Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1744 (5.1.1960)
- Date
- 1960-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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-.ilx'*. FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. BUENOS AIRES, MARTES 5 DE ENERO DE 1960 No. 1744 EL EJEMPLAR« en toda la República y ■■ Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? ixq. T. E. 83 . 2613 % ZYPERN UND ISRAEL Dreimal in zweitausend Jahren griffen Juden in das £«.;>.cksal wn Zypern ein — nrd in entscheidender Wei- : e. IL nicht nur Miitelmeergeschichte, sondern geradezu ■Weltgeschichte gemacht hat. Barnabas, ein zyprischer Jude aus Salamis (einer von trojanischen Kriegsveteranen gegründeten Stadt im Osten Zyperns), verkaufte eines Tages sein Land und ging nach Jerusalem, um sich den Jüngern Christi anzuschliessen. Im Jahre 46 kehrte er als Begleiter der Apostel Markus und Paulus nach Zypern zurück, begann sein Missionswerk unter Juden und Nichtjuden der Insel und hatte an dem sensationellen Erfolg teil, als es den Sendboten des Christentums gelang den römischen Pro-Konsul Sergius Paulus zum neuen Glauben zu bekehren, wodurch Zypern das erste Land unter christlicher Verwaltung wurde. Etwa 1600 Jahre später taucht aus dem Geschichtsdunkel Joseph Hanassi auf, ein zum Judentum zurückgekehrter Maranne> der es in einem märchenhaften Aufstieg zum Herzog von Naxis und elf anderen Inseln. gebe acht hh'Jg. Joseph Hanassi beeinflusste, vielleicht sogar bestimmte seinen Gönner, Sultan Selim II., Zypern der venezianischen Stadtrepublik zu entreissen und der Türkei einzuverleiben. Benjamin Disraeli, auch er von ERICH GOTTGETREU Sproseiner Marannynfamilie, ra^m, 1878 Zypern den Türken wieder ab und versprach ihnen dafür britischen Schutz im Falle russischer Angriffe auf die asiatischen Besitztümer des Sultans. Kein Wunder, dass die türkischen Ansprüche in der Zypernfrage sich während der abgelaufenen Streitperiode u. a. auf diese Seniorität gegründet haben. Wenig und nur Ungenaues wissen wir hingegen über die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft auf Zypern, es sind auch kaum irgendwelche Spuren davon hinterblieben, wenigstens nicht aus den früheren Zeiten. Und auch heute gibt es auf Zypern nicht eine einzige Synagoge; für den Gottesdienst an den hohen Feiertagen werden die Amtsräume des israelischen Konsulats in Nicosia entsprechend würdig hergerichtet. Es ist nicht bekannt, wann Juden sich zuerst in Zypern niederliessen, unter den römischen Kaisern soll es ihnen zuerst gut gegangen sein, später wurden sie unterdrückt, zur Zeit des Kaisers Traiun ¿am es dann, um das Jahr lft herum, zu einem Gegenaufstand, von dem der römische Geschichtsschreiber Dio Cassius behauptet, dass die Juden in ihm 240.000 Zyprioten erschlagen hätten — allem Anschein nach eine — krasse Eine Rede Nachum Goldmanns Jerusalem. — Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Nachum Goldmnan erklärte, dass die Verbesserung der Beziehun. gen zwischen Ost und West auch zu einer grösseren internationalen Sicherheit für Israel führen werde. In einer Sitzung des Aktionscomites der Zionistischen Weltorganisation betonte er, dass die Juden mehr als andere die Beendigung des kalten Krieges wünschen. Godmann bezeichnete die letzte Entschliessung der UN über die arabischen Flüchtlinge als die schlechteste, die man annehmen konnte. Er bedauerte die Interesselosigkeit der Grossmächte an dem permanenten Rechtsbruch der Aegypter, die die israelische Schiffahrt durch den Suezkanal behindern. Er bezeichnete das Darlehen, das Aegppten von der Weltbank erhält, als ausssrordentlich bedauerlich weil Rationierung in