Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1745 (12.1.1960)
- Date
- 1960-01-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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— Maries, 12 de Enero de I960 LA SEMANA ISRAELITA Mutier von 17 Kindern Año XXI. — No. 174$ von SCHALOM BEN-CHORIN Sie ist das Tagesgespräch der Mütter ln Jerusalem, aber sie wollte keine Sensation sein. Sie — was ist Frau Schoschana Misrachi, die kürzlich in der Geburtsklinik der Hadassa in Jerusalem ihr siebzehntes Kind geboren hat, ein slisse3 kleines Knäblein, das auf den Namen Ron in den Bund Ab_ rahams aufgenommen wurde. Frau Schoschana Misrachi ist 1917 in Rechowot als Alterskind einer jemenitischen Familie geboren. Mehrere ihrer Geschwister verstarben in Jemen, sodass die Familie in Rechowot nicht besonders zahlreich war. Die alte Mutter lebt noch und hat bis vor kurzem ihre so überaus kinderreiche Tochter unterstützt. Schoschanas Gatte Meir Misrachi ist ein Lastwagen - Chauffeur, ständig „auf Achse”, bis nach Aschkelon und weiter unterwegs. Auch er ist, im Lande geboren, in Haifa, und stammt •us eine Beiruter sepharditchen Familie. Vor 26 Jahren haben Meir und Schoschana geheiratet, und ein Jahr später wurde ihr erstes Kind, ein Sohn, ein „Ben-Bechor”, geboren, dessen Gitterbettchen damals 40 Piaster kostete, und in diesem Bettchen lagen all die Neugeborenen, bis auf den kleinen Ron, der es nun gegenwärtig bewohnt. Aber der privilegierte Baby stand endet bald. Kaum sind die Kinder etwas grösser, und ein Neugeborenes beansprucht schon den Platz im Baby bettchen, da müssen sie die eng aneinander gerückten Betten mit den Geschwistern teilen: je zwei oder drei Brüder und Schwestern schlafen in einem Bett, ,,wie auf den Spielkarten”, wenn es zweie sind, und „wie in der Sardinenbüchse”, wenn es mehrere sein müssen. Auch Vater Misrachi muss immer ein Kind mit im Bette haben und die Mutter meist zwei... Ja, es ist eng bei den Misrachis in dem alten, primitiven, niederen Häuschen in der Prophetenstrasse, Ecke Abessinienroad, wo Vater, Mutter und dreizehn Kinder in einem grossen, einem kleinen Zimmer und einer Küche hausen. Siebzehn Kinder hat Mutter Schoschana, die noch heute eine hübsche und anziehende, gesunde und robu. ste Frau ist, in den 26 Jahren ihrer Ehe geboren. Gottes Gebot „Seid fruchtbar und mehret euch!” radikal erfüllend. Nur eines der Kinder war nicht lebensfähig, alle anderen sind — Ba- : ruch Haschern (Gott sei Dank) — gesund und frisch. Acht Söhne und acht Töchter umgeben den überaus bescheiden bestellten Tisch Meir Misrachis, „wie Oelbaumsprossen”, um mit dem Psalmisten zu sprechen. Die drei Aeltesten von den acht Brüdern und acht Schwestern, — zwei Söhne und eine Tochter, — haben das Elternhaus nun bereits verlassen. Der Aelteste lebt seit Jahren im Kibbuz Harel, der nächste hat nach seiner Entlassung aus der Armee ein möbliertes Zimmer nahe der bescheidenen Behausung seiner Eltern bezogen und versucht sich als Traktorist und Gelegenheitsarbeiter durchzuschlagen. Die älteste Tochter ist verheiratet, hat aber selbst noch keine Kinder. Das junge Paar ist noch von der Hochzeit her schwer verschuldet. IL 600.— wollen noch „abgestottert” werden, denn so kümmerlich man auch das ganze Jahr hindurch lebt, — wenn es Hochzeit gibt, dann muss es königlich hergehen. So wollen es Brauch und Sitte. Die Lage der Misracni hat sich heute gebessert. Es gab Zeiten, wo es am Allernötigsten fehlte. Heute verdient Vater Misrachi seine 300.— im Monat. Davon behält er sich 10 Prozent als „Taschengeld” für Zigaretten und andere Kleinigkeiten, und 270.