Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1960-03-22 · 1763 (22.3.1960) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1763 (22.3.1960)
Date
1960-03-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9611224-9611378--0258-9611380
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Aussprache im Bundestag (Schluss von Seit« 1) wie Ernst Deutsch' geleiert worden wäre, und welche Erfolge Fritz Kortner habe, wurde es dem bekannten Sr _>-Pol tiker Dr. Arndt zu bunt und er fragte den Redner, ob er denn wisse, wie viele antisemitische Zuschriften Kortner erhalten würde. Friedensburg beteuerte daraufhin, dass er sich Kortner freundschaftlich verbunden fühle und deswegen verstehen könne, dass Kortner besonders empfindlich sei. Wir halten Kortners V --rbleiben in diesem Lande, in dem er früher verjagt und jetzt mit antisemitischen Briefen bedacht wird, nicht für besonders empfindlich, aber für reichlich würdelos, jedenfalls von unserem jüdischen Standpunkt aus. Mit Recht sagte deswegen auch Dr. Arndt, dass auch nur fünf antisemitische Zuschriften bei weitem mehr Bedeutung haben können als der Jubel der Tausende, die einem Kortner Beifall klatschen. In seiner Diskussionsbemei-kung betonte Dr. Arndt, es sei durchaus richtig und „unendlich erfreulich, dass starke Kräfte, stärkste Kräfte im deutschen Volk sich ganz anders verhalten, als das in der Weimarer Zeit leider war. Wir haben in den letzten Wochen und Monaten einen wirklich elementaren und spontanen Widerstand aus der Bevölkerung gesehen, haben gesehen, dass diese Menschen sich diese Schmutzfinkereien einfach nicht mehr gefallen lassen wollen. Darum haben wir keinen Grund, unser Licht unter den Scheffel zu stellen.” In der Debatte haben sich auch einige Redner auf die von der Bundesrepublik geleisteten Zahlungen berufen. Deutlich antwortete ihnen Dr. Arndt, man solle auch die Dinge in der richtigen Proportion sehen: „Ich muss dabei Herrn Kollegen Friedensburg in aller Verehrung leider auch eines sagen: Ich muss es immer als etwas peinlich empfinden, wenn man dann Zahlen und Geldleistungen nennt und sagt: „10,3 Milliarden, das ist doch nun schon eine sehr ansehnliche Leistung." Meine Damen und Herren, das deutsche Volk gibt im Laufe eines Jahres mehr als siebzehn Milliarden für Alkohol und Tabak aus. Ich glaube, dann sollte man sich also nicht so in di« Brust werfen mit den 10,3 Milliarden, die bisher geleistet worden sind.” Arndt hat vollkommen recht. Er bezog sich auf die Ausgabe für Alkohol und Tabak. Man kann sich auch auf ganz andere Daten beziehen, z. B. darauf, was die Bundesrepublik für ehemalige Nazis, für Vertriebene, für die 131er und für manche andere Kategorien von Menschen ausgibt, die nicht Verfolgte, sondern Verfolger waren. Aber Arndt hat einen Gesichtspunkt, man darf wohl sagen den wichtigsten, unerwähnt gelassen, da wir nicht annehmen wollen, dass er ihn übersehen hat. Wollen einige Abgeordnete, Mi- Dr. FREY Abobado PUEYRREDON «SO ■achia. 1t—It Uh* ... Wenn es Abend in Buenos Aires wird... und Gesellschafts-Kleidung auf dem Programm steht, gilt als Favorit der Carlion- Frack und -Smoking, oder der kleine Abendanzug. Und nun eine kleine Erklärung über den Frack: Bei keinem Kleidungsstück ist die Herrenmode für lange Zeit so einfallslos gewesen wie beim Frack. Immer waren es im Grunde genommen dieselben Konturen: bei den Revers, bei den Frackflügeln und bei der Knopfplacierung. Da war es dann eine Sensation, als man vom Smoking her auch für den Frack den Schalkragen übernahm. Was dann wiederum jzur Folge hatte, dass man i nun auch für die Abwandi lung anderer Details aufgeschlossener wurde. Und so kann sich heute der Frack in einer Reihe ganz verschiedener Modelle präsentieren. J. Liebling I FOUBNIERE — SPERRHOELZEH j DIAZ VELEZ 5224 «1 4t T. E. 43-2349/0240 T 3021 ¡ I vwwwwwHWW; REAL PEN I ¡'Füllhalter * REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T E. 49-5850 °ptica REX DIPL. OPTIKER ¡Sarmiento T. E. 35 - 735 