Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1756 (23.2.1960)
- Date
- 1960-02-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9616703-9611224-9611315--0198-9611320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Stefan Zweig 2× ep/1025800
- Walter Frank 2× ep/1026103
- Ahad Ha'am 1× ep/1026162
- Emil Ludwig 1× ep/1026446
- Ernst Simon 1× ep/1009494
- Josel of Rosheim 1× ep/1002672
- Joseph Kastein 1× ep/1018754
- Margarete Susman 1× ep/1025668
- Nahum Sokolow 1× ep/1006352
- Nathan Birnbaum 1× ep/1025934
- Plutarch 1× ep/1025473
- Selm 1× ep/1045700
- Siegfried Moses 1× ep/1009280
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1756 — S Martes, 23 de Febrero de 1960 ,Li i- ,-i isc er Vonk ihrgp j. ■etund ¿V!S Pant¿> íejten i/“.’* »schlag keit 1,1 4* 2,1 ham, “oza b; '* fren a l“ J dJr m .5 *,n«T SCKhr Peinlichkeit * deod°f Her» a!| ts Wunder u H; Wahrheit R» *lave und C!» ‘•pode der öffn '®?. so werda u lapidare Be. Witzartig s% Sendung SDleh« beleucheL s auch über Tho k® er im Sdm hender Weh« Humanist dal®.. Schalom Asdt dem Labyrmi renertums rä ■ Karl von Os er mit seinen isenwand über FINOT rennen wollte, und über Ussisehkin und Nathan Birnbaum, dass sie an ihrer ewigen Negation krankten. Stefan Zweig und Josef Kastein, Sokolow und Motzkin, Wedgewood und Granados, Bialik und Achad Haam, — wie erdennahe und zeitgenössisch erscheinen sie hier alle und doch ’.n weiter Perspektive ihres Erdenwallens mit all ihren hervorstechenden M^rkmatpn, in Ihrer Einmaligkeit und geschichtlichen Sendung Nur bei Stalin und ilja Eh. renburg scheint diese suolimierte Humanität, die Carlebach überall aufzuspi.r.n versucht, zu versagen. Nicht wegen ihrer Gesinnung sondern wegen ihres Gemibcns im Alltag bricht hier erstmalig Zorn und Kritik des Verfassers aus. Den erst;n bezeichnet Carlebach als Teufel des Bösen, da er nur durch Hass T otz und Vernichtung seinen Alltag zu gestalten versuchte. Tlja Ehrenburg hingegen wird als Apostel der Lüge hingestellt, da er in seinem Wirken und a!l seinen Werken krampfhaft sich bemüht, seine jüdische Fraize zu verbergen. Aber auch hier erkennt man den Meister scharf pointierter Silhouetten, die in der flüchtigen Sekunda eines Zeitungsmenschen hingekritzeit, von blutv/arn.em Leben durchpulst sind. Diese Meisterschaft der Menschengestaltung, die noch \c Plutarch ausging und in deutschem Gewände der Zeit vor Hitler in Harden, Kerr, Emil Ludwig und Stefan Zweig ihren blendenden Niederschlag fand, beeinflusste acuh sichtbar den hebräischen Journalisten, der obendrein noch in Nahum Sokolow, Frischman und Berdytschewski seine Lehrmeister fand. Deutsches Kulturgut und hebräisches Schrifttum kennzeichnen auch den Werdegang Carlebachs. In seinem Lebenslauf von kaum 48 Jahren spiegelte sich eine ganze Epoche von Wandlungen und Wanderungen eines Juden aus Deutschland der letzten Jahrzehnte wider. Als Sprosß einer in Berlin, Altona und Hamburg weitverzweigten Dynastie von Rabbinern suchte der jugendliche Azriel trotz rabbinischer Studien in Deutschland, Polen und auch Jerusalem den Weg zum deutchen Schrifttum. Sein geübter Scharfsinn gepaart mit einer prachtvoilen Fabulierkunst setzte sich blitzschnell durch und so erhielt der kaum 20jährige Neuling und Rabbinatskandidat