Israel? Jerusalem. — Das Israeli »ehe Landwirtschafts „ Mini, sterium erwägt Massnahmen zur Rationierung, weil die Regenfälle in diesem Winter ausserordentlich gering sind. Aufgrund der gelte.’den Gesetze kann da' MLMerium ohne weiteres solche Massnahmen ergreifen. (ITÄ) hierin eine Prämie für die Nichterfüllung internationaler Verpflichtungen zu erblicken sei. Man müsse durch diese Politik mit grösseren Schwierigkeiten und Komplikationen für die Zukunft rechnen. Goldmann meinte ferner, dass die Lage im Mittleren Osten geklärt werden müsse, falls die bevorstehende Gipfelkonferenz Erfolg haben sollte. Da Russland an allen künftigen Regelungen einen erheblichen Anteil haben wird und gegen Israel eine unfreundliche Haltung einnimmt, muss man skeptisch sein, ob die berechtigten israelischen Interessen hinreichende Berücksichtigung finden werden. Ein Scheitern der Gipfelkonferenz wird die allgemeine Lage erschweren und die Spannung in der Welt erhöhen. Israel habe einige Jahre verhältnismässiger Ruhe hinter seih. Aber die Lage verschlechtert sich, weil die Isolierung Israesl anhält. Goldmann sprach auch über die Lage der Juden in den Ländern der Diaspora. Er sagte, dass die Juden in allen Ländern — mit Ausnahme der arabischen Staaten — Gleichberechtigung geniessen. Die Juden müssen sich gegen alle Tendenzen einer Assimilation verteidigen, die besonders in den westlichen Ländern bemerkbar sind. (ITA) Entstellung, aber von einigen modernen Geschichtsschreibern wie Patrick Balfour unbesehen übernommen. Die Juden wurden teils ausgerottet, teils von der Insel verwiesen, kamen später wieder, beteiligten sich an einem zweiten Aufstand im 7. Jahrhundert. Als fünf Jahrhunderte danach Benjamin von Tudela Zypern besucht, findet er hier eine Art Reformgemeinde: sie feiert den Sabbat von Sonnabend früh bis Sonntag früh. Juda Leon Mosconi, ein Talmudforscher und Philosoph aus Mazedonien, trifft jüdische Gemeinden auf Zypern im 14. Jahrhundert an, und sie scheinen schon damals verschiedene Pflanzungen angelegt zu haben — Vorgänger jüdischer Kolonistengruppen, die hier gegen Ende des vorigen Jahrhunderts herkamen: die erste, die aus Russland stammte, siedelte sich 1883 bei Paphos an; eine zweite Gruppe kam 1885 aus Rumänien; auch die ICA Baron Rothschilds brachte Einwanderer — aber im grossen und ganzen hatten diese Versuche wenig Erfolg, und im allgemeine» strebten die Siedler von hier zu den ersten frühzionistischen Kolonien in Palästina. Der letzte grössere und ebenfalls erfolglose Versuch jüdisch _ kolonisatorischer Zypernbesiedlung vor dem ersten Weltkrieg wurde 1906 mit hundert russisch-jüdischen Familien aus Poltawa unternommen. Mit der wachsenden jüdischen Einwanderung nach Palästina unter dem britischen Mandat und unter dem Einfluss der jüdischen Migrationsbewegung seit 1933 wächst wieder das jüdische Interesse an Zypern und wird aktiv. Vor allem waren es jüdische Einwanderer aus Mandats-Palästina, die auf der klimatisch und bodenmässig verwandten Insel die ersten grossen Zitrusplantagen anlegten. Da Zypern nördlicher liegt als Israel werden hier die Orangen später reif, und man kann hier dickschalige Apfelsinen essen, wenn es in Israel nur noch „Valencias” gibt. Ebenso sind die Erdbeeren in Zypern zuerst von Israelis angepflanzt worden, sie wachsen dort erst seit vier Jahren — während andererseits die Entwicklung der Sämereien auf Zypern einem „direkten” jüdischen Einwanderer aus Regensberg in Pommern zu danken ist, der im Landwirtschaftsdepartment der Zypern-Verwaltung arbeitet. Um auf die Israelis zurückzukommen: ihre Initiative hat Zypern auch „zur Luft” geholfen, denn zweimal wöchentlich gibt es jetzt durch „El Al" eine