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Jüdische Wochenschau · 1960-01-05 · 1744 (5.1.1960) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1744 (5.1.1960)
Date
1960-01-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Maries, 5 de Enero de I960 israelita Año XXI. — No. 1744 Theodor Herzl GwellS*hafr Chile 9*1 TE. 37-3797 Glückwunsch für Shasar Ehe ich Salman Rubaechow kannte, sah ich ihn durch die Schilderungen meiner Frau und meiner Schwägerin Esther Hurwitzgmoira vor mir. Sie gehörten zur gleichen Familie, waren in Mir und Minsk zu ¡Hause, litauische Juden aus dem Kreis, in dem die zionistische Bewegung lebte. Ich war auf Salman besonders neugierig. Ich wusste, dass er von Jugend an den Kampf für das jüdische Proletariat geführt hat. Als kleiner Junge schlug er mit dem Stock auf die Bäume des grossen Waldes ein, in dem die Familie die Sommerferien verbrachte. Er tötete in den Reden, für die ihm das Publikum fehlte, die Kapitalisten und die jüdischen Assimilanten. Bei der ersten Begegnung wusste ich, dass der Eindruck, der in mir lebte, mit der Wirklichkeit zusammenfällt. Ich hatte schon eine ganze Reibe von jungen russischen Zionisten gesehen, unter ihnen solche, die bereit waren, ihr Leben durch die Propaganda der Idee auszufüllen. Salman war aber von ganz anderer Art. Andere waren voll wie ein Schwamm, angereichert durch jüdische Bildung und politischer Schulung, er war voll wie ein Quell. Wenn er sprach, hatte man in der zweiten ¡Minute da* Gefühl, ein schützender Damm ist gebrochen, die Wasser strömen ungezügelt durch das Land. In meiner Erinnerung fühle ich noch heute, dass er auf mich wie ein Naturereignis wirkte. Bei der ersten Rede, die ich von ihm hörte, sah ich angstvoll, dass das Podium zu klein war. Er wollte in die ferne Weite wirken, gleichsam in alle Versammlungsräume der Welt eindringen. Und nachher war er ein besonders liebenswerter und beschaulicher Mensch. Seine Reden waren abwechselnd voll von politischen Argumenten und von dichterischen Visionen. Manchmal war es so zart, dass man die Gefühle nur erahnen konnte, eine Musik, die nicht mit musikalischer Wirkung zusammenhängt, sondern mit dem Versuch, die Töne der Aeols-Harfe, über die der Wind streicht, einzufangen und zu materialisieren. Ich erlebte auch, dass ein grosser Eindruck zu einem Gedicht wurde. Er sah den Kölner Dom, hörte die Glokken, und man hörte die Resonanz im Gedicht und in der Rede. Er hat sich sicher nicht träumen lassen, dass er im ersten Weltkrieg und später eine Rolle in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, besonders in der „Jüdischen Rundschau”, unserer zionistischen Zeitung, spielen wird. — In Freundschaft mit Leo Herrmann schrieb er Artikel über Artikel, alle natürlich von KÜßT BLUMENFELD anonym. Es war erster Weltkrieg, und er war ausländischer Jude, der nicht mit seinem Namen bervortreten konnte, aber jeder Zionist in Deutschland wusste von seinem Wirken, und jeder fühlte, dass in seinen Worten ein neuer Ton erklingt Ich möchte nicht sagen, dass ich mit dem Inhalt aller der von ihm geschriebenen oder inspirierten Artikel immer einverstanden war. Salman war ein treuer Anhänger von Borochow, und der Zionismus der Poale Zion war für ihn eine heilige Sache. Der Einfluss von Borochov und dem sehr begabten und Originellen Nachman Sirkin war deutlich zu merken. Im „Juden” schrieb er unter dem Namen R. Salman Artikel über