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Jüdische Wochenschau · 1960-01-29 · 1749 (29.1.1960) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1749 (29.1.1960)
Date
1960-01-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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Vien.es. 29 de Enero de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXL — No. 1749 DIE ADENAUER-REDE .nung als die prompte und—geführt haben. Aber es ist vertragsgetreue Erfüllung nur einer der Beweggründe, des Reparationsabkommens Einen mindestens ebenso (ScniuM ron Seite 1) sehr vei einzelte — Männer des geistigen Lebens, die sich klar von der Schande des Menschen- und Juden- L. 'ses distanzierten, unter in vtr allem auch Thomas Mann. Aber immer waren es nur einzelne... Die berühmte Opposition aus den Kreisen der Armee, die man heute als die Männer di s 20. Juli (1944) zu bezeichnen pflegt, waren schon eine andere Kategorie von ,, Widerstandskämpfern’’. Allzu lange hatten auch sie zugesehen, was getrieben wird, bis sie erkannten, dass dieser Weg des Dritten Reiches ins Chaos führen muss. Sie haben doch nicht erst mitten im Kriege entdeckt, was Nazismus und Hitlerismus wirklich bedeutet, sie hoben immer noch damit gerechnet, dass alles gut werden könne, bis sie begreifen mussten, was von ihnen nicht mehr abgewandt werden konnte. Wir fühlen uns nicht berufen, Kritik an den Männern des 20. Juli zu üben, können aber beobachten, wie sich die Einstellung der deutschen Oefientlichkeit zu diesen Menschen, die wenigstens als starke Männer und feste Charaktere zu sterben verstanden, langsam ändert und abkühlt. Wie' kann man heute erklären, dass Nazis und Deutsche zwei nicht identische . Begriffe waren Gewiss waren nicht alle Deutsche Nazis, aber sicher sind all die ungezählten Millionen, die Hitler zujubelten und an seinem Werke mit wirkten, sämtlich Deutsche gewesen. Mit Wortspielen -und Begriffsakrobatik kann man auch dann, wenn man n-och so gutwillig ist, die Tatsachen nicht wegdiskutieren und die Geschehnisse nicht umbiegen. Die ganze Debatte ist mit Vehemenz nach dem zweiten Kriege geführt worden. Sie lebte jetzt wieder auf, als der Bundeskanzler, selbst ein Verfolgter des Naziregimes, die alte Kontroverse wieder auftischte, um zu beweisen, dass das deutsche Volk den antisemitischen Umtrieben der neuesten Zeit ablehnend gegenüberstehe. Man wird bei ruhiger Ueberlegung erkennen müssen, dass diese Debatte über die „nicht verwundene” und „nicht bewältigte Vergangenheit” in diesem Zusammenhang ohne jede erhebliche Bedeutung sein dürfte. Denn ein neues Deutschland hat sich aus den Niederungen nazistischer Untaten erhoben, um ein neues, ein demokratisches, ein freiheitliches Leben zu beginnen wie die neue Führung, wie die neuen Männer dies behaupteten, und wie die Wc't begann, es ihnen zu glauben. Dass es zu einem .¡tücKfail in die Barbarei kam durch Friedhofschändungen und Anschmieren von Gocteihäusern mit Hakenkreuzen und bringen und die getroffenen Massnahmen für unzureichend erklären. Wenn man also auf die Vorgeschichte des Reparations-Abkommens mit Israel eingeht, — was durchaus nützlich ist, — dann muss man die letzten Kanzlerworte bereits mit einiger Skepsis betrachten. Alle jüdischen Kreise erkennen an, dass Deutschland dieses Abkommen korrekt erfüllt hat, und alle sind überzeugt, dass antijüdischen Paroien war es die Verpflichtungen weikein Anlass, Behauptungen aufzustellen, die in ilner Diktion weit übers Ziel hinausschossen. Kein vernünftiger Mensch hatte erwartet, dass die schrecklichen Spuren der nazistischen Verganter einlösen wird. Hierin kann man aber nichts „Ungewöhnliches” erblicken, denn es dürfte dem Wesen eines Kulturstaates wie jedes anständigen Menschen entsprechen, seine finanziel- Abogado PUEYRREDON >19« 1* leq. nachm. 