Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1960-01-29 · 1749 (29.1.1960) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1749 (29.1.1960)
Date
1960-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9611224-9611261--0140-9611262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

I PUEYRREDON i 2190 — 1? izq. Jûz.Je4tojGncïJsA&jeliicL Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 29 DE ENERO DE 1960 No. 1749 Suche nach den Hintermännern SCHARFE MASSNAHMEN IN MEXIKO Mexico City. — Innenminister Gustavo Diaz Ordaz versicherte einer Delegation des Jüdischen Zentralcomités von Mexiko, dass gegen die antisemitischen Hetzer im Lande energische Massnahmen ergriffen würden. Diaz Ordaz ist der Präsidenten- Stellvertreter während der Abwesenheit von Präsident Adolfo López- Mateos. Der Apostolische Primas von Mexiko. Monseñor Miguel Dario Miranda erklärte «1er Delegation des Comités, die mexikanische Kirche verurteile die jüngsten antisemitischen Ausbrüche aufs schärfste. Die Delegation stattete Monseñor Dario Miranda einen Besuch ab, um ihm im Namen der jüdischen Kollektivität dafür zu danken, dass er auf allen mexikanischen Kanzeln einen Hirtenbrief verlesen liess. in dem der Rassenhass verurteilt wurde. AUDIENZ BEIM PAPST Rom. — Papst Johann XXIII. empfing eine Delegation der Bne Brit, die von ihrem Präsidenten Label Katz angeführt wurde. Die Audienz währte 20 Minuten. Unter den Themen, die berührt wurden, stand der jüngste Ausbruch des Antisemitismus und die Profanierung der jüdischen Gotteshäuser. Katz erklärte nach der Audienz( diese sei „höchst zufriedenstellend” verlaufen und der Pasit habe sich sehr freundlich gezeigt. DEMONSTRATION Tel Aviv. — Rund 10.000 frühere Ghettokämpfer und Mitglieder der ehemaligen Untergrundbewegung und der Linksparteien veranstalteten eine Demonstration gegen das Wiederaufleben der Naziideologie. Gleichzeitig wurde ein Antrag angenommen, in dem gegen den Verkauf von israelischen Waffen an Westdeutschland Protest erhoben wird. Jaakow Serubabel von der Achdut Awoda sprach auf dieser Veranstaltung. POLIZEIBERICHT AUS DEUTSCHLAND Bonn. — Insgesamt 414 antisemitische Anpöbeleien sind in der Westdeutschen Bundesrepublik und Ostberlin seit der Entweihung der Synagoge von Köln am Weihnachtsabend verzeichnet worden, wie die westdeutschen Polizeibehörden mitteilen. Die Ausschreitungen verteilen sich wie folgt: in Rheinland-Westfalen 99, Ostberlin 53, Niedersachsen 41, Bayern 40, Hessen 73 und der Rest in anderen Orten. DIE DEUTSCHEN RICHTER New York. — Mehr als die Hälfte aller heutigen westdeutschen Richter sind frühere Nazis, wie Herbert Ehr man, der Präsident des American Jewish Committee, in sinem Sonderbericht über Deutschland feststellte, den er auf dem Eröffnungsbankett des Instituts für menseh- ____ * liehe Beziehungen dieses Comités vorlegte. Bei dieser Veranstaltung sprachen der Gewinner des Nobelpreises für den Frieden im Jahre 1959, Philip Noel Baker, Abgeordneter der Labour-Partei und R. S. Gunewa Rdene, Ceylons Botschafter in den USA und Präsident der Kommission für Menschenrechte der UN. Ehrman vertrat den Stand, punkt, es müsse in Deutschland ein Vier Punkte-Programm durchgeführt werden. Erstens sei es unerlässlich, die Schmierfinken streng zu bestrafen, zweitens sollte'die Tätigkeit bekannter Exnazis, die gegenwärtig verantwortliche Aemter bekleiden, sofort und periodisch untersucht werden, drittens müssten die neonazi. stischen Parteien als illegal erklärt und die Betätigung der ungarischen Faschistengruppe und anderer ähnlicher heute in Deutschland vorhandener Verbände eingehend untersucht werden, und viertens sei es vonnöten, unverzüglich ein demokratisches Erziehungsprogramm