Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1748 (26.1.1960)
- Date
- 1960-01-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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*'■ Theodor Hotl GtfieUjtfiafif Chile 94Z * + ♦ TB. 37-3797 Eine epochemachende Erfindung in Israe „Dies ist eine grosse wissenschaftliche Entdeckung von universeller Bedeutung, etwas, worauf die Menschheit seit undenklichen Zeiten gewartet hat.” Mit diesen Worten bezeichneten Ex. perten der amerikanischen Gesellschaft, Fairbanks Whitney Company, anlässlich eines Zusammentreffens mit Mitgliedern der Presse in Tel Aviv vor einigen Tagen, die Erfindung Dr. Sarchins zur Entsalzung des Wassers durch einen Gefrierungsprozess. Diese Konferenz fand kurz nach Unterzeichnung des Vertrages statt, der zwischen dem Entwicklungsministeriums Israels, der vorgenannten Gesellschaft und dem Erfinder des Verfahrens für die Inbetriebnahme der ersten Entsalzungsanlage abgeschlossen worden war. Vielleicht liegt eine gewis- , se Symbolik in der Tatsache, dass Dr. Sarchins Entdekkung gerade zu einem Ziehpunkt bekannt wurde und die Spalten der Presse in der ganzen Welt füllte, in dem die Araber, um Israels wirtschaftliche Entwicklung zu hemmen, einen Kampf gegen Israels Recht führen, die Wasser des Jordans abzuleiten und das Was?er des Galil-Sees für die Bewässerung des Negew nutzbar zu machen. Die Nachricht über die Durchführung dieser sensationellen Entdeckung durch den erfahrenen israelischen Wissenschaftler hat in der ganzen Welt Gefühle der Achtung und Bewunderung für Israels wissenschaftliche Leistungen hervorgerufen. VERSCHIEDENE VERFAHREN Natürlich war Herr Sarchin nicht der erste, welcher ein Verfahren für die Ent- I salzung von Meerwaser erfunden hat. Viele haben sich vor ihm mit dem Problem beschäftigt, und es sind bereits mehrere Verfahren zur Entsalzung von Wasser in Anwendung. In den Vereinigten Staaten wird nach drei Systemen gearbeitet. Ei. nes ist bekannt als die ,,'Long Pipe-Methode”, die sich sehr teuer stellt und eine Summe von etwa 25 cents per cbm Wasser erforderlich macht. Trotzdem gibt es eine Anzahl von Orten, in denen diese Methode angewandt wird. Ein anderes Verfahren ist die - Verdunstungs. und Konzentrierungs - Methode; die erforderliche Energie für die Wasserverdunstung wird durch eine atomische Anlage geliefert. Ein drittes System basiert auf dem Gefrierungsprinzip. Da Süsswasser bei einer höheren Temperatur gefriert als Salzwasser, so wird die erste Schicht des gefrorenen Wassers allgemein als salzfrei angesehen und kann -so leicht von dem Salzwasser ausgeschieden werden, das noch nicht gefroren ist. Das Problem bestand indessen darin, Wasser in Massentuantitäten für Trink- und ßewässerungszwecke zu niedrigen Preisen zu produzieren. Ein Schritt vorwärts zur Lösung dieses Problems ist jetzt durch Dr. Sarchins Erfindung erfolgt. Man wird die universale Wichtigkeit dieser Entdekkung um so mehr werten, wenn man sich vor Argen hält, dass ein Drittel allen trockenen Landes in der Welt keine Wasserquellen besitzt, und dass zwei Drittel der Erdoberfläche mit Meerwasser bedeckt sind. Die Tatsache, dass das salzige Meerwassei nicht zu Bewässerungs- und Trinkzwekken benutzt werden konnte, bildete immer eine Schwierigkeit für die Gegenden, in denen es kein frisches Wasser gab. Heutzutage erfolgt gross angelegte Entsalzung des Wassers in trockenen Gegenden sowie an Plätzen, in denen die Wasserbrunnen salzig geworden sind. Es ist interessant, dass die grösste Entsalzungsanlage sich auf einer der Antillen-Inseln befindet; jeder cbm Wassers aus der Anlage kostet 30 Cents. Aber hier ist wied?r der Betriebsstoff für die Anlage sehr billig. DIE SARCHIN-METHODE Nach der von Dr. Sarchin erfundenen Methode bringt man das Meerwasser in ein Vakuum zum Gefrieren. Die raffinierten Eiskristalle werden später geschmolzen, und so erhält man frisches Wasser. Wenn die Sarch:n-Methode auf kommerzieller Basis durchgeführt wird, sind die Kosten für entsalztes ebenso hoch wie für gewöhnliches Wasser in den Vereinigten Staaten, nämlich 40 Cents für tausend Gallonen. Dass die Sarchin-Methode alle anderen bekannten Systeme in den Schatten stellt, kann aus der