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Jüdische Wochenschau · 1960-02-12 · 1753 (12.2.1960) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1753 (12.2.1960)
Date
1960-02-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viornes, 12 de Febrero de 1960 JÜDISCHE WOCHEHSCHAÜ Año XXI. — No. 1753 — 3 Wir lebten 30 Monate „Untergrund” Die hier kurz zusammengefassten traurigen Erlebnisse gehören deshalb zu den selteneren, weil ja leider nur ein sehr kleiner Kreis von Volljuden'’ die ganze Naziepoche bis zum bitteren Ende in Deutschland selbst mitgemacht, alle Schrecken der Illegalität überstanden und die Befreiung durch die Alliierten im wörtlichen Sinne des Wortes erfahren hat. Mein Mann und ich, unsere beiden Söhne, gehörten zu diesen wenigen, die in Berlin versteckt gelebt hatten, praktisch nicht existent, „untergetaucht” waren in einem Augenblick, als es galt, sich zu entscheiden, ob man auf den Abtransport in die Vernichtungslager in Osteuropa warten oder den Versuch machen solle, etwas Zeit zu gewinnen in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine geringe Chance des- Ueberdauerns in der 4- Millionenstadt Berlin zu haben, nachdem wir nun einmal die kurze Spanne, fiir die meisten die letzte Möglichkeit, zwischen den Novemberereignissen 1938 und dem Kriegsausbruch im September 1939 zur Auswanderung verabsäumt hatten. Ich will es mir hier versagen, auf all die demütigenden Massnahmen einzugehen, die wir zwischen 1939 und 1941 erdulden mussten, angefangen mit den uns aufgezwungenen Vornamen ..Sara” und „Israel”, dem Tragen des Davidsterns, dem Verbot, öffentliche Anlagen, Verkehrsmittel, etc. zu benutzen, Kinos zu besuchen, der Vorschrift, nur zu bestimmten Tages- bzw. Abendstunden einzukaufen und nur das uns als äusserstes Existenzminimum Zuerkannte. Die ständige Furcht, unbedachterweise gegen eines der beschämenden „Judengesetze” zu verstossen, böswilligen „arischen” Nachbarn Gelegenheit zu einer Drohung oder gar einer Anzeige zu geben, dies alles machte jene Epoche, in der Hitler- Deutschland nach den siegreichen Polen- und Frank- (EIN TATSACHENBERICHT) reich - Feldzügen in Hochstimmung und einem gewissen Ueberfluss zu leben schien, für uns Juden zu einer schlimmen Leidenszedt, und doch konnte sich dies nicht vergleichen lassen mit dem, was kommen sollte. Vom Herbst 1941 an setzte die Zusammenpferchung der „Nichtarier” in sogenannten „Judenwohnungen” ein, wo Familien sehr eng und nun gewissermassen unter unmittelbarer Beobachtung durch die Nazistellen ein unwürdiges Dasein führten. Fast um die gleiche Zeit begann der anfangs weniger bemerkbare Abtransport in „Arbeitslager”, von denen in der Folgezeit immer mehr als von „Ausrottungslagern” gesprochen wurde. Ein grosser Wohnblock im Nordosten von Berlin, in der Hufelandstrasse, barg eine grosse Anzahl jüdischer Familien, von denen im Laufe des Jahres 1942 viele „mit unbekanntem Ziel” abtransportiert wurden. Am 31. Januar 1943, also am Ende des Monats, in welchem Rabb. Dr. Leo Baeck nach Theresienstadt deportiert wurde, dessen Anwesenheit in Berlin noch immer einen gewissen moralischen Halt bedeutet hatte, gingen wir vier Familienmitglieder „Untergrund”, d. h. wir hatten für die nicht jüdische Umwelt zu existieren äufgehört. Unser beiden Söhne, damals 19 und 21 Jahre, hatten die Initiative hierzu ergriffen, da sie der Meinung waren, dass Schlim. meres, als das, was die Nazis mit uns vorhätten, uns nicht widerfahren könnte. Während mein Mann und ich noch formell im Besitze der alten Wohnung waren, um die Lebensmittelkarten nicht zu verlieren, aber vorübergehend in den ostberliner Vororten Erkner und Fangschleuse bei arischen Bekannten Unterschlupf fanden, wurden die „Judenblocks” mit Gewalt geräumt, ihre Bewohner wie Vieh AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BEÑO“ BEÑO HUTSCHNECKER Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Moivroe) T. E. 51 2205 verfrachtet und unbekannten Zielen entgegengeführt. Unsere Jungen, die bis dahin noch eine tägliche 12stündige Zwangsarbeit leisten mussten, blieben noch etwa 4 Wochen in der von der Gestapo bereits versiegelten „Judenwohnung”, bis auch dies derart gefährlich werden sollte, dass sie diese verliessen. Ein biederer, immer hilfsbereiter Fuhrmann, der unweit eine sogenannte „Laubenkolonie” besass, ein Vater von sechs Kindern, uns seit langem bekannt, gewährte fortan oft für Wochen hindurch, entweder uns allen oder den Söhnen unter schweren persönlichen Opfern, Obdach und Nahrung. Er -wies den Gedanken an die für ihn als „Arier” bestehende Gefahr entschieden von sich; er bewährte