Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1753 (12.2.1960)
- Date
- 1960-02-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes, 12 de Febrero de I860 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 175» ER WUSSTE NICHTS DAVON (Schluss von Seite 1) Niemand wird sofort behaupten wollen, dass der Richter, der diese merkwürdige Entscheidung getroffen hat nun selbst auch ein früherer Nazi sein müsse oder heute noch mit den braunen Machthabern sympathisiert. Wäre er selbst ein ehemaliges Parteimitglied, könnte man seine Haltung wenigstens verstehen und nur bedauern dass ein solcher Mann auch heute noch auf einem so verantwortungsvollen Pos.en steht. Ist er at eipolitisch ..einwandfrei" und gilt als Demokrat, dann muss irgendein schwacher Punkt in der Rechnung sein, ein Mangel an Instruktion und Gesinnung. Und das ist gefährlich, denn die überraschende Begründung bei der Entlassung Beckerles wird doch ihre Wirkung auf die Haltung anderer nicht verfehlen. Man muss wohl unterstellen. dass dem Richter das Material das sich in der Hand des Generaistaatsanwaltes befindet, bekannt gewesen ist. Die dokumentarischen Unterlagen lassen -skeinen Zweifel an der Schuld dieses Diplomaten zu. in jedem Fall aber widerlegen sie die Beweisführung für seine Unschuld. Eine aufklärende Information durch die Wiederaufnahme des Verfahrens oder durch die tferöffentlichung weiterer Urkunden erscheint deswegen im Dienste der Sicherung demokratischer Institutionen geboten. Man darf das Odium nicht aufkommen lassen, als würde heutzutage ein Interesse daran bestehen, die wahren Zusammenhänge zu verschleiern. Die Frage der Zweckmässigkeit der Prozesse, die in grosser Anzahl gegen die Beteiligten an den Massenmorden geführt werden, ist bereits des öfteren zur Diskussion gestellt worden. Wenn man sieh aber entschliesst wenigstens diejenigen auch jetzt noch zur Verantwortung zu ziehen, die sich an den schlimmsten Verbrechen wie an den Erschliessungen hunderter Juden und anderer Gefangener beteiligt haben, dann kann man sich nicht mit Ausflüch. ten zufrieden geben oder einverstanden erklären. Die Absicht dieser Prozesse besteht offensichtlich darin, neben der Verfolgung von Verbrechen all diejeni- Dr, FREY! i Abogado j PUEYRREDON 2190 ♦ 1? nq nachm. 16—18 Uhr ^VWVVWVWVVVWV*V%£ REAL PEN I ¡¡Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 % T E. 49-5850 ]. Liebling JURNIERE — SPERRHOELZER AZ VELEZ 5224 kJ 4« E 43-2349 /0340 y 3021 gen aufzuklären, die nichts! gewusst haben oder nichts I wahrhaben wollen, um eine | Rückkehr des Systems zu | verhindern. Sucht man dann I aber im Laufe der Verhandlungen nach Gründen, um ¡die Täter laufen zu lassen, verhängt man auffallend milde Strafen für schwere Verbrechen oder findet man , nicht hinreichende Beweise i für die Verurteilung, weil man beide Augen vor den : Tatsachen verschliesst, so ■ erzielt man die entgegenge-; setzte Wirkung und schädigt | damit das Prestige und ¡schliesslich den Bes.and der I Republik und der Demokra- | tie. Hieran zu zweifeln, wä- re im Angesicht der Erfahj rungen, die man in der Wei- | marer Republik sammeln j musste, sehr leichtfertig. I In einem Prozess gegen eij nen ehemaligen Kriminalsejkretär und Gestapobeamten, i der vor dem Schwurgericht in Bielefeld abrollt wird ■ dem Angeklagten vorgewor-! fen, an der ..Erschiessung von 130 bis 150 Juden mitgewirkt'’ zu haben. Man überlege einmal, was diese ■Form der Berichterstattung bedeutet: 130 bis 150 Juden, Hat man doch heute bei dem Umfang der nazistischen Greueltaten kaum noch die Möglichkeit einer exakten Feststellung, ob es sich um 130 oder um 150 Menschen gehandelt hat. Es ist nicht interessant, welche Ausflüchte der Angeklag e jetzt benutzt um zu beweisen, dass er nicht an diesen Morden mitgewirkt hat, von denen er natürlich wusste, da er nicht bestritt, den Befehl erhalten zu haben, dabei zu sein, als man die Tat vollbracht hat. Die ersten Zeugen die bereits zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt gewesen sind, belasteten den Angeklagten. Zu welchem Ergebnis das Gericht gelangen wird, wissen wir nicht. Gewiss ist es nach 18 Jahren nicht mehr einfach, den schlüssigen Beweis zu erbringen, dass auch dieser Angeklagte mitwirkte, als man 130 bis 150 Juden erschossen oder umgebracht hat. Von 1055 bis 1057 war dieser Angeklagte wieder als Kriminalsekretär tätig, bis er suspendiert wurde. Auch diese Tatsache beleuchtet die Situation. Bekanntlich wurde jetzt sogar ein hoher Kriminalbeamter, der Chef der Kriminalpolizei im Lande Rheinland-Pfalz seines Amtes enthoben, da er im Verdacht steht, als früherer SS- Hauptsturmführer an der Ermordung von ..Juden und anderen Zivilisten” beteiligt zu sein. Man fragt sich wohl nicht mit Unrecht, wie es Judith Schenkolewski Kullusstickereien Schabbosdecken - Tallisoeutel . Käppchen Mas-| zot-Taschen - Hand- und* Maschinenstickerei von j Bett und Tischwäsche I BEBEDERO 2585 | T. 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Da die Straftaten fast 20 Jahre zurückliegen, konnten keine klaren Beweise für' die Schuld des Angeklagten erbracht werden, zumal auch die Zeugenaussagen aus dam gleichen Grunde nicht sehr zuverlässig gewesen seien. Sicherlich kann man manche Tatbestände nach zwei Jahrzehnten nicht mehr mit der gleichen Klarheit umreissen, wie nach einem kurzen Zeitraum zwischen dem begangenen Verbrechen und der Gerichtsverhandlung. Immerhin dürften diese Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion von Verbrechen nicht so gross sein, wie sie diesem Angeklagten zur Last gelegt wurden. Denn schliesslich haben die Insassen der Lager auch nach 20 Jahren noch nicht die Schrecken vergessen, die - ~ damals durchleben mus t; . Da c.er Angeklagte der Lagerleiter gewesen ist, müsste, — so sollte man wenigstens annehmen. — ihm auch die Verantwortung für die Taten seiner Untergebenen zur Last gelegt werden Lebenslänglich Hamburg. — Ein 58jähriger Lehrer, früherer SS-Mann, ist zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden, weil er im Jahre 1942 in der Ukraine einen Juden ermordet hatte. Georg Marschall stand unter der An. klage, den jüdischen Tischler Josef Diener umge~*acht zu haben, und war geständig. tITA) i können. Oder hat er auch ¡nicht gewusst, was sich in seinem Machtbereich abgespielt hat, wo er ngch den geltenden Auffassungen de; ¡nazistischen Systems zun ddesens de facto der Herr über Tod und Leben dsrer gewesen ist, die in seinem Lager schmachteten? Der Lagerleiter wurde aus verschiedenen Gründen freigesprochen, nachdem er bereits einmal wegen dieser; Taten vom Schwurgericht zu 115 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Sollte es i bei diesem Freispruch bleij b-an, dürfte der freigesproj chene Angeklagte nicht un erhebliche