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Jüdische Wochenschau · 1960-03-25 · 1764 (25.3.1960) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1764 (25.3.1960)
Date
1960-03-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viernes, 25 de Marxo de I960 LA SEMANA ISRAELITA Meinungen sind verschieden (Schluss von Seite 1) ebenso bezeichnend wie alarmierend. Vor der 5. Grossen Strafkammer des Landgerichts IS- »»eher. I hatte sich der 49jahrige Verlagsangestellte und ehemalige stellvertretende Reichspressechef, Helmut Siindermann, unter der Anklage zu verantworten, „durch Verbreitung von Schritten die Bundesrepublik beschimpft und erdichtete Tatsachen, wissend, dass sie erdichtet sind, verbreitet zu haben, um dadurch Staatseinrichtur.gcn verächtlich zu machen.” Das Gericht kam jedoch zu dem ErgeOnis, dass Sündermann aus Mangel an; Beweisen freizusprechen sei. Die Anklage gegen Siindermann ging auf folgender Tatbestand zurück: In der Septembernummer 1958 der Zeitschrift „Nation Europa” hatte der Angeklagte unter der Ueberschrift „Westdeutsches Narrenhaus” einen Artikel veröffentlicht, in dem sich Bemerkungen fanden, die von der Staatsanwaltschaft als Vergehen der Staats - Missachtung und Staats-Verleumdung gewertet wurden. Man konnte da etwa lesen: „Dass wir uns in Westdeutschland noch nicht einmal auf dem Wege zur Normalisierung, sondern immer noch in einem geistigen und staatspolitischen Verwirrungszustand befinden, haben die Sommerwochen beunruhigend deutlich gemacht!” Was Herrn Sündermann so beunruhigend erschien, erklärt er bald darauf: „Die westdeutsche Presse... ist viel zu beschäftigt mit der Serie von Gerichtsverhandlungen, die kürzlich ein nüchterner Beobachter unter dem Sammelbegriff Schubladenprozesse’ zusaramen ge fasst hat. Man ist der Ansicht die deutsche Justiz sei dazu da, die .Vergangenheit zu bewältigen’, indem sie in nie abreissender Fortsetzung irgendwelche KZ- Greuel auf wärmt, auf dass die Zeitungen den uralten Stoff in immer neuer Aufmachung wiederholen können.” Was seiner Ansicht nach die deutschen Gerichte statt dessen tun sollten, lässt Sündermann einen Absatz tiefer wissen: „Es mag ja sehr verdienstlich sein, dass die litauischen Pogrome jetzt eine späte Sühne finden; aber es Dr. FREY Abogado PUEYRREDON 219# V tmq. nachm. IS—18 Oh* drängt sich die Frage auf, warum die deutschen Justizbehörden sich . nicht mit näherliegenden und deutlicher rekonstruierten Vorgängen — etwa mit den Privatracheakten von 1945 — beschäftigten. Den Grundsatz .Gleiches Recht für alle’ wiederherzustellen, wäre wohl verdienstlicher und würde in der Zeit mehr Anerkennung und weniger Belustigung auslüsen, als etwa der ,Fall Eisele’, der in besonders grotesker Weise zu einexwestdeutschen Sensation geworden ist.” Aber nicht nur der KZ- Arzt Eisele findet in Sündermann in dem genannten Artikel einen warmen F ürsprecher, sondern auch die von einem Münchner Schwurgericht verurteilten Sepp Dietrich und Ferdinand Schörner. Der ehemalige stellvertretende Reichspressechef ist dler Ansicht, sie seien im Gefängnis Landsberg „ihrer Freiheit beraubt worden”, die Prozesse gegen sie seien „offenkundig politische Verfahren” gewesen, was in seinem Jargon als „politisch manipuliert” zu verstehen ist und die „abgehärtete Iro-, nie dieser wirklich grossen Soldat«!” habe denen „die gebührende