direkte Nicosia-Lydda - Verbindung und erst recht auch zur See. Zims Passagierdampfer legen hier an, und israelische Schiffe transportieren ein Drittel des zyprischen Zi trus-Exports, ebenso einen grossen Teil der Kupfererze und des Astbestmaterials, das auf der Insel abgebaut wird, nach Europa. ■ Die israelische Kolonie in Zypern ist heute etwa ebenso gross wie die älter eingesessene zyprisch _ jüdische Kolonie von etwa hundert Familien. Die Israelis sind zu einem Teil Solei Bone- Leute, die dort verschiedene öffentliche Bauarbeiten für die ehemals englisch jetzt gemischte Verwaltung durchgeführt haben oder auch Bauaufträge fürs Militär. Wenn die zyprische Unabhängigkeit von der Koexistenz der griechischen und türkischen Bevölkerungsgruppen zur wirklichen ökonomischen und allgemeinen Kooperation führt und damit eine der wesentlichsten Voraussetzungen für eine glückliche Zukunft Zyperns gegeben ist, könnei. auch Israels Beziehungen mit der nahen Insel die einer freundschaftlichen, engen Zusammenarbeit werden. In diesem Zusammenhang kommt verschiedenen kürzlichen Geschehnissen eine gewisse symptomatische Bedeutung zu. Eine Delegation zyprischer Farmer nahm am Landwirtschaftskongress in Israel teil. Das ausgezeichnete Maler George Pol. Georgiu aus Famagusta kam nach Jerusalem, wo er im Bezalel- Museum eine charakteristische Auswahl seiner Bilder ausgestellt hatte. Zur Feier des Unabhängigkeistages erschienen in Israel Makaois, Kutchuk und mehrere Mitglieder der neuen zyprischen Uebergangsregierung unter den Gratulanten im Heim des israelischen Konsuls in Nicosia, Perez Leshem. Wenige Wochen darauf kam Dr. Themistocles Derwis, Bürgermeister von Nicosia, nach Tel Aviv und Jerusalem, wo er u. a. auch mit Vertretern der Handelskammern in Beziehung trat; Derwis ist in verschiedenen innerpolitischen Fragen ein entschiedener Gegner von Makarios, aber jedenfalls auch ein Mann von Einfluss. Und schliesslich erfolgte in Israel die Ankunft von Michael Pissas, des Generalsekretärs des zyprischen Freien Gewerkschafts - Bundes. Dieser lud im Namen Makarios die Histadrut ein, eine grössere Delegation zum ersten Unabhängigkeits - Kongress seiner Gewerkschaft zu entsenden. Die . Histadrut nahm die Einladung an; Reuben Barkatt leitete die israelische Delegation und besprach u. a. mit den zyprischen Gewerkschaftsführern Organisationsfragen. Makarios’ „Gesandter" nach Tel Aviv, Michael Pissas, betonte bei einer Presse-Konferenz, dass die zyprischen Freien Gewerkschaften nicht nur mit Israel, sondern auch mit den Arbeitern der arabischen Staaten gute Beziehungen unterhalten wollen, unterstrich die Möglichkeit, die 9chon beim Besuch der zypriotischen Farmersdele- Krupp will für ehemalige jüdische Sklavenarbeiter zahlen <T.r t uiig 3 Gemäss einer soeben gemachten Mitteilung Jacob Blaus;ein, Senior - v; Claims ComerJlice, .*>. . rc der Conference ca J'.wist Mai-.'.,;. ' Germany und der Friedrich Krupp Gesellschatt. Eeseii. zustande gekommen, wonach Krupp an frühere jüdische Sklavenarbeiter einen Betrag von zunächst 6 Millionen D-Mark (1.428.000 Dollar) zahlen wird, der bis auf 10 Millionen DM erhöht werden kann. Die endgültige Vereinbarung wurde erreicht nach Konferenzen in Essen und New York, die in einer freundlichen Atmosphäre geführt wurden und zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung dieses schwierigen Problems führten. „Diese Vereinbarung will den besten Interessen der jüdischen Anspruchsberechtigten dienen und ist ein wichtiger Schritt in dem Bemühen, wenigstens zu einem Teil die Notlage der überlebenden Naziopfer zu mindern. Die Vereinbarung mit Krupp folgt dem Muster der im Jahre 1957 zustande gekommenen