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Jüdische Wochenschau · 1960-02-23 · 1756 (23.2.1960) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1756 (23.2.1960)
Date
1960-02-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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leben sehr angenehm (Schluss von Seite 1) Lebensjahres, sodass sie auch noch mit Pensionen rechnen dürfen... Nicht ungeschickt hatten? ress'erte Kreise die Ani\ju»g gegeben, anlässlich des Präsidentenwechsels eine Generalamnestie zu erlassen. Dieser Plan ist aber fallen gelassen worden. Nicvt nur die Kriminalpolizei ist von Ehemaligen durchsetzt. Wiederholt wurde auch die Justiz angegriffen. weil sie durch einige unerhörte Urteile die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich gelenkt hat. Genaue Listen der früheren NS-Richter im Dienst der Bundesrepublik sind bekannt gegeben worden, ohne dass wesentliche Schritte zur Bereinigung unternommen worden sind. Man geht wohl nicht fehl, in diesem Uebelstand die bedenklichste Erscheinung zu erblicken, weil hierdurch das Vertrauen in die Unbestechlichkeit des Urteils erschüttert wird. Damit ist eine der wesentlichsten Grundlagen jeder Demokratie, die Rechtssicherheit, in Frage stellt. Zu den vielen bereits bekannten Beispielen über befremderde Richtersprüche ist in den letzten Monaten ein geradezu alarmierender Fall hinzugekommen. Geschäftstüchtige Leute sind auf den Gedanken gekommen, die Reden ehemaliger Nazigrössen auf Schallplatten zu schneiden und sie mit dem Horst Wessel-Lied und Auszügen aus antisemitischen Kampfliedern der Nazis zu umrahmen. Diese Platten wurden auf den Markt gebracht. Demokratische Kräfte in der Bundesrepublik versuchten, diesen Handel zu unterbinden. Es war vergeblich. Deutsche Richter haben entschieden, dass aus dem Inhalt dieser Platten nicht zu ersehen sei, dass .,verfassungsfeindliche Zielsetzungen” verfolgt werden! Wer kann sich noch wundern, wenn Jugendliche Hakenkreuze an Synagogen malen, Häuserwände mit antisemitischen Parolen beschmieren, Friedhöfe schänden und „Juden raus” schreien? Wenn man sich an diese Fakten erinnert, die hier nur summarisch und durchaus nicht vollständi g wiedergegeben worden sind, wird man besser verstehen, wie es zu einem neuen Ausbruch des Hasses gegen die Juden kommen konnte, hinter dem ohne Zweifel ein Frontalangriff gegen die Demokratie in Deutschland steht. Gerade wenn Kritik an der Haltung der Regierung und Behörden der Bundesrepublik geübt wird, geschieht dies nicht, um die demokratischen Kräfte in Deutschland anzugreifen, sondern um sie zu warnen, nicht noch einmal den gleichen Weg des Irrtums und des Zauderns zu beschreiten, den die Weimarer Republik gegangen ist, und der auch dieses Mal wieder zum Untergang und zur Katastrophe führen muss. Hinweise auf Fehler und Misstände werden nicht gemacht, um die Bundesrepublik anzuprangem. Allerdings dürfte die Zeit gekommen sein, dass endlich entscheidende Schritte unternommen werden, um die Wurzeln des Uebels au beseitigen. Dies ist bisher nicht geschehen. Ein Ausnahmegesetz zum Schutz der Juden wird an der Lage nichts ändern, jedenfalls so lange nicht, bis das Vertrauen zur Justiz wieder hergestellt wurde. Wir erinnern uns noch gut des Gesetzes, das der Reichstag zum Schutz der Republik herausgegeben hat. Was hat man mit diesem Gesetz gemacht? Im Schatten und im Schutz dieses Gesetzes haben die Nazis und andere subversive Gruppen die Republik unterhöhlt und geschwächt, bis sie zum Sturm reif war und widerstandslos in die Hände ihrer Feinde fiel. Dr, FREY fc Abogado PUEYRREDON UM 1* isq. nachm. IS—18 Ohe J. Liebling FOURNIERE — I SPERHHOELZEB | DIAZ VELEZ 5224 al 46 i T. E. 43-2343/0346 y 3021 j 