für eine Erzählung den deutschen Literaturpreis für das Jahr 1931. Gleichzeitig war er Mitarbeiter der ..Weltbühne” und schrieb allerlei Novel- Ausstellung Brüssel. — In Brüssel würde eine Ausstellung jüdischer Bücher gezeigt, die an Hand wertvoller Manuskripte und Bücher die Geschichte der Entwicklung der jüdischen Literatur von der biblischen Zeit bis heute aufzeigte. (ITA) Neue Bücher Deutsch jüdisches Schicksal in dieser Zeit. Wegweiser durch das Schrifttum der letzten 15' Jahre. Joseph Melzer Verlag, Köln, 1900. len, Skizzen, Reiseschilderungen, die ein buntsc.tekkiges und eigenartiges Talent verrieten. Der deutsche Umbruch setzte diesem Schaffen ein jähes Ende. Noch vermochte Carlebach eine Zeitlang die Aussenwelt über die her. annahende Sintflut zu alarmieren, bis er selbst zur Flucht gezwungen wurde. Heimatlosigkeit und Wanderung kennzeichnen das weitere Schaffen Carlebachs, das sich nunmehr vom Deutschen zum Jüdischen wandte. Aus Deutschland ging er nach Polen und Russland, von hier nach London und Paris, wanderte nach Tunis und Marokko, bis er in Israel seine Heimat fand. Ein Schöngeist und Realist mit dem Weitblick eines Europäers, verband Arzriel Carlebach uralte Gelehrsamkeit mit einer schöpferischen Spracbgewalt, die erst in seinem modernen Hebräisch zur eigentlichen Blüte gelangte. So bilden auch diese 40 Momentbilder eine Synthese hebräischer Gelehr. arrkeit und moderner Seelenkunde, die, getragen von einer schöpferischen Intuition auch in der journalistischen Ta. gesfront Ewigkeitswerte z-u gestalten vermag... dem sowie ihn. che der Lands, n Schlage v« wnon etc.) ¡ründeie zustnt iez und Mora Q'isemitische ü?ner denkwiirdi hung von Netii ar 1890) vor 1t völkisches Proiindete. Die e- •rotestaktion da Zadoe-Kaha it fand Unterst«! Inständigen. D» he Liga endrte i, doch der Antiunter An®- irquis. zog & rasse heran aal ilien aus. ,rquis de Mores, i Drumont, rämecht, grösseawurde auf eirer die semem Ä and kriegerisd1 ,ra vorzu?*"’ in der l'5!(e .gleitenden Tu*- TEN-*uM’ __ goU* 1, dcp.2 LOO I ******* „kommenden Mann” sah, der als direkter Exponent der Ideen Drumonts bezeichnet werden kann den heute Nasser neu drucken lässt, hatte den Plan — wir zitieren aus der deutsche ationalistischen Darstellung von Walter Frank, Nationalismus und Demokratie im Frankreich der dritten Republik, 1933 S. 333: in die Sahara voraustossen. die Senoussi zu gewinnen, an. den Ufern des Tschadsee ein Reich zu gründen, mit Hilfe des Mahdi von Omdurman den Gazellenfluss für Frankreich zu erobern und dann durch die Abdämmung des Nils Aegypten zur Wüste, den Sudan zu einem neuen Aegypten zu machen! Das war die Atmosphäre jenes Kreises um jenen Drumont, den die Lügenpropaganda Nasser® ihrer Bevölkerung und den anderen arabischen S'aaten vorsetzt, um Hass gegen Israel und Judentum zu schüren. Ein Antisemit als „Lehrmeister” von meist Semiten, ein glühender Hasser der republikanischen Idee als „Vorkämpfer” der Vereinigten Arabischen Republik, einer, der selbst und verbündet mit einem Klüngel Ariertum predigt und Asien und Afrika als inferior betrachtet. Wir haben bereits einmal auf jene Sensation hingewiesen im sog. Norton-Prozess, als der verleumdete Clemenceau den Beweis dafür erbrachte, dass Mores, um Spielschulden zu