35= LAVALLE 870 T. E. 35-1110 Judith Schenkolewski KultuMtiakereien Schabbosdecken - Tallis-“ beutel . Käppchen Maszot-Taschen . Hand- und Maschinenstickerei von Bett und Tlacbwäache BEBEDERO 2383 T. E. 73-8135 Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos nad unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von WOHNUNGEN HAEUSER* GESCHAEFTEK XaatvridM 371, 4. SA T. E. 48-4137 7 78-7244 nister oder Politiker sich damit rühmen, dass Deutschland seinen Verpflichtungen aus dem Luxemburger Abkommen nachgekommen ist? Seit wann kann man. denn daraus, dass man eine Vertrag einhält, politische Vorteile ziehen. Hierüber hat Arndt bedauerlicherweise nicht gesprochen. Die nächste Frage wäre die, ob diese Politiker immer stolz von ihren Zahlungen an die Juden sprechen, weil sie der Meiung sind, dass es sich hier um freiwillige Leistungen handeln würde. Gewiss haben die Deutschen das Zahlungsabkommen mit Israel pünktlich erfüllt, aber sie selbst haben doch zugegeben, dass hiermit nur ein Bruchteil des tatsächlich den Juden zugefügten materiellen Schadens ersetzt worden ist. Wenn man bedenkt, welche Vermögenswerte vor allem in Polen und anderen östlichen Ländern von den Deutsche vernichtet worden sind, wird man verstehen, wie unvollkommen das ‘Luxemburger --bkommen war. Die Juden Osteuropas haben weder für ihre zerstörte Existenzen noch für die ihnen geraubten Vermögenswerte auch nur einen roten Heller erhalten... Schliesslich sei nur der Vollständigkeit halber auf den politischen Hintergrund der Verhandlungen über Reparationen hingewiesen. Der Abschluss des Israel-Vertrages enltsprang durchaus nicht nur der Einsicht der Bundesbehörden, wenigstens in bescheidenem Umfang wiedergutzumachen, was materiell wiedergutgemacht werden konnte, sondern wurde durch die damaligen politischen Notwendigkeit diktiert, Westdeutschland in den Augen der zivilisierten Welt zu rehabilitieren. Dass dieses politische Bemühen Bonns einer Initiative der Alliierten entsprach, und dass die westlichen Grossmäehte verschiedentlich die westdeutsche Regierung zum Abschluss der Verpflichtung ermahnten, sei ebenfalls in die Erinnerung zurückgerufen. Denn die Verhandlungen wurden mindestens bei zwei Gelegenheiten von der deutschen Delegation in Den Haag abgebrochen. Dies alles wird hier nur deswegen erwähnt, um dien deutschen Parlamentariern, die auf ihre Zahlungen an Israel und die Opfer des Nationalsozialismus als Argument für den Gesinnungs wandel des deutschen Volkes hinweisen, einige Tatsachen bewusst zu machen, die nun schon der Geschichte angehören und mit den beute vorgetragenen Behauptungen nicht im Einklang stehen. Dass auch politische Fragen selbst heute noch eine Rolle spielen, hat der weitere Verlauf der Bundestagsdebatte gezeigt. Allerdings interessieren sich jetzt die Westmächte nicht mehr für diesen Fragenkomplex. Wohl aber bet die Aussprache im Bundestag den Parteien selbst eine Gelegenheit, innerpolitische Rechnungen zu begleichen, die mit einem heftigen Wortwechsel mit groben persönlichen Beschimpfungen endeten. „Sie sind ein Strolch", rief einer dem anderen zu, aber das hat eigentlich mit dem Thema der Diskussion überhaupt nichts zu tun, nichts mit Juden, nichts mit Antisemiismus, nichts mit Reparationen und nichts mit den Problemen, die man bis dahin auf hoher Ebene behandelt hatte. Ein SPD - Abgeordneter richtete einen schweren Angriff gegen Dr. Adenauer, dass er erst im Jahre 1960 den Weg nach Bergen Belsen zum Ehrenmal für die Opfer des Nazismus gefunden habe, „weil es im Jahre 1960 gerade ein Mal einen akuten Anlass gab, der es zweckmässig erscheinen liess.” Für uns ist es nicht wesentlich, ob, wann und warum Adenauer nach Belsen fährt. Dann ging man zum Problem Oberländer über, jenem Minister im Adenauer- Kabinett, der beschuldigt wird, als hoher SS-Führer an der Ermordung vieler Juden im Raum Lemberg mitschuldig zu sein. Das war das Signal zum Skandal. Der SPD-Mann Jahn fragte: „Halten Sie es wirklich