19—19 Uhx REAL PEN ' Füllhalter i; REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 * TE. 49-5850 J. Liebling FOURNIERE — SPERRHOELZER DIAZ VELEZ 5224 «1 «• T. E. «3-2343/0349 y 30X1 genheit in weniger als zwei len Verpflichtungen vertrags- Jahrzehnten überwunden ¡getreu einzulösen. Wenn werden konnten. Da waren ¡man in eine Untersuchung die Bekenntnisse vieler, vor der Erfüllung der Entschäallem junger Publizisten und digungs . Gesetze eintreten Politiker weit überzeugen- , wollte, so würde man nicht der, dass die Vergangenheit von ihnen eben noch nicht überwunden woiden sei. Dass gerade die antisem,tischen Vorfälle den Anlass dazu bieten konnten, die ohne weiteres diesen gleichen Willen zur Erfüllung feststellen können. Dieser Hinweis ist wichtig. Er zeigt, dass überall dort, wo die Regierung Vergangenheit et ifach abzuselbst für die Erfüllung der waschen, verleiht der Dik- ¡eingegangenen Verpflichtuntion des Kanzlers in seiner gen zu sorgen hat, eine bis Rede an seine deutschjüdi-. ins Letzte korrekte Haltung sehen Mitbürger eine be- ' eingenommen wird. Dass denkliche Note. I aber überall dort, wo die Wir müssen noch auf ei- ¡Durchführung der Wiedernen anderen Punkt der gutmachung den Verwal- Kanzlerrede eingehen, der zu j tungsorganen und der Justiz Missverständnissen Anlass anvertraut ist, es sehr ergibt. Adenauer sagte, er habe sich nach dem Kriege mit ganzer Kraft für das Wieder, gutmachungs - Abkommen mit Israel eingesetzt, um vor der ganzen Welt zu demonstrieren, dass das heutige Deutschland den Antisemitismus von Grund ablehnt. Dass Dr. Adenauer allesgetan hat, um das genannte Abkommen mit Israel zustande zu bringen, ist wahr. Dies ist Geschichte geworden. Der deutsche Bundeskanzler hat sehr erhebliche Widerstände in den eigenen Kreisen überwinden müssen, vor allem innerhalb seiner Partei. Auch das ist eine Wahrheit. Aber schon dieser Umstand ist eine Wahrheit, die deutlich reflektiert, dass eben nicht das ganze deutsche Volk diesen Beweis hat liefern wollen. Man dürfte auch nicht bestreiten, dass es in erster Linie die Stimmen der Opposition gewesen sind, die diesem Wunsch und diese Absicht des Kanzlers zur Wirklichkeit verhalfen, übrigens dieselben Sozialdemokraten, die heute sehr ernste Argumente gegen die Haltung der Bundesregierung in der Frage der Niederdrückung der neuen antisemitischen Welle in Deutschland vor- Judith Schenkolewski KuUueciickereien Setaabboedecken . Tallisbeutel . Käppchen Masaot-Tascben . Hand- und Maschinenstickerei von Bett und Tischwäsche BEBEDERO 2545 T. E. 73-9159 Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos uad unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von WOHNUNGEB HAEUSERN GESCHÄRFTER Montevideo 571, 4. SL T. E. 40-4937 y 79-7244 hebliche Schwierigkeiten und Beanstandungen gibt, die eben beweisen, dass die Verwaltungsorgane andere Wege einschlagen und versuchen, mitunter den Sinn der Entschädigungs-Bestimmungen durch Spitzfindigkeiten in das Gegenteil zu verkehren. Ob sich hierin noch die letzten Rudimente früherer Auffassungen widerspiegeln, wissen wir nicht, und soll auch nicht behauptet weiden. Die Tatsache besteht und gibt zu reichlichen Bedenken Veranlassung, zumal auch ein Mitglied des Adenauersehen Kabinetts einige Male auf die „ungeheure finanzielle Belastung” der Entschädigungsleistungen für den deutschen Etat hingewiesen hat. Dieses „Argument” schliesst in sich eine populäre Parole ein, ist aber völlig haltlos, nicht nur weil die Deutschen an andere Gruppen viel höhere ,,Entschädigungsleistungen” und Subventionen zahlen und gezahlt haben, sondern weil die eingegangene Verpflichtung jede Diskussion über eine Herabsetzung von Zahlungen — jedenfalls in einem Kulturstaat — ausschliessen müsste. Viel grössere Anerken- MOHEL1M Mohel David Freimann T. E. 97.9932 Boulogne Suit Mer 352. L. Mohel N. Plaksin Superi 2719 T. E. 74-9794 ». 