E-ntschädigurgs- , forderungen für die Zeit verlangen, in der er innafitiert war und seine Strafe abgesessen hat... j E’n anderes Schwurgericht ¡verurteilte einen frühsten | Forstmeister und SS-Haupt I Sturmführer zu einer hohe’1 I Zuchthausstrafe, weil er einen 17 Jahre al’en Jung n ¡durch Genickschu-s ermordet hatte. Dieser jung' Mann — offensichthch ke n Jude — war aus einem KZ entflohen. um auf d’?sf Weise der Sterilisierung zu entgehen. Er wurde aber aufgegriffen urd aufgrund eines vom SS-Hauptsturmfiihrer herbeigefiihr en Todesurteils durch ein ad hoc gebildetes Femsgericht verurteilt. Der arme Kerl mu;ste. wie das in tausenden Fäl len praktiziert wurde, s in eigenes Grab schaufeln, bevor ihn der Hauptsturmführer erschoss... In der Voruntersuchung gegen den des 175fachen Mordes angeklagten früheren SS - Hauptsturmführer Karl Chmielewskj wurden jetzt zwei Komplexe mit insgesamt 70 Morden .,ausgeklammert'’, um das Verfahren zu verkürzen. Chmielewski wird als einer der ..schlimmsten KZ - Mörder’’ bezeichnet. Er wii‘ete in einem Nebenlager des berüchtigten KZ Mauthausen. Die Benandlung d eser Schreckenstaten einzelner Unholde mag unter Umständen aus informatorischen Gründen für die bre;tere Oeffentlichkeit von Bsdr.utung sein, zumal es immer noch Menschen gibt, d e geneigt sind, die Verbrechen zu bestrei’en. Aber mit d'esen Unbelehrbaren sich abzugeben, dürfte n;cht besonders sinnvoll sein. Denn mit diesen Prozessen, die noch einmal die Grausamkeiten der Konzentrationslager enthüllen und in die Erinnerung zurückrufen, wird die Kernfrage des nazistischen Systems nur am Rande berührt: Wie war das alles möglich? Wie konnten diese SS-Hauptsturmführer in den Lagern oder sonstwo ungestraft morden und Morde dulden? Sie sind doch nicht die einzigen die eine ungeheure Schuld auf sich geladen haben. Wer sind die Hauptschuldigen? Nur wenn man die Hin'ergrtinde all dieser Verbrela Remana Israelita Biaemanano: aparace *>• Martes v Viertes Editado por Estrellas Ediior.ai Ltda Verantwcrtl-ch: Dt. H Swarsensky Pueyrreaon iiäo p i*o T ä. 83-2613 Atono Fiéis* Arg.r-timen $ 60,— pro Quartal Studenten nach Amerika New York. — 465 Studenten aus der VAR werter, in diesem Jahr ihr Studium .n den Vereinigten Staaten aufnehmen. Mehrere dieser Stu. demen waren vor einig.n Monaten von Universn; ten der Ostblockstaaten zurückberufen worden, weil Ka ro mit ihrer politischen Schulung und kommun stischen Beeinflt ssung nicht einverstanden wer. (AWZ) chen, die jetzt Gegenstand von Schauprozessen s nd, schonungslos entlarvt, nur dann haben diese Verfahren einen Sinn und können dazu beitragen, dass die Sünden der Vergangenheit nicht nachwirken und in einer vielleicht nicht fernen Zukunft neue Verbrechen auslösen. — I NERVEN, u GEMUETS- , KRANKHEITEN! Dr. M. J. Kuhn IRIVADAVIA 2625, 3* T. E. 48-7524 Mont., Mittwoch, Freitag! | 17—19 Uhr. Tel. Anmeldung erbeten TO L COHEN ESPECIALISTA DE NIÑOS Pampa 2926 T. E. 73-1116 Solicite hora Dr. B. Sehwarez ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52 82 RAYOS X PAR/'DENTCSF AUF URLAUB BIS ENDE FEBRUAR Í í VARICES — ULCERAS .* t DE LA PIERNA - ARTERIOSCLEROSIS! Dr. S A L- L 1 MANS K Y I SARMIENTO 3116 | T. E. 87 1362* BERNARDO STERN und JUAN JULIUSBURG AUSFUEHRUNG SAEMTUCHER Malerarbeiten 1 Dr. BENJAMIN L1PNIZKY l ZAHNARZT | CONDE 2318 T. 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