aktuelle Fragen verschiedener Art. Aus dem 2. Jahrgang des „Juden” 1917/18 sei hier eine besonders charakteristische Glosse zitiert. EIN FALLSTRICK ertönen: Kehret zum Judentum zurück, denn es ist Religion. Freunde, seien wir vorsichtig mit diesem auferstehenden Ruf, dass er uns nicht wieder zum Fallstrick werde. Das neue, die Regeneration ersehnende J udentum empfindet die verhängnisvolle Konsequenz dieses immer wieder auftauchenden Identitätsurteils und erkennt auch die Relativität seines Wahrheitsgehaltes. Denn selbst dem im Glauben aufgehenden Juden erscheint sein Judentum nur deswegen bloss als Religion, weil auch in seinem Menschsein nichts vorhanden ist, was ausserhalb seiner Religion stünde. Und darauf kommt es an. Denn nur das allein ist es, womit das Judentum iden- I tisch war und identisch werden will: das volle Menschsein seines Trägers. R. Salman” Ehrenabend für Walter Wind Judentum ist Religion, fühlte der * gläubige Jude und dehnte sein Judentum aus, so uferlos weit und so abgrundtief, wie weit und tief sein Glaube selbst gewesen war. Judentum ist Religion, erwiderte der aufgeklärte Jude, also hat das Judentum im Geistesleben, seines Trägers nur einen solchen Platz zu beanspruchen, wie ihn die Religion im Geistesleben eines aufgeklärten Menschen zu beanspruchen hat. Judentum ist Rebgion, wiederholte der um die Emanzipation kämpfende Jude, folglich ist der Jude ausserhalb des Bereiches der Religion nicht mehr Jude. In der Einschränkung des Judentums schloss sich der Kreis. Judentum ist Religion, warnte von neuem der sein Judentum heiss liebende Orthodoxe, daher hütet euch, an der Religion zu rütteln und zu deuteln, denn ihr deutelt dann und rüttelt an dem Judentum selbst. Judentum ist Religion, erwiderte der strenge Prediger der Reform, also muss das Judentum von all den Werten und Gebräuchen, die seiner unwahren völkischen Auffassung entstammen, sorgfältig gesäubert werden. Judentum ist Religion, wiederholten die immer wachsenden Scharen der von der Religion losgerissenen Intellektuelle«, folglich gibt es für uns, für die es keine Religion mehr gibt, auch kein Judentum mehr. In der Aufhebung des Judentums schloss sich von neuem der Kreis. Was einst so segensreich zu werden schien, wurde zum Fallstrick. Jetzt und besonders für manche von jenen, denen die Stunde .geschlagen hat, ¡Gott zu suchen, scheint von neuem der Ruf der Zeit zu Seine Beziehung zum jüdischen Sozialismus brachte er aus Russland mit. — In Deutschland orientierte, er sich damals durch beste Lehrer. Seine in Leningrad begonnenen Studien setzte er auf den Universitäten in Freiburg im Breisgau, in Strassburg und in Berlin fort. In Berlin traf er den Mann, von dem er noch heute mit Recht sagt, er sei der grösste jüdische Redakteur gewesen, dem er im Leben begegnet sei: Dr. Josef Bluch, Herausgeber der „Sozialistischen Monatshefte”. Dieser Mann schrieb keine Zeile selbst, aber jedes Wort, das in den „Sozialistischen Monatsheften” in allen Jahren erschienen ist, ist von ihm kontrolliert, gelenkt und beeinflusst worden. Salman kannte den deutschen Zionismus in allen seinen Verästelungen, und mir scheint, dass der Aufenthalt in Berlin ihm für sein ganzes Leben viel gegeben hat. In der Pension von Rose Struck lebte er zusammen mit seinem Freunde Kitain. Ich habe das Gefühl, dass in diesen Jahren grosse Entwicklungen in seiner Seele vorgegangen sind. Ich beschränke mich auf