Vereinbarung zwischen Claims Conference und der I. G. Farben Gesellschaft”, erklärte Jacob Blaustein. Es wird angenommen, dass ungefähr DM 5.000 — an jeden anspruchsberechtigten früheren jüdischen Konzentrationslagerhäftling, der in den Krupp-Fabriken schwer, gearbeitet hat, gezahlt werden. Sollten die von Krupp zunächst für diesen Zweck bereitgestelitten 6 Millionen DM nicht ausreichen, so wird sie weitere Beträge bis zu 4 Millionen DM zur Verfügung stellen, bis die Maximumsumme von 10 Millionen DM erreicht ist. Die jetzt geschlossene Vereinbarung ist das Resultat von Verhandlungen, die seit einer Reihe von Jahren mit dem Ziele geführt werden, den jüdischen Zwangsarbeitern in den Krupp-Werken eine Kompensation zu verschaffen, ohne sie zu zwingen, langwierig? und kostspielige Prozesse zu führen. ■J" gation /lach Israel ahgedeutet wurde - nämlich dass Zypern eines Tages vielleicht eine Brücke für israelischarabische Fräedensverhandlungen werden könnte. Diese Andeutung wurde von einem Teil der zyprischen Presse mit grosser Begeisterung aufgenommen; freilich, bis es so weit ist, wird sicher noch viel Wasser ins Tote Meer enttäuschter Friedenshoffnungen fliessen... Wichtig für die Entwicklung der zyprisch-israelischen Beziehungen der Zukunft ist natürlich, dass sie ihren Ausdruck auch in verbesserten Handelsbeziehungen finden, die zur Zeit recht einseitig sind, da Israel für ungefähr fünf mal so viel an Zypern verkauft wie es von dort bezieht. Israel lieferte in den letzten Jahren u. a. Phosphate und andere Chemikalien, Zement, Sperrholz, Kartonmaterial, Textilien, Lederwaren, Haushaltartikel aus Aluminium und Plastik. Israel bezog von Zypern Maulesel, Häute, Felle, Johannisbrot, Rosinen, Erbsen und Linsen. Auf dem Gebiet der Agrarwirtschaft sind die Möglichkeiten zyprischer Verkäufe an Israel naturgemäss beschränkt, Orangen haben die Israelis selbst. Für die Rohmaterialien, die Zypern verkauft, ist in Israel ebenfalls kein Markt. Auf einem Gebiet jedoch wird Zypern im Laufe der Zeit von erhöhter Bedeutung werden: als Ziel für Studien- und Erholungsreisen. Besonders In den Berggegenden an der Nordküste und im Westen der langgestreckten Insel findet man hier archäologisch hochinteressantes, auch sonst geschichtsspiegelndes, oft romantisch-schünes Zanderland und um es noch einladender und zugänglicher zu machen, geht es nun überall an ein allgemeines Aufbauen, Aufräumen, Renovieren. Das kennen die Israelis aus eigener Erfahrung und haben daher auch Verständnis für das noch Unfertige, Mangelhafte. Die guten Flug- und Schiffs - Verbindungen, die kurze Reisedauer und die freundschaftlich - interessierte Haltung dieses so geschichtsbeladenen Mittelmeerstammes sind jedenfalls wichtige zusätzliche Faktoren, die Insel anziehend zu gestalten, mit der Israel und die anderen Völker des Nahen Ostens in der Erinnerung an eine bisweilen gemeinsame antike Kultur und Zivilisation verbunden sind. Reise nach Afrika Jerusalem. — Der israelische Aussenminister, Frau Golda Meir, befindet sich auf einer Reise durch verschiedene afrikanische Haupt Städte, die sie bereits im vorigen Jahr besucht hat. Sie wird ausserdem an den Feierlichkeiten anlässlich der Unabhängigkeits . Erklärung ■Kameruns teilnehmen. Ferner wird sie bei der Amtsübernahme des Präsidenten Tubman von Liberia in Vertretung des israelischen Präsidenten Ben Zwi zugegen sein. Vor ihrer Abreise empfing Frau Meir den Besuch des neuen Botschafters von Ghana, Bediaku Poku, der demnächst seine Beglaubigungspapiere dem Präsidenten Ben Zwi überreichen wird. Registro de la Propiedad Intelectual N9 624.07« mpreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 8114 ¿'Tv . ,.„v