Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1747 (19.1.1960)
- Date
- 1960-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9611224-9611243--0122-9611244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREDON 2190 — 1? izq. ¿x JkwvOKJCï jfchú&liUt Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 19 DE ENERO DE 1960 No. 1747 Neue Zwischenfälle - Neue Erklärungen Die Antwort Argentiniens i Jerusalem. — Argentinien war das erste Land, welches auf die israelische Note antwortete, die an alle Hauptstädte der Welt von der israelischen Regierung gesandt wurde, um der Besorgnis über die antisemitische Welle Ausdruck zu geben. Die Antwort Argentiniens wurde von Botschafter Dr. Rodolfo Garcia Arias dem Generaldirektor des Aussenmimsteriums Jaakow Tsur überreicht. Die argentinische Note betont, dass die Regierung des Landes den wenigen Zwischenfällen, die sich in Argentinien ereignet haben, mit Festigkeit entgegengetreten ist. Sie informiert ferner die Regierung Israels, dass der argentinische Innenminister Alfredo Roque Vitolo einer Delegation der DAIA die Versicherung abgab, die Vorkommnisse seien keinesfalls als Ausdruck der Gefühle des argentinischen Volkes zu betrachten. Die Note enthält des weiteren die Ankündigung, dass energische Massnahmen ergriffen werden, um jeden Versuch, eine Atmosphäre des Rassenhasses zu schaffen, im Keime zu ersticken. (ITA) KUBITSCHEK BESUCHT ALTERSHEIM Rio de Janeiro. — Der Präsident Barisilens, Dr. J. Kubitschek, besuchte ein jüdisches Altersheim, das jüngst mit Hakenkreuzen verschmiert worden ist. Zur Zeit werden noch immer 36 jüdische Institutionen von der Polizei bewacht, nachdem es zu dieser antisemitischen Explosion gekommen war, in deren Verlauf sogar in Brasilien Hakenkreuze angepinselt worden waren. Der Justizminister Armando Falcao erklärte kategorisch einer jüdischen Delegation, die ihn aufsuchte, dass er rücksichtslos jeden Ausbruch des Rassenhasses unterdrücken werde. Kardi. nal Don Jaime de Barros Camara verlangte den Erlass eines Sondergesetzes, durch das der Antisemitismus unter Strafe gestellt wird. — ISRAEL BESORGT Bonn. — Durch den israelischen Botschaftsrat Meroz wurde der Bonner Regierung eine Erklärung überreicht, In der Israel seine Besorgnis über den Ausbruch des An— tisemitismus in Deutschland und später in anderen Ländern zum Ausdruck brachte. Eine gleichlautende Note hat die israelische Regierung in allen Ländern überreichen lassen, mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhält. In der genannten Note wird die deutsche Regierung! nicht für die antisemitischen Zwischenfälle verantwortlich gemacht. VATIKAN VERURTEILT JUDENHASS Rom. — Osservatore Romano und seine Radiostation verbreiteten eine scharfe Zurückweisung des Antisemi- WIE ICH ES SEHE tismus durch die Katholische Kirche. Der Antisemitismus wurde als die gefährlichste Form des Kollektivhasses und einer geistigen Seuche bezeichnet. Andere Zeitungen wenden sich scharf gegen das wiederholte Erschei. ner. von Hakenkreuzen und antisemitischen Inschriften auf Häuserwänden. Die päpstliche Radiostation erklärte, Antisemitismus sei gleichermassen Hass wie Furcht. Es handele sich um irrationale Sentiments, die — wenn die Massen von ihr ergriffen werden, zum kollektiven Wahnsinn führen, und die geeignet sind, die Vernunft des Individuums’ kaltzustellen. — HETZER IN SUED AFRIKA Johannesburg, — Die Polizei besetzte die Wohnung von Raymond Rudman, des Antisemiten Nr. 1 von Natal, und beschlagnahmte zahlreiche