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Jüdische Wochenschau · 1960-02-05 · 1751 (5.2.1960) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1751 (5.2.1960)
Date
1960-02-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Viernes, 5 de Febrero de 1960 LA SENARA ISRAELITA Año XXI. — No. 1751 Der Ethrog als Zankapfel Motion -L ' Ein Leben für die j» (künstlerischen Arbeit geehrt Im letzten Jahre wurden Cm AT /~lA/T riTTZ\¥iHT t i r* ■ Lucie Mannheim wirkte hin Im letzten Jahre wurden die Ethrogim zum Zankapfel. Die „Frucht vom schönen Br ume”, „Pri Ez-Hadar", die ja der Inbegriff der Festesfreude mit dem paradiesischen Wohlgeruch sein soll nahm problematischen Charakter an. Ein Kampf tobte zwischen dem Ministerium für Landwirtschaft und dem Religionsministei'ium. Die Gesichtspunkte waren dabei so i grundverschieden, wie es Art und Charakter der beiden Ministerien entspricht. Was ist ein Ethrog? Für das Landwirtschaftsministerium ist es eine Zitrusfrucht, nicht anders als Zitronen, Orrrgen und Grapefruits, für das Religionsministerium aber ist ein Ethrog eben ein Ethrog, etwas völl;g anderes als jede Zitrone oder Jede Orange. Das drückt »ch ja auch schon preismässig aus. Hat man jemals gehört dass ein Mensch für eine Zitrone bis zu IL 25.— gezahlt hätte, dass man eine Orrr.ge in Wolle gehüllt in einer Silberbüchse verwahrt, dass man eine Grapefruit unter die Lupe nimmt, um fes*zustellen, ob nicht irgendwo ein Fleckchen auf der Schale bemerkt werden könnte? Ja. aus Zitronen macht man Limonade, Orangen isst man. und den Saft der Grapefruit schlürft man, oder man isst sie gezuckert zum Frühstück. Aber ein Ethrog! Er ist meist ungeniessbar und er bedarf der hohen Künste der Hausfrau, um nach dem Feste eingemacht, am Tu-Bischwat, zwecks weiterer religiöser Pflichterfüllung. dem Genuss zugeführt zu werden. Also, kurz und gut: alle anderen Zitrusfrüchte isst und trinkt man, aber mit dem Ethrog betet man, umkreist man den Almemor in der Synagoge oder schmückt man — falls man ein Karäer ist — seine Sukka, seine Festhütte. Und nun war das abgelaufene jüdische Jahr 5719 ein Schmitta-Jahr, ein Brachjahr. Da darf man Feld und Garten nicht bestellen, und was im Wildwuchs gedeiht, von SCHALOM BEN-CHORIN das ist nach dem strengen Buchstaben des Gesetzes „hefker”, herrenloses Eigentum, und jedermann kann es nehmen. Aber, aber... die Pardessanim, die Zitruspflanzer, welche Ethrogim anbaut-n, waren nicht gewillt, diese kostbare Saisonfrucht gratis abzugeben. Es ist dies ja ohnedies ein risj kantes Geschäft, denn Ethro- I gim nach Sukkot sind sprichwörtlich für ihre Wertlosigkeit. I Es gibt natürlich Auswe-; ge und Umwege, wie sollte es sie nicht geben? Also man half sich mit einer Fiktion: die Pardessim —, so belehrte mich der Ethrogim- Referent im Religionsministerium, Herr Kalmanovitz, — wurden auf Anregung des Oberrabbinats an Nichtjuden „verkauft”, genau so, wie man das Chamez, das Gesäuerte vor dem Pessachfest an einen Nichtjuden „verkauft”, wobei ganze Mehllager zu „Schleuderpreisen” von ca. IL. 1.