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Jüdische Wochenschau · 1959-12-26 · 1742 (26.12.1959) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
20 (1959)
Issue
1742 (26.12.1959)
Date
1959-12-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 — Sábado, 26 d* Diciembre de SV Ano XX. — Mo Unsere Moaus Zur-Hymne ri,^ aä-- w- Die Moaus Zur-Hymne, dia wir zum Chanukka-Fest singen, gehört ahne Zweifel zu den volkstümlichsten religiösen Liedern der Juden. Die in Mitteleuropa mindestens seit 100 Jahren übliche Melodie ist auch vielen geläufig. die wenig hebräisch verstehen und Moaus Zur kaum übersetzen können. Das Lied wurde, oft nur aufgrund einer Umschrift in latenischen Buchstaben oder in deutscher Nachdichtung, immer mit tief empfundener Begeisterung rein aus dem Gefühl der ewigen Gültigkeit des Festgedankens gesungen, selbst wenn sein konkreter Inhalt wenig bekannt geworden ist. Mit der zunehmenden Kenntnis der jüdischen Sprache hat sich die Hymne wieder in ihrem hebräischen Urtext bei uns eingebürgert, xumal die in manchen Gebetbüchern enthaltenen deutschen Nachdichtungen — nicht immer Perlen deutscher Dichtkunst — die jüdische Eigenart des Liedes naturgemäss nur schwach wiedergeben, weil diese Nachdichtungen fast immer unter dem Zwang zu Reim und Rhythmus leiden. Das Lied, ein Pijut (religiöse Hymne), besteht aus 5 — in älteren Gebetbüchern aus 6 — Strophen, die das Namensakrostichon (ein Gedicht, in dem die Anfangsbuchstaben der einzelnen Verse einen Namen oder Spruch ergeben) eines Dichters Mordechai enthalten, in dem die Strophen nacheinan. der mit dem Buchstaben (M, R, D, J, Ch) beginnen. Akrostichische Lieder, statt des Verfassernamens auch mit den Buchstaben des Alphabets und mit Bibelstellen, sind in der synagogalen und weltlichen hebräischen Literatur des Mittelalters zahlreich. Schon die Bibel kennt solche akrostichische Dichtungen (in den Psalmen, von Dr. ALFRED GRUEN (Montevideo) Sprüchen, Klageliedern). Die jüdischen Dichter des Mittelalters waren znr Wiederaufnahme dieser Form wohl auch durch die arabische Poesie ihrer Zeit angeregt worden. Nachstehend soll nun eine der besten dichterischen Uebersetzungen, die in dem Siddur von Michael Sachs enthalten ist, wiedergegeben werden. Die fünf Strophen haben späteren Generationen nicht genügt, da sie die Verfolgungen unter der Römerherrschaft und des Mittelalters nicht berücksichtigten. Infolgedessen verfassten spätere Nachdichter verschiedene „sechste” Strophen, von denen das enzyklopädische i Volksbuch „Scheloh” (Scheue luchot habrit) des palästinensischen Kabbalisten Jesaja Horwitz (17. Jahrh.) allein sieben zitiert. Die folgende Zusatzstrophe, die bei uns zwar ungebräuchlich ist, sich aber doch in einigen älteren unserer Gebetbücher findet (z. B. im Siddur von Sachs und Bleichrode), sei hier noch wiedergegeben. Sie erzählt nicht mehr Geschichte, sondern ist eine Bitte um Niederwerfung der Feinde und um'Erlösung. Während die Verfasser anderer „sechster” Strophen bekannt sind, u. a. Moses Isserles, kennen wir den Autor der hier nachstehend abgedruckten Verse nicht. Die ersten drei Worte ergeben das Akrostichon „Chasak — sei stark”, eine häufige Schlusswendung im Pijutim. Deinen Arm voll Macht entblösse, Lass' des Heiles Stunde nah’n! Walte strafend Du in Grösse, Züchtige des Frevels Wahn! Lange säumt der Rettung Zeit, GESCHICHTE DER JUDEN IM DER BUKOWINA I. von Dr. HUGO GOLD( Tel Aviv, Israel) ein Werk im Grossoktcnrformat — 174 Textseiten — zweispaltig — 41 Bildertaieln — mit 239 Illustrationen — Ausgabe in deutscher Sprache, erschienen im Verlag OLAMENÜ, Tel Aviv, POB. 3002, Israel Pr*i»; M USA-Doilu. Lunrntgik«: f 96.— OSA-Dolle i .EIN BLEIBENDES KULTUR- HISTORISCHES DENKMAL...” Dr. HANS LAMM: Hon Juden in 100 Aufsätze prominenter Autoren. 