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Jüdische Wochenschau · 1959-12-22 · 1741 (22.12.1959) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
20 (1959)
Issue
1741 (22.12.1959)
Date
1959-12-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 Martes, 22 de Diciembre de 195t L A SEMANA ISRAELITA A Se XX. — No. 1741 Diese Lichter sind „Hanerot hallalu kodesch hejm...” „Diese Lichter sind heiliff, und es steht uns nicht an, uns ihrer zu bedienen, sondern allein sie anzusehen...” Wir sagen und singen diesen Satz nach dem Entzünden der Chanukka- Lichter in unseren Synagogen und in unseren Häusern und wir empfinden es wohl kaum mehr, dass wir mit der Deklaration der Heiligkeit dieser Lichter keineswegs etwas Selbstverständliches zur Aussage bringen. Es kommt uns gar nicht in den Sinn, dass irgendjemand an der Heiligkeit dieser Lichter zweifeln könnte, denn Formel und Melodie dieser Sanktifikation sind uns so lieb und kindvertraut, dass die Heiligkeit der Chanukka-Lichter ganz ausser aller Diskussion steht. Aber steigen wir herab zu den Quellen, und es wird sich uns ein weit weniger harmonisches Bild darbieten. Im babylonischen Talmud, Traktat Schabbat 22a findet sich folgende merkwürdige Stelle: „Rabbi Jehuda sagte im Namen Rabbi Aschis, im Namen Rabhs: Es ist verboten, vor der Chanukkalampe Geld zu zählen. Als ich dies vor Schmuei wiederholte, sprach er zu mir: Ist denn etwas Heiliges an einer Lampe?” Der grosse Welse Schmuei, der Gründer der Akademie von Pumpeditha, hat also die Heiligkeit der Lampe und des Lichtes am Chanukka-Fest in Frage gestellt und wird von seinen Genossen dahin belehrt, dass die Benutzung der Lampe zu einem heiligen Zwecke, nämlich zur Verkündung des IVunders, sie seihst heilige. Diese Heiligkeit, sagt Prof. Eugene Mihaly in seinem 'Es- *[ay „Religiöse Erfahrungen im Judentum” ist sozusagen ein Nebenprodukt und sekundär. Nur Menschen, die unseren Quellen fern sind, können Geräte mit Heiligkeit ausstatteten. Hier gilt Ausnahmsweise das vieldeu- Tge Wort: „Der Zweck heij»t die Mittel”, nämlich die eblosen, die Geräte, deren ch die QMubigen bedienen, das Unsagbare dennoch »bar zu machen, um das agreifliche in Symboliken Akten zu wiederholen ld zur Darstellung zu brini en. Aber nicht um diese Fravo«t SCHALOM BEN-CHORIN ge der Religions-Psychologie geht es uns heute und hier, sondern um c'as Aufweisen des Unselbstverständlichen: was uns durch Tradition und Erinnerung, Gewöhnung und Kindheitserlebnis ' dünkt, muss es nicht immer gewesen sein. Das gilt ganz allgemein und das gilt für die Bereiche des Judentums ganz besonders. Hier haben wir den Gegensatz zwischen Schmuei und weite Teile der Diaspora bewegt, die Frage: Wer ist Jude? Rabbi M. Y. Toldeano trat sein Amt an, während diese Frage, die zur Spaltung der damaligen Koalition und zum Auszug der Orthodoxen aus dem Kabinett geführt hatte, erneut in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt worden war. Schon hatte der Kollege Toledaros, der aschkenasische Oberrab- und drei seiner engeren oder weiteren Zeitgenossen. Ständig finden wir den Antagonismus zwischen der strengen Schule Schammais und der sanfteren Hillels. Uns etwa ist es selbstverständlich, zu Chanukka täglich ein Licht mehr anzustecken, und doch wird im Talmud durch die Schule Schammais auch die umgekehrte Au£ fassung vertreten: am ersten Abend acht Lichte anzusteirken, am zweiten sieben und so fort, bis man am achten nur noch ein Licht brennL., Wir sollten uns diese Verschiedenheiten der Auffassungen ins Gedächtnis rufen angesichts der Frage, die wieder Regierung und Staat VLAIMONU>E$ ü'JpH» 112» 1444 «byCNdl—iriMKfc 9 600.