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Jüdische Wochenschau · 1960-03-22 · 1763 (22.3.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1763 (22.3.1960)
Date
1960-03-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1’ i*q- Jjßu JkitoXiKüJsAjü&lUG, Año XXI. EUENOS AIRES, MARTES 22 DE MARZO DE 1960 No. 1763 Diplomatische Gespräche i London. — Ministerpräsident Ben Gurion traf zu Besprechungen mit Premierminister Harold MacMillan und anderen, britischen Staatsmännern in London ein. Er erklärte, im Flughafen, „er befürworte eine gänzliche Abrüstung im Mittelosten, die noch vor Beginn der allgemeinen Abrüstung in der Welt unter gegenseitiger Kontrolle durchgeführt werden sollte.” Er bezeichnete seinen einwöchigen Aufenthalt in den USA als „angenehm und befriedigend” und fügte hinzu, er habe dort Freundschaft und Verständnis für die Sache Israels gefunden. Auf dem Flugplatz erwarteten ihn der israelische Botschafter Arthur Lourie mit Gattin, der britische Staatsminister John Profumo, sowie hohe Beamte des Foreign Office und die Führer des englischen Judentums, an ihrer Spitze der Präsident des Board of Deputies Barnett Jänner. Am Eingang zum Flugfeld hatten ca. 60 arabische Studenten Aufstellung genommen, die Spruchbänder mitführten, auf denen zu lesen stand: „Neue Intrigen a la Suez“, „Keine britischen Waffen für Israel” etc. Die Polizei zerstreute die Demonstianten. Israels Ministerpräsident konferierte fast zwei Stunden mit MacMillan in Gegenwart des Aussenministers Selwyn Lloyd und Botschafter Louries. Die Unterhaltung war natürlich nicht formell, und es wurde vorher kein Programm aufgestellt. Unter den behandelten Themen waren die Lage im Nahen Osten und im besonderen die Beziehungen zwischen Israel und seinen Nachbarn, die Zukunft des anglo - israelischen Handels und die Aussichten, die die Gipfelkonferenz mit Bezug auf den Mittelosten bieten könnte. Die arabischen Staaten, die in 'London akkreditierte Vertretungen besitzen, protestierten energisch gegen den Besuch Ben Gurions. Ibrahim El Ahdafo, der libanesische Botschafter und Dekan der arabischen Geschäftsträger vor dem Hof, wurde bei Minister Profumo vorstellig, -welcher es jedoch ab lehnte, von dem Einspruch Kenntnis zu nehmen, und einwandte, der Besuch Ben Gurions, trage privaten Charakter. Der arabische Protest gründet sich offensichtlich auf die Annahme, dass Ben Gurion Waffen für Israel verlangen wird. WIE ICH ES SEHE Aussprache im Bundestag ven JEHUDÁ GOTTHEIMER Dieser Artikel stellt eine Fortsetzung des Artikels „Debatte auf hohem Niveau” dar, der in unserer Ausgabe vom 18. März veröffentlicht worden ist. ★ Im Rahmen der grossen Debatte, die der Deutsche Bundestag über die antisemitischen Ausschreitungen führte, ergriff auch Frau Dr. Luders (Freie Deutsche Demokraten, FDP) das Wort, die vielen noch aus der Weimarer Zeit als Parlamentarierin bekannt sein dürfte. Frau Dr. Lüders sagte: „Was uns heute bewegt und erneut erschüttert, sind nicht allein die bösen Ausschreitungen selber der vergangenen Wochen; es ist vielmehr auch die Erkenntnis über das, was wir selber in den vergangenen Jahren — trotz aller Bemühungen — versäumt haben durch die leichtfertige Neigung, uns und andere glauben machen zu wollen, dass etwas nicht vorhanden ist, weil wir es nicht sehen, weil wir es nicht glauben und nicht wahrhaben wollen. Der Grund dafür ist nach meinem, ich sage offen: Gefühl — der Verstand hat mit diesen Dingen wenig zu tun — eine tiefe Scham, ist eine erklärliche, aber unbeschreibliche innere Scheu. „Aber heute immer noch die Augen zu schliessen, weil