Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1764 (25.3.1960)
- Date
- 1960-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE UIOÇ Hx Semana J^Aaeuza PUEYRREDON 2190 — l9 isq. Año XXI. T. E. 8 3-2 6 1 9 BUENOS AIRES, VIERNES 25 DE MARZO DE 1960 No. 1764 "Was hat Israels Ministerpräsident mit seinem Besuch in den USA erreicht? Diese Frage stellen sich verschiedene jüdische Kreise. Die Antwort darauf ist, dass Ben Gurion kein konkretes Resultat von seiner Reise erwartet hat. Er wollte persönlich mit Präsident Eisenhower und Staatssekretär Herter sprechen, bevor im Mai die Gipfelkonferenz ßtattfindet. Diese Unterredungen waren, wie enthüllt werden kann, ausgedehnt und verfolgten den Zweck, dem Präsidenten die Möglichkeit zu geben, selbst die Ansichten Ben Gurions kennenzulernen, um sich ein eigenes Urteil über gewisse grundlegende Probleme bilden zu können. Hier erreichte Ben Gurion sein Ziel und ebnete gleichzeitig den israelischen Diplomaten in USA den Weg in der gleichen Richtung. Niemand hatte erwartet, dass diese Gespräche ziu greifbaren Ergebnissen fühvon BORIS ren würden. Da sie zeitlich begrenzt waren, so konnten sie keine Gelegenheit zu einer ins einzelne gehenden Diskussion über konkrete Fragen bieten. Allerdings sind sowohl Präsident Eisenhower und Staatssekretär Herter, sowie führende Persönlichkeiten im Kongress jetzt eingehend über die wichtigsten Bedürfnisse Israels informiert, die folgendermassen zusammengefasst werden können: erstens die Staats-Sicherheit, zweitens Israels Standpunkt, falls es auf der Gipfelkonferenz zu einer Debatte über die arabisch-israelische Spannung kommen sollte, und drittens das Bestreben Israels, sich wirtschaftlich selbst zu genügen. Wer weiss, mit welcher Geschicklichkeit Ben Gurion kurz und scharf ein Problem umreissen kann, der wird nicht daran zweifeln, dass Eisenhower in ei- SMOLäR ner Stunde von ihm mehr erfahren hat, als er jemals den Berichten der USA-Diplomaten hätte entnehmen können. In der Presse wurde natürlich verschiedentlich die Vermutung laut, Ben Gurion sei nach Washington gekommen, um „Waffen zu kaufen”. Dieses Annahme stützt sich vor allem auf die Tatsache, dass Moskau auch heute noch Aegypten und Irak mit den neuesten Bombenflugzeugen beliefert. So ist z. B. bekannt, dass Aegypten sich anschickt, von Russland Bombengeschwader zu erstehen, die so modern und gewaltig sind, wie man sie noch nie im Mittelosten gesehen hat. Andererseits zögert selbst Frankreich heute — von England ganz zu schweigen —, Israel noch mehr Waffen zu verkaufen. Die USA-Regierung hat sich schon seit Jahren taub gestellt, wenn Israel WIE ICH ES SEHE- Meinungen sind verschieden _ __ von JEHUDA GOTTHEIMER Die Position vieler Richter in Deutschland ist sehr umstritten. In letzter Zeit hat ein Student 72 deutsche Richter des Mordes angeklagt. Die Affäre hat viel Staub aufgewirbelt. Interessant an diesem eigenartigen Vorfall, dass ein Student kommen musste, um 72 NS- Richter anzuklagen, ist die Reaktion aus weiten Bevölkerungskreisen, die natürlich die nazistischen Blutrichter in Schutz nahmen, den tapferen Studenten bedrohten, die Demokratie beschimpften und anständige Menschen provozierten. Aber weder Anklagen noch Anrempeleien klären dieses Problem auf. Die Diskussion über die ehemaligen nazistischen Richter ist noch nicht zum Abschluss gekommen. Einige dieser Blutrichter wurden inzwischen „in den Ruhestand” versetzt; der Staat ernährt sie, ohne dass sie arbeiten. Warum ist die Republik so schwächlich, dass