Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1763 (22.3.1960)
- Date
- 1960-03-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Mariée, 22 de Marso de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXL — No. 1763 jíurt«8, Namen ländlicher Siedlungsformen LITERATUR Ebenso wie in anderen Ländern die Siedlungsformen ihre besonderen Bezeichnungen haben, wie etwa Stadt, Dorf, Flecken, Gehöft u. a., so auch in Israel, wobei dann zugleich auch die innere Struktur von der soziologischen Seite her bezeichnet wird. Dem Jischuw sind all diese Bezeichnungen geläufig; der Fremde begegnet ihnen, wenn er über Israel liest oder auf anderen Wegen Kunde von ihnen erhält, ohne ihren Sinn zu verstehen. Wer philologische Neigungen hat, dem offenbaren sich nicht selten reizvolle Zusammenhänge zwischen diesen Namen und mehr oder weniger bekannten Hebraismen aus der Jargonsprache. In der folgenden Plauderei sollen einige hiervon aufgewiesen werden. von Dr. S. BRAUN Ein Dorf bezeichnet das Hebräische mit Kfar. Es gibt eine Unmenge von Siedlungen, deren erster Namensbestandteil dies Kfar ist, wie etwa Kfar Bialik, Kfar Warburg, Kfar Ruppin und — bereits im Neuen Testament vorkommend — Kfar Naohum, welches als Kapernaum besonders in der christlichen Welt wohlbekannt ist. Die dreikonsonantische Wurzel des Wortes bildet den Infinitiv kafor, das bedeutet bedecken, zudecken. Bei allen Ableitungen lässt sich dieser ursprüngliche Sinn nachweisen. Zunächst als wirkliches Bedecken einer Fläche wie im 6. Kap. des I. Buches Mose, da Noa den Befehl erhält, die Arche (Kasten) zu errichten, „wekafarta — decke ihn innen und aussen mit einer pechdecke” (Buber - Rosenzweig) — Der Deckel, mit clem die Bundeslade zu v-erfichliessen war, heisst Kapporet (II. B. M. Kap. 25, Vers 16 u. a.) Dies Kapporet darf picht verwechselt werden jnit Kapparot, wie es sich leicht fügt, wenn aschkenasisch gelesen wird Auf diese Weise ist die Meinung entstanden, der Jargonausdruck „kappores §ein” sei identisch mit beiden Substantiven. In Wirklichkeit liegt hier zwar eine /Umleitung beider Wörter von ISafbr vor, aber, Kapparot int nicht dasselbe wie apporet. In der Wendung Bildlichen hin erhält |^ch gewissen Lautverändeigen das kafor als kapper den Sinn von „eine Schuld zudecken", sie sühnen, woraus denn der Jom hakippunm — im Volksmund der Jomkippur — der grosse Sunnetag wurde. (Auch hier wahrt die Buber - Rosenzweig . Verdeutschung den Ursinn: Bedeckungen für Kippurim), Es ist ein alter Brauch, am Vorabend des Versöhnungs tages ein lebendes Huhn dreimal um den Kopf zu schwingen, wobei ihm symbolisch die Sünden des Schwingenden aufgebürdet werden. Hernach wird das Huhn geschlachtet. Dieser Brauch ist die Kappara, im Jargon als Kappores 'bekannt. Der Volksmund hat infolge der Vorstellung , es sei nun alles fertig gemacht”, insbesondere das „kappores” _ getötet, diesen Ausdruck mit „kaputt” in Zusammenhang gebracht, obgleich beide Wörter nichts miteinander zu tun haben. Eine ähnliche Fehldeutung begegnet uns bezüglich des auch in den deutschen Sprachschatz aufgenommehen Kaffer. Das Hebräische kennt die adjektivischen Ableitungen von Kfar: kfari und kafri im Sinne von dörflich, primitiv im Geistigen, ungehobelt. Im Duden finden sich die Vokabeln zwennal, einmal als aus dem Spanisch . Portugiesischen stammend für Angehörige der Bantuneger, einmal als aus dem Hebräischen stammend als Tölpel, dummer Kerl. - Eine Rückbildung steckt in dem ebenfalls dem Deutschen geläufigen Kaff im Sinne von „elendes Nest”. Eine besondere Art von Dörfern sind der Mosch aw und die Moschawa, lexikalisch ein und dasselbe Wort, nur einmal im Maskulinum und einmal im Femininum gebraucht. Diese Siedlungsformen unterscheiden sich in mancherlei Beziehungen voneinander, sowohl im