Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1759 (8.3.1960)
- Date
- 1960-03-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Maries, 8 de Marso de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1759 Seminar der CENTRA in Brasil ien Es war ein glückliches Zusammentreffen zweier Initiativen, die der CENTRA, nach c m Anfangserfolgen in Piriapolis-Uruguay im Jahre 1959 ihr Seminar für jugendliche Führer in diesi m Jahre in Campos do Jordao zu wiederholen, und die unserer Congregacao Lr^elita Paulista (C.IP.), der Durchführung dieses Seminars ihre grosse Erfahrung auf dem Gebiete der Studienlager zur Verfügung zu stellen und eine Einladung an die ausländischen Gruppen zu senden, Gäste der C.IP. in ihrem Haus zu sein. Dieses wandie 25. Gruppe, die an einem ,,Studienlager” in Campos teilnahm, was bedeutet, dass viele hunderte Jugendliche von uns in dieser Form betreut worden sind. In dem bestreben, der grösstmöglichen Anzahr von Jugendlichen aus Argentinien, Uruguay, Chile, Rio de Janeiro und Sao Paulo ihre Teilnahme zu ermöglichen, ■waren Haus und Nebenräume überfüllt, eine Tatsache, die dazu beitrug, ein wirkliches Bild von dem Geist der Jugend zu geben, der dort herrscnte. Die Aufgabe der verantwortlichen Orientierung blieb, ganz gegen unseren Willen, auf den Oberrabbiner der C. I. P. beschränkt — alle anderen ¿ungeladenen Rabbinen sandten Entschuldigungen für ihre Abwesenheit. Es gereichte uns zu grosser Befriedigungi dass wir drei Arbeitstage hindurch den Rabbiner unserer Gemeinde, Herrn Dr. Diesendruck, bei uns hatten. Eine ausserordentliche und in höchstem Masse anerkannte Leistung wurde von unserem unermüdlichen David Szulman. Leiter unserer ,,Casa da Juventude’’, vollbrach^ der an seiner Seite die einzigen von auswärts gekommenen Pädagogen, das liebenswürdige und begeisterte Ehepaar Abram Haguenzo aus Santiago de Chile hatte. Die Arbeiten wurden auf Grund eines Exposés fe3tgelegt, das im November 1959 an alle Gruppten versandt worden ist (durch Versagen der Post leider in einem Falle nicht angekommen'. In diesem Exposé hatte der verantwortliche „orientador” vorgeschlagen: ra. fünf Themen von Seminaren zur von FRITZ Wahl gestellt, 25 Themen, für „Simposia ", 8 für freie Kurse — ausser dem Doppelkurs für Methodik der Jugendbewegung von 'tver Psychologie, der von Herrn Sztulman mit Unterstützung von Herrn Mcguenzo erteilt wurde. — Von diesen Vorschlägen wut .len zwei Themen für Seminarten ausgesucht, circa 10 , simposios” und zwei zusätzliche Vorlesungen, die in drei „Schiurim” von Herrn Rabbiner Dr. Diesendruck gehalten wurden. Zur besonderen Freude und Ehre gereichte den jungen Menscnen der Besuch des Leiters der CENTRA Rudolf Hirschfeld aus Montevideo. Herr Hirschfeld verbrachte den Tag seines 50. Geburtstages in unserer Mitte und hielt zwei interessante Vorträge; einen über die CENTRA und am folgenden Abend, als wir um ein Feuer herum sassen, über Probleme des Antisemitismus — es war gerade in den Tagen der neuesten traurigen Vorkommnisse, die sich in Sao Paulo an unserer neuen Synagoge zugetragen hatten. Wie zu erwarten war, war die „turma” anfangs in jeder Hinsicht heterogen, aber bereits nach zwei Tagen verwandelte sie sich in eine einzige Familie, mit grosser Freundscnaft und beispielhaftem menschlichen Verstehen, so dass es am Ende des Aufenthalts rührende Szenen beim Abschiednehmen gab. Alle, jung und alt, waren ergriffen. Und der Berichterstatter gibt zu, dass sich ein Stückchen seines Herzens löste, als am Sonntag, den 17. Januar, die Abseniedszeremonie abgehalten wurde. Das körperliche Wohlbefinden — das natürlich bei diesem Zusammentreffen nicht zu kurz kam — war ebenso gut wie die