aufzustellen und zur Durchführung zu bringen. WIE ICH ES SEHE DIE ADENAUER - REDE _.. ton JEHUDA GOTTHEIMER Dass die Haltung Deutschlands auch heute für das Schicksal der Juden in der Welt — und keinesfalls nur innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland — von grösster Bedeutung ist, haben die antisemitischen Vorfälle gezeigt, die sich in iVVellenform über alle freien Länder erstreckte. Sogar der Osten blieb nicht ganz verschont, da auch in dem zum Ostblock gehörenden Ostdeutschland Hakenkreuze auftauchten und jüdische Bürger antisemitisch-nazistische Drohbriefe erhielten. Aus diesem Grunde ist diese Frage der deutschen Einstellung zum Judenproblem kein Thema, das nur auf die innerdeutsche Debatte beschränkt bleiben könnte und nur von den in Deutschland lebenden Juden beachtet und überlegt werden muss. Die Judenfrage ist, was bereits Herzl -klar und deutlich gesagt hat, eine internationale Frage, die keinesfalls nur auf ein Land beschränkt bleibt. Wenn man die historischen Ursachen des Antisemitismus untersucht, wird man feststellen, dass diese Epidemie das jüdische Schicksal durch die Jahrtausende wie ein tiefschwarzer Schatten begleitet. Die Gründe des Judenhasses mögen sich wie seine Formen in einer steten Wandlung befinden. Aber die Tatsache einer antijüdischen Stimmung, Tendenz, Politik war ständig zu beobachten. Zu allen Zeitaltern standen Prediger des Hasses gegen die Juden auf, zu allen Zeiten wurden Volksmassen auf die Juden gehetzt, zu allen Zeiten gab es Verfolgungen und Ver-! treibungen, zu allen Zeiten floss unschuldiges jüdisches Blut und wurden jüdische Vermögen geplündert. Blatt für Blatt unserer jüdischen Geschichte berichtet von diesen Leiden und Schrekken, von Entsagung, Pein und Not. Es gab furchtbare Pogrome im mittelalterlichen Deutschland, zur Zeit der Kreuzziige und der fanatischen Religionskriege. Es gab Judenverfolgungen der Kosaken und Polen, der Weissrussen und anderer Völker. Die zaristische Regierung liess pogromieren wenn es ihr richtig erschien, auf diesem Wege die Unzufriedenheit der Massen mit ihrem Schicksal auf einen und immer denselben „Sündenbock” abzulenken. Wenn man gesagt hat, dass unsere Geschichte mit Blut und nicht mit Tinte geschrieben worden ist, dann liegt hierin eine traurige und bittere Wahrheit. Zu allen Zeiten sind Judenfeinde aufgetreten, aber noch niemals hat ein ganzes Volk seine Kraft auf die Vernichtung von Millionen Juden konzentriert; die ersten und die bisher einzigen, die das taten, waren die Nazis. Wir sagen Nazis. Aber sind nicht die Nazis diejenigen gewesen, die das deutsche Volk beherrschten. Gibt es denn zwei verschiedene deutsche Völker: „Nazis” und Deutsche oder ist es nicht ein Volk, das in seiner Verblendung diesen Weg der Judenvernichtung beschritten hat. Wir stehen hier vor einer Frage, die durchaus nicht als eine dialektische Spielerei betrachtet werden kann, sondern viele wichtige Aspekte aufweist und des- BOTSCHAFT WILLY BRANDTS Jerusalem. — Der Bürgermeister von Westberlin, Willy Brandt, richtete ein Schreiben an Premierminister Ben Gurion, in dem er versprach, der Senat und die überwältigende Mehrheit der berliner Bevölkerung werden ihr Möglichstes tim, um ein Anschwellen der neonazistischen und antisemitischen Provokationen zu verhindern, und durch die Erziehung der Jugend dafür Sorge tragen, dass „sie sich der vergangenen Verbrechen bewusst werde.” wegen einer Klärungbedarf. Kein Volk hat die Folgen einer leichtfertigen Verallgemeinerung härter zu spüren bekommen als das jüdische. Aus diesem Grunde sind wir vorsichtiger und gerechter als andere, weil wir wissen, was es bedeutet, wenn ein ganzes Volk für die Taten einzelner verantwortlich