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Jüdische Wochenschau · 1960-02-09 · 1752 (9.2.1960) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1752 (9.2.1960)
Date
1960-02-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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V) Spieglein, Spieglein an der Wand... Es gibt verschiedenartige Barometer, um den Stand des Antisemitismus in Deutschland festzustellen — Kabarettwitze, Beleidigungsprozesse, und die Presse. Eines der feinsten Instrumente durfte die Wochenzeitschrift „Der Spiegel” sein, die durch eine Mischung von frecher Aggressivität und hohem publizistischem Niveau weiteste Verbreitung gefunden hat. Sie dürfte deshalb wirklich eine Art Spiegel dessen sein, was die deutschen Leser interessiert und worüber sie debattieren ■wollen. In letzter Zeit wird auffallend oft über Juden und Antisemitismus geschrieben. Natürlich nicht in irgendeiner Weise, die auch nur den Verdacht erregen könnte, die Zeitschrift ^habe ein Interesse daran, in diesen Fragen Partei zu nehmen. Antisemitismus, so darf man nicht vergessen, äst nicht mehr oder noch nicht salonfähig, und auf einer Tribüne wie dem „Spiegel“ werden solche Dinge 5,objektiv” behandelt. Nehmen wir z. B. die Titel geschichte eines jüngsten Heftes, eine Reportage, die sich über 14 Seiten des Heftes erstreckte und sich mit einem Leon Lipot Weiss befasste, der eine Art Revolution in der deutschen Uhvon HERBERT FREEDEN senindustrie und dem Uh- »war die Zeit am Anfang. Da renhandel ausgelöst hat: er äst der grosse Preisbrecher auf dem Uhre,r^»a^it; zum ersten Mal hat jemand in grossem Stil die traditionelle Kartellisierung und das Preismonopol deutscher und schweizer Firmen durchbrochen und verkauft Markenuhren unter Preis. Alle Prozesse gegen Weiss haben bisher nicht verhindern können, dass sich die Kette seiner Geschäfte in allen Städten ausdehnt, und immer wieder gelingt es ihm durch Hintermänner, Waren gerade derjenigen Fabrikanten billiger aufden Markt zu bringen, die seine grössten Gegner sind. Weiss, so lässt der „Spiegel” seine Leser wissen, wänderte 1951 nach Westdeutschland, „damals der Naturschutzpark für die Staatenlosen seines Schlages”, Der unruhige kleine Mann mit den eindringlichen Gesten, dem rapiden Redefluss und dem fremdartigen Deutsch — „Ich bin kein Jude. Mein Vater war Jude, meine Mutter nicht. Wenn ich Jude wäre, würde ich es auch sagen” — setzte sich in Köln fest und entsann sich wieder des väterlichen Broterwerbes: des Handels mit Chronometern. Weiss, der inzwischen nach Schätzung des Spiegels einen Jahresumsatz von 5 Millionen Mark macht, ist im Jahre 1924 in dem ungarischen Landstädtchen Tot geboren. Sein „fremdartiges Deutsch” wird mehifach durch Zitate unter Beweis gestellt — man beachte die Subtilität: von mauscheln ist nicht die Rede. „Zu Hause habe ich eine Spieluhr stehen, wenn die läuft, meine Frau und ich sehen uns an und denken, wie schrecklich sind wir gefahren mit Fiat 1400 durch die französische Zone und haben Uhren verkauft in den Kasernen. Der Wagen war voller Koffer, wenn wir in der Eifel stekkengeblieben im Winter, haben wir sie geschleppt. Meine Frau ist immer mit, einer musste bleiben bei den Koffern, wenn ich in den Kasernen ging.” „Vom Hausierer-Koffer zu rotem Plüsch”, heisst die Unterschrift einer der lllu- J strationen, und eine andere: INDUSTRIAS YUVENA S. A Fábrica de calzado y zapatillas DESCANSA ANDONAEGUI 1270 T. E.: 51 Buenos Aires 4810 „Uhrmachermentalität oder Händlergeist?”. Was man dem Weiss besonders übel nimmt, so liest man, ist sein „brillantes Händlertalent”. Bei den leitenden Herren (gemeint ist die Uhrenindustrie) wird mit dezenten Hinweisen auf die , Religionszugehörigkeit’ des Gegners — ,Er geht ja dauernd in die Synagoge’ — und auf seine Hintermänner’ nicht gespart. Auch der Uhrmacherverband ergeht sich gern in vagen Ausführungen über unsichtbare Kräfte, die den Leon Lipot Weiss .steuern’.“ Jene „Hintermänner” sind die beiden anderen Kommanditisten der Firma Uhren-Weiss, der Baseler Kaufmann Louis Weber — „Weber ist" schweigsam in Dingen, die seine Vergangenheit betreffen. Heute besitzt er die Staatsangehörigkeit der Vereinigten Staaten” — und den Schmuck-Grosshändler Arje Paluch, ein „schwarzhaariger kleiner Herr, aus Friedland bei Waldenburg in Niedersachsen gebürtig.” In der dem Bericht folgenden Woche erschien unter den Leserbriefen eine Zuschrift, der der „Spiegel” Raum gab: „In den turbulenten Jahren nach dem ersten Weltkrieg kamen viele Leon Weiss nach Deutschland, und um diese Konkurrenz loszuwerden,, wählten viele Adolf Hitler. Hoffentlich stehen heute nicht wiederum die Menschen vor der Frage: Entweder Antisemitismus oder genau so tüchtig, rührig, fleissig und geistig beweglich wie der Leon Weiss!’ Wie gesagt, es geht alles sehr dezent zu, man spricht über gewisse Dinge nur in Andeutungen, wobei man sich allerdings darauf verlassen kann, dass die Leser sie verstehen werden. In einer späteren Nummer des „Spiegel” folgte ein Artikel unter dem Titel „Antisemitismus” zu dem Urteil des Hannoverschen Landgerichts gegen Arthur Götze, Autor eines Flugblatts, in dem es heisst, dass „Hitler durch Millionenbeträge (vornehmlich von jüdisch-amerikanischer Seite) sowie durch gei-, stige Unterstüzung führender Weltmacht-Juden hochgebracht und zum Kriege aufgestachelt wurde” und dass „die zionistischen Wallstreet - Kreml - Gewaltigen dasselbe verbrecherische Spiel wie 1933 jetzt wieder... beginnen.” Auf eine Beleidigungsklage des Ministerialrats a. D. Dr. Gurt Radbrecher aus Berlin, „der jüdischen Glaubens ... und Verfolgter des Naziregimes“ ist, entschied die Strafkammer in Hannover: „Es ist ... nicht hinreichend ersichtlich, inwiefern Angriffe, die sich lediglich gegen eine kleine obere Schicht ausländischer Juden richten, eine ehrverletzende Kundgebung der Missachtung ... gegenüber Juden darst’ellen sollen, die jetzt in Deutschland leben und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungsmassnahmen gewesen sind ... Was ... die .überstaatliche Macht Juda’ betrifft, so richten sich seine (Götzes) Angriffe nicht gegen die Juden schlechthin, sondern ausdrücklich nur gegen ,die kleine Schicht eines . jüdischen Weltmach tklüngels’.” Das Oberlandesgericht ln Celle hat allerdings diesen Spruch des ihm untergestellten Landesgerichts verworfen und der Beleidigungsklage Dr. Radbrechers wird nunmehr stattgegeben. Einem Interviewer vom „Spiegel” sagte Götze: „Die Menschen deutschen Blutes lösen sich innerlich von dem auf jüdischer Grundlage stehenden Christentum und bekunden dies äusserlich durch kirchlichen Austritt. Dies ist für mich die Befreiung vom jüdischen Joch, vom Joch Jakobs.” Man kann dem „Spiegel” auch hier nichts vorwerfen. Er nimmt weder die Parte: Götzes noch die Radsprechers, und gibt dem Spruch der Berufungsinstanz mindestens soviel Raum wie dem des Landgerichts. Alles ist „objektiv”, publizistisch unanfechtbar, von keiner Tendenz entstellt oder auch nur gefärbt. Die einzige Tendenz, die aus all diesen Veröffentlichungen spricht, ist der journalistische „Rischer”, das Antisemitismus wieder „aktuell” ist, dass man wieder gern darüber liest, dass man jüdisene Affären aufbauscht Der aeutsche Leser bi sucht nur in den „Spiegel” zu sehen — und erwird sein eiegnes Gesicht darin finden. Bi bei Wettbewerb in Algier Algier. — In einem Bibelwettbewerb der Jewish Agency und der algerischen Zionistischen Vereinigung gewann der katholische Priester Lambert. Unter den Finalisten waren zwei katholische Priester, ein protestantischer Geistlicher und ein Rabbiner. Früher Tod New York. — Im Alte-r von nur 46 Jahren starb Abner Green, Exekutiv-Sekretär des USA-Comites für den Schutz von im Ausland Geborenen. Der Verstorbene hat sich für seine Idee hnmer mit allen Kräften eingesetzt. (AWZ) Februar letzter ‘ 30 Prozent Rabatt bei Barzahlung 15 Prozent Rabatt mit Zahlungserleichterung auf alle Sommer-, Herbst- und Winter. Fertigkeidung. 300 ausgesuchte Stoffe für Massanzüge, zugeschnitten und probiert von unserem zweiten Modellisten Preis $ 4.200.— der Massanzug tari ion f La valle 870 T. E. 35-1110 I AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO“ BEÑO HUTSCHNECKER Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Eeke M&roroe) T. E. 51 - 2204 Juan Schottlaender V«r*¿cÍmu»g#o jedot Art — JUNCAL 2178 T. E.: 82-1732 Rückkehr aus Jerusalem New York. — Aus Jerusalem, wo sie der kürzlichen Sitzung des Zionistischen Aktionscomités beigewohnt hatte, kehrte Frau Rose Halperin nach den USA zurück, «ie äusserte, sie habe Israel in einer ruhigeren Verfassung gefunden als je bei früheren Besuchen. Sie habe festgestellt, dass die Leute sich daran zu gewöhnen scheinen, „normale Bürger eines normalen Landes” zu sein. Es seien weniger Spannungen fühlbar, und es herrsche grösseres Vertrauen in die politische und wirtschaftliche Stabilität Israels. Frau Halperin hob hervor, dass zwar viele Einwanderer eingegliedert worden seien, doch viele andere noch ihre völlige .Rehabilitierung erwarten. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Jahr I960 durch besondere Anstrengungen gekennzeichnet sein möge, um es der Jewish Agency zu gestatten, greifbare Fortschritte in der Befriedigung der noch zu erfüllenden Bedürfnisse zu machen (ITA)! ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL { Dr. Hardi Swarsensky $ i t $ t t $ í i t t i i í Waehrend der Monate Februar und Maerz GESCHLOSSEN t Afttmtas Europeoo •xckiiraiiieiüe SPRECHSTUNDEN NUR IN DRINGENDEN FAELLEN DIENSTAG UND FREITAG VON 16—18 UHR Dr. Günter Frey AmmIm Argents»©« j Sabwcrienie TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN j VERTRAEGE - VERWALTUNGEN - — - ____ ___ m - fj BUEROZEIT: 1#—If muí lf—18 Ufer 1 PUEYRREDON 2190 etq. Av. LAS HERAS - T. B. 81-2611 f ^934278219

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