Angeregtheit aller Anwesenden, obwohl sich die Diskussionen und Unterhaltungen manchmal bis in die späten Nachtstunden hinzogen. Dank sei der Fürsorge unserer Da. Rina, der Hausgouvernante, für die ausgezeiennete Betreuung und Erfüllung aller kulinarischen Wünsche ausgesprochen. Die Höhepunkte dieser Tage waren zweifellos Kabalat Shabat und die eigentlichen MAIMONIDES MIS »IO* UoJictftHkbiKb $ 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES OURRUCHAGA 2299 — T. E. 71-8709 2« baziehan durch alle einschlägigen Buchhandlungen und durch die JUED ISCHE WOCHENSCHAU NUEYRREDON 2190 1* — T. E. 99-2919 PINKUSS Shabate, die in ihrer schon bekannten Campos do Jordao - Tradition abgehalten wurden; wieder einmal inmitten einer grossen Anzahl von Gästen, die aus den verseniedenen Hotels kamen und sich zu den Seminaristen gesellten. Somit hatten viele Leute aus Sao Paulo, Rio und dem Norden des Landes Gelegenheit, an dem teilzuhaben, was wir mit „Geist des Studienlagers Campos do Jordao” bezeichnen. Am letzten, also zweiten Shabat, hatte dieses „Camp” die grosse Freude, eine Abordnung von Ehepaaren der leitenden Gremien der C.I.P. zu empfangen, die kamen, um an Ort und Stelle die Arbeiten kennen und beurteilen zu lernen. Auch konnten sie, auf Initiative unseres unermüdlichen Freundes Carlos Katzenstein, über Erweiterungsarbeiten entscheiden, die in näenster Zukunft vorgenommen werden müssen. Das Hauptproblem der ersten beiden Tage war die Verschiedenartigkeit der ca. 35 Teilnehmer, was uns allerdings nicht unerwartet kam. Um das in vereinfachter. jedoch zutreffender Form zu sagen: es gab hitzige Diskussionen darüber, wie man Idealismus und Lebensinhalt den Menschen in der „Galut” geben könne, über das „Wie” und mehr noch über das „Warum”. Einige Gruppen definierten als einziges Ziel den Chaluz-iut, mit betonter Vernacnlässigung der Kehillot und der lokalen Institutionen, während andere für den Inhalt ihrer geplanten Existenz auf d’esem Kontinent kämpften, ohne indessen darauf zu verzichten, ihre Verpflichtungen Israel und ihren dortigen Brüdern gegenüber zu erfüllen. Naendem sich der Uebereifer gelegt hatte, gelangte man zu einer gegenseitigen Verständigung und stellte ein Programm des „Judentums in seiner Gesamtheit” auf (unsere „Gesamtjüdische Haltung”), als Plattform, die unsere Kehillot bieten — als Neuerscheinung, um es einmal so zu nennen, des Geistes von Campos do Jordao — von jüdischen Belangen und Aktivitäten die stets ihre Wurzel in den grossen Ueberzeugungen unserer jüdischen Religion haben müssen — und im dauernden Studium. Der Berichterstatter legt den grössten Wert darauf, dass all das Grundlegende, das festgelegt wurde, verstehen. 1. Jeder einzelne hat für sich eine besondere „Mitzwa” auszusuchen, der er das Beste seines Idealismus und seiner Energie widmet; 2. Jede Versammlung von jungen Menschen (auch von Erwachsenen) wird erst zu einer jüdischen, wenn man zu Beginn die ersten 15 bis 20 Minuten einer wohlvorbereiteten Betrachtung einer Persönlichkeit, einer Epoche, eines Geschennisses, eines Ausspruchs aus der Geschichte oder der Literatur widmet; 3. Er regte die Jugend, deren Kontakt mit religiösem Leben gelockert schien, an, dem Beispiel Sao Paulos und von Campos do Jordao zu folgen, zurückzufinden zum Begriff der religiösen Zeremonie, der Sitten und Gebräuche und zu versuchen, inmitten von Gruppen di« Möglichkeiten zu diskutieren, wie man eine Synthese zwischen neuen und traditionellen Formen finden kann. In diesem Sinne wurde die Jugend angespornt, die Rabbinen und Leiter der Gemeinden zu bitten, verständnisvoll zu sein, wenn die Jugend den Wunsch äu--sert, zum alten und zu e nem n«uen „Brauchtum” komuKii