Verwaltungsmässigen als auch im Wirtschaftlichen. Hierüber zu sprechen ist nicht der Sinn dieser Betrachtung. Den Bezc-u hnungen liegt das Verb jaschcw gleich sitzen, wohnen zugrunde. Ein Moschaw ist nicht immer ein Dorf, sondern überhaupt jeder O-t, auf dem ein Mensch oder eine Gruppe sitzen, wohnen. Z. B nenn* der maimönioes ttH M O* $ 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES 6URRUCHAGA 3369 — T. E. 714766 Rh baaicbao durch alle einschlägigen Buefc. handlangen and durch dl* JU1DISCHE WOCHENSCHAU PVmtRKDON tltf 1* — T. R. 63 6616 Fahrer seinen Sitz MoS' hsw und c'n Altersheim wird Moscha v sl'fi-im, Sita der Alten geraunt. Im ersten Psalm wird der glücklich geprieseo, der nicht im Moscha .v leziem, im Kreis von Spöttern weilt. Moschav meint weiterhin auch eine Aufei.iandertOige von Sitzungen, wie etwa im Parlament. Vertauschen wir das Anfangszeichen Mem mit Taw, so erhalten wir den Toschaw, den Einwohner, wie beispielsweise Toschaw ha’ir — Stadtbewohner. — Die Gesamtheit der Einwohner im Israel nennt man kurz Jischuw. Das ist ein Substantiv, dessen Herkunft von jaschow ohne weiteres zu erkennen ist. Desgleichen die Ableitung Jeschiwa, zunächst ein Abstraktum zur Bezeichnung des Sitzens, wie in den Bussen M’kom Jeschiwa — Sitzplatz, dann aber auch Talmud-Hochschule, im Jargon Jeschiewe-Moschawa, ist nicht nur eine dörfliche Siedlung in Israel, sondern bedeutet auch Kolonie, überseeisches Gebiet, das sich ein Staat angliedert. Im Tenach finden wir wohl das Wort Moschaw, aber an keiner Stelle das andere Moschawa. Wir lesen war an einer Reihe von Stellen von Moschawot, immer mit Possesiva versehen, wie Mosehwotechem — eure Wohnorte. Es ist dies nur scheinbar ein Plural von Moschawa; denn gleich andern Wörtern hat Moschaw zwei Formen des Plurals; Moschawim und Moschawot, beide männlichen Geschlechts. Wenn viele Siedlungen sieh in unseren Tagen Moschawa nennen, so ist dies der amtliche Terminus für Kfar; verwaltiungsmässig gesehen gibt es gar kein Kfar. So tragen denn auch eine Anzahl von Kollektivsiedlungen den Namen Kfar, wie etwa Kfar Blum, Kfar Gileadi, Kfar Hamakkabi u. a. m. Verb kawoz gleich sammeln, einsammeln, versammeln und dessen Intensivform kabbez in gleicher Bedeutung. Wenn sich Menschen zu einer Lebensgemeinschaft zusammentun, dann entsteht eine Ansammlung, ein Kibbuz oder eine Kwuza. Kibbuz galujot das ist die Sammlung der in der Zerstreuung lebenden Juden in Israel, jenes wunderbare Geschehen, das zu schauen unsere Generation gewürdigt ist. Das Jiddische kennt den Kabzsn, hebräisch Kabzan, einen Bettler, der die Hand ausstreckt, um die Almosen einzusammeln. Es gibt derlei Substantiva viele, wie etwa Gaslan Räuber von gasol Schadchan (Jargon Schadchen) von schadech vermitteln usf. Eine weitere bemerkenswerte Ortsbezeichnung ist Kirijat, wie in Kirijat-Anawim, Kirijat Bialik u. a. Ursprung des Wortes ist karo gleich geschehen, begegnen, daher Kirijat der Ort, an dem man sich trifft, begegnet, Stadt. Unsere Regierungsbehörden waren nach der Staatsgründung alle in der früheren Templerkolonie Sarona untergebracht. Man gab ihr den Namen Kirijat. In Eduard Königs hebräischem und aramäischem Wörterbuch zum Alten Testamente finden sich die Anmerkung, eine Nebenform von Kirijat sei das aramäische Keret oder Karta. Es muss noch einmal auf Jischuw hingewiesen werden. Im Rheinland vielleicht auch in anderen Bezirken, pflegte man, wenn eine Reise beendet war, und man wieder am heimischen Herde sass, zu sagen. „Kein besser Jischew wie Düsseldorf”. Darin fand das Gefühl ner Zufriedenheit, wieder daheim zu sein, seinen Ausdruck. Welchen Ursprungs die Redewendung war, das konnte d -.r Schreiber dieser Plauderei nicht feststellen. Sollte vielleicht ein Heine-Wort dahinterstekken? — Hierher gehört