— zu haben sind. Aus den so „verkauften” Pardessim dürfen dann die abgeernteten Ethrogim auf dem Markt nicht fiktiv, sondern wirklich verkauft werden. Herr Kalmanovitz beteuerte, dass der verewigte Oberrabbiner Dr. Herzog s. A. dieser Notlösung zugestimmt habe. Zu dieser faktischen Umgehung kommt noch eine Art reservatio mentalis, ein geistiger Vorbehalt hinzu. Selbst wenn ich nicht ganz sicher sein kann dass ein solcher „Verkauf” getätigt wurde, oder dass der Pardess. die Zitrusplantage, als ..Hefker” deklariert wurde, als ein herrenloses Eigentum, so muss ich eben betonen, dass ich nicht die Frucht als solche bezahle, sondern die mit ihrer Herbeischaffung verbundene Mühewaltung des Aberntens, des Transportes, der Verpackung und Vermarktung. Davon werden die Ethrogim allerdings auch nicht billiger. Nun gibt es aber im Staate Israel wirklich fromme und strenge Juden, denen alle diese Umgehungs-Praktiken nicht genügen. Sie sagen — und sicher mit voller Logik: erstens darf man im Heiligen Lande den Boden gar nicht an Nichtjuden verkaufen; zweitens ist ein Pardess noch lange nicht ..Hefker”, wenn der Besitzer das nur erklärt. Er müsse die Umzäunung niederreissen und tatsächlich jedermann freien Zutritt zu seiner Pflanzung gewähren, und davon kann gar keine Rede sein. Und drittens müssten diese Hefker-Ethrogim viel billiger sein als die Ethrogim in den Jahren, in welchem keine Schmitta befohlen ist, und das war auch wiederum nicht der Fall. Ergo: diese Streng-Frommen wollten Ethrogim aus dem Auslande, da das Schmitta-Gesetz ja zu den „Mizwoth thelujoth baarez” gehört, zu den Gesetzen, die nur im Heiligen Lande beobachtet werden müssen. I Alle Kibbuzim der Agudat Israel haben die Scheinver-; käufe ihres Bodens abgelehnt, und in diesen Krei- ■ sen bestand man also auf ■ Import-Ethrogim. Es gibt | aber noch Frömmere, die j „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunklen Laub auch die Ethrogim gliihn?” Aber das Lanawirtschafts- Ministerium hatte für diese religiöse Romantik einfach keinen Sinn. Halten sich die Ultraorthodoxen an den Buchstaben des Gesetzes, so tut es das Landwirtschafts- Ministerium nicht minder, nur hält es sich an ein anderes Gesetz, nämlich das Zitrus-Schutz-Gesetz des zitrusbauenden Staates Israel. Zitrusfrüchte dürfen bei uns in Israel nicht eingeführt werden. Erstens hiesse das Eulen nach Athen tragen oder Stroh nach Ephraim, wie es in der Bibel heisst, und zweitens haben die israelischen Sachverständigen, an ihrer Spitze Prof. I. Rei- Komponisten Jizchak Edel, chert, festgestellt, dass allerausgeführt Ein Leben für die Gremeinde Im Alter von 67 Jahren starb Sydney Benjamin Glass, eines der hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde Sydney in Australien. Als Anwalt verfasste er das Statut des Board of Deputies, er war Gründer der Jüdisch-Historischen Gesellschaft und eng verbunden mit der Union der Zionisten und der Chewra Midrasch. Israelische Kammermusik Die „New York Times’' und „Herald Tribüne” berichteten äusserst positiv über die newyorker Erstaufführung des „Mixolydian Quartett” des israelischen lei Zitruskrankheiien durch solche Importe eingeschleppt werden und die Pflanzungen gefährden könnten. Der Zitrusexport aber ist für Israel einer der wichtigsten Pos.en der Aussenhandels-Bilanz. Und so vernichtete das Kohon. der Carvom Streichquartett in! negie-Hall. I j Denny Kaye j Danny Kaye wird zum ersten Mal die deutsche Fassung seines Mus.kfilms njKHïWViymvrr n " a BERNARDO LEWINSKY CLARA LEWINSKY geb. WEINBERG VERMAEHLTE Trauung s. G. w. am Sonntag, den 14. Februar 1960, um 17 Uhr 30 in der Achduth Jisroel, Moldes 2449. Virrey Feliü y Olaguer 2453 11° E. Landwirtschafts-Ministerium ¡»Fünf Pennies” seiest synchronisieren. Die deutschen ganze Ethrogim-Ladungen, die als unerlaubter Import eingeführt wurden. Da musste nun der Generaldirektor des Religiönsministeriums Dr. Cahane eingreifen und beziehen auch in anderen seinem Kollegen vom Land- Jahren Ethrogim