Ehrung Shazars Jerusalem. — Hunderte bekannte Persönlichkeiten Israels nähmen an einem Bankett teil, das zu Ehren Salman Shazars veranstaltet worden ist. Im Namen der Regierung sprach Minister Abba Eban, der sagte, der Gefeierte sei der „perfekte Jude”. Dr. Nachum Goldmann führte in seiner Rede ans, Shazer sei einer der; Menschen, die unser Leben bereichern und glücklich .machen. (ITA) i Dinge, die ich miterlebt habe, von denen ich aber glaube, dass es Einzelzüge in seinem Leben sind, die für ihn eine beispielhafte Kraft gehabt haben. In Salman lernte ich einen Juden kennen, der nicht nur alles Jüdische bejaht, sondern keinem Juden zutraut, dass er etwas Schlechtes tun kann. Diese Eigenschaft, die ich in dieser Form nur einmal getroffen habe, ist so bemerkenswert, dass man sie an die Spitze aller Qualitäten stellen sollte, die heute bei Salman Shazar gerühmt werden. Als er 1924 nach Erez Israel kam und Redakteur des „Davar” wurde, begann für ihn die grosse Arbeit, die er bis heute unermüdlich ausübt. Ich bin nicht oerufen, über Salmans Lebenswerk zu sprechen, aber ich denke, dass es ganz gut ist, das Bild eines Menschen, den die Welt meist im Rampenlicht sieht, auf Sitzungen, auf Konferenzen, die politischer und kultureller Arbeit gewidmet sind, in einer intimen Sphäre festzuhalten. Er ist der Mittelpunkt einer grossen Familie. Bei jeder Gelegenheit lenkt er das Interesse auf die Vorfahren und auf die Vergangenheit. Bei dem 70. Geburtstag einer Verwandten hat er an dem wertvollsten und sinnigsten Geschenk gearbeitet, das man sich vorstellen kann: er hat alle erreichbaren Bilder der Vorfahren dieses Zweiges gesammelt und in einer Photokopie zusammengestellt. Dies wurde das erfreulichste, die Zeiten überdauernde Geschenk jenes Tages. Er ist der merkwürdigste Typ, der gleichzeitig das Bedürfnis hat, ganz sichtbar nach aussen in die Erscheinung zu treten, und mit der grössten Diskretion die tiefsten Geheimnisse der Menschen, die sich ihm anvertrauen, mit sich trägt. — Daher ist es sehr leicht, mit ihm über allgemeine Dinge zu reden, und sehr schwer, über persönliche. Ich habe mir oft Gedanken gemacht über seine Religiosität. Entsprechend seiner politischen Richtung ist er nicht an das Ritual gebunden. Gleichzeitig habe ich immer das Gefühl, dass er sich am wohlsten in den Diskussionen mit den grossen Talmudisten misnagdischer Herkunft und mit den Vertretern der chassidischen Welt fühlt. Ich dachte früher, dass es sich bei ihm um einen edlen Menschen handelt. Heute kommt es mir so vor, als ob er Botschaften in die Welt der ungewohnten Dimensionen senden will, Botschaften, von denen ich nicht entscheiden kann, welcher Natur sie sind, ob es sich um Erkenntnisse Zu einem eindrucksvollen Bekenntnis für die zionistische Idee und die Theodor Herzl Gesellschaft gestaltete sich der Abend, der , im vergangenen Monat zu Ehren von Walter Wind durchgeführt worden ist. Dass ein Mann in aufopferungsvoller, ehrenamtlicher Tätigkeit bald zwanzig schwere Jahre hindurch für eine Organisation arbeitet, ist ein Beweis der unbedingten Treue, die ihn mit dem zionistischen Gedanken, mit Israel und dem jüdischen Volk verbindet. Die Herrn Wind dargr brachten Ehrungen, insbesondere die Pflanzung eineä KKL-Haines auf seinen Namen, waren nur der Aufdruck einer selbstverständlichen Anerkennung sein.r persönlichen Leistungen. BERICHT UEBER EINE REISE Auf der gleichen Veranstaltung