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Jüdische Wochenschau · 1960-03-22 · 1763 (22.3.1960) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1763 (22.3.1960)
Date
1960-03-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Año XXL — No. 1763 LA SEMANA ISRAELITA 22 de Marse ce Zwei Welten in einer Stadt Der junge A. M., ein christlicher Araber aus Nazaret, warf uns einen bösen Blick zu. „Ja, natürlich gibt es Erleichterungen, aber tatsächlich ist alles genau so schwer wie früher”, erklärt er uns erregt. Wir hatten ihn nach den von der Militärverwaltung eingeführten Liberalisierungs-Massnahmen gefragt und festgestellt, dass, wie immer, die Araber in Israels Minderheitsbezirken nur denjenigen Forderungen Bedeutung beimessen, die ihnen nicht erfüllt wurden. .Während langer Jahre musste jeder Araber Nazarets, der ausserhalb arbeitete, oder zu irgendeinem anderen Zweck nach den jüdischen Gebieten des Landes fahren wollte, sich durch langwierige Demarchen Sondererlaubnis einholen. Diese Notwendigkeit wurde etappenweise in den letzten Monaten aufgehoben, aber für A. M., der in Haifa arbeitet und früher immer gegen Verkehrs - Beschränkungen schimpfte, sind diese Erleichterungen jetzt belanglos. „Was wir brauchen, sind Arbeitsquellen in Nazaret selbst, und nicht Genehmigungen, uns Arbeit woanders zu suchen.” Ganz Unrecht hat unser Gewährsmann sicher nicht. Er selber hat Arbeit in Haifa gefunden. Eine ziemlich schwere Schwarzarbeit, neben der er in den Nachmittagsstunden sich den Beruf eines Photographen zu erlernen bemüht. Er erhält sogar Lehrmaterial eines internationalen Instituts und hofft, in ein bis zwei Jahren ins Ausland fahren 2u können, um „weiter zu studieren”. Aber inzwischen ist die Arbeit in Haifa hart, und A. M. muss morgens vor fünf Uhr aufstehen, eineinhalb Stunden fahren, bevor er an seinem Arbeitsplatz ankommt und dann abends dieselbe Fahrt, totmüde, in der anderen Richtung zurücklegen. „Wir sind ungefähr 2.000 arabische Arbeiter in Nazaret, die auswärts arbeiten”, erzählt er. „Ein schweres Leben, aber unter unseren Freunden gelten wir als Glückspilze, denn wer keine Arbeit auswärts findet, in Haifa oder Afule, in den Kibbuzim der Umgebung oder in Tiberias, der ist eben arbeitslos. In Nazaret selber gibt es keine Arbeit.” Dieser (kaum übertriebene) Pessimismus wird auch von anderen Bewohnern der Stadt geteilt. Chassan Kh. findet von Zeit zu Zeit Arbeit beim Bau, aber viel wird hier in Nazaret nicht gebaut, und so lebt er von allerlei .Gelegenheitsbeschäftigungen u. a. auch als Fremdenführer, denn er spricht mehrere Sprachen (arabisch, hebräisch, französisch, englisch und sogar einige Worte jiddisch) und hat eine Mittelschulbildung erhalten. Von Politik will er nicht sprechen, weil er, wie er selber ehrlich sagt, nicht weiss, mit wem er es zu tun hat, und uns ja nicht kennt. Auch die Frage, ob es heute den Arabern in Nazaret besser geht als vor Staatsgründung oder in den Nachbarstaaten. lässt er unbeantwortet, fügt aber bitter hinzu: „Gut geht es sicher nicht.” Eine ähnliche Meinung Restaurant »Paso ' "IBO Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-9259 Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehilla MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten ■;ZU Pessach: TRADITIONELLE JÜDISCHE GERICHTE;: **VVVVVVVV*VV*WA***W*»*W»»»»VWWVAV»%WWWWW^ AUTO . REPARATUR . WERKSTATT „BENO“ BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. e. si - 2205 Juan Schottlaender Versicherungen jeder Art — JUNCAL 2170 T. E.