— VERLAG OMEGA, BÜENOS AIRES OORRUCKAGA 29M — T. 1. 71-970« Mm bauiahsn durch alle «iimhlii Handlungen und durch ■ar JUZDXSCHX WOCHKKSCHAV FtTETRRESON 919« I* — T. C. «C-««N biner von Tel Aviv/Jaffa, Rabbi Untermann warnend sfine Stimme erhoben und Toledano zugerufen: Sei doch kein Sadduzäer! Nun, man muss kein Sadduzäer sein, und doch kann man andere religiöse Ansichten vertreten als das Oberrabbinat oder die Parteileitung der national-orthodoxen Partei. Die Meinungs- ^eiicKiedeiibeiteh zwischen den Schulen von Hillel und Rcbammai, zwischen Rabbi ^ehuda und Schmuei sind Meinungs . Verschiedenheiten zwischen Pharisäern gewesen, und die Tradition statuiert: „Die Meinungsverschiedenheiten der Gelehrten vermehren die Weisheit.” Zu dieser grossartig-humanistischen Haltung sollten auch wir uns wieder durchringen lind in den verschiedenen Auffassungen eine Quelle der geistigen Erneuerung sehen. Judentum, das sollten unsere orthodoxen Politiker ynd die Würdenträger unseser Hierarchie wieder erfassen, war niemals etwas Statisches, sondern immer etwas Dynamisches. Des grossartigste Zeugnis dieser .Dynamik sind die beiden Talmude, der grosse babylonische und der kleinere jerusalemische. Hier sind die Gespräche der Weisen protokolliert worden, die zur Halakha geführt haben, aber keineswegs immer in einem solchen Beschluss ihren Abschluss finden. Grosse in Israel haben es bedauert, dass eine spätere Zeit der rabbinischen Scholastik anfing, in Werken wie der „Mischne Thora” des Maimonides oder dem „Schulchan Aruch” des Joseph Caro die Beschlüsse, die Halakha allein darzureichen und das grosse und „schöne Gespräch”, das zu diesen Beschlüssen hinführt, nicht zu erwähnen. Die Quellen selbst aber bieten mit anekdotischem Humor gewürzt, diese endlosen Gespräche, dieses ewige Gespräch um das Ewige. — Nichts ist für uns verhängnisvoller, als dieses Gespräch zum Verstummen zu bringen, und gerade das versuchte man im Staate Israel, wenn das Oberrabbinat sich als eine Art jüdischer Vatikan (oder, wie es im Volksmunde heisst: Dathikan...) empfindet und seine Autorität nach der Weise päpstlicher Unfehlbarkeit auffasst. Diese Haltung ist dem klassischen Judentum ganz wesensfremd. So hat Ministerpräsident Ben Gurion sicher sehr richtig gehandelt, wenn er die strittige Frage der Registrierung von Kindern und Mischehen und der Definition des Juden überhaupt, den „Chachamej-Jisrael” den Weisen Israels vorgelegt hat, wobei hier der Begriff Israel nicht geographisch gefasst blieb und unter den Weisen keineswegs nur die Rabbiner zu verstehen waren. Leider hat sich Ben Gurion nicht ganz an die Goethesche Maxime gehalten: Sag es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet... Die Menge, der profane Vulgus, hatte von der Kontroverse längst vor den „Weisen” gewusst und wirklich „gleich verhöhnet”, gleich die ganze Angelegenheit, den ganzen Fragenkomplex in die tiefsten Tiefen parteipolitischer Ranküne und machtpolitischer Machenschaften herabgezogen. Ob es doch möglich sein wird, diese Grundfragen des jüdischen Selbstverständnisses auf ein akademisches Niveau zu heben, muss die Zukunft erweisen. Wir dürfen es sicherlich begrüssen, dass zu den Befragten nicht orthodoxe rabbinische Autoritäten, sondern auch freie Geister im Judentum, wie etwa Professor Martin Buber gehörten. Der Philosoph der Dialogik ist in den grossen Dialog zwischen Macht und Geist, zwischen Israel und der Diaspora mit einbezogen worden, und wir hoffen, dass es gerade ihm, und Männern seiner