Bücher und Flugschriften übelsten Charakters. Rudman bestritt nicht, dass er für die Häuserbeschmierungen und antisemitischen Zwischenfälle verantwortlich sei. Zwanzig Jahre lang (Schluss auf Seite 8) Missbrauch der Wissenschaft von JEHUDA GOTTHEIMER Die schändliche Rolle, die Wissenschaftler im Dritten Reich als Handlanger der nazistischen Ausrottungspläne und Massenmorde gespielt haben, wird jetzt wieder durch eine Untersuchung aufgezeigt, die gegen den früheren SS-Arzt, den Prof. Heyde, eingeleitet worden ist. Der Fall muss die volle Aufmerksamkeit nicht nur der Oeffentlichkeit in Deutschland auf sich ziehen, weil er in vielfacher Hinsicht ebenso lehrreich wie bedenklich ist. Die zuständigen Stellen des Jüdischen Weltkongresses haben sich bereits seit längerer Zeit mit der Tatsuche beschäftigt, dass es sehr vielen ehemaligen hohen Nazis gelungen ist, sei es unter eigenem, sei es unter einem angenommenen Namen bis in die höchsten Regierungsstellen der Westdeutschen Bundesrepublik vorzudringen. In einigen Fällen konnte man sogar feststellen, dass dieses Avancement mit der Hilfe, sicher aber mit dem Wissen ihrer Sympathisanten vor sich gegangen ist. Auch in dieser Hinsicht bietet der Fall des Prof. Dr. Werner Heyde wichtige Anhaltspunkte. Werner Heyde, Exprofessoo für Psychiatrie an der Universität Würzburg, altes Mitglied des SS, war einer der Hauptbeteiligten an der Ermordung tausender unschuldiger Menschen, die entweder geisteskrank oder unheilbar erkrankt waren oder als.Geistes- oder unheilbar Erkrankte bezeichnet worden sind. Bereits im Jahre 1939 wurde die Durchführung des sogenannten Euthanasie-Planes von Hitler und seinen Gefolgsleuten beschlossen, der darin bestand, diese Kranken zu eliminieren. Ende 1939 wurde mit der Realisierung dieses verbrecherischen Projektes begonnen, dessen weitere Durchführung im Jahre 1941 eingestellt werden musste, weil die Bevölkerung in der Nähe verschiedener Heilanstalten auf die Massenmorde aufmerksam geworden war, und die Nazis unliebsame Zwischenfälle befürchteten. Inzwischen war es nämlich auch bekannt geworden, dass es sich garnicht um die Beseitigung von Geisteskranken handelte, sondern um die Liquidierung all derjenigen, die man als ,.unnütz” bezeichnet?, und deren Tod deswegen den 'Lebensmittelmarkt erleichtern sollte... Die Pläne zur Ermordung dieser Menschengruppen nannte man zusammenfassend „Euthansie - Programm”. Man hat zu allen Zeiten darüber debattiert, ob es statthaft für einen Arzt ist, den Tod eines Patienten zu beschleunigen, um ihn vor unnötigen Schmerzen zu bewahren. Die Menschheit nahm den Standpunkt ein, dass die Entscheidung über den Tod nicht in die Hand des Arztes gegeben wer den könne, dass er aber alles tun solle, um das Schicksal eines Kranken zu erleichtern. Was bedeutet der Begriff ..Euthanasie”? Unter Euthanasie versteht man jenes Verfahren, durch welches der Arzt den als unvermeidlich erkannten Tod für den Sterbenden leicht und schmerzlos zu machen sucht. Wie soll das geschehen? Dass man ihm Todesspritzen gibt? Nein, durchaus nicht. Die „Todeslinderung”, die Euthanasie, besteht in zweckmässiger Lagerung, FernhaL tung aller äusserer Störungen, Linderung der Schmerzen durch schmerzstillende Mittel, Sorge für frische Luft und zeitweise Einflüssen „von milden und labenden Getränken.” Diese Erklärung findet sich im Brockhaus, Band VI. Seite 321 (Jubiläumsausgabe) und dürfte massgebend sein, denn sie wurde lange vor der traurigen Hitler-Epoche gegeben und ist f"ei von