aus dem Auslande, vor allem aus Kalabrien, denn dort gedeihen, so behaupten diese Versehmäher von „Tozereth Haarez”. die schönsten Ethrogim, fehlerfrei, wahre Paradies-Früchte, und ein Ethrog muss schön sein. Es ist, so weit ich sehe, der einzige Kultgegenstand im Judentum, bei dem das ästhetische Moment dominiert. Aber im Schmittajahr gibt es gar keine Diskussion für Agudisten und Neturej Karta: sie wollen Ethrogim aus Italien und anderen Mittelmeerländern, nur nicht aus dem Heiligen Lande selbst. Es ist nicht ganz leicht, diese verwickelten Gedankengänge zu verstehen, denn man möchte meinen, dass eine Kult-Zitrone gerade aus dem Heiligen Lande kommen soll, und in der Diaspora freut man sich auch besonders mit einem Ethrog aus Erez Israel. Aber der Prophet gilt nichts in sei- ' nem Vaterlande, und das trifft eben auch auf den Propheten unter den Früchten zu, den Ethrog. Aber zurück zu den Ministerien für Landwirtschaft und Religion. Die Streng- Frommen wollten ihre Ethrogim aus Italien importieren, unbewusste sozusagen: WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE DES JUEDISCHEN JAHRES 5720 Sonnabend, den 13. Februar Donnerstag, den 10. März Sonntag, den 13. März Montag, den 11. April Dienstag, den 12. April Mittwoch, den 13. April Montag, den 18, April Dienstag, den 19. April Montag, den 2. Mai Sonntag, den 15. Mai Dienstag, den 31. Mai Mittwoch, den 1- Juni Donnerstag, den 2. Juni Dienstag, den 12. Juli Montag, den 1. August Dienstag, den 2. August Mittwoch, den 21. September Chamischa Assar b’Schwat (Neujahrsfest der Bäume) Fasten Ester Purim Erew Pessach 1. Tag Pessach 2. Tag Pessach 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach Jom Haazma’ut (Unabhängigkeitstag Israels) Lag b’Omer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot 2. Tag Schawuot 17. Tammus (Fasten) Erew Tischa b’Aw Tisch« b’Aw Erew Rosch Haschana 5721 Wirtschafts-Ministerium darlegen, dass es sich hier dcch nicht um Obst-Impcrte im üblichen Sinne handle, sondern eben um Ethrogim und noch dazu um Ethrogim im Schmitta-Jahr. Der Disput zwischen dem Theologen und dem Agronomen wogte wild, aber endlich konnte mir Dr. Cahane doch triumphierend mitteilen, dass jetzt keine Ethrogim mehr vernichtet werden: man hatte im Reiche des Landwirtschafts-Ministers eingesehen, dass Ethrogim eben Ethrogim sind, und das ist etwas ganz anderes als profane Zitronen. Der Ethrogim-Krieg von 1959 war immerhin unblutig, während die Geschichte auch einen blutigen Ethrogimkrieg kennt. Als sich nämlich einst ein sadduzäischer Priester weigerte, das in der Tora nicht vorgesehriebene, aber beim Volke beliebte Wassergussopfer, ein magisches Regen ritual am Hoschana-Rabba-Tage, zu verrichten, wurden die Beter im Tempel so wütend, dass sie mit ihren Ethrog’m nach diesem Protestanten des alten Hebräertums warfen und ihn buchstäblich mit ihren Früchten töteten. Soweit kam es d:e:mal Goetheaner | nicht, immerhin ein Fortschritt. Texte, die Kaye singen wird und die er für sehr geglückt bezeichnet, schrieb Fritz Königer. Lucie Mannheim Die Schausp elerin Lucie Mannheim wuroe mit d.m Grosskreuz des Bundesverdienstordens in Anerkennung ihrer hervorragenden künstlerischen Arbeit geehrt Lucie Mannheim wirkte bis 1934 in Berlin, verlebte die Jahres Nationalsozialismus in England und spielte seit 1947 wieder als Gast in Berlin. Neue Filme Darryl F. Zannuck will in Israel einen Film „Bailad of Red Rock” drehen, nach einem Roman von Meyer Levin, der von jungen Israelis erzählt, die unter Lebensgefahr auf arabischem Gebiet an Ausgrabungen teiine timen. Stanley Kramer wird in Israel „My Glorius Brother”, einen Makkabäer- Film, drehen. Dreharbeiten Im telaviver Hafen begann man mit den Dreharbeiten für einen Televisicnsfiim von 30 Minuten Dauer ..Der Dock”. 