Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 6 (1945)
- Issue
- 344 (9.11.1945)
- Date
- 1945-11-09
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE WOCHENSCHAU 9 de Noviembre de 1945 — Año VI — N? 544 Soeben erschienen: DIE NEUE MONATSSCHRIFT ES RIECHT NACH ESSIG... UNSERE ZEIT IM QUERSCHNITT |> E M INH A L T Oie von »ns gingen ...... P. Walter Jacob Oie Zerstörung des Leipziger Buchzentrums Publishers’ Weekly Oie Technik der At»m*ertrfimmemng Discovery Geräusche . Alfred Polgar Auch Tiere brauchen Psychologen “Die Natur der Tiere” Brief dunes Bücherfreundes . Sling Oer Ferne Osten ... Time "Meine Mutter war eine ehrbare Wäscherin Paul Tabori Theater iu Russland .. World Digest Radar, der sehende Strahl ........... Time Zille über Zille .. Die Bedeutung des totalen Krieges - Tricolor Rückkehr ins Leben . Coronet Pläne der amerikanischen Militärregierung in Japan .• Nation Philippe Hosiasson .. Art News Befreiung vom Zahnschmerz durch Höhenflug . The American Weekly Seltsame Psychologie .... M. Soschtschenko JacobowSky und der Oberst ... Franz Werfel Gedenkmäler . Ignaz Wrobel NOVEMBER 1W> Einzelheit r| centavos m on./arg. SELECCIONES UNIVERSALES EN ALEMAN UNIVERSAL DIGEST IN GERMAN Im Hiicli- und Zeitschriftenhandel erhaelllich GENERA1.4USLIEFERUNG: ""Buenos Aires, Cosmopolita, Corrientes 459 und Sucre 2490. AUSLIEFERUNG URUGUAY: H. Bergmann, Oerrito 724, Montevideo. AUSLIEFERUNG CHILE: Seligsohn, Casilla 6013, Santiago de Chile. AUSLIEFERUNG BOLIVIEN: Librería América, Avenida Camacho, La Paz. BIBLIOTECA DE TEMAS JUDIOS Ghetto .... y prólogo 4,- de / ALEIJEM SCHOLEM: Estampas del ANECDOTARIO JUDIO (Selección Lázaro Liacho) . ASCH SCHALOM: Héroes de la fé (Kiddusch Haschem) ” 3.— id. El Nazareno . ” 10.— BENSCHALOM A.: Surcos profundos .. * 2.50 B1ALIK JAIM N.s Poemas selectos .. " 3.— BROD MAX: David Reubeni .. " 5.50 BUBER MARTIN: El Rabi de la buena fama. ” 3.— CANSINOS-ASSENS R.: Bellezas del Talmud .. ” 3.— CORALNIK ABRAHAM: Gentiles y judíos . *» 2.— FEUCHTWANGER LION: La guerra de los judíos. * 5.50 GERCHUNOFF ALBERTO: Los gauchos judíos. „ 2.— GOLDMAN SALOMON: El pensamiento judío y el universo .'.. ” 3,— GORDON A.D.: De vuelta a la tierra . ** 4.— GUINZBURG ISER: El Talmud . " 2 50 HAAM ACHAD: El sendero de retorno.. „ 3.— HERZL TEODORO: Páginas escogidas . * 6.^- id. Vieja y nueva patria . ** 5.—• HEBREO LEON (LEON ABARDANEL): Los diálogos de amor . ’» 8.— HESS MOISES: Roma y Jerusalem . ” 3,—. JABOTINSKY VLADIMIRO: La nación judía y la — gBcrr>—jrifBÍ' ** 2 50 '’Civilización de Israel .... „ 5.50 J PENSION FI’Li falso^ícsías (Zabbatai Zevi) „ 4.— l IRFRa -*MILK: Palestina Tierra de Promisión ” 4,— tEWINSOHN: Los últimos días de Shylock -~^la de lectura emocionante . ” 3,—. |T7SBACH R.: Nietzsche y los judíos . ” 3.— I CARCU VALERIU: La expulsión de los judíos de España . M 4.-«. MARIN RUFINO: Lo que piensa América del problema judío ........ * 3.— MONIN JOSE: Los judíos en la América española .... ** 2.*— NIJENSOHN WOLF: Reren Kayemet Leisrael .. » 1.— NORDAU ANNA y MAXA: Max Nordau ... „ 6.— NORDAU MAV: Judaismo y humanismo . ” 2.50 PASTORET MARQUES DE: Moisés como legislador y moralista . * 4,— PRINZ JOACHIM: Relatos de la Biblia .. ” 3.— id. Héroes y Príncipes Hebreos (2a. parte de Relatos de lá Biblia) .. „ 3.50 CEC1L ROTH: Historia de los marranos. Cuadros de una época trágica en nuestra historia .. ” 4.