zu wollen. — In dieser Beziehung half die Tradition von Campos io Jordao den jungen Menschen zu verstehen, dass die Ueberzeugungen und Ideale des Judentums, die Religion und ihre Gewohnheiten, nicht nur dazu dienten, das jüdische Volk zu erhalten bis zu dem Zeitpunkt, in dem der neue Staat geschaffen wurde, sondern dass diese Ueberzeugungen immer die Grundlage für unsere Existenz und den "Wert unseres Daseins sind, unseren Bestandes ,nmitten der Völker und im Staate Israel, wo ernsthafte Anstrengungen gemacht werden, um in der „Toda's Leyahadut” diese basischen jüdischen Werte zu erhalten und zu lehren. Die Methodologie, Jugendbewegungen zu leiten, sowie das Amt, der Jugend Verständnis für das Leben ¿n unseren Kehillot beizubringen, waren die grundlegenden Themen; ausserdem wurden viele Anregungen für die Arbeit vermittelt, die in den weiteren Gruppen eingeführt werden sollen, und es wurde grosse Hilfe in dem Sinne der Orientierung inmitten der basisenen jüdischen Ueberzeugungen geleistet. Beim Abschied erklärten alle einmütig, dass der menschliche Faktor das Hervorstechende dieses Seminars der CENTRA war; die sentimentale Erregung, die niemals fehlen darf, war vorhanden. Und sie waren einmütig, das jeder einzelne nach Hause und zu seiner Gruppe als grosses Gewicht in seinem Gepäck ein „knowhow” mitbrachte und die intellektuelle und menscnliche Einführung in den unvergänglichen Schatz Israels. Das Studium und noch mehr die Diskussion einte alle und war bezeichnend für dieses Seminar in Campos do Jordao. Zusammenfassend möchte ich zwei Punkte aufführen: 1. Das Werk der CENTRA ist grösser geworden; mit ihm aucn die Möglichkeiten. Eine neue Generation, die den Charakter der Generation der Immigranten und jhrer Landsmannschaften verloren hat, kann Über dia CENTRA eine einheitliche Gemeinschaft bilden, die auf dem ganzen Kontinent eine Ï) In der Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhand.ungen des Leo Baeck-Instituts ist eine Arbeit von S. Adler- Rudel „Ostjuden in Deutschland" erschienen (J. C. B. Mohr — Paul Siebeck — Tübingen), die über einen Zeitabsennitt von 60 Jahren — 1880 bis 1940 — die Wanderungen von Juden aus den östlichen Ländern Europas nach und über Deutschland untersucht und dabei die sozialen und organisatorischen, psychologischen und politischen Probleme beleuchtet, die sich aus dieser Begegnung zwischen Ost und West ergeben. Das Leo Baeck-Institut nat nicht immer eine glückliche Hand in der Herausgabe seiner Bücher gezeigt. Man wird vergeblich fragen, warum es etwa seine Aufgabe war, Margarete Susman zu beauftragen, „Die geistige Gestalt Georg Simmels” innerhalb seiner Schriftenreihe zu zeichnen, und zwar nicht lange, nachdem in Berlin ein umfangreienes Werk erschienen war, das neben Auszügen aus Simmels Briefen Essays von einundfünfzig Autoren zu eben diesem Thema enthält, darunter eines von Margarete Susman. Wenn schon das Leo Baeck- Institut noch einmal zu Simmel Stellung nimmt, dann hätte es einen neuen Aspekt, nämlich den jüdischen, finden sollen. Mit der Veröffentlichung von Adler-Rudels Buch nat sieh das Institut einer seiner vornehmsten und vordringlichsten Aufgaben entledigt: jüdische Geschichte in ron HERBERT FREEP1 Deutschland von jenen niederschreiben zu lassen, die sie noch miterlebt haben. Kein anderer wie Adler-Rudel ist so qualifiziert, einen Beitrag zur Ostjudenfrage zu geben; er war nient nur Zeuge und Beobachter, sondern stand jahrelang aktiv im Zentrum des Geschehens — zuerst als Leiter der sozialen Arbeit für Berlin im „Jüdischen Arbeiterfürsorgeamt”, und später als dessen Generalsekretär; so hat er entscheidend dazu beigetragen, jene Institutionen zu schaffen, die die