wir uns vor dem Anblick unseres eigenen verzerrten Spiegelbildes früherer Jahre fürchten, löscht das Gestern nicht aus. Was wir an uns nicht sehen und nicht wahrhaben wollen — viele, wie ich andeutete, sicher aus Scham —, das sehen andere. Ihre Erinnerung lässt sich durch unser Nichtwissen-Wollen nicht täuschen. Darüber sollten wir uns nicht täuschen! Es -war schon lange an der Zeit, unsere eigenen Züge daraufhin zu prüfen, ob sie wirklich den Ausdruck humaner, toleranter, die Menschenwürde unbedingt achtender Gesinnung tragen, anstatt uns Britische Waffen für Israel London. — Grossbritannien erwägt die Lieferung neuer Waffen an Israel, wahrscheinlich für die Luftabwehr, wie der „Observer” schreibt. Die Zeitung erklärt, die britische Regierung sei ständig bemüht, im Mittelosten ,irgendeine Art von Rüstungsgleiehgewicht” aufrecht zu erhalten, und gegenwärtig erfordere die Lage zwischen der VAR und Israel eine stärkere Bewaffnung des jüdischen Staates. Nach den Schätzungen, weiche die Militärbehörden Englands gutgeheissen haben, sei „ein lechter Vorsprung” der VAR über die israelischen Streitkräfte vorhanden ., selbst dann, wenn man die bessere technische Ausbildung und grössere Schlagkraft des israelischen Soldaten in Betracht ziehe.” Andererseits vertritt „Observer” den Standpunkt, die israelischen Berichte über eine bedeutende militärische Hilfe der Sowjets für Aegypten und die Behauptungen der Israels, Nasser habe in den letzten Monaten sowjetische Düsenjiigc ■ des Modells MIG 19 erhalten, müsse man als ..lächerlich” bezeichnen. (ITA) vor allem in unseren materiellen Erfolgen zu sonnen, anstatt über die Freude am Reichtum irdischer Güter die traurige und klägliche .Armut nur zu vieler Seelen zu übersehen. „Das festzustellen bedeutet nicht etwa, eine deutsche Kollektivschuld konstruieren zu wollen. Es heisst auch nicht, uns kurzerhand mit den Uebeltätem identifizieren zu lassen, wie das von mancher Seite versucht wird. Es heisst nicht etwa, in ihnen die Deutschen zu sehen, denn davon kann, Gott sei Dank, keine Rede sein. Es heisst auch nicht, das Geschehene als Alarmzeichen einer immittelbar drohenden Gefahr aus einer überkommenen und bei uns allgemein nicht überwundenen Vergangenheit zu werten. Aber — und das scheinen wir zu unserem eigenen Schaden so oft zu übersehen — Antisemitismus in Deutschland muss auch in unserem eigenen Urteil anders und ernster beurteilt werden als Antisemitismus ausserhalb unserer Landesgrenzen.” — Man wird zugeben müssen, dass hier mit vielen schönen Worten eigentlich recht wenig gesagt wird. Es wird von Gefühlen gesprochen, die im Grunde wohl verständlich, aber völlig ungeeignet zur Lösung dieses Problems sind. Es wird der Begriff der Schuld angedeutet, aber eine echte Schuld des deutschen Volkes, eine Kollektivschuld abgelehnt. Es wird bedauert und gestöhnt, aber es wird auch nicht einmal ein Versuch unternommen, die Kernfrage zu berühren oder gar durch konkrete Vorschläge oder brauchbare Anregungen zu einer Lösung zu gelangen. Wie soll die „unverarbeitete Vergangenheit” nun tatsäch- In der Vorhalle des Flughafens erklärte Ben Gurion den Journalisten, er fühle „tiefe Befriedung, seinen Fuss auf englischen Boden zu setzen”. Er äusserte, er sei gekommen, um „mit Premierminister MacMillan über Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse zu sprechen und besonders über Massnahmen zur Festigung des Friedens im Mittelosten. Er lehnte es ab, sich zu Fragen des militärischen Gleichgewichts in der Zone zu äussern. „Ich bin glücklich”, versicherte Ben Gurion, „dass das gegenseitige Verständnis