sie ihre Feinde noch füttert, während sie den Opfern dieser Henker und Handlanger Hitlers noch immer die gerechten Ansprüche vorenthält? Arme Republik, wirst du auch den Weg von Weimar gehen, weil du blind warst? Aber die Diskussion über diese NS-Richter schreitet fort. Wenn wir uns manche Urteile ansehen, werden wir erschrecken. Natürlich ist es gleichgültig, ob ein elender Schurke abgeurteilt wird, der gegen die Republik, die Demokratie oder bestimmte Menschengruppen agierte, sie beschimpfte oder beleidigte oder sich gegen die einfachsten Grundsätze der Humanität oder der Toleranz vergangen hat. Es ist nicht wesentlich, ob ein solcher Uebeltäter hinter schwedische Gardinen kommt oder nicht. Aber aus einem Richterspruch über derartige Verbrechen kann man auf die Gesinnung derer schliessen, denen die Republik, also die Regierung, das Parlament und das Volk den Schutz der bürgerlichen Freiheiten anvertraut. Viele Richtersprüche standen in den letzten Jahren im Brennpunkt der Kritik. Mit Entsetzen und Abscheu hat das Ausland solche Urteile aufgenommen, die immer wieder die Erinnerung an jenes schandhafte Magdeburger Urteil aus der Vorkriegszeit wachrufen. Soll sich wirklich diese historische Tragödie wiederholen? An einem einzigen Fall werden wir erkennen können, dass für dieses republikanische Deutschland einmal mehr die Stunde 25 zu schlagen droht, obwohl es sein Wirtschaftswunder im Zeichen Amerikas und seiner eigenen demokratischen Grundsätze erlebte. Ben Gurion verliess England London. — Vor seiner Abreise aus England ruhte sieh Ben Gurion in Oxford aus. Er verbrachte die Zeit mit Lektüre und der Vorbereitung einer Rede, die er nach seiner Rückkehr nach Israel vor der Mapai-Konferenz halten wird. Ben Gurion machte „Einkäufe” in den Buchhandlungen Oxfords, die besonders reichhaltig ausgestattet sind. Er erstand ungefähr 50 Bücher für seine Bibliothek. Gestern flog der Ministerpräsident ab, nachdem er seine Abreise um einige Stunden hinausgeschoben hatte, weil er den israelischen Botschafter Arthur Lourie begrüssen wollte, der heute der Königin Elisabeth seine Beglaubigungsschreiben überreicht. Auch Brigadier Mosche Dajan, der israelische Ackerbauminister, besuchte Ben Gurion in Oxford, um nach der Unterredung nach Paris und von dort aus wieder nach den USA zu fliegen. (ITA) Bevor wir dieses Beispiel darstellen, müssen wir darauf hinweisen, dass die geschichtliche Parallele zwischen der Entwicklung der beiden demokratischen Versuche in Deutschland, zwischen Weimar und Bonn, in ihren Konsequenzen durchaus zu gleichgelagerten — meist negativen — Resultaten führen muss, während in ihren Ausgangspunkten recht erhebliche Unterschiede vorhanden sind. Weimar und Bonn wurden auf dem ungesunden und unruhigen Boden eines im Kriege entschieden geschlagenen Staates errichtet. In beiden Fällen war die Demokratie, war die republikanische Staatsform ein Ausweg — aus Idem Kaiserreich anno 1918, um den Verkauf von Waffen ersuchte. Daher wird sich Israel in Kürze vor den grössten Schwierigkeiten sehen, um ein qualitatives und quantitatives Gleichgewicht gegen die wachsende Luftstärke der Aegypter und Iraker zu schaffen. Die militärischen Sachverständigen, die diese Situation kennen, sind der Ansicht, dass Israel zumindest seine Luftabwehr verstärken und Nike-Raketen erhalten muss. Dies wäre besonders jetzt wichtig, wo Nasser verkündet hat, er betrachte die Dreier-Erklärung. welche die arabischisraelischen Grenzen garantiert, für null und nichtig. Diese von