— übergibt er am Monatsersten seiner Schoschana, die damit bis zum 15. des Monats reicht... Und dann j beginnt das Elend des An- I schreibenlassens, des Borgens. „Ja, wenn ich vierhundert Pfund im Monat hätte — dann wäre ich eine Königin”, meint Mutter Schoschana, die ich in ihrem drangvoll engen, primitiven Bau aufsuche. Es war nicht schwer, die Misrachis zu finden. Das Geschrei der Kinder zeigte bereits an, dass hier die kinderreichste Familie Jerusalems haust. An dem warmen Sommertag meines Besuches spielte sich natürlich ein Grossteil des Familienlebens in dem staubigen Hof des Hauses ab. Hier stehen die Waschzuber, in welchen ständig die Wäsche für dreizehn Kinder und die Eltern gewaschen werden muss. Der Wasserverbrauch der Familie ist so gross, dass man beim städtischen Wasserwerk vermutete, im Domizil des Misrachi sei eine Werkstatt oder sonst ein Gewerbebetrieb untergebracht. Mutter Schoschana seufzt über den hohen Wasserpreis, der ihr schmales Budget so belastet ... Die Tatsache freilich, dass die primitive Behausung über kein Bad und keine Dusche verfügt und alle' Kinder in einer Wäsch- Schüssel gebadet werden müssen, spart wieder etwas Wasser ein, aber gerade diesen Mangel an hygienischem Komfort beklagt Mutter Schoschana mit besonders temperamentvollen Worten. Und — mit Verlaub zu sagen _ dass ein gewisses Oertchen erst jenseits des Hofes liegt, das ist für die geplagte Frau und die Riesenfamilie ein schweres tagtägliches und nachtnächtliches Hindernis... Schoschana Misrachi hat viel Lob erfahren, aber sie kann sich dafür nichts kau- I fen. Sie wurde photographiert, und ihr Bild erschien in der Presse. Das ist ihr nicht angenehm. Sie würde sich mit weniger Ruhm und mehr menschlichem Verständnis mehr freuen. Vor neun Jahren hatte ihr Ben Gurion einen Preis für das zehnte Kind zuerkannt, aber dann erlosch das Staatj liehe und munizipale Interesse, und nur das jouroali- : stische Interesse flammte bei der Rekord-Geburt des siebzehnten Kindes wieder auf. Blitzlicht, das sofort wieder verlischt. An dem Vormittag, an dem ich die Misrachis besuchte, war Mutter Schoschana in der Lemmie-Schule und in der Sokolow-Sehule, um Freiplätze für zwei ihrer Kinder in den Ferienlagern „Kaitanot” der Jerusalemer Munizipalität zu erlangen. Abgelehnt! Man ermässigte ihr den Preis von IL 30.— auf IL 10.—, aber auch das ist natürlich zu viel, wenn man eigentlich zehn von den dreizehn im Hause weilenden Kindern in Ferienlagern unterbringen sollte und möchte. Die Kinder haben keine rechten Ferien, die Mutter kann nie eine Mahlzeit in Ruhe einnehmen. Man rühmt die kinderreiche Familie, aber man tut kaum etwas für sie. Es fehlt an allem — ausgenommen einem riesenhaften Radio-Apparat, der das Lärmen der Kinder, ihr Weinen und. Lachen, noch über tönt. Die Wohnung ist sauber gehalten, müsste aber längst einmal frisch gekalkt werden. Möbel gibt es kaum: vier Betten für die ganze Kinderschar, zwei Stühle, einen Hocker, einen relativ schönen und sehr gut mit Wäsche bestückten Schrank. Das ist mehr oder minder alles. Die grösseren Kinder haben nur eine Hoffnung: Kibbuz. Der Kibbuz soll ihnen Weite und Freiheit, ein sor_ genfreies Leben gewähren. Auch Mutter Schoschana möchte am liebsten selbst in einen Kibbuz ziehen, wo die Kinder im Kinderhaus versorgt werden; aber wer nimmt eine so zahlreiche Familie im Kibbuz an?, fragt sie elegisch und gibt weiterhin zu bedenken, dass ihr Mann vielleicht vom Kibbuz weniger entzückt wäre. Ich habe Mutter Schoschana aber im Verdacht, dass sie gar nicht so glücklich wäre, wenn alle ihre Kükken in einem noch so schönen und hygienischen Kinderhaus untergebracht wären. Man muss es gesehen haben, wie sie sich über Ron, den siebzehnten, den jüngsten, beugt und ihn lieb, kost. Sie könnte ihn nicht stundenlang in fremder Obhut lassen; bestimmt nicht. „Ich habe nur Glück mit den ganz Kleinen”, beteuert sie. Kaum werden die Kinder grösser, dann gibt es „Konflikte”. Da ist etwa der Vierjährige, der eine neue, schö. ne Hose will, weil ihm die alte geflickte nicht mehr passt. Er verlangt, fordert, was Mutter Schoschana nicht geben kann. Aber Ron, der ganz Kleine, fordert nichts als che milchspendende Brust der Mutter, die Segensquelle, die noch so reichlich fliesst wie vor einem Vierteljahrhundert. Mutter Schoschana versi- [chert, dass Ron ihr letztes Kind sein soll. Sie will nicht nochmals schwanger werden und gebären, sie sehnt sich nach Ruhe. (Aber wir wollen sie nicht beim Wort nehmen, denn sie liebt die ganz Kleinen so innig, dass sie sich gar nicht zuhause fühlen würde, wenn es in diesem Hause keinen