50 Büder NER.TAMID-VERLAG MUENCHEN — AUGUST EXTER-STRASSE 36 Ohne Ende währt das Leid. In der Trübsal finstre Nacht Scheuche Du die frevle Macht, Und die Retter halt bereit! Der Paitan Mordechai, der die ersten fünf Strophen gedichtet hat, ist bis heute noch nicht endgültig identifiziert. Man weiss eigentlich so gut wie garnichts von ihm und nimmt nach der Form der Dichtung, deren Versbau stark an die mittelhochdeutschen Minnelieder erinnert, an, dass er im 12. bis 13. Jahrhundert gelebt hat, vielleicht also ein Zeitgenosse des jüdischen Minnesängers Süsskind von Trimberg war. Die Dichtung, die keinen Anspruch auf hohe künstlerische Qualitäten erhebt, ist einfach, an vielen Stellen durch zahlreiche biblische und geschichtliche Anspielungen nicht überall auf den ersten Blick verständlich. Der Verfasser, der natürlich in der Bibel gut Bescheid wusste, betreibt eine Art Mosaikspiel, denn er nimmt wörtlich oder etwas abgeändert Bibelstelle;, die er gebrauchen konnte, und setzt sie zu einem neuen Muster zusammen. Der Inhalt des Liedes ist ein kurzer Gang durch die jüdische Leidensgeschichte. Jede Strophe behandelt einz der grossen nationalen Notzeiten und ihre UeberwiRdung. Die erste Strophe gilt dem Ausblick auf die Zeit der Wiederherstellung des Tempels. Es behandelt dann DIE MENORA AUF DEN BERGEN JUDAEAS 2 (roaus) die in Aegypten, Helena Szere5zewska: Zwi_ sehen Kreuz und Mesusse In seiner Schriftenreihe bringt'der Verlag der polnischen Juden die Aufzeichnungen einer jüdischen Frau, die aus dem schon brennenden Ghetto in Warschau entrinnen konnte und der es dank ihres „arischen Aussehens” gelang, mit ihren Töchtern im Untergrund zwischen den Polen auf der „arischen Seite” sich zu verbergen und dort das Massaker durch die Deutschen, die auch die Polen ausrotten wollten, zu überleben. Die Berichte, die Frau Szereszewska ohne jegliches Pathos und dichterische Feinheiten der Oeffentlichkeit übergibt, sind Tatsachenberichte über die lebensgefährliche Situation für die Juden inmitten der ihnen feindselig gesinnten Bevölkerung auf der „arischen Seite” während der deutschen Besetzung. Es steht wohl einmalig in der Geschichte der Menschheit da, dass ein besiegtes Volk in so verräterischer Weise gegen einen Teil der Bürger des Landes, der nur ein Zehntel der Bevölkerung ausmachte, vorging und sie unter dem fadenscheinigen Vorwand beraubte, dass sie doch im Grunde Volksdeutsche wären. Frau Szereszewska verbarg sich anfangs in einem polnischen Kloster, dem ein Altersheim angegliedert war. Auch hier zwischen den Pokonnten die Lager keine neuen Häftlinge mehr auinehmen, weil alle Verbrennungsöfen damals mit Hochdruck arbeiteten, um die Massen Vernichtung der „minderwertigen” Rassen durchzuführen, weshalb sie keinen Platz für neue Opfer mehr hatten. Dieser Bericht ist vielleicht der erregendste des ganzen Buches, der uns dann weiter die Erlebnisse in einem Zwangsarbeitslager in der Umgebung von Berlin in der Nähe von Köpenick schildert, wo die polnischen Frauen zu Zwangsarbeiten eingesetzt wurden. Die Behandlung der Häftlinge war jetzt schon etwas menschlicher, weil die Russen schon in drohender Nähe vor Berlin standen und die deutschen Herrenmenschen schon kleinlauter geworden waren. Auch hier im Lager, in dem die Arbeitssklaven unter menschenunwürdigen Umständen hausen mussten, waren die wenigen Jüdinnen, die auf falschen arischen Papieren vegetierten, vor der Verfolgungswut der Polinnen nicht sicher. Nur dem Umstande, dass beide Frauen polnisch, russisch, englisch und deutsch perfekt sprachen und als Dolmetscherinnen auf dem Görlitzer Bohnhof verwandt wurden, verdankten sie ihr Leben und das des Kindes. in Strophe Knechtschaft Strophe 3 (dewir) Jerusalems Fall und die babylonische Gefangenschaft, Strophe 4 (keraus) die Purimgeschichte, Strophe 5 (Jewanim) die Hasmonäerzeit und die später hinzugefügte 6. Strophe (chassauf) die Leiden unter der Römerherrschaft und während der Kreuzzüge. Die Bedränger Israels werden nicht überall direkt genannt, sondern oft nur umschrieben und zwar mit folgenden Bezeichnungen: Malchut egla für Aegypten 1) (Pharao wird jedoch genannt), Noges 2) für Nebukadnezar, Agagi für Haman, Admon für Rom (Edom). Ferner wird Israel bezeichnet mit Segulla (Kleincdt, Schoschannim (Liliensöhne), ¡Jerusalem mit (Daewir 3) ¡kodscho, Mordechai aus der Purimgeschichtt mit Jemini. Das Lied spricht in den ersten fünf Strophen, mit alleiniger Ausnahme des 4. Verses der 1. Strophe nesabeach, wie viele pijutim in der Ich-Form und unterscheidet sich hierdurch wesentlich von der bekannten kollektiven Wir-Form der meisten jüdischen Gebete und Gesänge. Die Personen des Pijut sind: Ich — das Volk Israel (einmal auch „wir”), das der Dichter in sich verkörpert, sie (Mehrzahl) — die Feinde, Du urd Er — Gott. Im übrigen ¡kommt in dem ganzen Liede weder der Gottesname noch eine seiner bekannten Umschreibungen vor. Die seelische Haltung der Hymne ist Gottvertrauen und nationale Hoffnung, Stolz, aber auch Schuldgefühl. Dies kommt in der 3. Strophe zum klaren Ausi druck entsprechend der historisch-religiösen Grundauffassung: Wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande ve:tri:bzn (Mussafgebet). Trotz gewisser Mängel im Ausdruck hat das schlichte Lied eine unvergleichliche Popularität erlangt und erhebt alljährlich viele Millionen jüdischer Herzen zu neuem ’Lebenswillen und Zukunftsglauben Dieses Buch ist wohl das erste überhaupt, welches das Leben der Juden, die linnen, von denen viele frü- ¡sich auf der „arischen Seite” ,_;„’,3_TA—1 ‘ her in der deutschen Provinz 'versteckten und Zwangsar- Posen gelebt hatten und beit leisteten, schildert deutsch sprachen, waren die wenigen jüdischen Frauen, die sich dort versteckt hielten, nicht ihres Lebens sicher und wurden mitleidslos von den Insassen verraten, bis diese alle selber in einer Sonderaktion erschossen wurden, um Raum für deutsche Soldaten zu machen. Dieser Ausrottung entging . Der ■Bericht ist wie alle anderen 'grausig und entsetzlich, aber er schliesst rieh, wie alle anderen mit dem tragischen Tode seines Verfassers. Die Autorin wende* sich vor allem an die jüdischen Frauen, und es wäre daher begrüssenswert, wenn dieses (Buch ins Spanische übersetzt 1) In Jer. 46,20 wird Aegypten ein „wunderschönes Kalb” genannt — ein Land hoher technischer und ästhetischer Kultur, aber doch auf tiefer religiöser Stufe. 2) Noges hiessen schon d e Fronvögte, die die Juden in Aegypten quälten. Da das Wort auch Herrscher bedeutet, ist es etymologisch dasselbe wie Negus, der Titel des äthiopischen Kaisers. 3) Dewir ist das Allerheiligste, der nur einmal im Jahr, am Jom Kippur, zu. gängliche hinterste Tempelraum, in dem die Bundeslade mit den beiden Gesetzestafeln stand. Das Wort kommt sicherlich yon dowar sprechen, sodass es eigentlich Spruchstätte bedeutete. - , würde, um es einem die Verfasserin nur wie! grösseren Leserkreis zugäng. durch ein Wunder, da man ihre Tochter mit ihrem Kinde nicht in dem von deutschen Truppen umstellten Kloster übernachten lassen wollte. Bei den Kämpfen der noch lebenden Ghettoinsassen und polnischen Aufständler wurden die Frauen in einer Grossaktion zusammen mit tausenden Polinnen aufgegriffen und mit einem Gespensterzug kreuz und quer durch ganz Deutschland von einem Konzentrationslager zum anderen geschickt. Doch zu dieser Zeit lieh zu machen. ME IR FAERBER (Tel Aviv): iS PARLAMENT ISRAELS Eine sende interessante und zusammenfas- Darstellung der zehnjährigen Geschichte des Knesset. Preis IL 1.600.— Bestellungen durch die Adm. der Jüdischen Wochenschau, Pueyrredón 2190, 1* Israel - Marken (n grösster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTEN NUM- MER — MARKE» MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) — VOLL- STAENDIGE SAMMLUNGEN - WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTE SERIE VORHANDEN - VERTRAUENSWUERDIGE BERATUNG Alfonso MORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 CABfLDO . 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