Tatsache ermessen werden, dass sie offiziell von Experten der Fairbanks Whitney Company gutgeheissen wurde, welche in den letzten hundert Jahren die Wasserbelieferung in den Vereinigten Staaten unter sich hat. Diese Gesellschaft investiert eine siebenstellige Summe für die Entwicklung des Sarchin-Verf ahrens. Herr Dwgiht Carr, Präsident der Fairbanks Whitney Company, sagte, das Dr. Sarchins Erfindung ihr Interesse nicht zum wenigsten deshalb erweckt hat, weil der Wasserverbrauch in den Vereinigten Staaten, welcher heute bereits die phantastische Ziffer von 250 Billionen Gallonen por Tag erreicht, ständig in die Höhe geht; ferner aus der Tatsache heraus, dass die Bevölkerung in der ganzen Welt ständig wächst und dadurch immer mehr von HAIM SHACHTER die Notwendigkeit zutagekosten beträchtlich m vertreten wird, die trockenen Gebiete zu bewässern, um dem sich ständig steigernden Wasserverbrauch gerecht zu werden. Es ist daher dringend erforderlich, nach neuen Wasserquellen für die Beleferung von Wasser zu billigen Preisen zu suchen. Die Fairbanks Whitney Company, welche eine sorgfältige Prüfung der verschiedenen Methoden zur Entsalzurg des Meerwassers vorgenommen hat, erkannte die grosse Wichtigkeit der Sarchinschen Methode und ist zu dem Schluss gekommen, dass dieses Verfahren die Entsalzung von Meerwasser auf einer kaufmännisch rentablen Grundlage möglich macht. Die im Jahre 1/M5Q in Israel zu errichtende Anlage wird zunächst mit 250.000 Gallonen pro Tag beginnen. Sachverständige des Weizmann-Instituts sind jetzt damit befasst, in dsm Verfahren Verbesserungen einzuführen, um die Produkionsringem. Zum gleichen Zeitpunkt, in dem die Sarchin-Anlage in Israel errichtet werden wird, stellt man eine gleiche Anlage in einer trockenen Zone im Südwesten der Vereinigten Staaten auf, die entsalztes W asser auf halbkommerzieller Basis produzieren wird. Die Gesellschaft plant auch die Errichtung der Sarchin-Entsalzungsanlage in verschiedenen anderen Ländern, sodass etwa um das Jahr 19® eine Billion Gallonen Süsswassers täglich durch die Sarchin-Methode gewonnen werden kann. VIELE ANFRAGEN Mehrere Länder, darunter Indien, Griechenland und Ceylon haben sich bereits an Israel um Auskunft über die Sarchinsche Methode gewandt. Es ist beabsichtigt, ein spezielles Büro in Israel zu eröffnen, welches Kontakt mit allen Ländern unterhalten soll, die an dem Nachrichten aus Israel LIQUIDIERUNG DER MAABAROT Der Leiter der Einordnungs-Abteilung der Jewish Agency erklärte, dass 80 Millionen . IL erforderlich sind, um die 55 Maabarot (Uebergangslager für Einwanderer) aufzulösen, die sich in allen Teilen des Landes befinden und heute mehr als 75.000 Insassen zählen. BAUMWOLLERTRAG Fachleute bezeichnen die diesjährige Baumwollernte als recht gut und schätzen den Ertrag pro Dunam um 20 Prozent höher als den von 1958. Da er sich damals auf 85 Kilo Fasern belief, rechnet man nun mit mehr als 100 Kilo. INLAENDISCHER REIS Die Gesellschaft „Amisan” hat jetzt 1.000 Tonnen inländischen Reis auf den Markt gebracht; in Form und Geschmack ähnelt er dem italienischen Reis. MANDEL- UND OLIVENERNTE Die Mandel, und Olivenhaine, die vor vier Jahren versuchsweise vom Keren Kajemet Leisrael angelegt wurden, haben jetzt zum ersten Mal reiche Frucht getragen. Dieses günstige Ergebnis hat vor allem bewiesen, dass die für die Pflanzung ausgewählten Landstriche wirklich für diesen Zweck geeignet sind und deshalb werden in diesem Jahr dort weitere Mandelbäume gepflanzt werden. Auch der Ertrag der Olivenpflanzungen im Negew, die bei Dimona angelegt wurden und etwa 400 Dunam bedecken, ist gut: von den vierjährigen Bäumen wurden im Durchschnitt 18 Kilo Oliven geerntet. TRAUBENERNTE Bei der Weinlese, die dieses Jahre in allen Teilen des Landes auf insgesamt etwa 100.000 Dunam durchgeführt wurde, haben während eines Monats täglich im Durchschnitt mehr als 1.300 Arbeiter Beschäftigung gefunden; hiervon allein im Schomron, dem wichtigsten Zentrum des Anbaus von Tafeltrauben, annähernd 700 Menschen. REICHES WASSERVORKOMMEN Die Fachleute von „Mekorot” und „Tahal” haben in Ejn Kerem bei Jerusalem reichhaltige Wasservorkom. men entdeckt, die den Bedarf der Hauptstadt zu 50 % decken können. Sie