Ohrfeige erteilt, die glaubten, einen deutschen Feldmarschall erniedrigen zu können und nun selbst die Erniedrigten sind.” Zum Schluss seiner Ausführungen stellt dann der Autor die Frage, ob es einen Sinn 1 habe, ein solches „Narren-: haus”, in dem solches geschehe, zu verteidigen. Vor der Strafkammer trat Sündermann, eine Hand lässig in der Hosentasche, ebenso lautstark wie herausfordernd auf. Er erklärte, er sei 1930 in die NSDAP eingetreten, weil er „gegen die Zei.t nicht aber gegen die Weimarer Republik” gewesen sei. Heute habe er ganz bestimmte Gründe. „die Bundesrepublik in höchstem Mass zu bejahen”. — „Wenn ich heute kritisiere, dann in der Sorge, dass heute unser Westdeutschland auch I Alattha 1 (Zhapeatix. HÜTSALON Ab April in Bel grano MOLDES 2 5 6 1 T. E. 73-9229 73-9155; VHMW**m***^^! REAL » ¡Füllhalter ]: REPARATUREN! > Soezialaeschäft!’ CORRIENTES 569 il TE. 49-5850 1. Liebling rOORJEDERg _ MAZ TEL** SSM 4 « T. C. «-WI/N4I y 2*21 Judith Schenkolewski Kultaastick erefen Schabboadecken - Tallisbeutel . Käppchen Mas zot-Ta sehen . Hand- und Maachlnenstickerei von Bett und Tischwäsche BEBEDERO 258» X. E. 75-8155 Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos u*d anueriHndUcfc beim Kauf •der Verkauf von wotunmcoi HAEUJU3UI GCSCHAzrm noch untergehen könnte”, sagte Sündermann. Dann aber wieder gab er Kernsprüche von sich, wie etwa diese: „Ich bin ein ruhiger Mann, aber der Fall Schörner treibt mir heute noch das Blut in den Kopf.” „Wenn wir, was Gott verhüten möge, mit den Russen in Konflikt kämen, dann haben wir nicht nur einen Schörner nötig sondern zwölf.” Er hätte niemals die Absicht gehabt, die Bundesrepublik zu beleidigen, erklärte der Angeklagte. Er habe sich nur gegen gewisse Zustände gewandt, nicht aber gegen bundesdeutsche Institutionen. Inzwischen habe er sich auch davon überzeugt, dass gewisse Anwürfe, wie etwa gegen die Staatsanwaltschaft, unrichtig und unbegründet seien; dies habe er aber bei Abfassung seines Artikels nicht gewusst. Wenn er den gleichen Artikel heute noch einmal zu schreiben hättej würde er diese Formulierungen weglassen, erklärte er. Gestützt auf den mangelnden Täterwillen bei seinen beleidigenden Aeusserungen beantragten Sündermanns Verteidiger den Freispruch. Die Strafkammer sprach Helmut Sündermann von der Anklage der Staatsverleumdung mangels Beweisen frei. In der Begründung wurde festgestellt, es habe sich nicht eindeutig n achweisen lassen, dass der Angeklagte mit dem Ausdruck „Narrenhaus” die Bundesrepublik oder eine ihrer Institutionen gemeint habe. In dem Artikel habe der Angeklagte zwar den Mund etwas voll genommen, im übrigen sei der Artikel aber eine scharfe Kritik im Rahmen des Erlaubten gewesen. Das Urteil und seine Begründung sind sehr bedenklich. Abstossend ist die Iro- Grenze der Hoheitsgewässer Genf. — Die Sowjetunion unterstützte den Antrag Saudi Arabiens, als Höchstgrenze für die Territorialgewässer zwölf Meilen zu bestimmen. Die Araber sind bemüht, die 12 Meilen-Grenze durchzusetzen, um auf diese Weise der israelischen Schiffahrt den Golf von Akaba versperren zu können. Israel und d e USA haben 6 Meilen als Grenze vorgeschlagen. — (ITA) nie und der Sarkasmus, mit dem die Grosse Strafkammer zum Freispruch mangels Beweisen gelangt. Dass der Angeklagte ein hoher nazistischer Funktionär gewesen ist, stellvertretender