1 REAL PEN s Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschält CORRIENTES 569 » T E. 49-5850 Damals, in der Weimarer Zeit, gab es auch Sor.der- und Schnellgerichte. SA- Männer wurden abgeurteilt, die trotz des Uniformverbotes die braunen Hemden und Hosen getragen haben, manche von ihnen, weil sie einfach nichts anderes anzuziehen hatten. Die Gerichte der Republik gaben sich damit ab. Siebzehn- oder Zwanzigjährige zu einigen Tagen Haft zu verurteilen. So wollte es das Republik-Schutzgesetz. Aber Hitler und Goebbels hetzten ungestraft weiter. Man begnügte sich damit, einige Auswüchse zu bekämpfen. Man hatte aber nicht den Mut, gegen die Drahtzieher vorzugehen, obwohl diese sich durchaus nicht scheuten, die Republik in aller Oeffentlichkeit au verhöhnen. Heute besteht die eminente Gefahr, dass die Sünden der Vergangenheit wiederholt werden. Unter denen, die jenen neuen Hassanbruch verurteilten, befand sich auch der Führer des Ostblocks und russische Premier Krutschew. Er hat sich seine Sache leicht gemacht. Man würde vielleicht der Wahrheit näher kommen, wenn man sagt, die westlichen Länder haben ihm seine Sa-1 che leicht gemacht, die Rolle des Verteidigers der Juden zu spielen. j Krutschew hat diese antisemitischen und faschistischen Vorgänge scharf verurteilt. Dass auch in Ostdeutschland Hakenkreuze erschienen, verschwieg er. Dass auch in Ostdeutschland zahlreiche ehemalige Nazis in hoben Positionen sitzen, erwähnte er nicht. Dass auch in der Sowjetunion antijüdische Massnahmen getroffen und von Staats wegen — im Gegensatz zur Bundesrepublik — durchgefiihrt werden, sagte er nicht. Sein Angriff gegen die Regierung in Bonn wurde in gemässigtem Ton und mit ruhig bedachten Argumenten vorgetragen. Er sagte, dass „die Tendenz, das blutige Nazisystem von seiner Schuld zu befreien und beinahe zu rehabilitieren, in Westdeutschland während der letzten Zeit im Anwachsen begriffen ist.” Die Tatsachen sprechen nicht gegen diese Formulierung Krutschews. die man vielleicht als zu scharf, aber in ihrer Grundauffassung nicht als unrichtig bezeichnen darf. Krutschew meinte schliesslich dass es sich bei diesen antisemitischen Manifestationen um eine reaktionäre Aktion handeln würde, was sicherlich auch zutreffend ist. wenn auch hiermit noch nichts gesagt wurde. Dann griff Krutschew auf weitere Aspekte der Weltpolitik über. Er führte aus, dass Hitler seinen Kampf gegen die Juden nur geführt habe, um dann alle anderen Nationen an zu greifen. Dass MOHELIM! REX { DIPL. OPTIKER Sarmiento 829 IT. E. 35 - 7356 Um Judith Schenkolewski Kultus« tick ereien Schabbosdecken . Tallisbeutel . Käppchen Masió t-Taschen . Hand- und Maschinenstickerei von Bett und Tischwäsche BEBEDERO 2585 T. E. 73-8155 Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von WOHNUNGEN HAEUSERN GESCHAEFTEH Montevideo 571, 4. St. T. E. 48-4887 y 78-7844 Mohel David Freimann T. E. 87.9932 Boulogne Susr Mer 352. L. Mohel N. Plaksin Superi 2719 T. E. 74-6784 ». 76-2312 Asylrecht UN. — Das Asylrecht, die Verhütung religiöser Diskriminierung und Massnahmen zur Ausrottung von Rassenvorurteilen werden als Hauptpunkte auf dem Sitzungsprogramm der aus 18 Mitgliedern bestehenden UN- Kommission für Menschenrechte stehen, die vom 29. Februar bis 18. März Ln Genf ihre nächste Tagung abhalten wird. ihm gerade darin Stalin geholfen hat, indem er seiner. Pakt mit Hitler schloss, vergass Krutschew zu sagen. Das ändert aber nichts an der Richtigkeit seiner allgemeinen Feststellungen. Der Ar? tisemitismus diente Hitler als politisches Mittel für seinen Kampf um die Weltherrschaft. In seinen weiteren Ausführungen griff Krutschew dann Adenauer an dess er nicht die notwendige^ Lehren aus der Geschichte gezogen haben