jeder, , später aufgatauchten, politischen Tendenz. Nach der bis in die Nazizeit geltenden Auffassung der medizinischen und der Rechtswissenschaft war Euthanasie als „Sterbehilfe” nur in den engsten Grenzen als rechtmässig angesehen. Hierzu gibt es eine umfangreiche Literatur, die in dem Ergebnis ihrer Forschungen und Betrachtungen völlig überenstimmt und Euthanasie als Todeslinderung anerkennt, als „Sterbehilfe"’ jedoch für unzulässig erklärt. Dann kamen Hitler und Gesinnungsgenossen, stiessen die geltenden moralischen Gesetze um und errichteten ihr Reich der Gewalt und des Hasses. Sie ermordeten unter allen möglichen Vorwänden und Parolen Millionen, machten Versuche an lebenden Menschen, die von der ärztlichen Wissenschaft seit frühen Zeiten als Verbrechen verabscheut worden sind, und führten die „Euthanasie” in grossem Stil ein. Die Hauptverantwortlichen für die Abwicklung des Euthanasie-Programms waren: Aufrüstung Trans Jordaniens London. — Der Kommandant der britischen Luftstreitkräfte im Mittleren Osten, Luftmarschall Sir William McDonald hatte mit hohen transjordanischen Offizieren Besprechungen über eine Vergrösserung der transjordanischen Flugwaffe. König Hussein soll, wie man erfährt, während seines kürzlichen Besuches in London, Zusagen erhalten haben, dass Transjordanien eine grössere finanzielle und militärische Unterstützung vonseiten Grossbritanniens bekommt. Jerusalem. — In Jerusalem wurden Gerüchte verbreitet, die Tr ans jord anier" bereiten einen neuen Disput der israelischen Enclave am Skopus vor. Die transjordanische Presse behauptet, Israel wurde illegale Handlungen am Skopus ergreifen. So wurde gesagt, dass Israel Kanonen aufstellt und Bäume anpflanzt. Die arabische Presse verlangt von der Regierung, sie solle Israel den Zugang zum Skopus verweigern. (ITA) Escuelas de Trabajo Social Jerusalem. — Israel tiene una nueva heroína. Se trata de una muchacha norteamericana, alta y vivaz, de origen irlandés. Su ¡nombre de Dra. Eileen Blackey y se encuentra al frente de la Escuela de Trabajo Social de la Universidad Hebrea de Jerusalem. La Dra. Blackey recibió una prolongada ovación cuando, al inaugurarse oficialmente su escuela, se dirigió al público en hebreo, a pesar de que apenas hacía un año había llegado al país, desconociendo totalmente el idioma. Esta educadora norteamericana llegó aquí procedente de Washington, en donde había estado estrechamente relacionada con el Consejo Norteamericano para la Educación de Trabajo Social y enseñó y trabajó e¡n más de medio centenar de escuelas relacionadas con el trabajo social. En la década del 40 pasó cuatro años en la UNRRA, en Alemania, dirigiendo la investigación y repatriación infantiles. Se familiarizó entonces con los angustiosos problemas de los campos de personas desplazadas y de la suerte de miles y miles de niños perdidos y sin hogar. La Dra. Blackey se muestra intrigada por la complejidad de los problemas israelíes, las luchas de su gente, sus ideologías y sus propósitos. Aunque trabaja diez horas por día y siete días a la semana, la Dra. Blackey cree que "este es un trabajo interesante . SCHLOMO S. TANGER Ausbildung zur Sozialarbeit Jerusalem. — Israel hat eine neue Heldin. Dies ist ein hochgewachsenes, lebhaftes junges Mädchen aus den USA, die irischer Herkunft ist. Sie heisst Dr. Eileen Blackey und leitet eine Schule für Sozialarbeit der Hebräischen Universität in Jerusalem. Dr. Blackey erntete stürmischen Applaus, als sie bei der offiziellen Einweihung ihrer