- 82-1732 vertrat auch Pater Gauthier, ein französischer Priester, der seinen Lehrstuhl an einem religiösen Seminar in Dijon aufgegeben hatte, um im heiligen Lande „in den Spuren Gottes zu wandeln”. Pater Gauthier lebt oben an den Abhängen der Berge Nazarets in einer Holzbarakke, aber begnügt sich nicht mit Gebet und Studien, sondern will die wahre Liebe zu Gott in seiner Hilfe für seine Mitmenschen beweisen. Auch er findet die Misere der Araber Nazarets unerträglich, aber im Gegensatz zu den Arabern, hat er selbst die Aermel hochgekrempelt und sich ans Werk gemacht, um im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas das Elend zu mildern. So entstand unter seiner Leitung die erste arabische Baukooperative in Nazaret und eine Gruppe der 12 ersten Wohnschikunim, die unter den Mitgliedern der Kooperative verlost werden, erhebt sich schon stolz bei der Einfahrt in die Stadt. Die Histadrut und die Regierung haben der Initiative von Pater Gauthier alle mögliche Hilfe erteilt, denn auch sie suchen den Weg, um der arabischen Bevölkerung der Stadt zu helfen. So seltsam es klingt, sind nämlich die in der Misere lebenden Araber nicht immer gewillt, eine Unterstützung des Staates anzunehmen, der ihnen den Weg zum Aufbau einer besseren Zukunft weisen will. Hier spielen viele Momente mit, Misstrauen, Vorsicht, Apathie, politische Anschauungen, Feindschaft dem Staat gegenüber u.v.m. „Hier muss man viel Ausdauer und Zeit haben”, meint Pater Gauthier, wahrscheinlich mit Recht. Wenige Kilometer vom Bauprojekt des Pater Gauthier und der orientalischen Apathie der Araber entfernt hat man jedoch keine Zeit für solche Betrachtungen. Hier wird gearbeitet-, Kiriat Nazaret heisst das neue alljüdische Viertel der arabischen Stadt. Kiriat Nazaret ist eine Olimstadt besonderer Art geworden, die ein Beispiel für alle anderen Olimzentren des Landes, von Demona und Ofakim bis Kiriat Schmone und Bet Schemesch sein könnte. Als man zur Zeit des Sinai-Feldzuges die ersten Häuser von Kiriat Nazaret errichtete, erklärten die Araber ehrlich überzeugt, man baue dort drüben auf den Bergen Kasernen für französische Truppen, die Israel beschützen sollen. Aber diese Zeiten sind vorüber, und heute schauen selbst die Skeptiker in den Kaffeestuben Nazarets, mit Neid und einem gewissen Beigeschmack von Bewunderung auf das neue Viertel der altehrwürdigen Stadt. Kiriat - Nazaret ist nicht wie die anderen Olim-Städte des Landes ein Sprössling des Entwicklungs-Ministeriums oder der Sochnut sondern entstand auf Initiative und nach Plänen und Vorbereitung des Sicherheits-Ministeriums, das für die ganze Zone unter Militärverwaltung zuständig ist. Natürlich verfügt das Sicherheilsministerium über mehr Mittel und kann diese leichter einsetzen, als viele andere Gremien, doch genügt dies nicht, um den Erfnig von Kiriat Nazaret zu erklären. Im Gegensatz zu den Gewohnheiten anderer Oi>mstädte gibt es hier in Kiriat Nazaret Arbeit für jeden Siedler scton vor seiner Ankunft. Andererseits darf in Kiriat-Nazai et aber cur arbeiten, wer auch tatsächlich mitsamt seiner Familie in der neuen Stadt ansässig wird. Hier gibt es keine Lehrer und Instrukteure, die von Sonntag bis Freitag im Dienst sina