Säugling mehr gäbe, scheint mir). Die grösseren Kinder würde sie gerne in die Obhut der Jugendalija geben, aber dort sind die Plätze den Kindern von Neueinwanderern Vorbehalten. .. Die Kinder wollen lernen, aber es fehlt ihnen an Schul, büchern. Jedes mit allen Büchern auszustatten, das ergäbe eine stattliche Bibliothek. Eines hat kein Rechenbuch, das andere braucht eine Bibel für den Unterricht und — muss beim Nachbarn hineinschauen. Der grosse Kindersegen, so meint Mutter Schoschana, ist nicht immer leicht zu tragen, und freimütig gibt sie zu, dass diejenigen, welche mehr „Planwirtschaft” in der Familie treiben, die Klügeren sind.! Aber andererseits können (diese „Klugen” von Mutter Schoschana und ihrer Familie auch wiederum sehr viel ¡lernen. Ganz natürlich hat ¡sich hier ein System der gegenseitigen Hilfe herausgebildet. Die grösseren Mädchen tragen die kleineren Geschwister herum, beruhi. gen und pflegen sie. Schon vom vierten und fünften Le. bensjahr an, hat jedes Kind seine speziellen Aufgaben im Haushalt zu erfüllen. Eigentlich sind die Misrachis selbst eine Art Kibbuz, Empfang bei Ben Zwi Jerusalem. — Der Präsident Israels, Zizchak Ben Zwi, empfing anlässlich des neuen bürgerlichen Jahres die Repräsentanten der christlichen Gemeinschaften in Israel. Es erschienen viele Vertreter der verschiedenen religiösen Sekten und orientalischen Kirchen in ih_ ren Sotanen. (ITA) Ted eines Richters Jerusalem. — Der Richter Z. Shneor, Mitglied des höchsten Gerichtshofes von Israel und dessen Vizepräsident, starb in der vergangenen Woche in Jerusalem. Der Verstorbene war in Jerusalem geboren, studierte auch in New York und wurde nach seiner Rückkehr nach Palästina (1937) zum Richter zunächst in Tel Aviv gewählt. Nach der Staatsgründung Israels wurde er dann Mitglied des höchsten Tribunals und Präsident des obersten Gerichtes der Zionistischen Organisation. Er war der Verfasser einer Reihe von viel beachteten Werken. (ITA) Jewish Agency Jerusalem. — Hier fand eine neue Sitzung des Zionistischen Aktionscomites statt, die sich mit einer Reihe or» ganisationeller Fragen beschäftigte. (ITA) ¡nur fehlt die starke Partei ¡im Hintergründe, die diese naturgewachsene Gemeinschaft stützt. Sollten nicht alle diese ,.Partei” bilden, mit Mitbürgern, die so wortwörtlich das erste Gebot der ¡Thora: „Peru urevu” erfüllen: das Leben ein wenig zu ¡erleichtern Staat, Munizipa. lität und Gesellschaft sollten diese Pflicht erkennen, damit sich das Wort erfülle; „Em habanim ssemecha” — „Freuen soll sich die Mutter der Kinder” (Psalm 113,9). PASTEUR 633 T. E. 47-909®—99 KEHILLA Die Kehilla bittet alle Mitglieder, ihre Beiträge entsprechend erhöhen zu wollen. Die Jüdische Gemeinde fordert alle deutschsprechenden Juden auf, der Kehilla als Mitglieder oder Protektoren beizutreten. Es ist die Pflicht eines jeden Juden, der Jüdischen Gemeinde von Buenos Aires als Mitglied anzugehören. Informationen und Antragsformulare in unserem Büre, Pasteur 933, I. Stock. Vidal 2049 und Cangallo 1479 j I vom 11. bis 31. Januar J Ferienhalber geschlossen sind. I ASOC. FILANTROPICA ISRAELITA] Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, dass die der Arbeitsgemeinschaft in ,L0S CARD ALES’ Noch einige Plätze für Februar Anmeldungen im Sekretariat der Achdus Jisroel, Holdes 2449, von 9—12 und 16—20 Uhr Anmeldungen für die [ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial! del Estado de Israel,! VIAMONTE 550, I/B — Buenos Aires, Rep Argentina I — —' 1 ■ i - ' ■—1 1 ■' •— WIR BITTEN unsere Leser auf diesem Wege, von der Möglichkeit direkter Ueberweisung der fälligen Abono-Gebühren frdl. Gebrauch machen zu wollen. Direkte Einsendung des Abono-Betrages in SCHECK — GIRO — BONO POSTAL LA SEMANA ISRAELITA Pueyrredön 2190, 1“ izq« Capital Hierdurch überweise ich Ihnen den ™ 1. u. 2. Quartal 1959 m$n 80.— Wartung Ihrer Quittung begrüsse Jahr 1959 .. m$n 160.— ich Sie 1. u. 2. Quartal 1960 m$n 120.— . Jahr 1960 .. m$n 240.— (Name) — oe •* «• (Adresse) N. B.: Wir bitten, Einzahlungen zu richten an: LA SEMANA 1SRAE- (Nicht gewünschte Zahlung UTA. bitte ausstreichen)