ergriff auch der Vizepräsident der THG, Herr Curt Wilk, das Wort, um über seine Eindrücke vom jüdischen Leben in einigen Städten Nordamerikas zu berichten, nachdem er kürzlich von einer Reise nach New York und Los Angeles zurückgekehrt ist. Es waren vor allem Eindrücke vom religiösen 'Leben der nordamerikanischen Juden, die Herr Wilk schilderte, von den alten und vielen neuen Wegen um in erster Linie die Jugend an unsere Tradition zu binden und dadurch die Kette der Generationen fortzusetzen. Jeder dürfte Neues und Interessantes erfahren haben. Ob auch Möglichkeiten vorhanden sind, manche der neuen Einrichtungen über die Gestaltung des gemeindlichen Lebens hier zu verwerten, ist eine Frage, die kritisch beurteilt werden muss, wenn sie auch wicht:g genug sein dürfte, um sie genauesten« zu studieren. DIE NEUEN SEKRETAERE DER THG Der Vorstand der THG hat beschlossen, — was von uns bereits bekannt gegeben worden ist, — dem Antrag des bisherigen Sekretärs^ Herrn Walter Wind auf Niederlegung seines Amtes stattzugeben. Aus arbeitstechnischen Gründen wurden die Chawerim Dr. Günter Frey und Peter Wind gemeinsam mit der Führung des Sekretariats beauftragt, die sich die Arbeit aufteilen werden. Die ersten Besprechungen über die Arbeitsverteilung und die nächsten geplanten Aktionen fanden bereits statt. Das Präsidium der THG bestehht demnach aus dem 'Präsidenten, den beiden Sekretären )Dr. Frey und Peter Wind) und dem Schatzmeister (Herrn Walter Katz). sowie dem Vizepräsidenten der Organisation. i Büro und Bürozeit Mit dem Wechsel des Sekretariats war auch e ne Verlegung des Büros und eine Aenderung der Bürozeiten erforderlich geworden. Das neue Büro der THG befindet sich in der Pueyrredön 2190, im ersten S ock links, Telefonnummer: 83- 2613. Bürozeiten: jeden Montag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr. Anrufe auch ausserhalb der Bürozeit von 10—18 Uhr. Nachrichten aus Israel NEUE PRODUKTIONSZ WEIGE Die Gesellschaft Fertilizers hat Pläne zur Aufnahme der Fabrikation von Schwefelammonium (für die Papierfabrikation) und von Ammoniumstickstoff (Sprengmaterial) fertiggestellt. Die dazu erforderlichen 450.000 IL wollen Fertilizers aus eigenen Mitteln aufbringen. handelt oder um Gefühle, die bei ihm zum notwendigen Ausdruck drängen. Dieser mir so vertraute und bekannte Mensch ist gleichzeitig einer, von dem ich nicht sagen kann, dass ich ihn wirklich kenne. Ein schönes Gefühl, einem Siebzigjährigen gestehen zu können, dass man immer wieder auf die Stunde wartet, wo er sich einem erschliesst. Er liebt das Leben, und ich wünsche ihm ein volles Leiben. ERWERBT DEN SCHEKEL UEBERNAHME DER INDUSTRIEBANK Bei einer ausserordentlichen Generalversammlung der Israel . Industriebank wurden die Reorganisierung dieser Bank des Industriellenverbandes und die entsprechenden Satzungsänderungen genehmigt Dadurch tritt das Abkommen zwischen der Industr ebank und der Bank Leumi irr Kraft. BAU EINER WERFT IN HAIFA In Den Haag wurde zwischen Israel und einer . niederländischen Werft ein Vertrag über den Bau einer Reparatur. und Neubauwerft in Haifa abgeschlossen. KUERZERER WEG ZUM TOTEN MEER Kürzlich wurde eine neue Strasse eröffnet, die die bisherige Wegdistanz zwischen Beer ncheba und dem Toten Meer um 30 Kilometer verkürzt. Die Strasse erhielt den Namen „Gazellen-Pfad”. Sie führt durch felsiges Gelände »ach Sodom.

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