decken gemeinsam mit Drumont sich zu dem jüdischen Bankier Cornelius begab, um die erforderliche Summe geliehen zu erhalten. Drumont endete völlig gebrochen. Es kam die grosse Katharsis Frankreichs in der Drey- WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE DES JUEDISCHEN JAHRES 5720 Donnerstag, den 10. März Fasten Ester Sonntag, den 13. März Purim Montag, den 11. April Erew Pessach Dienstag, den 12. April 1. Tag Pessach Mittwoch, den 13 April 2. Tag Pessach Montag, den 18. April 1. Tag Pessach Dienstag, den 19. April 8. Tag Pessach Montag, den 2. Mai Jom Haazma’ut (Unabbängigkeitstag Israels) Sonntag, den 15. Mai Lag b'Omer Dienstag, den 31. Mai Erew Schawuot Mittwoch, den 1. Juni 1. Tag Schawuot Donnerstag. den 2. Juni 2. Tag Schawuot Dienstag, den 12. Juli 17. Tammus (Fasten) Montag, den 1. August Erew Tischa b'Aw Dienstag, den 2 August Tischa b’Aw Mittwoch, den 21. September Erew Rosch Haschana 5721 fus-Affäre, der Sieg der Wahrheit, und in ihm trat leuchtend das Antlitz des wahren Frankreichs, des kämpferischen Humanismus und der Gerechtigkeit hervor. Freunde und Mitläufer fielen von Drumont ab, es hagelte Beschuldigungen von ihm, gegen ihn. Die Académie Française lehnte 1909 Drumonts Kandidatur ab. 1911 war er gezwungen, die „Libre Parole” zu verkaufen. Und wie eine Nemesis der Geschichte klingt es, wenn man vernimmt, dass der gleiche Drumont, der einst jene infame Lüge um den Zusammenbruch der Bank Union Générale zur antisemitischen Hetze benutzte. 1914 durch den Zusammenbruch einer nic’.itjüdischen Bank sein Vermögen verlor. Er starb am 4. Februar 1917 auf einer Reise nach Paria. Jenes oben erwähnte Werk von Walter Frank, stramm nationalistisch, antidemokratisch und ersichtlich sich an das erwartete Dritte Reichin der Konzeption anlehnend, befasst sich ausführlich mit Drumont im entsprechenden Sinne. Es wurde „rechtzeitig” im Januar 1933 beendet. Es wurde finanziell ermöglicht durch Geldmittel der Weimarer Republik. Nach Aussage des Verfassers stellte ihm für die entscheidende Zeit der Vorarbeiten die Notgemeinschaft . deutscher Wissenschaft bis Herbst 1931 die Mittel zur Verfügung. An diesem kleinen Beispiel wird ersichtlich, wie die Weimarer Republik selbst ihren Gegnern half, sie zu minieren und an ihrem Sturz au arbeiten. Als Walter Böhme einst seine Laufbahn als Opernsänger nicht weiter fortsetzen konnte — das liebe Vateland trug die Schuld — und sich einem Beruf zuwenden musste, der das Künstlerleben mit kaufmännischer Tätigkeit verband, da kam über seine Lippen nie ein bitteres Wort, denn er besitzt die beneidenswerte Eigenschaft, diesem so harten Leben stets die besten und schönsten / Seiten abzugewinnen. Später trafen wir uns hier wieder, und gern hätte ich „Peterchens Mondfahrt” mit Walter Böhme als „Lieber Gott” auf der Bühne gesehen. Dies schien mir seine schönste Rolle von all den vielen, die er verkörpert hat. Seine Güte und sein verständnisvoller Humor für alle Ereignisse, lustige oder traurige, liessen ihn hierfür wie geschaffen erscheinen. Er hätte hierzu keine Maske gebraucht. Aber es wurde nichts daraus, sondern er spielte seine beste Rolle in der „Dreigroschenoper”. Von C' - •*nc“n sam ausgesuchten Zeitungsausschnitte mit auf den Kopf passenden Texten zu versehen