Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1744 (5.1.1960)
- Date
- 1960-01-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Kults, 5 dt Ebmo dt 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1744 — * CO j Gisc4hk >‘*me r¡* w,t rusalear * Zeatr!1“1* det 10 . 1 ^la lie«« '**“**5 ¡JSÍÍ %t* 7!°°-a Jen* J? WJE m* Usw fa P^der%?* S* *- t; 1311 &s Just Etablierang 111 ier d:¿ 7^% Baeck - Institut vor neuen Aufgaben ung dej lC!leDi tlklMimg ®ä in Israel, a ffl Ländern, w> onUnnien, taj 111 Amerika. —■ '»Pile voal Wurzeln dem aber laufen zusammen. Hier •oli ja auch zahl- ¡che Aktivität be. ui die Politik ier wb Ost-Deutsch- Bti-chaunnistisdi. keinen Hass ge oder die Tsccea, und Ostdeutsch, achtet die Oderie als endgültige, enze. & erzielt' end zu freundr Zusammenarbeit i östlichen Nach i dem Sudcteula; var diese Feststnders wohltueni s nicht, vas » wird; ich weiss e sich unter das politischen oder liehen Druckes die Osten und Westen uw - aber dies« ¡ch und bedrohlich de- 5. Tevet «, Tevet j Tevet 8. ' Tevet 9. Tevet reiche Archive, mit denen das Leo Baeck-Institut Zusammenarbeiten kann — das Zionistische Archiv, das Archiv des Gedenkwerkes „Jad Waschern’', sowie die Nationalbibliothek — versichert mir der neue Leiter der Jerusalemer Zentrale, S. Adler-Rudel, der als Nachfolger von Dr. S. Spier die administrative und wissenschaftliche Hilfsarbeit leitet. Adler-Rudel gehört selbst zu den Mitbegründern des Instituts, und wenn er auch selbst kein Jude aus Deutschland ist, so war er doch dem deutschen Judentum von 1919 bis Ende 1985 aufs engste verbunden, zunächst als Leiter der Abteilung für Arbeits. und Berufsfürsorge bei der jüdischen Gemeinde ‘ zü Berlin und später im Generalsekretariat der Reichsvertretung der deutschen Juden. Er ist ein Fachmann für jüdische Flüchtlings- und Wanderprobleme und vertrat die Sochnut und den Staat Israel häufig in internationalen Gremien für Emigrationsfragen. DIE SPRACHENFRAGE Von Anfang an beherrschte die Sprachenfrage die innere Problematik des Instituts. In welcher Sprache sollen die Forschungsarbeiten und Publikationen erscheinen? Der Gegenstand erfordert zunächst die deutsche Sprache- Das Quellenmaterial liegt natürlich in deutscher Sprache vor, welche auch die Muttersprache der Forscher und Mitarbeiter des Instituts ist, und in dieser Sprache ist der Kreis derer unmittelbar za erreichen, die an den Problemen und Fragen wirklich ” interessiert um die es hier geht. Aber andererseits ist heute die „lingua franca” des Weltjudentums das Englische. Die Masse der Juden Nordamerikas, die viel zu wenig vom deutschen Judentum wissen, können am leichtesten durch englische Publikationen erfasst werden. Auch in Israel wird das Englische sozusagen als die zweite Sprache empfunden. Und vor allem kann die Jugend, die Generation der Kinder der aus Deutschland vertriebenen Juden, in englischer Sprache leichter angeredet werden als in der Mut. tersprache ihrer Eltern. Das Hebräische ist für das Judentum der Diaspora noch immer nicht lebendige Sprache in dem Masse, dass weitere Kreise hebräische Veröffentlichungen voll aufzunehmen vermöchten. Das hat dazu geführt, dass schon das erste Jahrbuch des Insti. tuts 1956, ein stattlicher Band von über 460 Seiten, mit Beiträgen aus vielen Gebieten der Geschichte des deutschen Judentums in der East and West Library, London, in englischer Sprache erschienen ist. Leider liegt nun auch das zweite Jahrbuch, das inzwischen erschienen ist, ausschliesslich englisch vor. Es geht aber nicht nur um die Generationenfrage und um die lateinamerikanische Diaspora, sondern auch — was offenbar bisher übersehen wurde — um Deutschland selbst. In Deutschland finden sich heute weite nichtjüdische Kreise, die ein lebendiges Interesse an jener Geschichtsepoche nehmen, die wir als das Zeitalter der deutsch-jüdischen Symbiose zu bezeichnen gewohnt sind. Es ist heute überaus schwer, Material für diesen Themen- Ton SCHALOM BEN-CHORIN kreis in Deutschland zu finden. 