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Jüdische Wochenschau · 1960-01-19 · 1747 (19.1.1960) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1747 (19.1.1960)
Date
1960-01-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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Martes, 19 de Enero do 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXL — No. 174» der Wissenschaft (Scniuss von Seite 1) und allgemein angesehen als \,...ver in Flensburg, Er tun. .e sich so sicher, dass er sogar Vorträge hielt, Vor. träge über sein Spezialgebiet, dia Euthanasie! In diesen Vorträgen sprach er auch van „einem gewissen Prof. Keyde", der in Dachau die arbeitsunfähigen Häftlinge aussortierte, um sie der SS zur Eliminierung zu übergeben. So schamlos trieb es Dr. Sawade — alias Heyde! Er konnte sich sicher fühlen, obwohl unter seinen Zuhörern ein Arzt war, der sein Schüler gewesen ist, ihn also in jedem Fall hat kennen müssen. Dies aber war ganz ungefährlich für Sawade-Heyde. Was aber besagt das? Heyda hat doch nur „untertauchen’' können, weil man ihn schützte und schonte. Wie viele Gesinnungsgenossen oder solche, die nachträglich die Verbrechen deckten, ■auss es also geben?... Allmählich verdichteten sich die Gerüchte, dass der berüchtigte Heyde in Schleswig leben solle. Mindestens ein Jahr lang hatte man den Verdacht, dass Sawade in Wirklichkeit Heyde sei, bis eingeschritten wurde. Im November erstattete ein Arzt in Kiel Anzeige gegen Sawa. ge. Als die Polizei ihn endlich verhaften wollte, war Heyde verschwunden. Man fand in seiner "Wohnung das Diplom des Dr. Werner Hey. de, Briefe seiner Kinder und anderes Material, das über die Identität der Person keinen Zweifel mehr gestattet. Dann stellte sich Heyde selbst. Die Zeugenaussagen im Nürnberger Aerzteprozess von 1947 vor dem Amerikanischen Militärgericht sind bereits Bestandteile der Akten des Falles Heyde geworden. Wie der Staatsanwalt mit*eilte, seien diese Vor- Dr, FREY Abogado PUEYRREDON 2190 17 ixq. nachm. 16—19 Uhr J. Liebling FOURNIERE — SPERRHOELZER DIAZ VELEZ 5224 al «6 T. E. 43-2349/0340 y 3021 f REAL PEN ¡i ¡ Füllhalter i; REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 ¡ T E. 49-5850 íhmvwhwvvwvwv Opti ica DIPL. OPTIKER ¡Sarmiento 829* T. 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Heyde sei zum Vorsitzenden der mit der Verwirklichung des Euthanasie-Programmes beauftragten „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten” geworden. Allerdings sei er nach einem Jahr zurückgetreten, weil ein Verwandter irgendeines hohen Nazibonzen „nicht in das Euthanasie . Programm miteinbezogen werden sollte, obwohl ein ,positives’ Gutachten Vorgelegen” habe. Die Verteidigung ist au- 1 sserordentlich ungeschickt, sicherlich aber verlogen. Möglich, dass diese Argumente gleichgesinnten Richtern eine sogenannte Eselsbrücke für einen Freispruch liefern könnten, aber das würde nichts daran ändern, dass der Entschuldigungsgrund, es habe das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit gefehlt, völlig abwegig ist. Auch die Nazis haben gewusst, dass Mord nichts anderes als Mord ist. Haben sie doch ganz bewusst gemordet, nicht weil sie Rechtens taten, sondern weil sie ihre Macht missbrauchten. Auch befohlener Mord ist und bleibt Mord. Heyde konnte nicht anders handeln Es lag ein unausweichbarer höherer Befehl vor? Das ist doch nach der eigenen Verteidigung nicht wahr! Konnte er zurücktreten, weil ihm aufgrund von Protektion ein Opfer entrissen wurde, warum hätte er nicht auch aus anderen Gründen zurücktreten können, um die Opfer zu schonen? Warum hatte er nicht den Mut, als Arzt sich gegen das Euthanasie-Programm zu stemmen, das in Wirklichkeit gar kein Eutha., nasie-Programm, sondern ein Mord-Programm war? Es ist an der Zeit, dass man in Deutschland mit dieser verlogenen Propaganda des „höheren Befehls” aufhört, dass man von Amtswegen durch höchstrichterliche, klare Entscheidungen diesem Unsinn und Spuk ein Ende macht, dass ein höherer Befehl ausreichen könnte, um Unrecht in Recht umzubiegen. Die Affaire des Heyde hat aber noch einen ganz anderen Aspekt. Er hat nicht nur mitgewirkt, „unnütze Elemente”, die nur futtern, auszumerzen, er war auch Lagerarzt. Dies jedenfalls wird behauptet, und man müsste wohl auch feststellen können, ob er es war oder nicht. Auf seine Anordnungen wur. de auch das Euthanasie-Verfahren in Buchenwald und/ oder Dachau angewandt. Man nannte das mit einem furci tbaren Wort einfach abspritzen”, der die schwere Barbarei dieser Mordmethode wohl am klarsten ausdrückt. Der jetzt erst verhaftete Arzt Heyde war also ein treuer Diener seines Herrn. Vielleicht hat Heyde jetzt auch Gelegenheit, sich verschiedener Dinge zu erinnern, die er inzwischen durch