Reichspressechef, besagt natürlich nichts, jedenfalls nach des Gerichtes Auffassung. Vielleicht dachten die Richter an hohe und höchste Beämte der Bonner Republik, deren Vergangenheit im Gegensatz zur Masse der Bevölkerung überwunden oder gar von amtswegen vergessen worden ist. Es dürfte wohl auch dem ' Gericht bekannt geworden j sein, welchen Charakter die Zeitung „Nation Europa” j trägt. Jedenfalls ist dies heute das zentrale Organ aller Nazis. Ton, Inhalt und Autoren verbürgen erstklassige nazistisch - faschistische Gesinnung. Nur das Münchener Gericht welss das nicht. — Trotz Herkunft und Tatort (nazistische Zeitschrift) fehlen noch Beweise für die Ueberführung des Angeklagten, der wohl selbst von seiner Schuld überzeugt war und sich hiermit in den einzig sichtbaren Gegensatz zum Gericht gestellt hat. denn er beteuerte, heute würde er nicht mehr so schreiben, wie er es getan hatte! Aber die Grosse Strafkammer hat um jeden Preis den wackeren Sündermann, der sicherlich im IV. Reich einen Blutorden 1. Klasse erhalten wird, freisprechen wollen. All das, was er gesagt hat, reichte nicht aus, um ihn zu verurteilen. Man mag jedem Gericht zustimmen, dass die Schuld eines Angeklagten schlüsiig bewiesen werden muss. Aber kein Gericht hat das Recht sich über Staat und Verfassung lustig zu machen. Nicht anders kann die Bemerkung aufgefasst werden, man könne dem Angeklagten nicht nachweisen, dass er mit dem Ausdruck „Narrenhaus'’ die Bundesrepublik oder deren Institutionen gemeint habe. Wen hat er sonst gemeint?, muss man fragen. Das sind Urteile, mit denen das Ansehen der Republik vernichtet wird. Anstatt die Attentäter gegen die Demokratie nach all den furchtbaren Erfahrungen der letzten vierzig Jahre mit der Härte des Gesetzes zu bestrafen, werden sie mit geradezu fadenscheinigen Argumenten freigesprochen. Noch haben die w ackeren Demokraten, die sich also verhöhnen lassen, offensichtlich nicht begriffen, dass Leute wie Sündermann als Einzelgänger völlig unióte resant sind, dass viele Sündermänner und Tausende oder Abertausende von Nazis erneut zu den Totengräbern und Mördern von Millionen werden müssen, wie sie es bereits vor nur La Semana Israelita Bisemanario: apar ace ios Martes y Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda Verán twortlich: Dr. H. Swaisensky Pueyrredón 2190 lv ¡xq T. E. 83-2613 Aoono-Preise. Argén unten. r$ 60.— pro Quartal Wallfahrt nach Dachau Etwa 1.000, Bayern machten eine Wallfahrt nach Dachau, wo sie an dem Ort des früheren KZs Berge von Kränzen niederlegten. Viele Jugendliche waren unter den Besuchern. wenig mehr als 15 Jahren gewesen sind. Was flunkern diese Herrschaften soviel von „nicht überwundener Vergangenheit, wo bereits starke, von der Demokrat e in Gestalt von Richtern ausgehaltene Kräfte am Werke sind, um die längst nicht überwundene Vergangenheit zur neuen Gegenwart zu machen. Die demokratischen, heute regierenden Kreise sind bisher den Beweis schuldig geblieben, dass sie diesmal die Demokratie ernsthaft verteidigen werden. Dr. J B.Sehwarcz j ZAHNARZT j ESTOMBA 5283 — 52-8X141 RAYOS X \ PARAMENTOSE 1 TELEF.! VORANMELDUNG I NERVEN, u. GEMUETS ] KRANKHEITEN i Dr- M. J. Kuhn 1 RTVADAVIA 2625, 3« | T. E. «8-7524 | | Mont, Mittwoch, Freitag l | 17—19 Uhr. TeL AnmeJf | dang erbeten I T. 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