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Jüdische Wochenschau · 1960-02-12 · 1753 (12.2.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1753 (12.2.1960)
Date
1960-02-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1’ isq. ¿O, JfewtGiHJGkJáhJGJZtiiG, T. E. 8 3 2 6 1 ) Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 12 DE FEBRERO DE 1960 No. 1753 Die heutige Laoe in Mittelost Jerusalem. — Das militärische Gleichgewicht zwischen Israel und den Araberstaaten, im besonderen der VAR. hat sich heute ver. schoben, und die arabischen Führer, an ihrer Spitze die Aegypter. werden sich in einigen Jahren s’atk genug fühlen, einen „entscheidenden Vernichtungskrieg" ge gen Israel zu entfesseln. Diese Ansicht wurde in einer Sitzung des israelischen Kabinetts \ertreten. Das Kabinett beendete die Analyse der allgemeinen Sicherheitslage des Landes. Die von Israel festgestellte Verlagerung des Gleichgewichts dürfte die Aggressivität Wassers in kurzer Zeit erhöhen Beispiele einer solchen Intransigenz bilden die Verschärfung der Suezkanai- Blockade sowie die Leberfälle an der syrischen Grenze. Obwohl im Kabinett Einigkeit herrschte, dass Israel nichts anderes übrig bleibt, als auf diese Provokationen zu reagieren, so nimmt die Regierung andererseits den Standpunkt ein, dass Israel vor der Welt nicht den Eindruck erwecken darf, als bereite es einen neuen Angriff vor. Israel muss, wie es seine Politik auf lange Sicht erfordert, seine Verteidigung/ stärken und seine Beziehungen mit jenen Ländern enger gestalten, von denen es Waffen kaufen kann. Dies ist auch eine Eudgetfrage. Solche Länder sind Frankreich und die USA. Obwohl der V Erf-olg des Sinai-Feldzugs bei allen Nationen der. Eindruck von Israels unbestreitbarer militärischer UeberJegenheit im Vergleich mit Aegypten hervorgerulen hat, so hält man es doch für angebracht, die ausländischen Regierungen und die öffentliche Weltmeinung neuerlich über den jetzigen Stand der Rüstungen im Mittelosten aufzuklären. Die Israelis glauben, darauf verweisen zu müssen, dass der fortgesetzte Zufluss sowjetischer Waffen in die arabische^ Länder und die jüngsten Bemühungen des Westens zur Beschwichtigung der arabischen Führer eine ..gefährliche Umgestaltung" der militärischen Lage verursachen, wodurch eine Situation her- WIE ICH ES SEHE EH WUSSTE NICHTS DAVON _ von JEHUDA GOTTHEIMER Wir haben ja nichts davon gewusst, — wie oft wird diese Entschuldigung gebraucht, am sich von den schrecklichen? Verbrechen gegen die Juden in der Nazizeit zu distanzieren. Es mag wirklich Menschen geben, die nichts oder wenig davon wussten, was in den Ausrottungslagern geschah. Ueber die Zustände in den deutschen Konzentrationslagern war die Bevölkerung bereits 1933, spätestens aber 1934 genauestens informiert. Vielleicht •wollten es viele nicht glauben, wenn sie die Berichte hörten. Aber nicht daran zu glauben, was man nicht wahrhaben will, bedeutet noch nicht, hiervon nichts gewusst zu haben. Wenn viele einfache Bürger manches nicht kannten, nicht glauben wollten oder sogar tatsächlich nicht wussten, mit dieser Erklärung dürften sich hochgestellte Beamte nicht von ihrer Verantwortung freikaufen können. Und doch geschieht von Zeit zu Zeit diese Sonderbarkeit, um jeden schärferen Ausdruck zu vermeiden. In einem Verfahren, das unlängst vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main lief, behauptete der frühere deutsche Gesandte in Bulgarien, Herr Beckerle, nichts gewusst zu haben. Das