus dem Taunus, die nun zum zweiten Mal, in kurzer Zeit, Israel besucht: „Ich bin wieder in dem Land, das mir mein Herz gefangen hat...!” bekennt sie. In der Jugend-Herberge in Leben im Zwielicht de Zwei aufsehenerregende Neuerscheinungen: ,,E '” i. In der Ich-Form lässt Meyyer-Levin, der besonders seit seinem Bestseller „Compulsion” weithin bekannte amerikanisch - jüdische Schriftsteller eine Frau, die sicherem Vernehmen nach seit Jahren in Israel lebt, ihr Schicksal erzählen. “Eva” heisst d/ieses Buch, denn Eva Karngold hat er sie genannt. In einem polnischen Marktflecken nahe der russisch-ukrainischen Grenze, Hrewenko, lässt er sie aufwachsen. Als die Deutschen den Ort 1941 besetzten, veranlasst« ihre weitblickende, ungemein energische Mutter, die der Schule kaum entwachsene, schon zu erster frauenhafter Schönheit heri «gereifte, rotbäckige Tochter, sich in Katarina Laszczyszyn zu verwandeln: mit den Papieren dieser kurz vorher irgendwo in der Nähe gestorbenen 22 jährigen Ukrainerin, in der entsprechenden, bis zum letzten sorgfältig gewählten Nationaltracht solcher Bäuerinnen mit dem goldenen Kreuz an der Halskette. Zusammen, mit einer Freundin verlässt Eva alias Katarina die Heimat, vielleicht auf dem Weg in die verhältnismässige Sicherheit Widerstands- und leistungsfähiger, und jedenfalls „rassisch unverdächtiger” Fremdarbeiterinnen im Dienst der Kriegmaschine und Kriegsindustrie Hitlers J J® BOLOGNE SUR MER 547 T. E. 88-9420 FREITAG UND SONNABEND UM 22 UHR SONNTAG UM 18 UHR EROEFFNUNG DER SAISON Drei Komödien Der Bär Der Heiratsantrag Die Hochzeit von ANTON TCHECHOV ... (gespielt in Jiddisch) NP — vielleicht auf dem Weg ins Verderben. Nicht nur Zunächst landet Eva in Linz, und gewinnt als Hausangestellte in solchem NIass das Vertrauen des Ehepaares zu dem der Zufall oder vielmehr eigener Entschluss sie verschlagen hat, dass ihr eine besonders unvermutete Gefahr droht. Die Leute wollen sie an Kindesstatt annehmen, aber sie würden sich dazu nach den geltenden Vorschriften vorher Informationen aus dem Geburtsort dieser Ukrainerin beschaffen müssen und dabei natürlich feststellen, dass die verstorbene Katarina Leszszynszyn nicht identisch mit der anechlägigen, netten Haustochter ist, die sie adoptieren wollen. Eva also fliientet. Einige Zeit lang arbeitet sie mit nichtjüdischen und auch einer Handvoll ebenso wie verkappter Jüdinnen taren Dran« FaniiÜ® den lern,vss er birgt, »icat' rade wenn d stände dazu wie es mit ihrer Gi sie Jerusalem treffe ich einen jungen Techniker aus Lübeck, der mit Rucksack und Kamera das Land durchzieht, jn Nir-Am ist eine deutsche Studenten gruppe während der Sommerferien zu Gast gewesen. Touristik aus Deutschland, organisierte und individuelle, offiziöse und private, von religiösen Gemeinschaften, Studentengruppen, Frauenverbänden angeregt, gehört nun schon zu den tagtäglichen Erscheinungen in Israel, auch wenn man es offiziell noch schamhaft halb verschweigt. Obwohl es noch keine diplomatischen Beziehungen mit der deutschen Bundesrepublik gibt, und obwohl sogar die konsularischen Verbindungen noch nicht aufgenommen wurden, oder nur höchst einseitig, denn unsere Mission in Köln unterhält ja eine konsularische Abteilung, die alle diese Touristen mit Visa versorgt, bahnen sich zahlreiche menschliche Beziehungen an, die sicher wertvoll sind. und Juden im direkten Dunstkreis der dortigen Gestapo — bis dieses ständige Auseinanderklaffen von Sein und Schein ihre seelischen Kräfte und ihre Nerven so übersteigt, dass sie den verblüfften Nazis während eines Verhörs aus relativ belanglosem, wenn auch von ihnen mit raffinierte Technik aufgebauschtem Anlass enthüllt, wer sie ist. So wird sie nach Auschwitz geschafft; aber auch dort gelingt es ihr irgendwie, sich im Zwielicht der Vernichtung am Leben zu halten, bis sie in den Tagen des deutschen Zusammenbruchs 1945 jenen in die Geschichte der fürchterlichsten Schrecknisse aller Zeiten eingegangenen .Todesmarsch’ mit anzutreten hat. Allein, auch hier triumphiert der Lebenswille: sie sucht und findet mit einer Gefährtin, der sie in diesen unsagbar kritischen Augenblicken Mut einflösst, bei polnischen Bauern Zuflucht. Ein Intermezzo sch-liesst sich an; sie arbeitet in Kattowitz als Sekretärin der polnischen Geheimpolizei, die auf der Suche nach deutschen Kriegsverbrechern ist, und glaubt, in diesem Werk gerechter Vergeltung fortan den Sinn ihres Daseins gefunden zu haben. Zuletzt aber erweist sich ihr diese Annahme als Illusion. Und auf mancherlei Umwegen strebt sie quer durch Europa, über das Mittelmeer, nach Erez Israel, nicht ohne mit den übrigen Maapilim ihres Flüchtlingsschiffes von den Engländern zunächst auf der Insel Zypern interniert zu werden, aber auch nicht ohne während dieser letzten Stadien ihrer Odyssee den Erwählten ihres künftigen Lebens zu finden. Zweierlei hat Meyer Levin in dieser Schilderung vor allem darzustellen gesucht. Dass sich die existentiellen Spannungen einer solchen Doppelexistenz bis zum Zerreisspunkt zuspitzen, wo sie schlechterdings unerträglich werden; es ist das Eine, übrigens eine Tatsache, die sich in den Wirren unserer Zeit in einer Fülle ähnlicher persönlicher Zwangslagen und Tragödien bestätigt h«t. ¿ngleiduw« SelhsterhaltP jjitweili« ft darüber hins Buch fflac^ Stellen evid( noch tiefem ff Elens zur^ Identität. D* es, die sich Katarina so fühlen verrft auf ihrem L’ mehr halbbe bewusst imh Menschen schaftsherkui che ist. Als zweite tritt hinzu, dem all solt blieben war, zu unbegrei; dürfte: dass Tode stünd Opfer des mus deniio* weiter zu mochten, soi gefühlvoller hungen pfle ten der H sogar Schal Selbstverstä sem Augenb menschliche dann. Doch tat« üm zu, ihn zu Zwangsarbe gold, und ni neten diese wehr; zu war sie, vo Stern zu du nicht zuletz D teilen hocl Conde Zep Z. Zt. Deu danker merksci WIE DES T^g, tk Ö16nstag c Mittwo' och it 2>i.d M°ntag, Sonntai tottwi d äS. , 'och, Dienst, erst», JDtaU 3tag, ( / V

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