undogmatischen jüdischen Haltung gelingen wird, mehr Licht in das Dunkel zu bringen, das uns umgibt und bedroht. Gegen Ende seines berühmten Buches „Ich und Du” sagt Buber: „Zersetzung des Worts ist geschehen”. Genau das kennzeichnet die heutige Situation: die Politiker und die Machthungrigen in den höchsten Spitzen der Hierarchie haben das Wort zersetzt. Es wird nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit gebraucht, sondern als Mittel zu verhüllten Zwecken missbraucht. Da verkündigt man feierlich, dass die Entscheidungen der Regierung mit den 'Lehren des Judentums unvereinbar 9ind, und dann wird es für einen Vertreter der selben rabbinischen Instanz, die ein solches Verdikt gesprochen hat, doch unter landsmannschaftlichen Interessenaspekten durchaus möglich, einen Ausweg und ein Kompromis zu suchen und wohl auch zu finden. Aber vorher wird ein verabsolutiertes, ein zersetzendes und zersetztes Wort in die Diskussion geworfen, und Macht wird gegen Macht gestellt, wo man zunächst LITERATUR Stadt der Talmud' In den Wintermonaten des Jahres 1936 konnte der Wanderer, der durch die Abhänge des Galil zieht, die erste freigelegte Grabhöhle sehen. In vielen weiteren Grabungen, die im Anfang von Prof. Mazar geleitet wurden, sind seitdem neue Entdekkungen hinzugekommen. Zuerst glaubt man, nur einen grossen Begräbnisplatz gefunden zu haben, von dessera Vorhandensein man wusste, ohne den genauen Platz zu kennen. In den letzten Jahren wurden auch Teile der alten Stadt ausgegraben, die unter einer Erdschicht verschüttet lagen, neben den vielen neu freigelegten Katakomben. Die Häuser von Kirjat Tivon, dem früheren Kirjat Amal reichen heute bis an den Hain, der zum Begräbnisplatz und Ehrenmal der Schomrim geworden ist. Nach einem kurzen Weg kommen wir zu dem Denkmal Alexander Saids, einem der letzten Vertreter der alten Wächtergarde, der hier auf '4em Hügel gewohnt hat und 1938 gefallen ist. Das Emek Jessre’el ist in seiner ganzen Ausdehnung zu überblicken, mit den bunten Feldern. den Dörfern und Siedlungen... Wenige Schritte enfemt befindet sich ein kleines arabisches Grab, ein doppelkuppliges Gebäude, das dem Platz früher einmal den Namen gegeben hat, Scheich Abrek, ein Wallfahrtsort der Fellachen und Beduinen, die der Ueberlieferung nach, Heilung gesucht haben. Hier hat man etwas abseits von den anderen Ausgrabungen Reste einer Basilika gefunden, die Grundmauern eines grossen Gebäudes, das nach hellenistischer Art Gerichtshalle und öffentlicher Versammlungsort gewesen ist. An den Berghängen findet man heute überall freigelegte Mauerreste, Oel- und Weinpressen, die ehemalige Synagoge mit Säulenstükken, Kapitalen und steinernen Bogen, — das alte Bet Sche’arim muss in der bis heute bekannten Ausdehnung eine grossere Stadt gewesen sein. ** Nach der Zerstörung &s zweiten Tempels wird der fruchtbare Galil zum Zentrum des jüdischen Lebens im Lande, hier leben die Gesetzeslehrer, und hier wer. den die Synagogen errichtet, deren Ruinen an vielen Orten zu finden sind. Sche’arim, das „Haus der Tore” hat an bedeutenden Handelsstrassen gelegen: durch das Emek Jessrel führt der Weg von der Knstenebene nach Osten, zun Jordantal. aber auch die Karawanen, die durch die Berge ziehen wollen, mussten hier passieren auf dem Wege nach Nazaret und Tiberias. Die Blütezeit der Stadt beginnt mit dem zweiten Jahr, hundert, und endet schon io der Mitte des vierten mit ihrer Zerstörung durch Ost- Rom nach einem Versuch der Revolte vieler jüdischer Siedlungen des Galil gegen Byzanz, das nach 337 das Christentum als Staatsreügion anerkannt hat. Der