40 Schauspieler werden in diesem Film erscheinen, der an vers-hied;nen Orten des Landes gedreht wird. Die Fabel des Films zeigt, wie Neuankömml nge von ihren schon eingeordneten Verwandten am Schiff in Empfang genommen werden, und wie Einwanderer zu ein. gesssenen Bürgern werden. Berater des Präsidenten Rabbi Gerstenfeld ist einer der 33 prominenten Amerikaner, die von Präsident Eisenhower in das Beratende Comité des Nationalen Kulturzentrums ernannt worden sind. DER NUERNBERGER PROZESS Ende Februar wird in Argentinien der Film „Der Prozess von Nürnberg” erstaufgeführt werden, der über den Prozess gegen die deutschen Kriegsverbrecher und ihre Untaten berichtet. Die Aufnahmen sind den Filmarchiven der Alliierten und der Deutschen Bundesrepublik entnommen. Es handelt sich um einen Grossfilm von anderthalb Stunden Dauer. Der Streifen ist hier von argentinischen Gesellschaften nachsynchronisiert worden, doch es wird hauptsächlich deutsch gesprochen. Der Bericht lief bereits in Westdeutschland und anderen Ländern Europas mit grossem Erfolg. Dies ist der erste abendfüllende Film über den Nürnberger Prozess, der hier gezeigt wird. Er ist natürlich für unsere Gemeinschaft, der von den Nazis unendliches Leid zugefügt worden ist, von allergrösstem Interesse, besonders jedoch für die Jugend, die nicht genügend über die Verbrechen der Nazis an den Juden aufgeklärt ist und schon vergessen hat, warum die Juden aus Deutschland vertrieben wurden. Weiteres Informationsmaterial liegt noch nicht vor. Wir werden den Aufführungstermin des Films, der nur ganz kurze Zeit gespielt wird, rechtzeitig bekanntgeben. Einladung zur Subskription! FLAYIUS JOSEPHUS Die jüdischen Altertümer (Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. H. CLEMENTZ 1 Bde. Kl. 8<?, I, 646 Seiten, 2 Tafeln. II. 724 Seiten und 2 Tafeln auf holzfr Papier, in Ganzleinen geb. DM 52.— Die „Jüdischen Altertümer” sind ein wichtiges Quellenwerk zur Erfprsehun der antiken Geschichte und ganz besonders zur Erkenntnis des nachbiblischen Judentums, seiner oolitiscf.en Strömungen und religiöser Sekten sowie der Entstehung des Christentums. Die Funde am Toten Meer haben emeu+ die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit seiner Schilderungen bestätigt. Die Werke des Flavius Josephus sind daher für jeden, der sich mit dem für uns ¿richtigsten Zeitabschnitt der älterer Geschichte beschätigen will, unentbehrlich. JAKOB LEVY Chaldäisches Wörterbuch über die TARGUMIM und einen grosser Teil des rabbinischen Schrifttums 2 Teile in 1 Band. Le . 8?, VI. 429 4- VIII, 595 Seiten ,ca. 2.048 Spalten) — Mit Nachträgen von Leberecht Fleischer — Unveränderter Neudruck der dritten Auflage — In Leinen geh. und auf holzfr. Papier gedruckt. Subskriptionspreis DM 130.— Nach Erscheine/^ (15. Sept. 1959) DM 145 — Dieses seit Jah er vergriffene und gesuchte Wörterbuch ist das bis jetzt erschöpfende Werk zur Eisihliessung der jüdischen Bibelexegese. Früher erschier?.en:'''~'~ FLAVIUS JOSEPHUS Geschichte des jüdischen Krie ges Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. H. CLEMENTZ Kl. 8?, 695 Seiten, 2 Karten auf holzfr. Papiei in Leinen geb. DM 25.— Joseph Melzer Verlag, Koeln MOZARTSTRASSE 12

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