mag erstaunlich genug sein. Was aber soll man dazu sagen, dass sich ein Richter findet, der diese Erklärung des Ge- J sandten akzeptierte. | Der Sachverhalt, wie er aus der Presse geschildert , wurde, ist kurz gesagt der ■ folgende: | Das Amtsgericht in Frankfurt hat im Verfahren des wegen Judenmordes angeklagten früheren Gesandten in Sofia, Heinz Beckerle, den Haftbefehl aufgehoben. : In der Begründung dazu heisst es, die Tatsache, dass Beckerle ein hoher Funktio- 'när des Dritten Reiches und der SS gewesen sei, zwinge noch nicht allein zu dem Schluss, er habe gewusst oder wissen müssen, dass die aus Bulgarien deportierten Juden vergast werden sollten oder vergast worden sind. Die Staatsanwaltschaft will gegen die Haftentlassung Beschwerde bei der „Inge Toft“ und „Astypalea“ London. — Der dänische Frachter „Inge Toft’’, der seit dem 21. Mai 1959 mit einer israelischen Fracht an Bord in Port Said aufgehalten wird, darf den Suezkanal selbst dann nicht benutzen, wenn seine Besitzer die israelische Ladung der VAR übergeben ha"ben, wie hier enthüllt wurde. Aus Kairo eingetroffene Kabel berufen sich auf die Schiffahrts-Agenten der Eigentümer, die erklärt haben sollen, das Schiff müsse dafür bestraft werden, dass es eine israelische Fracht befördert habe. Die Zeitung „Le Monde” berichtet aus Kairo, dass die Inhabe des griechischen Frachtschiffes „Astypalea”, das ebenfalls aus Israel stammende Waren mit sich führt und auch in Port Said festgehalten wird, beschlossen haber, mit den Behörden der VAR zu verhandeln, um die Ladung zu löschen und die Freigabe des Schiffes durchzusetzen. (ITA) Vierten Frankfurter Strafkammer einlegen. Wie Generalstaatsanwalt Bauer auf einer Pressekonferenz mitteilte, ist die Staatsanwaltschaft nach wie vor der Ueberzeugung, dass Beckerle des Mordes an 11.343 Juden aus Mazedonien und Thrazien schuldig ist. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auf die ihr vorliegenden offiziellen Akten des Auswärtigen Amtes und der Gesandtschaft in Sofia. Bauer wies unter anderem auf das sogenannte „Wannsee-Protokoll” vom 22. Januar hin, in dem es heisst: „Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten. Diese Aktionen sind jedoch lediglich als Ausweichmöglichkeiten anzusprechen. Doch werden hier bereits jene praktischen Erfahrungen gesammelt, die im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage von wichtiger Bedeutung sind.” Nach dem Wortlaut des Protokolls sollten die Juden im Osten zu Arbeitseinsätzen kommen. „wobei ein Grossteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der anfallende endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen.” Die Aktion gegen die Juden in Bulgarien wurde bereits 1942 diplomatisch vorbereitet. Bulgarien war damals von den Deutschen besetzt. Die Festnahmen in Mazedonien begannen am 1L und 12. März 1943. Der Abtransport war Ende März 1943 beendet. 7.168 Juden aus Mazedonien kamen in das Vernichtungslager Treblinka bei Warschau. Von den in Thrazien lebenden Juden ist nur bekannt, dass beigeführt werden kann, welche der Konstellation vor der Kampagne vom Jahre 1956 ähnlich wäre. DIE INTERNATIONALE LAGE Jerusalem. — Die grundsätzliche Schlussfolgerung politischen Charakters, zu der das israelische KabLiett , bei der Betrachtung des internationalen Panoramas gelangt ist, gipfelt in der Erkenntnis, dass Israel nicht auf die Vereinten Nationen als restriktiver Faktor im i Mittleren Orient sein Ver- | trauen setzen kann. | Der Misserfolg Hamraar- I