letzte der grossen Tana’iten, Jehuda ha’Nassi übersiedelt um 200 mit den Männern des Synhedrions von dem nahen Uscha nach Bet Sche’arim. Er wird an dem Patriarchen, unter dessen Anleitung und Führung die mündliche Lehre gesammelt wird, geordnet, redigiert und aufgezeichnet. Und die Mischna sollte dann dem wandernden Juden als Gesetzeskodex dienen, de seit jenen Tagen die Lebensführung des Volkes bestimmt und ihm geistigen Halt gibt. Die mündlichen Lehren mussten nach den Untergang des zentralen Heiligtums in Jerusalem schrift lieh niedergelegt werden, da in jener Zeit die Juden anfingen ein „Volk ohne Raum” zu werden, und siel innerhalb des römischen Im. periums ausbreiteten. Der Kodex hatte die Lebensgewohnheiten zu regeln, wit auch die religiösen Formet und die Beziehungen unter einander. Vielleicht noch interessaa- «Äc "^Räubert & r-t noch«el‘ funden W * stets ten gebe0 . den jener W dem nimmt m' sich hier um len Begräbnis und nicht nur der der Juden fast alle Ka den noch gut < nerne Türen, d Angeln drehen das erste Mal, dischen Ornamente ge den sind, wie den der Höhle eine Menora schenkopf. Di die Höhle, di mer 20 » die gegangen ist, c de der Sarto drei Eingängen die Mitteltür zv und 1,1 Meter t rend die andi Zentimeter bre In dieser lang zweigten Höhl marmorne un Sarkophage er wn noch 130 ( während die zerstört und nu die Ornamente zeigen, Vorhand Höhle’ist 44 M< beiden Seiten s ge in den Berg, denen der läng misst und aus v Hallen besteht, Korridore verbu Die Sarkophai gefähr zwei Me nen Meter breit, iimefer bis 1,20 während die I fahr einen hal hoch sind. Da hegt zwischen d Tonnen. Es muss eine Leistung jener um geistige Klarheit ringen sollte, im Lehrgespräch, wie es der plantonischen Akademie und den Lehrhäusern der Tanaiten und Amoräer eigen war. Wir haben die plantonisehe Akademie und das jüdische Lehrhaus in einem Atem genannt und damit die Probleme berührt, die den historischen Hintergrund desselben bildet: den Hellenismus. Der Hellenismus war eine synkretistische Form der Kultur, die das klassische Erbe Griechenlands dem Vorderen Orient vermitteln wollte. Die Makkabäer widersetzten sich dieser die Länder des Mittelmeers vereinigenden Kultur, weil es ihnen um die Heiligkeit Israels ging. Wir haben heute eine analoge Situation: der Gedanke der Demokratie, wie er sich in der Organisation der UN machtvoll dokumentiert (trotz aller Schwächen dieser vöikerumspannenden Völkerversammlung) will seine Herrschaft auch über den Staat Israel anmelden. der als eine westliche De mokratie geplant ist. Die orthodoxen Kreise widersetzen sich gewissen Konsequenzen der Demokratie - Religionsfreiheit, Trennung von Staat und Kirche — uh der Heiligkeit Israels willen die so, wie sie sie verstehen über aller Demokratie uni Gewissensfreiheit steht. Aber wir sollen aus de: Geschichte lernen: der Aulstand der Makkabäer gege> den Hellenismus hat dieses zwar für eine kurze 2Sei verdrängt, dann aber verfielen die Enkel der Makkabäer selbst dem Hellenismus., Doch damit ist das Kapitel Judentum und Griechentum nicht abgeschlossen. E; kam in den Zeitei. der Has monäer nicht zu eine: fruchtbaren Synthese. Blutiger Aufstand einerseits uao würdelose Assimilation andererseits — das war die unfruchtbare Alternative. Ei sollte noch Jahrhundert« dauern, bis die von Phil« von Alexandrien angebahnt« wirkliche Synthese von grift chiscbem und hebräischen Wir aus Gescl sit£ laurier Ls gibt die , -UcL «Wahr: ®aip é i»*y? * ^es ¿ der df aueb der h *■>** fiad fit AS iüfunZ6 Gehers Ch2SW‘,

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