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Jüdische Wochenschau · 1959-12-15 · 1739 (15.12.1959) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
20 (1959)
Issue
1739 (15.12.1959)
Date
1959-12-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Theodor Chile M2 Herzl ♦ * OselMnfr I. 37-3797 Das Wort des Propheten „Nicht durch Heeresmacht und nicht durch rohe Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen.” Dieses Wort des Propheten Sejarcha spricht am Sabbat des Chanukkafestes immer wieder mit besonderer Eindringlichkeit zu uns Juden, die wir eigentlich, nach allen Erfahrungen unserer Leidensgeschichte und bei Beobachtung der Beziehungen zwischen den Nationen der Welt, die so oft Macht und Gewalt als poli- - tische Instrumente verwenden, zu änderen Ergebnissen' kommen müssten. Und es ist gut so, dem Chanukkageiste entsprechend, dass wir die Mahnung des Propheten vernehmen, seine Verheissung, die aus’ tiefem religiösen Glauben, aus Erkenntnis Gottes und aus weiser Lebenserfahrung kommt. Wenden wir den Blick in die Geschichte zurück, so bietet sich in der Epoche, von der Chanukka erzählt, dem Beobachtenden ein seltsames Bild dar: Antiochus Epiphanes versucht mit Gewalt, hellenistische Anschauungen und griechische Lebensweise bei den. Juden Palästinas einzuführen, die anders reagieren, als es der mächtige syrische König erwartet. Sie trotzten königlichen Befehlen, wurden also politische Rebellen. Auch schon früher hatte es Zeiten gegeben, da unsere Lehrer, um des Lebens der Gläubigen willen, vorübergehend viele religionsgesetzliche Vorschriften aufgehoben hat. ten; nur, immer und unter allen Umständen, blieben dem Juden drei Dinge verboten: Götzendienst, Mord und Frauenschändung. Doch Epiphanes zwang den Juden den Götzendienst auf. Die Märtyrer unter Hadrian sind in einer späteren Zeit in Thorarollen gehüllt auf dem Scheiterhaufen gestorben, weil sie trotz des Verbotes weiterhin die Thora lernten. Die makkabäischen Märtyj rer aber erduldeten unmenschliche Qualen, weil man sie zwingen wollte, vom Schweinefleisch des heidnischen Opfermahles zu essen. Unter Hadrian haben sich die Juden erhoben wegen des Beschneidungsverbotes und wegen des Baues eines Jupiter-Tempels auf dem heiligen Tempelberg. Der makkabäische Aufstand entbrannte aber nicht, weil heidnische Götter in Jerusalem eingezogen waren oder weil Beschneidung oder Sabbatfeier verboten wurden, sondern Mathatias, der Priester, griff zu den Waffen, weil des Königs Abgesandte Ort für Ort aufsuchten, um die Bevölkerung zum heidnischen Opfer zu veranlassen, mit anderen Worten: jeder Jude sollte für den neuen Glauben erfasst, nicht nur das alte Gesetz der Thora sollte aufgehoben, sondern ein neues „Religionsgesetz” eingeffthrt werde«. (CHANUKKA-GEIST) Die Makkabäer fühlten die grosse Bedeutung jener Stunde. Um der Reinheit des | Glaubens, der Gewissensfreiheit, der Heiligkeit des Tempels und des Familienlebens willen, nahmen sie den ungleichen Kampf auf. Der mächtige Gegner hatte die selbstgewählte Absonderung des jüdischen Volkes, seinen ihm eigenen Lebensstil, brechen wollen, jene Absonderung, welche die jüdischen Griechenfreunde, die. jüdischen Hellenisten, als Nationalunglück und Ursache allen Leidens ansahen. Doch den Juden, welche an der Lehre Mose festhielten, am Gottesgesetz, erschien ihr Sonderdasein notwendig und selbstverständlich als Schutzwall gegen den Wahn des Götzendienstes. Sie fühlten sich im Besitz des reinen Gottesglaubens, dessen vor vielen Jahrhunderten entzündetes Licht sie vor dem Verlöschen bewahren wollten. Genau drei Jahre, nachdem am 25. Kislew des Jahres 167 (vor der übi. Zeitr.) zum ersten Male im Tempelvorhof auf Moria den heidnischen Götzen Opfer dargebracht worden waren, konnte im gereinigten Heilig :um Chanukka, das Fest der Tempelweihe, begangen werden. Dazwischen lagen schwere Kämpfe, Heldentaten ohnegleichen, lagen die glorreichen Siege Juda Makkabis und seiner Getreuen bei Emmaus und Bet Zur, hatten „die Wenigen über die Vielen triumphiert”, waren Wunder über Wunder geschehen. Ruhmreiche Waffentaten vermochten, dem jüdischen Namen neue Ehre und Ansehen zu verschaffen, weil ein heroischer Kampf für eine gerechte Sache und eine erhabene Idee geführt worden war. Deshalb hatte die Erinnerung an