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Jüdische Wochenschau · 1960-01-12 · 1745 (12.1.1960) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1745 (12.1.1960)
Date
1960-01-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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1 Martes, 12 de Enero de I960 PRAG : WILSON - BAHNHOF Ein verregneter Märztag, kalt und neblig. Die nassgraue Luit durchschwirrt die engen Prager Gassen, nur schwer bahnen sich Taxis durch die am Wenzelsplatz sieh drängende Menge den Weg zum Wilsonbahnhof. Für die zweite tschechoslowakische Republik ein grauer Tag. Benes’ Nachfolger Hacha war zu Hitler nach Berchtesgaden gerufen worden. Alle, die die Ereignisse seit Januar 1933 verfolgen mussten und vor allem diejenigen, die darunter zu leiden hatten wussten, dass diese Reise eine schicksalsschwere Stunde für den Bestand des tschechoslowakischen Staates bedeutete. Bereits um 4 Uhr nachmittags war ich im Hotel Wilson als Vertreter des sudetojüdischen Hilfs-Comites, das meinen Namen trug, zu einer Sitzung der schwedischen Mission sowie Mr. Chetwick vom British Children Relief Work und Laurin, dem bekannten internationalen Vermittler und von Dr. FRITZ ULLMANN Tschechoslowakei berufen worden, wo wir über die Folgen eines etwaigen Einmarsches der Hitler-Truppen, der in den nächsten 24 Stunden erfolgen könnte, berieten, und wo mir Stillschweigen bis auf Anordnung gewisser Vorsichtsmassnahmen befohlen wurde. Ich hatte mit mir zwei meiner Mitarbeiter sowie Jakob Edelstein, den Leiter des Palästina-Amtes, der mit Miss Warriner von der British Mission (Quaker) in ständigem Kontakt stand und der in diesen Tagen sogar ein Zimmer von der britischen Gesandtschaft in Prag zugewiesen erhielt, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Um 20 Uhr war ich endlich am Bahnsteig 2, der einen Zug von Palästinawanderern auf Grund der von der englischen Regierung den sudetodeutschen Juden zur Verfügung gestellten 2.500 Zertifikaten, AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BENO" BEÑO HUT9CHNECKER Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Motvroe) T. E. M * 220» -1 ' Juan Schottlaender Versicherungen jeder Art — JUNCAL 2170 T. E.: 82-1732 die innerhalb des 500.000 Czektransfers seit Januar zur Auswanderung gelangten, zur Abfertigung bereit hatte. Jakob Edelstein und Stopford, der Beauftragte der englischen Regierung — die Auswanderung trug seinen Namen Stopford-Aktion — waren bereits mit den Listen erschienen, die zahlreiche Führer sudetendeutscher Juden, darunter aber auch einiger Prager, die unserem Comité besonders gefährdet erschienen, wie unsere alten Freunde und Zionisten Dr. Max Brod und Dr. Felix Weltsch, enthielten. Eine grosse Menge war zum Abschied gekommen und ein lebhaftes Treiben herrschte, ein letztes Händedrücken, zahlreiche Umarmungen. Stopford, Edelstein und ich schritten nochmals den Zug ab und gaben dem diensthabenden Stationschef das Zeichen zur Abfahrt. Dumpf dröhnte der Widerhall der anlaufenden Maschine, die Räder knirschten, und der Zug mit in die •Freiheit fahrenden Juden setzte sich in Bewegung. Nur wenige ahnten, was Stopford mir in dieser Sekunde zuraunte. Es waren sechs Stunden vor dem Einmarsch Hitlers Panzerregimenter in die CSR und knapp 10 Stunden vor ihrem Einzug in Prag. Ich ging vom Bahnhor in unser Büro, um den Befehl, der mir am Nachmittag erteilt wurde, mit einigen vertrauten Mitarbeitern auszuführen. Wertvolle Schriftstücke, seltenes Archivmaterial und vor allem die neu errichtete Wirtschaftskartei der sudeto-deutschen Juden, die über 20.000 Namen umfasste und unter Leitung von Dr. Strasic in hervorragender Weise geführt wurde, » $! ESTUD10 »ICO INTERNACIONALS $ “ ‘ **------- J! Dr. Hardi Swarsensky j j| Asuntos Europeos exclusivamente 0 $ Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—IS Uhr ► i _-_ * i t { Dr. Gunter Frey { Asuntos Argentinos y Sudamericanos TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN - VERTRAEGE - VERWALTUNGEN! i VERREIST VOM 6. bis 24. JANUAR j BUEROZEIT: 10—12 and 15—18 Uhr % PUEYRREDON 2190 es*. Ar. LAS HERAB ~ T. gL 88-Mlt g fiel der Zerstörung zum Opfer. Nachts um 2 begab ich mich in das Büro der Hicem, wo Johanna Steiner, die Leiterin des Büros, mit ihren Hilfskräften ebenfalls versuchte, belastendes Material aus dem Weg zu schaffen. Bis gegen 8 Uhr morgens arbeiteten wir hier, doch es war klar, dass nur ein geringer Teil des Materials beseitigt werden konnte. Glücklicherweise habe ich in letzter Sekunde Dr. Walter Spitz zum Fenster des abfahrenden Zuges mein in England in der Zeit vom 8. Dezember bis 2. Februar geführtes Tagebuch über die Verhandlungen der Alija und den Transfer mitgegeben, sodass es so gerettet werden konnte. Um halb 11 Uhr vormittags traten wir in der Wohnung bei Dr. Kahn zusammen, um über die Situation zu beraten. Edelstein kam von der britischen Gesandtschaft mit einigen „Dangervisa”, auch Dr. Emil Margulies war bei dieser Beratung noch zugegen und ging auf unsgr Anraten von der Sitzung um 12 Uhr mittags weg zum Masaryk-Bahnhof, um den letzten Zug nach Budapest noch zu erreichen und so den Nazihänden in letzter Minute zu entgehen. In dieser Sitzung wurde ein Beschluss gefasst, die Arbeit am nächsten Tag in den Büros wieder aufzunehmen, und beruhigend in unseren Reihen einzuwirken und alles zu versuchen, um die nach den ersten Radiomeldungen noch in der Nacht ausgebrochene Selbstmordepidemie im Keim zu ersticken. Ich sollte an diesem Tag nach London und Amsterdam wegen Auswanderungsfragen fliegen. Diese Reise unterblieb, eine Woche hindurch eilte ich täglich von Bezirk zu Bezirk, richtete Treffzentren ein, um mit allen unseren Menschen die Fühlung aufrecht zu erhalten und so weiter den Anforderungen gerecht zu werden. Unser Comité hatte seit den Tagen der Gründung Hunderten von Menschen das Leben gerettet, Kinder nach England und Dänemark gebracht, Permits für Dienstmädchen in England in grosser Menge beschafft und bereits über 1.000 Personen aus den von der englischen Regierung im Rahmen der Stopford-,Aktion genehmigten 2.500 Zertifikaten zur Auswanderung gebracht. Es gelang auch, politische Flüchtlinge noch rechtzeitig nach England zu bringen und Altersheime in Prag selbst zu errichten. Jugend- Gruppen für Hacbschara waren da und dort entstanden, und mit der Jugendalija waren bereits 200 Kinder in den letzten zwei Wochen auf Grund der Londoner Verhandlungen mit Landauer, Martin Rosenblüth und Bent- .wich ausgewandert. Es galt, den Geist zu erhalten und den Blick auf die Zukunft zu wahren. So war der 14. März mit seinem Flüchtlingszug nach Erez- Israel ein Symbol der Frei- Synagoge in Stockholm Stockholm. — Hier wurde feierlich die Jeschurun-Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Unter den Festrednern befand sich der schwedische Oberrabbiner Dr. Kurt Wilhelm. LA SEMANA ISRAELITA BISEM AN ARIO INDEPENDIENTE B*. Ai*** - PUEYRREDON 2190, 1* iaq. — .T. E. 89-2613 12. Tevet 5720 - U, Januar 1960 heit für die Juden des sudeto-deutschen Gebietes und nachher für zahlreiche tscheschoslowakische Juden geworden. Schwere Wolken zogen sich von diesem Tag an auf dem jüdischen Himmel zusammen, die sich dann in den Unwettern der Transporte nach Lublin und Lodz, später Theresienstadt und Birkenau entluden. Nur wenigen gelang es nachher noch in die Freiheit zu gelangen. U ofa di^tmdón fól it&jwodocóM0AÍ_ 6ruUO CESA im/glttRERS ABRIL » K/ 22 13 CONTE GRA / ENERO MARZO MAYO 31 10 A U G U S MAYO 20 LISBOA BARCELONA CANNES GENOVA ÑAPOLES CONSULTE A SU AGENCIA PREFERIDA O “ITALMAR” FLORIDA Y CORDOBA 2 X 2900 i 4.060.- bei CARLTON un TOTALAÜSVESKAUF Die Differenz von m$n 1.740.— ist Ihre Ersparnis beim Einkauf von 2 Anzügen der Stabiloformklasse. 30 % bei Barzahlung 15 % bei Zahlungserleichterungen UND WENN SIE MASSKLEIDUNG WUENSCHEN, ERST RECHT ZU UNS! Gleich dem Vater verlangt der Sohn das Beste: CARLTON.KLEIDUNG! LavaTIe 870 T. Ä. 35-1110

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