für eine sehr überzeugende Art der Diskussion und der Haltung der Bundesregierung, wie seit Wochen und Monaten an dieser Affäre Oberländer herummanipuliert wird? „Halten Sie es für eine überzeugende Haltung der Bundesregierung, dass sie es dabei bewenden lässt, dass sich Herr Oberländer zunächst einen privaten Ausschuss bestellt und dass dann schliesslich ein Ehrenrat seiner Fraktion die Dinge klären soll? Meine Damen und Herren, es geht hier weniger um die Ehre und das Ansehen von Herrn Minister Oberländer als um die Ehre und das Ansehen der deutschen Demokratie. Eine solche Sache bereinigt man nicht durch Ehrenräte und ähnliche Ausschüsse." De.- Fall Oberländer hat ausserordentlich viel Staub aufgewirbelt. Er kann in diesem Zusammenhang nur erwähnt werden. Ohne Zweifel stellt er ein Stück „nicht überwundener Vergangenheit” dar, obwohl er doch sehr einfach zu überwinden wäre. Der frühere Nazimann und jetzige Minister brauchte nur zurückzutreten .aber das will Adenauer nicht... Warum?, fragen viele. Die Antwort Adenauers wäre interessant. Aber der Bundeskanzler spricht nicht. Er stellt sich vor seinen Minister, bisher wenigstens. Die Spuren der furchtbaren Vergangenheit reichen offensichtlich bis in die höchsten Regierungsspitzen der demokratischen Bundesrepublik. Das Schlusswort in der aufschlussreichen Debatte des Bundestages hatte der Innenminister Dr. Schröder, der die Angriffe gegen Adenauer zurückwies, die Zwischenfälle bedauerte und... nichts sagte, mas man als einen befriedigenden Abschluss hätte ansehen können. Resümierend muss man La Semana Israelita Bisemanario; uparse« loe Martes y Vieren Editado por Estrellas Editorial Ltda Verán twortiich: Di. H. Swarsensk? Pueyrreaon 2190 1* uq T. E. 83-2613 Aoono-Preue: Argentinien: $ 60.— pro Quart«! Mohel N. Plaksin Supon 2719 T. E. 78-6784 u. 76-2312 feststellen, es war eine anregende Diskussion, eine interessante akademische Auseinandersetzung, aber keine Parlamentsdebatte, die irgendein konkretes Ergebnis gezeitigt hat. Wenn diese Auseinandersetzung nicht stattgefunden hätte, so wäre es dasselbe gewesen. Wir haben aber keine noch so schöne und glänzende Rednerfolge erwartet, sondern klare Schritte und Enscheidungen, um eine Wandlung herbeizuführen und den Antisemitis-; mus sowie Ausschreitungen ¡unmöglich zu machen. Im Leben, in der Politik, in Praxis und W irklichkeit' kommt es nur auf Fakten und nicht auf Deklarationen, an. Der mit den antisemitischen Aktionen gegen die Demokratie gerichtete Angriff ist durch die Debatte im Bundestag nicht abgewehrt worden. Die Gefahr bleibt bestehen. — NERVEN- 0. GEMUETS- KRANKHEITEN Dr. M. J. Kahn RTVADAVIA 2625, 3» T. E. 48-7524 Mont., Mittwoch, Freitag 17—18 Uhr. Tel. Anmeldung erbeten Dr. JACOBO COHEN HIGADO — DIGESTIVO Pampa 2026 T E. 73-1116 Solicitar hora VARICES — ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY! SARMIENTO 3116 T. E. 87 136* Dr. B. Schwarcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG Jüdischer und Deutsch-Unterricht EINZELN UND KURSE BAR MIZWA-VORBEREITUNG Dr. Carlos Vogel JURAMENTO 3361, 1», dp. B T. E. 76-8384 ¡Dr. BENJAMIN L1PN1ZKY ZAHNARZT ROENTGENSTR AHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBÜNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518 T. E. 76 8673 und 73-0500 Dr. L. KLEIN Médico Magen, und Darmkrankheiten Röntgen -Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: 'Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—18 Uhr: (Es wird gebeten, sch vorher telefonisch anzwmelden Í SANTA FE 1391 T. E. 44 9493 u. 44-1542,; BERNARDO STERN und JUAN JULIUSBURG AÜSFUEHRUNG SAEMTUCHEH Malerarbeiten CONDE 2318 3. E. 78-7S33 i-jo«ujurM-armtm: mV Dr. Bernardo Goldstern MEDICO CARDIOLOGIA — HOSPITAL FERNANDEZ Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiograma»« CUBA 2141 T. E. 73-8762 u. 73^817 Consultas: Montags bis Freitags: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Unr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.