12 Jahre Hitler-Regime haben nicht wieder zu schliessende Lücken in öffentliche und private Bibliotheken gerissen. Judaica in deutscher Sprache wird immer seltener. Hier hätte das Jahrbuch viele dankbare Leser finden können, wenn es nicht nur Englisch erschienen wäre. THEMATIK „Aufgabe und Idee des Leo Baeck-Instituts ist es, zu sammeln und als Besitz des jüdischen Volkes zu erhalten, was Juden im deutschen Sprachgebiet erlebt und geschaffen, errungen und verloren, von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben haben...” In einem programmatischen Aufsatz, „Die geschichtliche Aufgabe”, mit welchem das Bulletin vom August 1957 eingeleitet wird, heisst es: „Das Leo Baeck- Institut hat es sich Zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des deutschen Judentums in seinen letzten 150 Jahren darzustellen. Diese zeitliche Begrenzung ist nicht zufälligen Charakters. Sie weist hin auf die Veränderungen, die mit dem Ende des 18. Jahrhunderts in einem bestimmten biographischen Bezirk des jüdischen Daseins eingetreten sind.” In eklatantem Widerspruch zu dieser programmatischen Erklärung heisst es dann allerdings, 46 Seiten weiter, unter „Aus der Arbeit des Instituts”, dass eine Darstellung des Lebens und der geschichtlichen Wirkung des Josel von Rosheim von Selma Stern-Täubler vorgesehen ist. Er lebte von 1480 bis 1554 und war als „Befehlshaber gemeiner unserer Judenschaft im heiligen Reich” der erste deutsche Jude, der im Mittelalter für die Rechte der unterdrückten Juden erfolgreich eintrat. Nichts gegen diesen grossen Sehtadlan (Fürsprech) des mittelalterlichen Ghettos, aber wo. zu die programmatische Begrenzung auf die letzten 150 Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland, wenn man sich praktisch nicht daran zu halten gedenkt? Noch problematischer ist es, dass als erstes, vom Baeck-Institut subventioniertes Buch (ausserhalb der Reihe der Jahrbücher) ein Werk von Hannah Ahrendt über Rahel Varnhagen („The Life of a Jewess, 1771—1833”, 240 S.) in der East and West Library, London, in englischer Sprache erschienen ist. Ueber Rahel Varnhagrn, d e wie andere jüdische Flauen der Romantik, das Judentum verlassen hat, gibt es, allerdings in deutscher Spra. ehe, eine umfangreiche Literatur. Durchaus zu begrüssen ist es hingegen, dass in New York in deutscher Sprache der Briefwechsel zwischen Leopold Zunz und S. M. Ehrenberg von dem bekannten jüdischen Literaturhistoriker Nahum Glatzer herausgegeben wurde. Leopold Zunz, der Vater der 'Wissenschaft vom Judentum^ braucht nicht vorgestellt zu werden, aber sein Lehrer Samuel Meier Ehrenberg, einer der ersten Reformer in Nordwestdeutschlanu, 1773—1853, der Leiter der Samson-Schule in Wolfenblüttel, aus der Jost und Zunz hervorgingeh, ist der Vergessenheit zu entreissen. Er nannte sich in seinem fortdauernden, regen und freundschaftlichen Briefwechsel mit Zunz „das kleine Licht”, an dem sich seine grossen Schüler entzünden konnten. Ferner wird eine Schriftenreihe von kleineren Bänden von je 150—160 Seiten, ebenfalls in deutscher Sprache, erscheinen, begnntnd mit einem Sammelbuch „Leo Baeck im Spiegel seiner Zeitgenossen” herausgegeben von Baecks langjähriger Mitarbeiterin Dr. Eva Reichmann. Professor Ernst Simon legt eine Arbeit über jüdische Erwachsenenbildung in Deutschland vor, woraus bereits Auszüge im 1. Year- Book und in Nr. 1 des Bulletin erschienen sind. S. Adler-Rudel hat eine Geschichte der ostjiVaisc. en Einwanderung in Deutschland, 1880—1940 verfasst, wofür er der berufene Referent ist. Ein Auszug erschien im zweiten Year-Book. Dr. Ad. Kober gibt eine „Geschichte des jüdischen Religionsunterrichtes” 1880 bis 1933, aus der man vielleicht in Israel einige Anregungen für die Diskussion um die „Thodaa Jehudith” schöpfen kann. Zu den Ehrenpflichten des Instituts gehört eine hebräische Ausgabe von Leo Baecks Hauptwerk ,-Das Wesen des Judentums”. Hier sei die Anrgeung gestattet, endlich auch Hermann Cohens „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums” und Franz Bosenzweigs „Stern der Erlösung” in die hebräische Sprache heimzuholen. Ca. 200 Memoiren deutschjüdischer Persönlichkeiten und Familien liegen in den Zentren des Instituts vor lind sollen in Sammelbänden der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Endlich ist ein Register von Aufsätzen in deutsch-jüdischen Zeitschriften. vorgesehen, da hier für den Historiker ein schier unübersehbares Material vorliegt, das ohne bibliographische Hilfsmittel nicht erschlossen werden kann. GESELLSCHAFT DEI FREUNDE Vor einem halben Jahr wurde die „Gesellschaft der Die