gemacht wird. Man hat die Deutschen gern als das Volk der Dichter und Denker bezeichnet, und sie selbst haben sich mit einem nicht unberechtigten Stolz so genannt. Konnten sie doch auf geistige Heroen wie Goethe und Schiller, Klopstock und Lessing, auf Kant und Hegel sowie auf viele andere hervorragende Männer in allen Disziplinen der Wissenschaften, der Kunst und der Literatur hinweisen. Es wäre aber ebenso einfach wie irreführend, nur die Aktivposten eines Volkes dafür zu werten, um das Volk als solches zu charakterisieren. Bei den Juden ist man jedenfalls in ganz anderer Weise verfahren. Wie Juden sind „das Volk des Buches”, jenes Buches, das die geistigen, sittlichen, historischen I und moralischen Grundlagen Neue Erklaerung Adenauers Rom. — Dr. Adenauer kündigte bei seinem Besuch in Rom an, er werde im nächsten Monat an einer Konferenz mit den Vertretern jüdischer Organisationen aus 15 Ländern teilnehmen. Dieses Treffen solle der Welt die Versöhnung zwischen Westdeutschland und den Juden vor Augen führen und „grösseres Interesse als die kürzlichen antisemitischen Vorfälle erwecken”, wie der Kanzler betonte. Adenauer gab seine Erklärung auf einer Pressekonferenz nach seinen Unterhaltungen mit den italienischen Politikern ab. Er fügte hinzu, dass „die Mehrzahl .der in letzter Zeit in Deutschland vorgefallenen antisemitischen Ausschreitungen von Menschen begangen wurde, die niemals einen Juden gesehen haben, denn unter einer Bevölkrung von 53 Millionen Deutschen leben heute nur 20.000 bis 25.000 Juden. Ferner äusserte der Bundeskanzler, es wäre schwer zu beweisen, dass der nternationale Plan antisemitischer Zwischenfälle von den Kommunisten angezettelt worden sei, doch gab er das unzweifelhafte Vorhandensein einer Organisation zu, die es sich zum Ziel gesetzt habe, den Hass gegen Deutschland zu säen. (ITA). Convención de la Histadrut Peiak Tikva. — En la novena conferencia de la asociación de agricultores de la Hisfadiul el diputado de la Mapai, Abraham Harzfeld propuso la creación de un fondo de 350.000.000 LI para un programa extenso de colonización agrícola. El ministro de finanzas Levy Eshkol vaticinó que durante los próximos 5 años el proyecto de irrigación del Neguev con agua del Jordán sería completado y que las 350 millones solicitados serian utilizados para la consolidación de las colonias nuevas. También informó el ministro que la producción agrícola sería incrementada en un 50 %, lo que ahorraría unos 100.000.000 dólares anuales, pro incremento de exportación y disminución de importaciones. — Instó por un mayor planeamiento agrícola, particularmente en la dirección de plantaciones industriales. La cuestión de la agricultura planeada y la expansión de las áreas cultivadas fueren el principal lema de la conferencia debido a los actuales excedentes en ciertos cultivos. Asimismo, instó el ministro de comercio e industria en la racionalización agrícola, discutiéndose la exportación de cosechas de verano del Neguev a Europa. Respecto al citrus, se informó que hasta la fecha en la temporada actual han sido exporlados 2.200.000 cajones de citrus, que es un poco menos que en el período correspondiente del año anterior. La mayoría de las frutas fué enviada a Inglaterra, seguida por Alemania Occidental, Holanda, Dinamarca, Suecia y Finlandia. SCHLOMO S. TANGER Konvention der Histadrut Petach Tikwa. — In der neunten Konferenz des Verbandes der Landwirte der Histadrut schlug der Mapai-Abgeordnete Abraham Harzfeld die Schaffung eines Fonds von 350 Millionen 1L vor, um ein ausgedehntes landwirtschaftliches Kolonisations-Programm durchzuführen. Finanzminister Levi Eshkol kündigte an, dass in den nächsten fünf Jahren das Projekt der Bewässerung