skjolds, von Nasser auch nur das geringste Zugeständnis in der Suezfrage zu erhalten, wird als entschejdender Beweis dafür angesehen, dass weder die UN noch Hammarskjold persönlich fähig sind, den ägyptischen Diktator zu beeinflussen. Wenn man bedenkt, dass die UN in der Vergangenheit für Israels Zurückhaltung :n seinen Reaktionen auf die arabischen Aggressionen ausschlaggebend waren, was sie heute nicht mehr sein können, so muss man feststellen, dass die entschlossene militärische Vergeltungs-Aktion in Twafik gezeigt hat, dass Israel verstanden hat, wie .die Dinge heute liegen. (ITA) sie auch in die Ostgebiete verschleppt wurden und nicht zurückkehrten. In der Begründung des Amtsgerichtes heisst es, die , Behauptung Beckerles er j habe durch seine Einflussnahme auf die bulgarische I Regierung nur ein „Fait ac- , compli” in der verfassungs-; mässigen Form regeln hel- ’ fen, sei zwar nicht restlos überzeugend, aber auch nicht widerlegbar. Es beständen also Zweifel, ob das Verhalten von Beckerle noch „ursächlich” gewesen sei. Durch Veröffentlichungen in der Nachkriegszeit und ar dere Verfahren sei ausse. dem bekannt geworden, das nicht jeder hohe Funktionä die Existenz und Bedeutun der Vernichtungslager ge kannt habe. Dafür sprech auch, dass das unter Eicl mann stehende Judendezei nat des Reichssicherheit: hauptamtes zu dem Zeit punkt, als die Deportatio: der Juden in Bulgarien aku wurde, einen Sonderdele gierten zur Gesandtschaft ii Sofia geschickt habe. Es se auch fraglich, ob Beckerl die Bedeutung des Worte „Endlösung” in der Juden frage gekannt habe. Generalstaatsanwalt Baue erklärte dazu, aus den Ak ten des Auswärtigen Amte ergebe sich zu den Juden massnahmen in Bulgariei eindeutig, dass es sich un kein „Fait accompli” gehan delt habe, sondern um ei nen Wunsch der deutsche! Regierung. Der Gesandt« Beckerle habe in einer Rei he von Schreiben nachdrück Israel Exporta Expertos Tel Aviv. — La grande y creciente demanda enla'«» los países afro asiáticos de técnicos ¡srelíes fué ilustrada en una serie de anuncios sobre envíos de especialistas a esos países y a conferencias científicas. El Prof Iosef Zeitlin, jefe del deparlamento de ingeniería civil del Tecnión de Haifa representará a Israel en la conferencia en N. Delhi de la Sociedad Internacional de Mecánica del Suelo y Represas. Cuatro trabajos de científicos israelíes serán presentados en una conferencia en febrero en la India. La Agencia Judía anunció que enviaba expertos en agricultura a Nigeria Occidental, a invitación de aquel gobierno. El Dr. Avigdor Kedem establecerá una comisión de planeamiento para colonias cooperativas eh nonas remotas de Nigeria, para impedir la acumulación ds los campesinos en las ciudades. El Dr. Kedem tiene experiencia previa de Birmania, donde pasó 18 meses enviado por la FAO, y en Japón, donde pasó 7 meses. Asimismo se informó que un nuevo hospital ha sido cieado en Masawp. en Africa Oriental, operado pot médicos isralíes. SCHLOMO S. TANGER Ausfuhr von Sachverständigen Tel Aviv. — Die grosse und wachsende Nachfrage unter den afro-asiatischen Ländern nach israelischen Technikern wurde durch eine Reihe von Ankündigungen über die Entsendung von Spezialisten nach diesen Ländern und zu wissenschaftlichen Konferenzen erhellt. Prof. Josef Zeitlin, der Chef der Abteilung liir Baugingenieur-Wissenschaften des Technikums in Haifa, wird Israel auf einer Konferenz in New Delhi vertreten, die die Internationale Gesellschaft für Mechanik des