auch das hübsche besonders gefühlsbetonte Mejuschewiich, im Sinne von behaglich. Auch das ist eine abgewandelte Form des Verbs jaschow, sitzen und meint beispielsweise den Zustand, in dem man sich wohlig in der warmen Stube im bequemen Sessel befindet. Wir erinnern uns der genannten Neturei Karta, d. h. Wächter der Stadt, im Talmud Bezeichnung der führenden Männer einer Stadt, in unseren Tagen die in Mea Schearim zu Jerusalem abgesondert lebenden religiösen Fanatiker, welche schon so oft wüste Demonstratio nen veranstaltet haben, wenn ihnen gewisse Erscheinungen und Einrichtungen nicht passten, wie z. B. das gemeinschaftliche Schwimmbad. Nach Meinung zünftiger Philologen steckt in dem Stadtnamen Karthalng die gleiche Wurzel wie in Karta. — Den Lesern sind hier nur die geläufigsten Termini vorgelegt worden, dazu noch in einer Umschrift, welche vermutlich hier und dort den Widerspruch der Sachkenner hervorrufen werden. Wer in der Läge ist, Hebräisch zu lesen, und wer sich in den Wörterbüchern zurechtfindet, dem sei empfohlen, sie zur Hand zu nehmen. Er wird noch manch Lehrreiches entdecken und dadurch jene gar v reine Freu de erleben die nur kennt, wer lernend auf Unerwartetes, Ueberraschendes stösst. Gott als neueiiï Wenn ein schnell bekannt gewordener Aulor, Verfasser erfolgreicher Romane, Dramen und Filmtexte, ein öffentliches Bekenntnis zum orthodoxen Judentum ablegt, so ist er der Aufmerksamkeit weiter Kreise sicher. Sie ist in der Tat nicht ausgeblieben; das Buch „This is my God” von Herman Wouk (Doubleday and Company) wird viel gelesen und besprochen, meistens günstig. Hier aber sollen einige Bedenken angemeldet werden, jedoch ohne die Absicht, dem Buche jeden Wert abzuerkennen. Der Verfasser hat sein Buch bewusst für viele Leser geschrieben. Seine gerechte Beurteilung muss deshalb von den Gesetzen der Massenverbreitung ausgehen. Auch ein Buch über ein ernstes religiöses Thema darf ein „bestseller” werden. Erfolglosigkeit ist kein Wertmasstab —- nicht ein jeder kann „worstseller” schreiben. Aber auch Erfolg ist kein Wertmasstab. Der Kritiker hat jeweils festzustellen, was an diesem oder jenem Buche seiner Meinung nach legitim, was illegitim ist. An ein Buch wie das vorliegende, das zugleich Information, Wertung und Bekenntnis enthält, sind drei Fragen zu richten; wie zuverlässig ist die Information, wie stichhaltig die Wertung, wie ehrlich das Bekenntnis? Die Information, die Wouk über die heutige Praxis des modernen orthodoxen Juden in Amerika gibt, ist eine wichtige Quelle für dessen genauere Analyse, im ganzen also zutreffend, obwohl auch er am Jom Kippur wohl 25 und nicht nur 24 Stunden fastet und seine 30 Trauertage nicht nach der strengeren Trauerwoche beginnt, sondern diese in jene mit einrechnet. Für die historischen und literarischen Teile des Buches ist der Grad der Zuverlässigkeit noch geringer. Zwei Beispiele aus vielen: es gibt keinen Talmudtraktat „Sukkot” (nach dem Namen des Festes); er heisst „Sukka” (nach dem Namen der Laubhütte). Der Talmud sagt nirgends „The Torah speaks in the tongue of men” (Seite 87), sondern ein Talmudlehrer, Rabbi Jischmael, stellt den exegetischen Lehrsatz auf: „Die Thora spricht wie in der Sprache von Prof. Dr. ER |A pareció Un “Best Seller" Mundial Zu den in aller Welt bekannten Siedlungsarten gehören ohne Zweifel der Kibbuz und die Kwuza. Der Kibbuz ist ein Kollektiv, das nach Weite und Zuwachs strebt und infolgedessen weniger strenge Masstäbe anlegt, wenn Chawerim aufgenommen werden. Die Kwuza will dagegen mehr ein intimer Kreis bleiben, eine grosse Familie bilden, in der einer den anderen kennt und Freud und Leid mit ihm teilt. Sprachlich gesehen haben beide Bezeichnungen ihren Ausgang von dem el famoso y tan discutido libro de la “Sagan israelí" YAEL DAYAN: Nuevo Rostro en el Espejo' del que se vendieron un millón de ejemplares en los países de habla inglesa solamente. Precio 100.