sich als ein leuchtendes Beispiel reinster selbstloser Menschlichkeit. Wir stehen mit dieser Familie, die nicht die einzige war, die verfolgten Juden in ihrer Not beistand, seit unserer Befreiung und nach unserer Auswanderung, in ständiger Fühlung. Je mehr sich während dieser Jahre 1943 und 1944 die Bombardements der Alliierten häuften, je öfter Häuser und Aemter, ganze Strassenzüge in Flammen aufgingen, desto günstiger war es für uns und leichter, glaubhaft zu machen, dass auch w ir „ausgebombt” und ohne Dokumente wären. Ist mein Mann auch aus dem militärpflichtigen Alter längst herausgewesen, so sahen sich unsere Jungen häufig der Gefahr ausgesetzt, Militär¬ oder Polizeipatrouillen gegenüber sich auszuweisen. Auf wunderbare Weise gelang dies immer irgendwie, denn wären sie „Arier” gewesen, so hätten sie im Felde stehen, oder in einem lebenswichtigen Kriegsbetrieb tätig sein, als Juden jedenfalls längst zu existieren aufgehört haben müssen. Aber es war schliesslich so: Der allerschwerste Entschluss war der anfängliche des „Untertauchens”; die anderen Konsequenzen ergaben sich schliesslich von selbst aus der Lage heraus. Immer gab es irgendwie und irgendwo Bekannte, wohlwollende Mitmenschen, die im Tauschhandel Lebensmittel hergaben, eine Schalfstätte einräumten, uns Hilfe leisteten. * Die letzten 18 Monate unseres „Untergrund-Daseins” verbrachten wir — welche Schicksalsironie — im Naziparteihaus in der Lorenzstrasse 3 in Berlin-Lichterfelde-Oet. Als „Reinemachefrau”, ausgebombt natürlich, bezog ich mit meinem Mann den Kohlenkeller, und die letzten 6 Monate vor der Befreiung waren auch die Söhne, gut versteckt, bei uns. Wir lebten unter dem Namen „Fischer”, der mir geläufig war, weil nahe Verwandte in Amerika diesen Namen führen; die eigentliche Portierfrau kannte unser Geheimnis, wahrte es jedoch, weil sie materielle Vorteile zu erwarten hatte. Während in den oberen Stockwerken die Nazibonzen ihre komfortablen Wohnungen hatten, dienten die anderen Räume Bürozwecken; diese Büros des Nachts zu - LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1’ isq. - T. E. 83-2613 14. Schwat 5720 12. Februar 1960 säubern, sich Stempel und behördliche Ausweise zu beschaffen, war mir zur Selbsterhaltungspflicht geworden, denn jeder Tag konnte neue Gefahren bringen. Dokumente dieser Art bewahre ich als mir kostbare Erinnerungen auf. Als die russischen Befreier kamen, wollten sie uns zunächst nicht zur Kenntnis nehmen, weil es ihrer Meinung nach keine Juden mehr in Deutschland geben könne. Ein jüdisch-russischer Offizier rettete uns davor, als Nazis zu gelten; wir wissen von einigen anderen Juden und Halbjuden, die man glattweg niederschoss, weil man ihnen ihr Judesein nicht glauben wollte. Erst die amerikanische Armee brachte uns die wirkliche Befreiung. Nie werde ich vergessen, welch masslos erstaunte Gesichter einige Nazibonzen zeigten, als unsere Söhn auftauchten, die, nach ihrer Ueberzeugung, für den „Führer” hätten sterben sollen. Wir verbrachten dann noch fast drei Jahre im verwüsteten Berlin, ehe wir nach den Staaten emigrieren konnten, und wir hatten auch die Genugtuung, die allerersten gewesen zu sein, die vom Bezirksbürgermeister die Erlaubnis erbaten und auch erhielten, sich des Verwaltungs - Gebäudes der „Jüdischen Gemeinde” in der Oranienburgerstrasse 24 anzunehmen und seine Wiedereröffnung durchzuiühren. Jenny Lebrecht, Los Angeles (Oalif.) FEBRUAR letzter Ausverkaufs- Monat 30 % Rabatt bei Barzahlung 15 % Rabatt mit Zahlungserleichterung auf alle Sommer-, Herbst¬ und Winterfertigkleidung. 300 ausgesuchte Stoffe für Massanziige. zugeschnitten und probiert von unserem zweiten Modellisten Preis $ 4.200.— der Massanzug. LAVALLE 870 T. EL 35 - 1110 EUROPA lo e.spera Juan Scho111 aender Versicherungen jeder Art — IUNCAL 2170 T. 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Ueber eine deutsche Baubeteiligung ist offiziell noch nicht verhandelt worden, jedoch verlautet, dass die Sowjets auch die zweite Bauphase übernehmen wollen — (AWZ) FIAMBRERIA Alle Arten Aufschnitt — Konserven — Getränke — Auch koschere Würste — Grosse Auswahl in Cognacs, Weinen, Likören etc. — Preisselbeeren — KNORRSUPPEN — WEGEN FERIEN GESCHLOSSEN 25 DE MAYO 719 Inh.: FEDERICO SW'ARSEN SKY PARI KOMA MILAN FRANCFORT V 1 c por negocios por placer por motivos familiares siempre existe una razón para „viajar.. VOLANDO! un vuelo AUTAL/A una cita con el confortja cortesía y... la codita italiana! U COMPAfilS AEREA OFIClAfc DE LOS JüEGffS'OtlMRlCÓS" M 'Ifc 32405* o mea «•<*>» * ar pr«fen<fe>

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