74 2312 mit Israel, das ja auch der deutschen Industrie viele Vorteile bot, an die man nicht vergessen sollte, verdient die politische Haltung der Bundesregierung gegenüber den arabischen Bestrebungen, durch einen illegalen Boykott gegen Deutschlands und durch sonstige Repressalien die Deutschen von der Erfüllung des. Israel-Abkommens abzubringen. Dass in diesem Punkt Bonn fest blieb, muss man dem Adenauer-Kabinett als ein sehr grosses Plus zuschreiben. Denn die Ablehnung der arabischen Forderung setzte nicht nur politischen Mut und Weitblick voraus, sondern auch die Bereitschaft, gewisse politische und wirtschaftliche Nachteile hinzunehmen. Trotz dieses unbedingten Anerkenntnisses der Haltung der Adenauer _ Regierung müssen wir gestehen, dass die Erinnerung an den Abschluss dieses Israel-Vertrages im Zusammenhang mit den letzten Vorkommnissen in der Bundesrepublik bedenklich ist. Warum wurde das Reparations-Abkommen abgeschlossen? Wenn wir diese Frage aufwerfen, so doch nur deswegen, weil der Hinweis des Bundeskanzlers hierzu zwingt. Wir wollen und sollen nicht vergessen, dass dieser Vertrag mit Israel ein für die westdeutsche Republik notwendiger politisch ratsamer und erforderlicher Schritt gewesen ist, der von ihr verlangt wurde. Zweifellos hat es weite Kreise in Deutschland gegeben, die sich aus Gewissensgründen und vielleicht auch aus einem Gefühl für Gerechtigkeit veranlasst sahen, wenigstens einen Teil der ungeheuren materiellen Schäden zu ersetzen, die durch die Ausplünderung und den organisierten Raub jüdischen Vermögens in ganz Europa entstanden sind. Der frühere Bundespräsident Prof. Heuss nannte diese Triebfeder des Gewissens ,,Gesamtreue”, weil die „Gesamtschuld” ihm eine zu starke Verallgemeinerung erschien. Akzeptieren wir also für diese Betrachtung, dass die massgebenden Kreise für die sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes aus moralischen Gründen wenigstens eine bescheidene Wiedergutmachung leisten wollten, so haben wir eines der Motive, die zur vertraglichen Abmachung mit Israel NERVENu. GEMUETS- KRANKHEITEN Dr. M. J. Kuhn RIVADAVIA 2925, V T. E. 48-7524 Mont., Mittwoch, Freitag 17—19 Uhr. Tel. Anmeldung erbeten Dr. B. Schwarcz ZAHNARZT ESTOMBA >283 — $2-8214 RAYOS X PARADENTOSE teleL Voranmeldung BERNARDO STERN und JUAN JULIUSBURG AUSFUEHRUNG SAEMTUCHER Malerarbeiten CONDE 2318 T. E. 76 7533 ernsten Beweggrund bildete die Notwendigkeit einer Re- | habilitierung vor der alliierjten, demokratischen Welt.! Das Misstrauen gegen ¡Deutschland war zu gross, ¡um hierüber mit einer Redensart hinweggehen zu kön- Inen. Das den Juden angeta- , ne Unrecht wenigstens teili weise zu ersetzen, das war! doch ein Beweis dafür, dass ¡sich die Haltung des neuen! Deutschlands geändert hat, das liess auf eine demokra'ische Gesinnung schliesssn, lauf den guten Willen, die ¡Spuren der Vergangenheit |zu beseitigen und dem jüdi-! sehen Volk Gerechtigkeit wi- I derfahren zu lassen. Mit einem Wort: durch den Vertrag mit Israel wurde der Weg zurück in die Völkergemeinschaft geebnet. Wir sagen nicht, dass die Deutschen kein Recht hatten, diesen Weg zu besehreiten. Dieser Israel-Vertrag war für die junge Bundesrepublik ein eminent wichtiges politisches Mittel auf dem Wege zur deutschen Rehabilitierung. Das sollten die Deutschen nicht vergessen. Schliesslich besteht auch nicht Veranlassung, mit solchem Stolz auf ein „nicht-antisemitisches” Alibi Deutschlands auf das Reparationsabkommen hinzuweisen; denn la Semana Israelita Biaemanano: aparace u* Martes y Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda Verantwortiich: Dr. H. Swarsen&ky Pueyrredon 2190 i* uq T ik. 83-2613 Abono-Preise. Argentinien. $ 60.— pro Quartal zu seinem Abschluss waren wiederholte Male amenkanL sehe und englische Interventionen notwendig, um de bereits abgebrochenen Verhandlungen endlich doch zu einem positiven Abschluss zu bringen. Wenn man schliesslich die Frage aufwerfen will, für welchen der Vertragspartner der Abschluss dieses Vertrages grösseren Vorteil gebracht hat, so darf man vielleicht feststellen, dass Israel ohne Zweifel erhebliche wirtschaftliche Vorteile aus diesem Vertrag zog. Aber den politischen Profit aus dem Israel-Abkommen hat die Bundesrepublik etnkassiert. Auch an diese Fakten einmal zu erinnern, dürfte nach der letzten Adenauer-Rede ganz nützlich sein. Dr. DARIO COHEN CIRUGIA — SEÑORAS Pampa 2926 T. E. 73-1116 Solicitar hora VARICES — ULCERAS DE LA PIERNA - ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY 5ARMIENTO 3116 7. 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