BARMIZWAH unseres Sohnes RICARDO CARLOS findet s. G. wam 9. Januar in der Leo Baeck- Synagoge, Vidal 2049, statt. Alfred Friedemann und Frau Ruth geb. Lewinsky Empfang nach dem Gottesdienst und nachmittags von 17—20 Uhr Vidal 2049. Freunde des Leo Baeck-Instituts” ins Leben gerufen, die dasselbe aus einer gewissen Isolation. befreien soll. Schon auf den ersten Ruf iß Israel hin schlossen sich 300 Personen zu einem Kreise der Freunde und Förderer des Instituts zusammen. Finanziell ist das Institut wohl nicht direkt auf die Hilfe eines Freundeskreises angewiesen, da es über das beachtliche Budget von ca. 75.900 Dollar im' Jahre verfügt, die aus den Geldern der Claims-Conference und anderen Wiedergutmachungsfonds stammen. Da Admini. stration und Beamtenstab begrenzt gehalten werden, kann man. dem Bestand des Instituts in der Zukunft unbesorgt entgegensehen; aber aus moralische» Gründen ist es wünschenswert, dass durch den Kreis der Freunde der Kontakt des Instituts mit seinem Leserpublikum intensiviert wird. Hier erhebt sich allerdings die Frage, ob das Institut sich tatsächlich nur auf Publikationen beschränken sollte, oder nicht in. Zusammenarbeit mit der „Gesellschaft der Freunde” den Gedanken der Volksbildung durch Wiederbelegung des Freien Jüdischen Lehrhauses im Sinne Franz Rosenzweigs pflegen müsste. In Zürich z. B. gibt es Ansätze dieser Art, die der Förderung durch das Institut durchaus würdig wären, und auch in Frankfurt a. M. hat sich heute ein kleiner Kreis gebildet, der die Ziele des Baeck-Instituts zu den seinen gemacht hat, der „Gesellschaft der Freunde” beitreten will und wohl auch durch Volksbildungsarbeit im gedachten Sinne anregbar wäre. Ein grosses und weites Aufgabengebiet liegt also noch vor dem Institut als der Sammelstelle für den Hort einer jüdischen Tradition, die uns zur Weitergabe anvertraut ist. Literarische Notizen Mahler-Festival Im Juli 1960 jätart s ch mim 100. Mal“ Gustav Mahlers Geburtstag. Aus diesem Anlass veranstalten die New Yorker Philharmoniker, deren Dirigent Gustav Mahler von 1909 bis 1911 war, ein Festival. Uraufführung Fritz Hochwälders modernes Mysterienspiel „Donnerstag”, das bei den Salzburger Festspielen se'ne Uraufführung hatte, hat im Wiener Burgtheater seine Premiere. In einem grossep Broadwaytheater wird es auch noch in dieser Spielzeit aufgeführt. Ehrenvoll* Ernennung Richter Samuel Friedmann wurde auf drei Jahre zum Kanzler der kanadischen Universität in Manitoba ernannt. Der 51jährige Kanzler, in Russland geboren, ist der erste Jude in Kanada, der einen solchen Posten erhalten hat. PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES Soeben erschienen: VEROKFFENTLiCHUNG DES LEO BAECK INSTITUTES Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart (1959) SELMA STERN JOSEL VON ROSHEIM BEFEHLSHABER DER JUDENSCHAFT IM HEILIGEN ROEMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION Die Geschichte des klugen und mutigen Führers und Anwalts, Trösters und Helfers der deutschen Judenheit in ihrem Kampf um Recht und Freiheit gegen Kirche, Kaiser und Volksaberglaubeo zu Beginn der Neuzeit. (280 Seiten) VEROEFFENTLICHUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN LEO BAECK AUS DREI JAHRTAUSENDEN Wissenschaftliche Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glaubens MIT EINER EINFUEHRUNG VON HANS LIEBESCHUETZ in deutscher Sprache SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN 1 S. ADLER-RUDEL OSTJUDEN IN DEUTSCHLAND 1880 — 1340 ZUGLEICH EINE GESCHICHTE DER ORGANISATIONEN, DIE SIE BETREU¬ TEN, MIT EINEM GELEITWORT VON SIEGFRIED MOSES Eine materialreiche sozialpolitische Studie über das Wanderschicksal einer jüdischen Gruppe im Schatten des Antisemitismus und zweier Weltkriege. -★- 2 ERNST SIMON AUFBAU IM UNTERGANG JUBDESCHE ERWACHSENENBILDUNG IM NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHLAND ALS GEISTIGER W IDERSTAND Eine Darstellung des einzigartigen Kampfes der deutschen Juden um Selbstbehauptung durch die Macht der Bildung angesichts der drohenden Vernichtung durch physische Gewalt. MARGARETE SUSMAN Die geistige Gestalt Georg Simmels «^^Ör?gUng 11110 Deutun§ des allzu wenig bekannten Gedankenguts de* Metaphysiken Geschichtsphilosophen und Soziologen — zugleich ein Denkmal der greisen Schülerin und Freundin für Simmel