und seinen Freunden als Geschenk zu übersenden, bi3 zur ernsten Unterhaltung über grundlegende Probleme reicht der weite Horizont seines Lebens mit all den unübersehbar vielfältigen Interessen. Es scheint unmöglich, dass Böhme jemals einen Feind gehabt haben könne. Das liegt seinem Wesen völlig fern. Er ist immer um Ausgleich und Beilegung jeder Gegensätze bemüht. Sein grosser Freundeskreis und alle, d e je da3 Glück hatten, in ein Gespräch mit ihm zu kommen, wünschen ihm zu seinem Siebzigsten, dass es auch im neuen Jahrzehnt das Schicksal gut mit ihm meinen möge und ihm nun im reiferen Jugend-Alter an der Seite seiner ihn liebenden und verehrenden Schwester ein sorgenloses, von keiner Krankheit getrübtes Leben beschieden sein möge. So wird er uns allen, die sich nicht nur seine Literarische Notizen Pierre Monleux Der 84jährige weltberühmte Dirigent Pierre Montoux, der seit zwanzig Jahren in Amerika ansässig ist, leitete ein grosses Tschaikowski- Konzert in Paris mit d.m Orchester Lamoureux. Ernennung Prof. A. Klopstock, Mikrologe an der telaviver Universität, wurde zum Rektor ernannt. Er ersetzt Prof. Efrat. Buch des Monats Die Dermstädter Jury wählte das Buch von Hanna Arendt über Rahel Varnhagen zum Buch des Monats. Freunde nennen sondern es auch sind, noch viele frohe Stunden mit seiner erwärmenden und belebenden Gegenwart erhellen und uns das erhebende Gefühl vermitein können, es mit einem wahren und echten Menschen zu tun zu haben. H. D. WALTER BOEHME 70 JAHRE und seinem Talent, die müh- PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES Soeben erschienen: VEROEFFENTLICHUNG DES LEO BAECK INSTITUTES Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart (1959) SELM A STERN JOSEL VON ROSHEIM BEFEHLSHABER DER JUDENSCHAFT IM HEILIGEN ROEMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION Die Geschichte des klugen und mutigen Führers und Anwalts, Trösters und Helfers der deutschen Judenheit ir ihrem Kampf um Recht und Freiheit gesei, Kirche. Kaiser und Voiksabeiglauben zu Beginn der Neuzeit. (280 Seiten) VEROEFFENTLICHUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECKi TUEBINGEN LEO BAECK AUS DREI JAHRTAUSENDEN Wissenschaftliche Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glaubens MIT EINER EINFUFHRUNG VON HANS LIEBESCHUETZ ir. deutscher Sprache SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN 1 S. ADLER-RUDEL OSTJUDEN IN DEUTSCHLAND 1880 — 1940 ZUGLEICH EINE GESCHICHTE DER ORGANISATIONEN, DIE SIE BETREU¬ TEN. MIT EINEM GELEITWORT VON SIEGFRIED MOSES Eine materiaireiche sozialpolitische Studie über das Wanaersehicksai eir.ei jüdischen Gruppe im Schatten des Antisemitismus und zweier Weltkriege. ★- 2 ERNST SIMON AUFBAU IM UNTERGANG JUEDISCHE ERWACHSENENBILDUNG IM NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHLAND ALS GEISTIGER WIDERSTAND Eine Darstellung des einzigartigen Kampfes der deutsenen Juden urr Selbstbehauptung durch die Macht der Bildung angesich’s der drohenden Vernichtung durch physische Gewalt. ---*- 3 MARGARETE SUSMAN Die geistige Gestalt Georg Simmels Eine Würdigung und Deutung des allzu wenig bekannten Gedankenguts des Metaphyaikers. Geschichtsphilosophen und Soziologen — zugleich «ln Denkmal der greisen Schülerin und Freundin für Simmel