Bodens und Stanwerke abhält. Vier Arbeiten israelischer Wissenschaftler werden auf einer Konferenz im Februar in Indien vorgelegt werden. Die Jewish Agency teilte mit. dass sie Ackerbau- Experten nach West-Nigeria auf Einladung der dortigen Regierung schicken wird. Dr. Avigdor Kedem wiid eine Kommission für die Planung von Gemeinschaitskolonien in entlegenen Zonen Nigerias aufstellen um die Ansammlung von Bauern in den Städten zu verhindern. Dr. Kedem verfügt über frühere Erfahrungen in Birmanien, wo er als Beauftragter der FAO anderthalb Jahre verbracht hat, und in Japan, wo er 7 Monate war Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass ein neues Hospital in Masr.wa in Ostafrika eröffnet wurde, das von israelischen Aerzten geleitet wird. SCHLOMO S. TANGER lieh auf die Abwicklung der Aktion Wert gelegt. „Wir wissen heute, dass sich die bulgarische Regierung gegen die Massnahmen gesträubt hat. Der bulgarische König hat zu diesem Zeitpunkt sogar die Juden empfangen.” Geprüft worden sei vom Amtsgericht auch nicht, ob zumindest bei den Aktionen Beckerles Beihilfe Vorgelegen habe. Darüber hinaus müsse der Gesandte das „Wannsee . Protokoll” gekannt haben. Bauer bezweifelte weiter, dass die Uebersendung des Sonderdelegierten entlastend verwandt werden könne. „Ich möchte doch annehmen, dass der Chef wusste, was geplant ist.” Beckerle, der seit 1955 in einer Fabrik in Neu-Isenburg bei Frankfurt arbeitet, war vom 28. Juni 1941 bis Ende 1944 Gesandter in Sofia. Eiwurde Ende September dieses Jahres festgenommen. Soweit der Sachverhalt: der Richter entlässt einen früheren Gesandten, der eine fremde Regierung gedrängt hat die antijüdischen Massnahmen durchzuführen, und glaubt ihm, er habe nicht gewusst, zu welchem Zweck die von ihm selbst geforderten Deportationen erfolgten. Dass die bulgarische Regierung sich diesen Anordnungen ohne Erfolg widersetzte, auch das kann der Exgesandte des Dritten Reiches seelenruhig bestreiten, obwohl die Haltung der bulgarischen Regierung, unstrittig ist. Und der Richter ist bereit,'die Behauptun; gen des Gesandten entgegenzunehmen und dadurch sein damaliges Vorgehen heute zu sanktionieren. Es besteht sicherlich — von uns aus betrachtet — kein sonderliches Interesse daran, ob der frühere Gesandte Beckerle wegen seiner Beteiligung an den schändlichen Taten des Systems, das er in Bulgarien als Diplomat vertreten hat, jetzt verurteilt wird oder nicht. Dass er aber mit dieser Begründung entlassen wurde, ist sehr bedenklich. (SchluM auf Seite 2) Aufklärung über Nazigreuel Bonn. — Die Studenten und Erzieher in Westdeutschland b-schlossen, durch Proteste und Erziehungsprogramme den Antisemitismus zu bekämpfen. Prof. Adolf Sternberg, Vizepräsident der deutschen Abteilung uer UNESCO bot den Erziehungs-Ministerien der einzelnen Länder die Unterstützung seines Instituts an, damit sie Programme für die politische Erziehung gegen Vorurteile aufstellen können. Der Verband katholischer Lehrer in Baden erncb Einspruch gegen die systematische Wiedereinstellung von Nazilehrern in den deutschen Schulen. Die Junglehrer von Hessen und Niedersachsen bildeten Studiengruppen, um sich über die Nazizeit und die Gründe des Antisemitismus zu informieren. Die Studenten der Universität Bonn planen, eine Demonstration gegen die Wiedergeburt des Nazismus zu veranstalten, wenn sich im nächsten Monat die Machtergreifung Hitlers jährt. (ITA) LEO BAÏÏCK INSTITUTE NEW YOHK

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