und die Herzlichkeit in unseren Beziehungen sich in den letzten Jahren verstärkt haben. Die Engländer nehmen einen besonderen Platz in der Erinnerung des israelischen Volkes ein, und wir gedenken stets mit tiefer Dankbarkeit des englischen (Fortsetzung auf Seite 8) lieh überwunden werden? Man wird doch nicht ernsthaft daran glauben, dass diese unerspriessliche Diskussion über die Vergangenheit, mit der man nicht fertig werden kann, noch einmal 15 Jahre lang andauern wird. Die Politikerin Lüders meinte zwar, dass „Antisemitismus in Deutschland anders und ernster beurteilt werden” müsse, erwähnte aber mit keinem Wort was nun tatsächlich geschehen solle, um eine neue Hasswelle zu unterdrücken, die Volksmeinung umzuwandeln und die Jugend auf andere Bahnen zu lenken. Sollte man aber aus dem Schweigen über eine Lösung den Schluss ziehen, dass jeder Aender ungsversuch aussichtslos ist, dann wäre es doch besser, dies offen einzugestehen, statt mit noch so humanen Gedanken und wohlgesetzten Worten an der Oberfläche dieses Fragenkreises zu verharren und sich mit einem ehrlich-betrübten Bedauern öffentlich zufriedenzugeben. — Ein anderer Abgeordneter, Mitglied der Deutschen Partei, benutzte diese Gelegenheit, um die „Deutsche Reichsypartei” in Schutz zu nehmen, jene rechtsradikale Gruppe, die vielfach für die letzte antisemitische Welle verantwortlich gemacht worden ist. Er wies auf die linksradikalen Elemente hin und meinte, dass dort die Drahtzieher zu suchen seien. Zur Sache selbst aber sagte er nichts. Dagegen führte Dr, Friedensburg, Mitglied der Regierungspartei Adenauers mit grossem Pathos aus: „Da sind wir auch und gerade in diesem Hause ein Wort über die Tatsache schuldig, dass unser deutiches Volk in seiner ganz überwältigenden Mehrheit jedes Wiederaufleben des Antisemitismus tief verabscheut, ablehnt und sich darüber empört.” Womit begründet Dr. Frie¬ CONTRA ANTISEMITISMO Bruselas — Para el día 29 de marzo ha sido convocada a esta ciudad, bajo los auspicios del Congreso Judío Mundial, una conferencia extraordinaria sobre ©1 antisemitismo. La conferencia será celebrada inmediatamente después de la reunión del Ejecutivo Europeo del Congreso. En su convocatoria, los organizadores pidieron a las comunidades y organismos representativos afiliados al Congreso que presenten en la conferencia informes detallados sobre los últimos incidentes anlijudios en cada país como asimismo, daios sobre las organizaciones y publicaciones antisemitas y las leyes en vigor que pudieran invocarse para contrarrestar la agitación y las profanaciones de sinagogas, cementerios, etc. Al efecto, los organizadores recomiendan enviar expertos en la materia, capaces de analizer la legislación existente y proponer las reformas que estimen convenientes. Se entiende que, posteriormente, se haran gestiones en cada país, según la situación reinante y las leyes en vigor, a fin de conseguir una acción adecuada. Al mismo tiempo, la conferencia extraordinaria pedirá informes sobre el estado de la educación y las modificaciones ©n el programa de enseñanza que sean necesarias a juicio de los expertos. HANNA MEIER GEGEN ANTISEMITISMUS Brüssel. — Für den 29. März ist hier unter den Auspizien des Jüdischen Weltkongresses eine ausserordentliche Konferenz über den Antisemitismus einberufen worden. Die Konferenz wird unmittelbar nach der Sitzung der europäiscren Exekutive des Kongresses stattfinden. In inrer Konvokation forderten die Veranstalter die Gemeinden und die dem Kongress angeschlossenen repräsentativer Organisationen auf, der Konferenz detaillierte Berichte über