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Jüdische Wochenschau · 1959-12-15 · 1739 (15.12.1959) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
20 (1959)
Issue
1739 (15.12.1959)
Date
1959-12-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German, Spanish
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S — Maries, IS de Diciembre de 1953 LA SEMANA ISRAELITA Año XX. — No. 1739 Zur Krise des modernen Menschen Selten ist ein akademischer Festakt mehr als eine nur repräsentative Angelegenheit, wobei ..preisend mit viel schönen Heden"’ der zu ehrende Gelehrte gefeiert wird. Als aber kürzlich die Hebräische Universität in Jerusalem ihrem langjährigen Professor der Philosophie, ihrem ersten Rektor und dem eigentlichen Schöpfer der Universitäts. und Nationalbibliothek, Prof. Hugo Bergmann, das philosophische Ehrendoktorat verlieh, nahm Bergmann diesen Anlass wahr, um ein echtes Bekenntnis abzulegen. Ein Professor ist ja im ursprünglichen Sinne ein Bekennender, der Profess ablegt. Nach Bergmanns Bekenntnisrede meinte ein Hörer, dass Bergmann eigentlich nicht den Ehrendoktor der Philosophie, sondern der Theologie verdient habe, da der Philosoph hier von einer Ueberwindung der Philosophie her sprach, von der Position des Glaubens aus. Allerdings hat Bergmann schon einschränkend selbst vorweggenommen, dass der philosophische Ehrendoktor nicht eigentlich für philosophische Leistungen im eingeschränkten Sinne verliehen wird, sondern in des Wortes ursprünglicher Bedeutung jedem „Freunde der Weisheit”, den die Universivon SCHALOM BEN-CHORIN tät ehren will. (Hier liegt wohl auch des Rätsels Lösung dafür, dass die Hebräische Universität Dr. Jonas Salk, den Entdecker des Serums gegen Kinderlähmung, mit dem philophischen Ehrendoktorat ehrte und nicht mit dem medizinischen.) Die Philosophie, die man lange Zeit als die Krönung der Wissenschaften ansah, ist heute aber nicht mehr die repräsentative Wissenschaft unserer Zeit, wie Professor Bergmann selbst betonte. Die Philosophie, die in den Jahrhunderten der Scholastik nur als „Dienstmagd der Theologie” gelten durfte, ist heute in den Schatten der Physik gestellt. Unser Jahrhundert ist das Jahrhun. dert der Physik, und das wirkt sieh für den modernen Menschen verhängnisvoll aus, meinte Bergmann mit einem entschuldigenden Lächeln gegenüber Prof. Sambursky, dem Physiker der Universität, der dem Senat angehört, welcher die Ehrung Bergmanns vollzog. Unter Bezugnahme auf einen schweizer Denker der Gegenwart meinte Bergmann, dass in dem Zusammenprall zwischen dem religiösen und technisierten Menschen, der erstere ret- ACE ACE:: Anmeldungen für die Ferien-Kolonie der Arbeitsgemeinschaft in „LOS CARDALES” für die Monate DEZEMBER — JANUAR — FEBRUAR im Sekretariat der NCL Arcos 2C13, nur Mittwochs von 9—11 Uhr. Telefonische Anmeldungen: T. E. 73-3180 Ferienkolonie in Olivos FUER JUNGEN und MAEDCHEN von 4—12 Jahren ▼on Montag bis Freitag von 8—18 Uhr Omnibusdienst ab Plaza Once, evtl. Nordstrecke Anmeldungen: Dienstag und Freitag von Cangallo 1479 — 1? Piso 14—16 Uhr? Mittwoch von Vidal 2957 15% — 16VÊ Uhr Asoc. Filantrópica Israelita! LU ACH (Ka lender) Dienstag, den 15. Dezember 14. Kislew Mittwoch, den 16. Dezember 15. Kislew Donnerstag, den 17. Dezember 16. Kislew Freitag, den 18. Dezember 17. Kislew Sonnabend, den 19. Dezember 18. Kislew Schabbat WAYISCHLACH — Haft.: Owadya 1,1—21 Sonntag, den 20. Dezember 19. Kislew Montag, den 21. Dezember 20. Kislew Dienstag, den 22. Dezember 21. Kislew Mittwoch, den 23. Dezember 22. Kislew Donnerstag, den 24. Dezember 23. Kislew