den Makkabäer- Aufstand auf die neue jüdische Generation, die sich in den Tagen von Theodor Herzl und Chaim Weizmann, in unserer jüngsten Epoche, ihres Judeseins bewusst wurde, so besonders nachhaltig wirken können: auch sie fühlte, dass sie für die Reinhaltung ihres Volkes, für die Wahrung seiner nationalen und kulturellen Eigenart schwere Opfer werde bringen müssen. Und sie brachte diese Opfer für die Rettung von Juden nach Erez Israel, für die Sicherung der Grenzen des jüdischen Landes, für ein künftiges starkes Israel in der Gemeinschaft aller friedliebenden Völker. Im letzten Sinne ist man sich aber bewusst, dass der Makkabäergeist, den uns Chanukka Jahr um Jahr aufs Neue näher zu bringen versucht, jener Geist des Propheten Sejarcha ist, der vom Recht und vom Frieden spricht als dem Endziel des aufgezwungenen Kampfes, nach dessen Ueberwindung der grosse Tempel des ewigen Lichtes errichtet werden muss, der Tempel einer geeinigten Menschheit. Curl Wiik Die Kattowitzer Konferenz von JOSEF FRAENKEL Jede der sieben Reisen von Moses Montefiore, dem philanthropisch . religiösen Zionisten, nach Palästina, vom Jahre 1827 bis 1875, erregte Sensation in der jüdischen Welt und lenkte die Aufmerksamkeit auf Erez Is. rael. Im Jahre 1827 war das Land öde, im Schlaf, bedeckt mit Sand und Malaria, und es lebten .einige Tausend Juden, Chalukka-Juden, in Jerusalem, Hebro, Safed und Tiberias; aber um dieselbe | Zeit tauchten die ersten Strahlen der zionistischen Morgenröte in der Diaspora auf. Im Jahre 1875 sah Moses Montefiore auf seinem letzten, dem siebenten Besuch, die ersten Blüten des neuen Landes — die ersten jüdischen Kolonisten und Arbeiter. Palästina hatte schon eine landw irschaftliche Schule, und Mikwe Jisrael war im fünften Jahr. In der Zeit von 1875 bis 1882 stieg der Zahl der Einwanderer, Lawrence Oliphant hatte schon sein Werk „Das Land Gilead” veröffentlicht, Petach Tikwa, Rosch Pina und Rischon l’Zion existierten, Naphtali Herz Imber schrieb die Hymne „Hatikwa” und Chovevei Zion-Vereine entstanden im Osten und im ( Westen. In Charkow entwikkelte eine Studenten gruppe „Bilu” ihre Tätigkeit und manche zogen nach Palästina, und in Wien versammelten sich zehn Studenten und gründeten die „Kadima”. Auch Baron Edmond de Rothschild begann, sich lebhaft für die jüdische Kolonisation in Palästina zu interessieren. Zwanzig Jahre nach „Rom und Jerusalem” von Moses Hess erschien im Jahre 1882 — als Folge der Pogrome in Russland — wieder eine deutsche Broschüre „Auto- Emanzipation” von Leon Pinsker. Er verlangte in wirkungsvollen Ausführungen politische Aktionen und die Einberufung eines „National- Kongresses”, um ein Territorium in Nordamerika oder in der asiatischen Türkei zu erwerben, wo man einige Millionen Juden ansiedeln sollte. Bald erkannte er, dass nur ein Territorium für Juden in Betracht komme — das Heilige Land. Die wichtigste Tat Pir.skers war seine Einberufung einer Tagung der Vertreter der „Chovevei Zion”, die man in der zionistischen Geschichte Kattowitzer Konferenz” nennt. 36 Delegierte aus Russland, aber auch aus England, Frankreich und Oberschlesien versammelten sich am 6. November 1884 im Lokal der B'ne Brit in Kattowitz, unter dem Vorsitz von Pinsker. Die viertägige Konferenz diskutierte finanzielle Angelegenheiten, wie und welche Kolonien unterstützt werden sollten, die Notwendigkeit, ein oder zwei Vertreter nach Palästina zu schicken, um die Lage der Kolonien festzustellen, wie auch die Sendung einer Delegation nach Konstantinopel, um die Beseitigung aller Hindernisse für die Kolonisation zu verlangen. Man wählte ein Zentral-Comite „mit dem Sitz in Berlin oder an einem anderen Ort, je nach dem Bedarf.” Aber bald darauf än- THG THG EHRUNG FUER WUIER WINI Jam Mittwoch, den 16. Dezember, 21 Uhi (pünktl.) im Salon der Confitería Danubio, Pampa 2447/51. 