— rústico 130.— encuadernado Hagan sus pedidos por escrito o por teléfono ¡EDITORIAL CANDELABRO! I Pasteur 341 P. 3 der Menschen”, und sein grosser Zeitgenosse Rabbi Akiba bekämpft sogar diesen viel weniger radikalen Grundsatz. Eine Entscheidung zwischen diesen beiden Schulen ist niemals erfolgt; sie von sich aus zu treffen, ohne sie als solche zu bezeichnen, ist niemand befugt; tut er es doch, so vermischt er unzulässigerweise seine informatorische Aufgabe mit seinen persönlichen W er tur teilen. Wouks Werturteile sind die eines überzeugten Juden und ebenso überzeugten Amerikaners. Bei Vergleichen mit anderen Kulturen pflegen diese von vorneherein dem Judentum gegen- NSTSIM prob' über schlecht abzuschneiden; so heisst es z. B. über die ägyptische Religion: „Die Riten waren obszön, die Mythen kindlich, die Götter sonderbare halbmenschliche, halbtierische Monstra” (S. 22). Für jeden, der einmal von den Elegien und Zwiegesprächen des ägyptischen „Totenbuches” oder von der tiefen Metlancholie mancher Statuen angerührt wurde, entbehrt der zitierte Satz jeder Rechtfertigung. Die Vorureile des Verfassers sind häufig konsequenter als seine Urteile. Er lehnt ab, als „Fundamentalist” zu gelten, d. h. als derjenige Typus des Gläubigen, für den das Wort der Bibel und seine Interpretation durch die autoritative Tradition ein unfragliches Fundament seiner Weltanschauung ist. Aber auch bei ihm begründet sich die Gesetzestreue darauf, dass ..das Gesetz Gottes Wille ist.” (S. 36). Andererseits wieder kann er ganz unbefangen von den „Verfassern der Bibel oder den Männern, die den Kanon zusammenpmanente nicht beseitigt harmonis^*1 bemüht sc'11 lasser, um < möglichen J sehen Ortho* nkanertuin t aus dieser ps beit stammt ai ¿«rechte Beu nigen iüdis Richtungen, konservative t Regung ans einen oder me ge zu finden vi Es kommt in d menhang nicht gene Stellung« vielleicht wir ich nicht in Ii in einem Landi n lebte, bereil sich ergebender mich zu nehffl< hoffe, dass ich eben würde, il leugnung sehe scheinbar, aus schaffen. Aber Wouk Leser nicht; we den belügt, dar selber, Soweit s Bekenntnis ist, jekfiv ehrlich. 1 so die dritte Pn es die beiden ei formationsschrii wertende Abha oder nur schlec hat. Als ehrlic! der gelingen glückliche We ¡reifende Schili besonders wenn n* 6m Line ju stellt haben” sprechen '(S. 185). Jeder unbefangene Leser muss fragen, wie eigentlich Wouks Offenbaruogsglaube und Offenbarungsbegriff aussieht; Ist er theozentriseher oder anthropozentrischer Natur? Das Buch selbst gibt darauf keine klare Antwort, sondern nur eine Fülle sich widersprechender Formulierungen. In einem zentralen Punkte allerdings herrscht vollkommene Klarheit: orthodoxes Judentum und Amerikanismus sind nicht nur voll vereinbar, sondern können sich niemals widersprechen. Diese Harmoisierung wird wieder durch eine unzulässige Verallgemeinerung eines einzelnen talmudischen Satzes erzielt, dass nämlich Staatsgesetz Gesetz sei. Zum Unterschied zu der Lehre Rabbi Jischmaels ist dieser Satz Schmueis zwar von Maimonides kodifiziert worden, aber damit ist die ihm im- Die „Verei Freunde der Jii geed'’ in Brasse ich in dem «Haus der Jun Chansee de 1 Ausstellung de fehes. An di oteressanten < Juch offizielle ®n miigearbeit »ehungs - Mini ie Königliche & seltene; wertvollen Sam Ausstellern lej Jüdische »ra. so dfe „A, die Israelitisch ™ Brüssel u «•israelische Aahenmifausg Dle Ausstelfe ^"»‘Sfach um Station von fcB Geschmack JnBUciles St *6’?eit° eine < fische' íí^ripte P^e im Ziehen ï Israel - (■ fröNter Auswahl: u. «. Vtes»*. MER — MARKEN MIT BAJ^^OC) STAENDIGE SAMMLUXGgt ~ KOty VORHANDEN * Alfonso iVÍORITZSQN