würde. Wenn man diese Erklärungen des russischen Premiers hört, kann man sich seinen Gedanken kaum versehl iessen. Man darf aber nicht übersehen, dass es mitunter nient einfach-ist, in der Politik zwischen demonstrativen De- | klarationen und echten Wahrheiten zu unterscheiden. Krutschew hat mit seiner Kritik Recht. Dennoch wird man nicht verkennen dass ereine Gelegenheit ausgenutzt hat, um sich billige Lorbeeren zu holen. Denn Krutschew, der über ganz andere Machtmittel als Adenauer verfügt betreibt selbst eine Politik gegenüber der, Juden, die in ihren Auswirkungen — mitunter auch in ihrer Absicht — einen absolut anti jüdischen Charakter hat. Dagegen wird niemand behaupten wollen, dass Ade nauer jemals einen antijüdischen Kurs verfolgt habe. Die Bundesrepublik ist aber den Beweis dafür schuldig geblieben, dass sie den vorhandenen nazistischen Tendenzen mit der erforderlichen Energie entgegentvitt. Es mag in der Politik nicht . immer auf den W illen der Machthaber sondern auf ihre; praktischen Möglichkeiten! ankommen. In diesem konkreten Fall des Wiedererwachens einer nazistischen Bewegung in Deutschland, die ihre Fangarme weit über die Grenzen des ehemaligen Reiches hat, wird es entscheidend sein, ob das Kabinett Adenauer die Kraft und. den Mut entfaltet mit aller Entschiedenhei die dunklen Kräfte zu unterdrücken, die sich wieder regen. Ob die Regierung in Bonn den Willen hierzu hat, können wir nicht wissen, denn bisher geschah nichts, was auf eine solche Entschlossenheit hindeuten würde. In diesem Punkt hat, zu unserem Bedauern müssen wir es zugestehen, Krutschew recht. la Eemana Israelita Bisemanano: aparace tos Martes » Viernes Editado por Estrellas Ëdnoriai Ltda Verantwortlich: Dr. H. Swarsentky Pueyrreaon ¿190 P uq X £ 83-2613 Adobo- Preise. Argen, men. $ 60.— pro Quartal NERVEN- ». GEMUETS- | KRANKHEITEN I Dr. M. J. Kuhn f RIVADAVIA 2825, 3« I T. E. 48-7524 | Mont., Mittwoch, Freitag I 17—19 Uhr. Tel. Anmelj düng erbeten f Dass die Russen diese antisemitischen Vorfälle auch als Argumente in ihren weltpolitischen Aspirationen be nutzen kann man ihnen nicht verwehren. Krutschew wandte sich an Frankreich und England, die doch so viel durch den nazistischen Angriff gelitten haben, und bedauerte es, dass diese Länder die deutschen Aufrüstungen fördern. Ob die Welt, und nicht nur Engländer und Franzosen, -diese neue deutsche Aufrüstung bedauern müssen, wird zu einem wesentlichen Teil davon abhängen, ob die westdeutsche Bundesrepublik als demokratische Macht bestehen bleibt oder durch altneue Irrtümer eines Tages wieder in die Hände der Nazis fallen wird. Das aber hängt entscheidend davon ab, ob die erforderlichen Schritte zur Bereinigung der' Republik von den alten und neuen nazistischen Elementen unternommen werden. Vielleicht werden die letzten Lehren den Willen stärken, das Uebel an der Wurzel an. zupacken und sich nicht mit der Verhaftung und Aburteilung einiger Jugendlicher oder Unverbesserlicher zu begnügen. Schon der römische Sänger sagte „Principiis obsta”, den Anfängen widerstehe, denn „sero medicina paratur”, zu spat kommt die Kur. In diesem Wort liegt auch eine tiefe politische Weisheit. Alle Kräfte sollten mobilisiert werden, um die Bundesrepublik zu veranlassen, den Anfängen Widerstand zu leisten, denn sonst wird es wieder eines Tages zu spät sein. Dr. JACOBO COHEN HIGADO — DIGESTIVO Pampa 2026 T E. 73-1116 Solicitar hora VARICES DE LA PIERNA - — ULCERAS ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY SARMIENTO 3116 T. E. 87 1362 Dr. B. Schwarcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 52-8214 RAYOSX PARADENTOSE AUF URLAUB BIS ENDE FEBRUAR I Paso 452 (al fondo) — T. 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