1 Unser Vizepräsident, Herr Curt Wiik, wird bei dieser Gelegenheit vom jüdischen Leben in den USA berichten Hmu?fiir Der bekannte Zeichner und Graphiker Walter Wind ist nach einer beinahe zwanzigjährigen Tätigkeit als ehrenamtlicher Sekretär der Theodor Herzl Gesellschaft aus gesundheitlichen Gründen von seinem schweren Amt zurückgetreten. Der Vorstand der THG hat beschlossen, einen Ehrenabend für seinen geschätzten Chawer Walter Wind zu veranstalten, der am kommenden Mittwoch, den 16. Dezember, um 21 Uhr im Salon der Confitería Danubio, Pampa 2447/51 zur Durchführung gelangt. Wir laden alle ein, an diesem Abend teilzunehmen, Walter Wind ,der einem Manne gewidmet j ist, der beinahe zwei Jahrzehnte hindurch seine Arbeitskraft, seine Zeit und seine wertvollen Erfahrungen dev zionistischen Saehi in der vorbildlichsten Form zur Verfügung gestellt hat. Im Rahmen dieser Veranjstaltung wird der Vizepräsi- dent unserer Organisation, Herr Curt Wiik, der soeben von einer Reise aus den USA zurückgekehrt ist, über seine Eindrücke vom jüdischen Leben in den Staaten berichten. Wir bitten um pünktliches Erscheinen. Unkosten-! beitrag $ 50.—, derte man diesen Beschluss und einigte sich, den Sitz „nach Odessa zu verlegen.” Die Kattowitzer Konferenz war zwar von propagandis.ischer Bedeutung, aber sie erfüllte weder die Hoffnungen noch die Erwartungen. Zwar entstanden neue Kolonien, aber sie waren mehr oder weniger das Resultat der Tätigkeit von Baron Rothschild, dem „Vater der jüdischen Kolonisation” Der Beschluss der Kattowitzer Konferenz den Sitz der Leitung in Odessa zu haben, war ein unglücklicher. Rußland war niemals ein geeignetes Land, von wo man eine nationale Bewegung zur Kolonisierung Palästinas lei- Jten konnte. Eine west'uropäische Stadt als Zentrale, sei es Berlin, Wien oder Paris wäre besser gewesen, insbesondere London, mit Colonel Albert E. W. Goldsmid, der noch im Jahre 1882 sich bereit erklärt hatte, die organisatorische Leitung dar jungen Bewegung zu übernehmen. Abgesehen davon, dass die russische Regierung erst im Jahre 1890 die Registrierung des Verbandes „Gesellschaft ZUr Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina und Syrien” bewilligt hatte’,/’ar das „Odessa-Comite” unfähig, Autorität im Osten und im Westen zu erlangm, und auch nicht in der Lage eine richtige Organisation zu etablieren. England, Oesterreich, Deutschland und insbesondere Galizien kümmerten sich wenig um das „Odessa-Comite” und unternahmen selbstäncsige Aktionen, wenn auch im kleineren Masstab. Auch vergass die Kat'owitzer Konferenz, ein Programm für die Bewegung zu formulieren, um die Imagiken °njr *ter Juden zu stär- * n\ kattowitz betrachtete die jüdische Kolonisation als eme interne Sache der Chovevei Zion und richtete weder einen Appell an das jülsche Volk noch an die Na- Welt’ damit sie behilflich seien. zJS* gISSSer Verschied SSk fWskers „Knttowitzer Konferenz” und Theodor Herzls erstem Zionistenkongress in Basel (1897)! In Kattowitz sprach man zu den Vertretern von einigen Chovevei-Vereinen, in Basel dagegen zum jüdischen Val t und zur nichtjüdischen Weit. Das „Odessa-Comité” wsr auch nicht in der Lage, politische Aktionen für ein jüdisches Palästina zu unternehmen. Jüdische Politik für das jüdische Volk wurde niemals in Russland gemacht, sondern in London, Paris oder in Wien. Die Chovevei Zion-Bewegung war niemals s.ark, weder im Osten, noch im Westen. Aber trotz aller negativen Erscheinungen sp e.ti sie doch eine grosse RoiL-, um den Weg für Th;od-.r Herzl und für seinen pol tischen Zionismus vq.zucere - ten. Schon drohte die Ko.onisation in Palästina zu.ammenzubrechen, da ersenisn eine dritte Broschüre, wiejder in deutscher Sprache, — („Der Judenstaat” von Theodor Herzl. aie Juden zui auf, und „Der juaei schmiedete die Juden nem Volke, welches di in die Tat umsetzte. Hess war ein Phil tber kein Praktiker, Pinsker war auch ein tiker, aber kein Orgar doch Theodor Herzl, c sionär, war der erst« sehe Staatsmann und genau so wichtig v, auch der grösste Orga des jüdischen Volkes. Pinsker wusste nichl Hess, und Herzl hatte Ahnung von Hess unc ker, aber durch Hers den Hess und Pinske im Gedächtnis des jüt Volkes leben. SORTIERUNG VON ERDNUESSEN Nunmehr nimmt eine moderne Anlage zum Sortieren von Erdnüssen im Gebiet der Hule-Konzession die Arbeit auf. Einige Wochen später wird dort eine Garage für Traktoren und landwirtschaftlich# Maschinen, die eine Fläche von 1.209 Quadratmetern bedecken wird, eröffnet werden. In beiden Anlagen werdeB insgesamt 220.000 IL zum grössten Teil aus dem Entwicklungsbudget, investiert. Die Zahl der dort, beschäftigte» Arbeiter wird im Sornmcr wie im Winter. 60 betragen.

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