Freitag, den 25. Dezember 24. Kislew EREW CHANUKKA Sonnabend, den 26. Dezember 25. Kislew Schabbat WAYESCHEW — Hft.: Secharya 11,14—IV,7 1. Tag Chanukka — Neumonds-Ankündigung turigslos unterlegen sei. Die technische Eroberung des Himmels durch Flugzeuge und Raketen hat den Himmel im religiösen Sinne für viele nicht geöffnet, sondern geschlossen. Der 'Lärm der Technik hat dem Menschen von heute den Zugang zur Stille geraubt. Nur in der Stille der Meditation aber, glaubt Bergmann, dass eine wirkliche Entfaltung jener seelischen Kräfte möglich ist, die zu einer Ueberwindüng der Krise des heutigen Menschen führen könnten. Eine besondere Variante des Zusammenstosses von Religion und Technik erleben wir allerdings gerade in Israel und im Judentum, Während sich im europäisch-christlichen Raum Religion und Technik in schroffem Antagonismus gegenüberstehen, zeigt sich hier sogar eine Technisierung der Religion. Bergmann hat diesen Gedanken nicht weiter ausgeführt, aber es ist klar, woran er dabei dachte. Wenn etwa von religiöser Seite, bedenkenlos der Vorschlag gemacht wird, die Heiligung des Schabbat durch technische Mittel zu ermöglichen, etwa durch elektrische Melkmaschinen, oder auch durch chemische Mittel, indem man im Schmitta-Jahr, in welchem man nicht säen und ernten darf, in Nährlösungen Gemüse züchtet, sc ist man sich der immanenten Spannungen zwischen diesen völlig unzusammengehörigen Bereichen nicht mehr bewusst. Im Gegenteil: die Orthodoxie hält es für eine Errungenschaft der Neuzeit, alle Mittel der Technik in den Dienst der Religion zu stellen, um dadurch das Gesetz formal zu erfüllen, ohne jene Opfern von den Menschen zu fordern, die vermutlich in der Intention des Gesetzes liegen. Dass solche Technisierung der Religion zu ihrer geistigen Entleerung führen muss, liegt auf der Hand. Hugo Bergmann polemisierte offen gegen Prof. J. Leibowitz, der in der religiösen Studentenzeitschrift „De. f BÄ Aráoz 2854 T. E. 71-9059 ot” ausgeführt hatte, dass das Judentum keine eigene Weltanschauung, keine eigene Theologie oder Philosophie aufzuweisen habe sondern nur aus Gesetz und Brauch besteht. In allen Bezirken des Denkens muss der Jude also auf Eigenständigkeit verzichten und sich nur im Bezirk der Halacha unter das rabbinische Gesetz stellen. Das führt aber, wie Hugo Bergmann betonte, notwendig zu einer religiösen Schizophrenie. Die Einheit des Menschen muss dadurch ja völlig zerrissen werden. Wenn nicht aus dem Glauben die Gegenkräfte zur Technisierung des Lebens mobilisiert werden können, wird die Maschine Herr über uns, statt dass wir Herr über die Maschine sind. (Von den weltvernichtenden Gefahren der Atombombe kann man hier sogar absehen. Diese Gefahr ist so offensichtlich,, dass sie kaum der Erklärung bedarf, obwohl dies ja der Philosoph Karl Jaspers m seinem grossen Werk über die Atombombe ausführlich getan hat.) Verzichtet man, wie dies Leibowitz tut, bewusst auf eine jüdische Weltanschauung, so darf man sich nicht wundern, dass sich ein ethischer Nihilismus breitmacht, jene Haltung des „Mah ichpat li” (was geht’s mich an), die heute leider so typisch für weite Kreise auch der akademischen Jugend geworden ist. Als Bergmann mit tiefer Besorgnis darauf hinwies, dass verschiedene Zöglinge der Universität in der letzten Zeit als Autoren und Autorinnen aufgetreten sind, deren Werke von diesem Nihilismus getragen werden, war es offenbar, dass er unter anderen an jenes viel diskutierte mehr oder minder autobiographische Buch der Yael Dajan dachte, das vielleicht nicht als ganz untypisch für eine bestimmte Seelenhaltung