England, Frankreich und USA Unterzeichnete Deklaration gab Israel noch immer die Empfindung, dass Nasser Israel anzugreifen wagen werde, um eine Herausforderung dieser drei Grossmächte zu vermeiden. Es wäre daher angezeigt, die Gültigkeit dieser Erklärung energisch festzustellen, möglicherweise unter Einschluss Moskaus, um Nasser in die Schranken zu weisen. Wie die Dinge liegen, scheint es jedoch, dass Moskau seine eigenen Berechnungen anstellt, um sie bei der Gipfelkonferenz auf den Tisch zu legen. Da die Russen antiisraelisch sind, so dürfte der Verdacht nicht grundlos sein, dass ihre Vorschläge nichts Gutes für Israel bedeuten werden. aus dem Führerstaat nach dem Jahre 1945. In der Weimarer Zeit führte die totale Niederlage zu einer nie gekannten Erwerbs- und Arbeitslosigkeit, zur staatlichen Verschuldung und demzufolge zur Verzweiflung der breiten Massen, die auf diesem Wege für die Kampf- und Hassparolen der nazistischen Demagogie reif wurdefi. Eine völlig veränderte Politik der Sieger, insbesondere der USA, bewirkte jenes ökonomische Phänomen, durch das ein zertrümmertes Deutschland in kurzer Zeit zur Wirtschaftsmacht Nr. 1 in Europa werden konnte. Bisher war man stets der Auffassung, dass nur auf dem Sumpfboden des Elends, der Massenarbeitslosigkeit, der Ausweglosigkeit und Verzweiflung sich Deutschlands Sturz in die braune Barbarei vollziehen konnte. Warum gibt es aber bei diesen sichtbaren Gegensätzen zwischen Weimar und Bonn auch heute eine nazistische oder neonazistische Strömung? Hier stossen wir auf eine ernste Frage, die für die Zukunft aller Länder, insbesondere aber für die Juden, von erheblicher Bedeutung werden kann. Aus diesem Grunde wäre es begrüssenswert, wenn auf diesen gesamten Komplex einmal mit grösserer Sorgfalt und dem Rüstzeug historischer Erkenntnisse eirwsesangei» werden De los Judíos de Australia Melbourne. — En un amiiin público, efectuado en el salón del Ayuntamiento de Melbourne, mas de 2.000 israelitas, convocados por el Consejo de Diputados Judios de Victoria, la representación oficial de la comunidad, expresaron su inquietud "arde el reciente auge de actividades antisemitas que se ha registrado en tierras ultramarinas y aun en algunas psries de Australia. , Las resoluciones fueron adoptadas después de escucharse a varios oradores y de leer un mensaje de solidaridad del Congreso Judío Mundial, suscrito por el Dr. Maurice L. Perlzweig. Las resoluciones condenan "el resurgimiento del neonazismo" y piden "extirparlo radicalmente antes de que vuelva a poner en peligfro la existencia del pueblo israelita, para vergüenza de toda la humanidad.” Una de las resoluciones expresa el aprecio de la judeidad australiana "por la actitud de simpatía del Gobierno, y particularmente, por la reciente declaración oficial del Primer MinistroTambién agradece "las numerosas expresiones espontáneas de buena voluntad recibidas de todas las capas del pueblo australiano", y hace constar la solidaridad con todas las co* muniades hebreas del mundo. FRANK LEHMAN Von den Juden in Australien Melbourne. — In einer öffentlichen Versammlung, die im Salon des Gemeinderates von Melbourne stattfand, gaben mehr als 2.000 Juden, die vom Board of Jewish Deputies von Victoria, der offiziellen Repräsentanz der Gemeinde, zusammengerufen worden waren, ihrer Besorgnis „wegen des kürzlichen Anschwellens antisemitischer Kundgebungen Ausdruck, die in überseeischen Ländern und selbst in einigen Teilen Australiens zu verzeichnen waren.” Die Resolutionen wurden