seine grossen Erfolge in Schleswig-Holstein ver- | gessen haben dürfte. Im Sommer 1941 wurde die Aktion „14 F 13” durchgeführt, und zwar durch eine Kommission, die aus dem Prof. Nitsche, aus Dr. Men-, neke und Prof. Heyde bestand. Im wesentlichen richtete sich die „Arbeit” der Kommission gegen die jüdischen Lagerhäftlinge, die auf diesem Wege ermordet worden sind. Im November 1941 tagte eine weitere Kommission in Dachau, um das Gefühlsleben der Häftlinge zu untersuchen. Es folgt nun eine offizielle Schilderung: „Die .Psychiater’ sassen an zwei Tischen im Freien. Den Vorsitz führte Prof. Heyde, der nach seiner Verurteilung zum Tode im Jahre 1946 entflohen und seitdem verschollen ist. Auf diese Weise wurden während des Besuches in Dachau Hunderte Gefangene, Juden wie Nichtjuden, lediglich aufgrund ihrer politischen Vergangenheit .untersucht’. Im Januar 1942 wurden sie auf Schloss Hartheim vergast”, (vgl. Gerald Reitlinger, Die Endlösung. S. 148—150). — Der Fall Heyde ist aber nicht nur bemerkenswert, weil ein Arzt sich in den Dienst eines „Euthanasie- Programmes” stellte und die- Botschafter empfangen Jerusalem. — In seiner Eigenschaft als stellvertretender Aussenminister während der Abwesenheit von Frau Golda Meir empfing Ben Gurion die neuen Botschafter Eng. lands und Frankreichs in separaten Audienzen. Obwohl man weiss, dass die Besuche nur einen formellen Charakter trugen, ist doch bekannt geworden, dass Ben Gurion die Gelegenheit zu einer Aus. spräche über die allgemeine Lage im Mittleren Orient benutzt hat. (ITA) ses kritiklos ausführte, — es wird sich herausstellen, ob Heyde dieses Programm nicht selbst angeregt oder ausgearbeitet hat. Der Fall ist ausserdem der eines gewöhnlichen Kriegsverbrechers durch die Aussondierungen von Häftlingen für die Gaskammer. Und schliesslich hat diese Angelegenhei noch einen ganz aktuellen Aspekt: Wie war es nur möglich, dass sich Heyde bis heute sozusagen ganz offen verstecken konnte. Hierzu äusserte die Frankfurter Rundschau verschiedene Meinungen, u. a. diejenige, dass der schleswig-holsteinische Ministerpräsident von Hassel und sein Kultusminister seit Monaten gewusst hätten, der Dr. Sawade sei mit dem Kriegsverbrecher Dr. Heyde identisch. Das Landgericht Frankfurt a. M. hat inzwischen der Zeitung durch einstweilige Verfügung die Verbreitung dieser Behauptung untersagt. Da die Frankfurter Rundschau dieselbe Behauptung von anderen hohen Beamten aufstellte, haben alle einen Strafantrag gegen die Zeitung und den Verfasser des Artikels eingereicht! MOHELIM M o h e 1 David Freimann T, E. 87-9932 Boulogne Sus Mer 352. L. Mohel N. Plaksin Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 i; Koscheres Restaurant »Paso Ü Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-9259 j; Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehilla MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten /ERLANGEN SIE OFFERTE FIAMBRERIA Castelli 373 — T. E. 47-4120 ji SONNABEND GESCHLOSSEN — SONNTAG DEN GANZEN TAG GEOEFFNET BERNARDO STERN und JUAN JULIUSBURG AÜSFUEHRUNG SAEMTLICHER Malerarbeiten I CONDE 2318 T. E. 76 7533 Offensichtlich ist das Vertrauen in die deutsche Justiz bereits wieder erschüttert, wozu auch reichliche Veranlassung vorliegt, nachdem sehr viele Ehemalige wiederum in den verschiedensten Positionen sitzen. Das Vorgehen des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gegen eine Zeitung, die auch im Ausland angesehen ist, dürfte ebenfalls wenig dazu angetan sein, das Prestige einer Demokratie zu heben. Der Ministerpräsident und seine Mitarbeiter hätten sicherlich besser daran getan, sachlich richtig zu stellen, wenn eine Behauptung der Frankfurter Rundschau unrichtig sein sollte, anstatt durch ein Gerichtsverfahren ein verstecktes Attentat gegen die Pressefreiheit zu lanzieren. Jedenfalls muss jeder aussenstehende Beobachter den Eindruck gewinnen, dass etwas faul ist im Staate Schleswig- Holstein, in dem ein bekannter und berüchtigter SS-Arzt unbehelligt leben und eine la Semana Israelita Biaemanano: aparaca loa Marte* y Vienes Editado por Estrellas Editorial Ltda Verantwortlich: Dr. H. Swarseniky Pueyrredón 2190 iv ¡aq T X. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 60.— pro Quartal NERVENn. GEMUETS- KRANKHEITEN Dr. M. J. Kuhn RIVADAVIA 2625, 3* T. E. 46-7524 Mont., Mittwoch, Freitag 17—19 Uhr. Tel. Anmeldung erbeten Position als Arzt bekleiden konnte, obwohl er noch nicht einmal das entsprechende Diplom besass. Der Fall entwickelt sich nicht nur zu einem Prozess mehr, der gegen einen Kriegsverbrecher geführt wird, sondern zu einem Prüfstein, für die Justiz und die Demokratie, die ihre Integrität unter Beweis zu stellen hat. Dr. B. 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