und dann zu ihren Familien irgendwo anders im I. and fahren Die für Kiriat-Nazai et verantwortlichen Männer verzichten lieber auf eine wichtige Arbeitskraft, als jemand 2U verpflichten, der n'cht tatsächlich aus der Kiriat seinen ständigen Wohnsitz zu machen bereit ist. Eine andere wichtige Erscheinung der jüdischen Vorstadt Nazarets ist die enge Zusammenarbeit und soziale Verschmelzung von neuen Olim und „Vatikim”. D:e Vatikim in Kiriat-Nazaret stellen ungefähr ein Drittel der Bevölkerung dar, aber sie unterscheiden sich in nichts von den neuen Olim, geniessen dieselben Rechte und führen eui gemeinschaftliches soziales Leben. Dies trug wahrscheinlich wesentlich zum Erfolg des Unternehmens in der Olirr.- stadt des Sicherheitsministeriums bei, denn die Vatikim fordern für sich und auch für c:ie neuen Olim dieselben Rechte, Behausung soziale Dienste, Löhne etc. Nach Bangkok verlegt New York. — Die Weigerung Pakistans, eine israelische Delegation zur Teilnahme an der in Karatschi geplanten Tagung der UN- Wirtschafts-Kommission für Asien ins Land zu lassen, hat die Vereinten Nationen veranlasst, die Eröffnung der Konferenz zu vertagen und den Tagungsort von Karatschi nach Bangkok in Thailand zu verlegen. (ITA) wie ir. den anderen Teilen des Landes, sodass die Olimstadt bald die Atmosphäre und defes geseilschaftlicne Niveau eines langjährigen israelischen Ortes bekam. Hier m Kiriat Nazaret gelang, was seit Jahren in Ludd und Ramie z. B. jede Entwicklung bremst, nämlich die Verschmelzung von alt-eingesessenen Israelis und neuen Einwanderern zu einer einheitlichen Avbe.ts- und Lebensgemeinschaft. In der letzten Zeit meldeten sich auch e;ne gewisse Anzahl von Familien von Vat k m aus allen Teilen des Landes, die sich in Kiuat Nazaret n!ederlassen wollen. Aber vorläufig wird doch den neuen Olim Vorzug gegeben. Für sie entstehen weitere Schikunim, im allgemeinen besser eingerichtet als die Olim-Schikunim e6 sonst sind, und für die Akademiker - Einwanderer aus dem Ostblock wurde ein Sonder-Ulpan eingerichtet. Neue Pläne werden ausgearbeitet, um Arbeit für diese Neuankömmlinge zu sichern und wenn bisher eine genaue Vorbereitung aller Aufnahmeplätze einen klaren Erfolg des Unternehmens Kiriat-Nazaret zur Folge hatte, so darf damit gerechnet werden, dass die Olimstadt des Sicherheits-Ministeriums auch in der Zukunft ein Erfolg sein wird, und vielleicht sogar der arabischen Bevölkerung Nazarets zeigen kann, was Willen, Planung und Arbeit trotz allen potentiellen Schwierigkeiten erreichen können. Delegierte für Lateinamerika Vereinte Nationen. — Der Hochkommissar der UN für die Flüchtlinge, Auguste R-* Lindt, hat in Argentinien, Brasilien und Venezuela Delegierte ernannt. Die Ernennung eines Delegierten für Chile steht bevor. Die Aufgabe dieser Delegierten besteht darin, die Verbindung mit den Regierungen, den Behörden und mit dem Delegierten für Südamerika mit Sitz in Bogota, Botschafter Francisco Urrutia Holguin, aufrecht zu erhalten. Die neuen Delegierten sind: Dr. Victor Vinelli für Argentinien, Dr. Eduardo Bittencourt Chermont de Britto für Brasilien und Dr. Heraldo Ruiz Carillo für Venezuela. (ITA) Für Beruf und Reise Carlton-Kleidung! Auch einem noch so anspruchsvollen Herrn kann man nichts besesres empfehlen als Carlton - Kleidung, stabiloform verarbeitet. 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