des heutigen israelischen Menschen anzusehen ist. Diese Haltung zeigt den Menschen ohne echte Bindungen und Grenzen. Hugo Bergmann, der durch alle eisheit der europäischen Philosophie, des jüdischen Denkens (er war der erste Westjude der neueren Zeit, der wissenschaftliche hebräi. sehe Arbeiten schrieb) und des fernöstlichen Denkens geschritten ist, konnte der Atomisierung des Menschen in unserem Zeitalter kein kräftigeres Wort entgegensetzen als den 104. Psalm, den Preis Gottes aus den Werken der Schöpfung. Hier wird jene Haltung vertreten, die die Welt in Demut annimmt, ihre Erscheinungen mit Weisheit durchdringt, aber sich dennoch jener Grenzen bewusst bleibt, die dem Menscsen gezogen sind, wenn er sich nicht in Hybris an das Nichts verlieren soll. Wie gross sind deine Werke Herr! Alle hast du in Weisheit gemacht. Die Erde ist voll deiner Güter. (Ps. 104, 24) Für Bergmann bat menschliche Weisheit nur Bestand, wenn sie sich selbst als Fünkchen jener göttlichen W eisheit (Chochma) sieht, die die Welt durchwaltet. Aber gerade dieser Zusammenhang ist dem modernen Intellekt, der sich verabsolutiert hat, weitgehend entschwunden. ...■viwnjinnmuinj ALITALIA In einem Flugzeug der ALITALIA reiste der bekannte Industrielle Costäbile Materazzo in Begleitung seiner Gattin und Nichte nach San Paulo ab. Der bekannte brasilianische Geschäftsmann besuchte Argentinien, um verschiedene mit seinen Unternehmen verbundene Fragen zu regeln. Wir gratulieren unseren lieben Eltern LEON und PAULA BOCHNER herzlichst zu 3 5 , ihrem H O C H Z E I T S T A G ISBERT, MARGOT und CECILIA Buenos Aires, den 15. Dezember 1959 Bulnes 2057 ....““TrniwmiuuuuüiiMjju----— STATT KARTEN Für die anlässlich seines 70. Geburtstages erwiesenen Aufmerksamkeiten dankt herzlich SIEGMUND ROSENBLATT Für die anlässlich ihrer Verlobung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst LEA HERSTIC ARNOLDO ROSENBLATT San Martin 1604, Florida FCNGBM 1,111 *1.—--r.ii~ruwimnjinjLwuuujujtnjuuuujuujiJuujiJUUUUUijj-ji HEUTE ABEND UM 21 UHR 30 auf dem Wochenend- |» platz in Olivos, Av. Lib. Gral. San Martin 2681 EINE VERZAUBERTE EOMMERNACHTl Ein buntes Spiel unter Mitwirkung von BRUNO ARNO, mit MONIKA BESSLER, KARL EWALD, HORST EYDEL, HANKA DOWINSKA, MARTHA JOHN Künstlerische Gesamlleiiung: JACQUES ARNDT 1) Der verwandelte Komödiant von Stefan Zweig 2) Der Heiratsantrag von Anton Tschechow Musikalische und tänzerische Umrahmung Kartenverkauf an der Abendkasse in OLIVOS ZUTRITT AUCH FUER NICHTMITGLIEDER Weitere Vorstellungen: Sonnabend, 19., und Sonntag, 20. Dezember EINE VERZAUBERTE SOMMERNACHT Unter diesem Titel veranstaltet die J.K.G. ihr Sommertheater auf dem Wochenendplatz in Olivos. Zur Aufführung gelangen zwei Einakter: „Der verwandelte Komödiant” von Stefan Zweig und „Der Heiratsantrag” von Anton Tschechow, unter Mitwirkung folgender Künstler: Bruno Arno, Monika Bessler, Hanka Dowins. ka, Karl Ewald, Martha John und Horst Eydel und der künstlerischen Gesamtleitung von Jacques Arndt. Ausserdem erfoltg eine interessante musikalische und tänzerische Umrahmung. Die erste Aufführung findet heute um 21 Uhr 30 statt. Kartenverkauf im Sekretariat bis 18 Uhr und an der Abendkasse in Olivos. (Siehe auch heutige Spezialanzeige). Nächste Aufführung Sonnabend, den 19. Dezember. 8 MENGE NOCH VOR DEN Sommer-Ferien! EINHEITSKAMPAGNE 1959 Annahmestellen: CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL Comité Centroeuropeo SARMIENTO 2376, III T. E.: 47-3820 ,f und sämtliche angeschlossenen Gemeinden und Organisationen IMHh

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