Schule eine hebräische Ansprache an das Publikum hielt, obwohl sie erst vor kaum einem Jahr ins Land kam, dessen Sprache ihr völlig unbekannt war. Diese nordamerikanische Erzieherin kam aus Washington, wo sie mit dem USA-Ausschuss für Erziehung zur Sozialarbeit in enger Beziehung stand und an über fünfzig mit der Sozialarbeit verbundenen Schulen unterrichtete und arbeitete. In den vierziger Jahren verbrachte sie mit der UNRRA vier Jahre in Deutschland und leitete die Nachforschung und Repatriierung von Kindern. Damals machte sie sich mit den verzweifelten Problemen der DP-Lager sowie mit dem Schicksal von tausenden und abertausenden verlorener und heimatloser Kinder vertraut. Dr. Blackey ist von der Vielfalt der israelischen Probleme, den Kämpfen der Einwohner, ihren Ideologien und Zielen beeindruckt. Obwohl sie zehn Stunden im Tag und sieben Tage in der Woche arbeitet, so meint sie doch, dass „dies eine interessante Bestätigung ist.” SCHLOMO S. TANGER Reichsleiter Philipp Bühler, Chef der privaten Kanzlei des „Führers”, Dr. Karl Brandt, der Leibarzt des „Führers”, Dr. Leonhard Conti, der Reichsärzteführer, Dr. Linden, ein hoher Beamter des Innenministeriums, Prof. Paul Nitzsche, Direktor einer Klinik in Sachsen, Victor Bracht, SS-Oberführer, und Professor Werner Heyde, den man jetzt gefangen hat. Bühler, Conti und Linden nahmen sich nach dem Zusammenbruch das 'Leben, um ihrer gerechten Strafe zu entgehen, deren sie sicher waren. Brandt und Brack wurden in Nürnberg zum Tode verurteilt. Nur Heyde konnte sich bis heute seiner Verantwortung entziehen. Man hatte ihn zwar gefangen, auf dem Transport gelang es ihm aber zu entfliehen. Seit dieser Zeit fehlte jede Spur, sagt man... Man verbreitete, es sei ihm gelungen, nach Aegypten zu entfliehen. Das mysteriöse Verschwinden Heydes hat die Oeffentlichkeit jetzt in Erregung gesetzt, nachdem weitere Einzelheiten bekannt geworden sind. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch tauchte in Schleswig Holstein ein Arzt unter dem Namen Dr. Sawade auf, der sich der_ Mühe unterzog, die früheren Insassen der Konzentrationslager zu betreuen. Dann aber wurde er von den Engländern verhaftet und nach Nürnberg gebracht, wo es ihm gelang, unterwegs zu entkommen, wie bereits berichtet. Bald tauchte Dr. Sawade wieder in Flensburg, der Hauptstadt Schleswigs, auf, diesmal als „Vertriebener’. Er hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, seinen Decknamen zu ändern. Zunächst arbeitete er als Landarbeiter, dann aber übertug „man” (wer?) ihm die Stelle eines Arztes für Sportler. Später — wohl nach 1949 — erhielt der Dr. Sawade den Posten eines Arztes im Rahmen der Staat, liehen Wohlfahrt. Diese Stelle kann er nur mithilfe eines „guten” Freundes bekommen haben. Es wird behauptet, dass dieser Freund Herr Voss war, der Generaloberstaatsanwalt von Schleswig-Holstein. Diese Stelle muss er bekommen haben, obwohl er kein ärztliches Diplom besass, wenigstens nicht als Dr. Sawade. So lebte Dr. Sawade ruhig (SchluM auf Seite 2) Botschafter abberufen Montevideo. — Offiziell wurde mitgeteilt, dass der israelische Botschafter in Uruguay, Don Arie Eshel, von seiner Regierung abberufen worden ist. Botschafter Eshel wird Uruguay, wo er zwei Jahre gewirkt hat, noch in diesem Monat verlassen. Er wird sich nach Israel begeben, wo er bis zum Antritt seines neuen Amtes verweilen wird. — Der Fortgang Eshels aus Uruguay hat in allen diplomatischen und vor allem auch jüdischen Kreisen grosses Bedauern hervorgerufen.