angenommen, nachdem verschiedene Redner gesprochen hatten und ferner eine von Dr. Maurice L. Perlzweig Unterzeichnete Solidaritäts-Botschaft des Jüdische Weltkongresses verlesen worden war. Die Resolutionen verurteilen „das Wiederaufleben des Neonazismus” und fordern, „er solle radikal ausgerottet werden, bevor er wieder zur Schande der ganzen Menschheit eine Gefahr für die Existenz des jüdischen Volkes wird.” Eine der Resolutionen bringt die Anerkennung der australischen Judenheit „für die sympathisierende Haltung der Regierung und im besonderen für die kürzliche offizielle Erklärung des Premierministers zum Ausdruck. Ebenfalls wird der Dank „für die zahlreichen spontanen Versicherungen des guten Willens ausgesprochen, die aus allen Schichten der australischen Bevölkerung empfangen wurden”, und es wird auf die Solidarität mit allen jüdischen Gemeinden der Welt hingewiesen. FRANK LEHMAN würde. Eine Analyse der Zwischenkriegsjahre 1919 bis 1933 und ihre exakte Gegenüber Stellung mit der Zeit nach 1945 wird uns ganz neue Einblicke vermitteln. Schon jetzt wird man ohne Zaudern sagen dürfen, dass die Wurzeln des Antisemitismus jedenfalls heute nicht die gleichen sind wie damals. wo sie einseitig im wirtschaftlichen Elend der Massen legen, die in ihrer Verzweiflung einem Gaukler wie Hitler zujübelten. Aber sicherlich kann man die Net der Massen vor 1933 nicht allein für die Eruption des Hasses verantwortlich machen. Neben dieser Wirtschaftskatastrophe gab es Ursachen und Voraussetzungen, die auch heute dieselben geblieben sind. Einer dieser übereinstimmenden Faktoren, ohne Zweifel der wichtigste, ist der durch lange Erziehung zum Hass und Gehorsam geformte Mensch. Das deutsche Volk ist für antisemitische Bewegungen und Gedanken aus vielen Gründen aufgeschlossener als andere Nationen. In diefjem Zusammenhang ist es angebracht, auf verschiedene Veröffentlichungen deutscher Autoren aufmerksam zu machen, die auf die immer wiederholten Begegnungen zwisenen Deutschen und Juden im Laufe ihrer langen Geschichte hinweisen, und von gemeinsamen Eigenschaften dieser beiden Völker sprechen. Gerade diese Gemeinsamkeiten seien es, die eine Art Hass- Liebe erzeugen, beide Völker ständig zusammenführen und dann doch wieder aufeinanderprallen lassen. Dieser Gedanke ist nicht neu. Er wurde auch von jüdischen Schriftstellern und Historikern geäussert, u. a. von Kastein. Wie dem auch sei, erneut stehen wir alten oder neuen antisemitischen Strömungen und Ausbrüchen gegenüber, deren Ausmass von verschiedenen Politikern und Beobachtern unterschiedlich beurteilt werden mag, deren Vorhandensein aber von niemandem geleugnet wird. Ohne zu wissen, welches Echo der von uns nun im einzelnen mitgeteilte Vorfall gehabt hat, erscheint uns das hier folgende Fxempel (Schluss auf Seite 9) Ein Zwischenfall im Luftraum Tel Aviv. — Israelische Jagdflugzeuge hielten ein transjordanisches Zivilflugzeug auf, das israelisches Territorium überflog, jedoch ohne den Apparat zu beschiessen. Der transjordanische Pilot zog sich in den transjordanischen Luftraum zurück. Transjordanien erhob vor der transjordanisch-israelischen gemischten Waffenstillstands-Kommission- Beschwerde und behauptete, die Israelis hätten auf das Flugzeug, das 19 Passagiere, darunter 11 Amerikaner an Bord führte, „gefeuert”. Wie ein israelischer Militärsprecher bekanntgab, wurde bei dem Zwischenfall keine irgendwie geartet© Waffe benutzt; die israelischen Flugzeuge stiegen auf und warnten den transjordanischen Piloten. (ITA)