Ostjuden in Deutschland betreuten und berieten, und die schliesslich das Vorbild abgaben für einen noch grösseren organisatorischen Rahmen, als die Schicksalsstunde für das deutsche Judentum schlug. ies Missverstar ■Studie, die in eine Studie ub .gelten Arbeiter .juin RR als un Adler-Rudel ¡st ein Mann der praktischen Arbeit, ein Experte in Wanderungsfragen und jüdischer Sozialpoli. tik. Sein Buch ist eine Chronik jener Wanderungen und der sozialpolitischen Organisationen, die sich der Wanderer annahmen. Wenn er von psychologischen Problemen und ideologischen Zusammenstössen spricht, so tut er das fast zögernd, als ein Nebenprodukt ein zeitweiliges Abweichen von der eigentlichen Linie, zu der er gern zurückkehrt. Der Untertitel des Buches „Zugleich eine Geschichte der Organisationen, die sie (d. h. die Ostjuden) betreuten”, schliesst von vornherein je- 5$Compsn(i’um { ■ dben: an HaRa dien und D^un der Verfasser i teilen und Vor mit Missinterpre Anzahl, Beschaf Bolle der 0i Deutschland, bei der grossen Wai •dem 1. Weltknei Kriegsausbrucn Böigen: gerade 1 auf zu welch g die Ostjudenpolii sehen Heeresbe. sonders in der terfrage, eine ei Verantwortung f dische Existenz land trug. Mit einer wohl yesenheit von •iberhaunpt 1 Stellungnanme Adler-Rudel die dauernden ® nach dem Krieg laue der Behörc ersten Verluste lilfe, die sich la ■der Fürsorge zur Schaffung entwicl -nie es im Bi . Jon Fürsorge iitik’. Diese Koi ■verwoben mit de innerhalb der jü meinden zwiscnei Ostjuden, verwot «nationalen I jüdischen Fluch Stellung einnimmt, so wie Ende des vergangenen Jahrhunderts Männer wie Isaac M. Wise und David Einhorn sich vereinigten uhd das nordamerikanische Judentum schufen; lind 2. ich glaube, im Namen unserer wenigen, jedoch begeisterten Mitarbeiter sowie in meinem eigenen Namen sprechen zu müssen, wenn ich sage, dass dies ein menschlich - jüdischer Versuch war, der niemals aus unserem Gedäcntnis verschwinden wird und wir hätten etwas Wichtiges verloren. wenn wir daran nicht teilgenommen hätten. An die Stelle von formalen Dankesworten wollen wir das i f; f A p a r e c i ó Un ‘ Best Seller"* Mundial i > > <-<• el famoso y tan discutido libro de la "Sagan israelí" . ( YAEL DAYAN: Nuevo Rostro en el Espejo del que se vendieron un millón de ejemplares en los países de habla inglesa solamente. Precio 100.— rústico 130.— encuadernado Hagan sus pedidos por escrito o por teléfono fe* Versprechen setzen, so weit es in unserer Macht liegt, an den kommenden Semina"en der CENTRA teilzunehrren. Und: bis auf Wiedersehen, Jungens und Mädels, die Ihr in völliger Harmonie und Freiheit, ohne einen einzigen disziplineilen Zwischenfall, mit dem besten Eurer Begeisterungsfähigkeit die Gelegenheit zu nutzer, wusstet, die die CENTRA und die CIP Euch aus vollem Herzen geboten haben ★ Das Comité der CENTRA in Montevideo benutzt diese Gelegenheit, der Corgregacao Israelita Paulista, Sao Paulo, seinen herzlichsten Dank für die Abhaltung des diesjährigen Seminars zum Ausdruck zu bringen. Es dankt insbesondere für die Uebernanme der Kosten für den Aufenthalt in Brasilien der 20 nichtbrasilianischen Teilnehmer Dank und Anerkennung der CENTRA gilt ganz besondets den Herren und Damen, die mit besonderer Liebe uid Eifer dieses zweite Seminar zu einem großen Erfolg geführt haben. Wir konnten uns aus eigene- Anschauung überzeugen, welche Fülle von Arbeit diese Veranstaltung für alle Beteiligten mit sich brachte; ater wir konnten auch gleicnzeitig feststcllen, welche grosse Befriedigung ihnen, ebenso wie uns und unseren Mitgliedgemeinden das ausser ardentlich gute Geling511 dieser Veranstaltung gebracht hat. CENTRA dankit in erster Is 9%te, HEIU Alfonso 4,‘*Hhvv