wollen jetzt an diesem Orte noch zwei Bohrungen vornehmen. Der erschlossene Brunnen ist 150 m tief; sein Wasser wird durch Röhren nach Je- Verfahren interessiert sind. Was Isarel betrifft, so kann die Wichtigkeit der Erfindung von Dr. Sarchin kaum überschätzt werden. Von dem Erfolg dieser Methode hängt zum grossen Teil die Durchführung eines lang gehegten Traums, die Entwicklung des südlichen Negews, ab und seine teilweise Umwandlung in ein Ackerbau-Gebiet. Es wird vielleicht nicht länger nötig sein, grosse Summen für die Suche nach Süsswasser in den trockenen Gegenden Israels auszugeben. In den letzten zwei Jahren hat das Entwicklungs - Ministerium nicht weniger als zwei Millionen Pfund für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. DER ERFINDER Dr. Alexander Sarchin wurde 1898 in einer kleinen Stadt im Poltava-Distrikt in der Ukraine geboren, als dritter Sohn einer begüterten, streng religiösen Familie. Seine erste Erziehung erhielt er im Cheder und bei Privatlehrern. Schon in sehr frühem Alter zeigten sich seine Fähigkeiten für exakte Wissenschaften. Er studierte am Technologischen Institut in St. Petersburg (heute Leningrad), bestand die Prüfungen mit Auszeichnung und wurde später dem Personalstab des Instituts zugeteilt. Er te damals mehrere Erfirau»- gen, u. a. ein elektioiytisches Verfahren zur Ausscheidung von Magnesium. Als frommer Jude, der er war, verzweifelte er über das in der USSR herrschende Regime und gab seinen Gefühlen dadurch Ausa uck, dass er eine seiner Erfindun. gen unter der Bezeictnurg „L.Z.L.E.*’ eintragen 1 ess. Man fand bald heraus, d=-ss dies die Initialen von ..Lemaan Zion lo Echeshe” ¡Um Zions willen werde ich nicht ruhig bleiben) waren. Er wurde verurteilt! und auf fünf Jahre nach Sib.ren verschickt. Aber auch cort erlaubte man ihm, mit seiner wissenschaftlichen Arbeit fortzufahren. Er erfand ein Verfahren, Oel aus Erdpech-Gesteinen auszuscheiden. Beim Ausbruch c es zweit«! Weltkrieges wurde Dr. Sarchin der Roten Armee zugeteilt, und am Ende des Krieges gelang es ihm, auf vielen Irrwegen nach Pa. lästina zu kommen. Nach manchen fruchtlosen Versuchen .erreichte er es hier, dass sich die wissenschaftlichen Autoritäten für für seine Erfindungen unrJL^ Entdeckungen interessierten. Vor einigen Tagen hatt’ er seinen ersten grossen Erfolg, als die Fairbanks Wh tney Company einen Vertrag für die Errichtung einer Entsalzungsanlage unterzeichnet?. BUERO UND BUEROZEIT Mit dem Wechsel des Sekretariats war auch eine Verlegung des Büros und eine Aenderung der Bürozeit erforderlich geworden. Das NEUE BUERO DER THG befindet sich in der PUEYRREDON 2190. im ersten Stock links, Telefonnummer: 83-2613. BUEROZEITEN: jeden Montag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr. Anrufe auch ausserhalb der Biiroseit von 10—18 Uhr. rusalem geleitet. Sobald die Wasserleitung von Ejn Kerem nach Jerusalem voll in Betrieb gestellt ist, wird der Gestehungspreis des Wassers für Jerusalem eine beträchtliche Herabsetzung erfahren, sodasS—das Wasser aus der Gegend von Ludd, das bisher nach Jerusalem gepumpt wurde, für andere Zwecxe verwendet werden kann. OBSTPFLANZUNGEN IN GALILAEA Die Kolonisations . Abteilung der Jewish Agency überführt jetzt 5.000 Dunam Obstpflanzungen in den Besitz von Siedlern in Ober¬ und Westgaliläa zu ihrer auschliesslichen Bearbeitung. In diesem Gebiet sind noch Erwerbt den Schekel '«4444«4444i44444****A*A*.AAA^^|||||||{ 15.000 Dunam Pflanzungen im Besitz der Jewish Agency verblieben, die von den Siedlern gegen Bezahlung bearbeitet werden. 50 Dörfer in Galiläa — Kibbuzim und Moschawim — die Hilfe dieser Abteilung geniessen, haben die von ihnen mit Tabak bepflanzte Fläche von 2.600 Dunam im Vorjahr auf 4.000 Dunam .m laufenden Jahr vergrössert. Diese Siedlungen haben 3000 Tonnen Gemüsse — dreimal soviel wie im Vorjahr — im Werte von 2 Millionn IL geliefert. ABKOMMEN MIT DER TUERKEI Vor kurzem Unterzeichnete ein Direktor von „Koor” einen Vertrag, der den Export in die Türkei im Werte von 350.000 Dollar zum Gegenstand hat. Es handelt sich um die Ausfuhr von Stahlrohren für Bewässerung, Tafelglas von „Phoenicia”, Akkumulatoren von „Vulkan”, sov;;o Fahrradreifen und Schläuche aus Gummi.