die letzte« antijüdischen Zwischenfälle in jedem Land, Angaben über die antisemitischen Organisationen und Publikationen, sowie über die herrschenden Gesetze vorzulegen, die angewandt werden könnten, um die Aufreizung zum Rassenhass und die Schändung von Synagogen, Friedhöfen usw. zu bekämpfen. Zu diesem Zweck empfehlen die Organisatoren die Entsendung von Sachverständigen auf diesem Gebiet, die fähig sind, die existierende Gesetzgebung zu analysieren und Reformen vorzuschlagen,, welche ihnen angebracht erscheinen. Es versteht sich, dass nachher in jedem Land, je nach der bestehenden Lage und den in Kraft stehenden Gesetzen Schritte unternommen werden sollen, üm ein angemessenes Vorgehen zu erwirken. Zugleich wird die aussergewöhnliche Konferenz um Informationen über den Stand der öffentlichen Erziehung und die Aenderungen im Erziehungsprogramm ersuchen, die nach Ansicht der Experten notwendig wären. HANNA MEIER densburg dies, seine kühne Behauptung, die wohl vom ganzen jüdischen Volk und vielen anderen Menschen aller Völker aufs stärkste bezweifelt werden dürfte. Der Abgeordnete erklärte, dass das bekannte Theaterstück „Das Tagebuch der Anne Frank” in Berlin 137 Mal aufgeführt wurde, wo es mehr als 50.000 Menschen gesehen haben. Ausserdem sei dieses Drama in 70 deutschen Städten gezeigt worjden. „So etwas wäre doch |Wohl nicht möglich, wenn in‘ i unserem Volk, so rief der | Bundeslagsabgeordnete aus. ¡nicht ein starkes Bedürfnis bestände, die Vergangenheit wirklich zu bewältigen, sich |mit ihr bekannt zu machen, auch dem grausigen, dem Medusenhaupt darin nicht auszuweichen und die Augen nicht davor zuzumachen.” Weil ein Theatersttick mit jüdischer Thematik, das ganz gewiss in seiner Darstellung weit hinter den Schrecken der damaligen Wirklichkeit zurückbleibt, von vielen tausend Deutschen gesehen wurde, ist die ganz überwältigende Mehrheit der Deutschen vom Antisemitismus abgerückt? Wie billig oder naiv oder demagogisch ist dieses Argument. Weil die Mehrheit sich Kriegsfilme ansieht, sind damit schon alle Militaristen? Es dürfte überflüssig sein, solche „Beweise” zu widerlegen; sie sprechen gegen sich .selbst. Im übrigen haben zahlreiche deutsche Schriftsteller schon hervorgehoben, dass der Beifall für das Theaterstück Anne Frank noch längst keine Absage an den Antisemitismus bedeutet. Dieser Abgeordnete hat das Schlechteste getan, was in dieser Situation möglich war: er versuchte — vielleicht ungewollt, — das Geschehene zu bagatellisieren. Als dann der ehrenwerte Herr Friedensburg zur „Verstärkung” seiner Beweisführung weinerlich beteuerte, (SehluM auf Seite 2) Goldmanns Südmerika-Reise New York. — Dr. Nachum Goldmann, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses und der Zionistischen Weltorganisation, begab sich auf eine einwöchige Reise nach Lateinamerika, wo er vom Ausschuss der Jüdischen Gemeinden Argentiniens zur Teilnahme an der 100-Jahrfeier der Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in diesem Lande eingeladcn wurde. Von Argentinien wird Dr. Goldmann nach Sao Paulo fliegen, um bei der Konferenz des Verbandes Jüdischer Gemeinden Brasiliens anwesend zu sein. Auf Einladung der Zionistischen Föderation wird Dr. Goldmann auch Rio de Janeiro besuchen. Während seines Aufenthaltes in Argentinien und Brasilien beabsichtigt Goldmann mit den lokalen jüdischen Führern über ihren Anschluss an die Zionistische Weltorganisation zu verhandeln, die sich aufgrund der bei der letzten Sitzung des Aktions-Comités “«genommenen Bedingungen vollziehen soll. (ITA)

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