des Negew mit Jordanwasser abgeschlossen sein würde und die verlangten 350 Millionen für die Konsolidierung der neuen Kolonien verwendet werden sollten. Ferner berichtete der Minister, dass die landwirtschaftliche Produktion um 50 Prozent gesteigert werden dürfte, was wegen der Erhöhung der Ausfuhr und Verringerung der Einfuhr rund 100 Millionen Dollar jährlich ersparen werde. Er forderte eine verstärkte landwirtschaftliche Planung, im besonderen in der Leitung von industriellen Pflanzungen. Die Frage des geplanten Ackerbaus und der Erweiterung der bebauten Flächen bildeten wegen der heutigen Ueberschüsse in gewissen Zweigen des Anbaus das Hauptthema der Konferenz. Gleichzeitig verlangte der Handels¬ und Industrieminister die Rationalisierung der Landwirtschaft, wobei die Ausfuhr der Sommerernten des Negew nach Europa zur Sprache gelangte. Ueber die Zitrusernte wurde berichtet, dass bisher in der jetzigen Saison 2.200.000 Kisten dieser Früchte exportiert wurden, d. h. etwas weniger als in der gleichen Periode des Vorjahres. Der grösste Teil dieses Obstes wurde nach England gesandt, dem Westdeutschland, Holland. Dänemark, Schweden und Finnland folgen. SCHLOMO S. TANGER der westlichen Welt gelegt und bestimmt hat. Und doch hat man die Juden verfolgt, man hat in neuester Zeit nicht davon gesprochen dass sie Männer wie Einstein, Freud und viele andere hervorgebracht haben, die das moderne Denken und Leben in neue Bahnen lenkten. Ob. wohl sie das Volk des Buches waren und sind, obwohl sie unzählige Retter der Menschheit aus Elend, Not und Krankheit — man braucht doch nur an Jonas Salk zu erinnern —, aus ihren Reihen hervorbrachten, immer wieder wurden sie verfolgt, verleumdet verdächtigt, haltlos beschuldigt und angeprangert. Niemand würde auf den Gedanken kommen, das deutsche Volk für einen wilden Hetzer wie Hitler verantwortlich zu machen, wenn er wirklich ein Einzelgänger geblieben wäre. Aber er war es nicht. Er wurde das Idol von Millionenmassen, und dies zu bestreiten, ist im Lichte der von uns selbst erlebten Vergangenheit unmöglich. Hitlers Vernichtung aller europäischen Werte und Werke wäre doch nicht möglich gewesen, wenn er sich nur auf den kleinen Kreis einiger Fanatiker hätte stützen können. Er wurzelte in den Massen und rechnete mit ihnen. „Führer, befiehl, wir folgen!” war mehr als ein Slogan Goebbels’, es war ein erlösendes Wort für die breite Volksmenge und nicht nur für sie. Im Dienste des nazistischen Zerstörungswerkes stand das ganze deutsche Volk, seine Massen ebenso wie seine Intellektuellen. Das besagt noch nicht, dass jeder Deutscher ein Nazi war. Gewiss gab es eine echte Opposition, eine politische, eine religiöse eine menschliche. Es gab jene alten und überzeugten Sozialisten, die sich dem Machtrausch der Nazis widersetzten und die Lauterkeit ihrer Gesinnung mit Leiden und mit dem Tode bezahlten. Es gab religiöse Führer, vor allem unter der katholischen Geistlichkeit, die im Gegensatz zu so vielen anderen geistigen Grössen des deutschen Volkes den Mut fanden, gegen den nazistischen Terror und gegen die Judenverfolgungen zu protestieren, die es wagten, die Stimme der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe zu erheben. als solches Unterfangen als Hochverrat angeprangert worden ist- Es gab auch — (SchluM auf Saite 2) Klage gegen Einar Aaborg Stockholm. — Der Justizminister Schwedens kündigte an, er werde den notorischen schwedischen Antisemiten Einar Aaborg wegen Verletzung des Gesetzes gegen die Verteilung antisemitischer Druckschriften vor Gericht stellen. Aaborg hat. seit Jahren mit der Post antisemitische Broschüren m alle Welt verschickt. (ITA)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.