— SCHLES1NGER ERNA: Tradiciones y costumbres judías „ 3.50 ZANGWILL ISRAEL: El Rey de los Schnorrers .. „ 3.— id. Soñadores del Ghetto ... .. ” 6.— ZIFF WXLLIAM B.: El rapto de la Tierra Santa. * 2.50 10 % DE DESCUENTO A LOS SÜSCRIPTORES DE LA SEMANA ISRAELITA” QUE MANDAN SU PEDIDO A ESTE SEMANARIO ] Die schändliche Art, mit der! jetzt die Grossen der Erde da* * jüdische Problem und das jüdische Volk behandeln, ruft mir eine an sich unbedeutende und doch bezeichnende Begebenheit aus der entschwundenen Jugendzeit ins Gedächtnis. — Und nun, da ich einmal wieder im kos' baren Schrein der Erinnerungen gekramt habe, den wir alle in unseren Herzen bewahren, möchte ich doch etwas länger bei dieser köstlichen Zeit verweilen, als es dieser Aufsatz erfordert. Denn gerade jetzt sollten wir Alten öfter in den Erinnerungen an jene Zeit und an jene Menschen herumstöbem, die so ganz anders waren als die heutige Generation, in ihrer Zeit afoej so lebensnahe und so lebensfroh und lebensklug, dass sie jeden von uns in unserem Tun und Denken mitgeformt haben. Sie sind gestorben, aber sie sind nicht tot; sie leben in uns fort als Mittler der Ueberlieferung zwischen ihren Altvorderen und uns Alten, die «vir ihnen so viel verdanken. Und deshalb tragen wir ihre Art und ihr Gedächtnis zu einer neuen! Generation, damit Sitte, Gefühl j und Pietät weiterzuleiten in die I Zukunft .. .. i *! Es war in den achtziger Jahren j des vorigen Jahrhunderts. Ich war Schüler des Königlichen I Gymnasiums in Wongrowitz, das , mein Jugendfreund Carl Busse, der sich später als Lyriker einen; guten Namen gemacht hat, in seij ner Novelle “Die Schüler des Gym-; nasiums zu Longowo” freundlich! verewigt hat. Ich bewahre heute I noch Briefe von ihm und einem j anderen Mitschüler, dem polnl- | sehen Schriftsteller Stanislaus | Ptzybiszewiski, auf, wie ich die vergilbten Briefchen der ersten holden Jugendliebe mit übers! Meer gebracht habe... Wongrowitz war ein Städtchen von etwa 5000 Einwohnern mit einer erheblichen Anzahl jüdischer Familien, die sowohl in wirt-! schaftlicher wie in kultureller Be- | Ziehung einen bedeutenden Ein-! fluss hatten, während die Zahl der j deutschen Einwohner verhältnis-! mässig gering war. Mitten durch I die Stadt floss die Wolna über die; Breite Strasse hinweg, an deren | Brücke die Wassermühle des Herrn, i Uecker klapperte, eines deutschen Antisemiten vom guten alten! Schlage, der zu sagen pflegte: “Die \ Juden müssen raus, aber das Geld und die Maeden behalten wir hier” Mit dem Geld hat er recht behalten. aber die Maeden haben sie gemordet... Wie oft bin ich wohl die Klosterstrasse entlang gegangen, die an der Pfarrkirche vorbei zum Gymnasium führte und darüber hinaus zur Töchterschule und zum alten Cisterienserklaster mit der Klosterkirche und dem Amtsgericht, wo damals der Schuhmachergeselle Wilhelm Voigt mit einem Kasseneinbruch seine glorreiche Laufbahn begann, die dann in der weUerschüttemden herrlichen Köpeniekiade ihren Höhepunkt erreichte... Die Verlängerung der Klosterstrasse bildete die Judenstrasse. Dort war ich in Pension bei zwei alten Leutchen; er hiess Leih Laser, ein kleines stilles Männchen, lieb und fein in seinem Wesen; sie überragte ihn um Haupteslänge und führte ihren Beinamen “die Droschnerin” (die Rednerin) mit vollstem Recht. Sie war eine Muhme meiner Mutter, die sie mir aus ihrer 40 Jahre zurückliegenden Erinnerung als eine stattliche Frau mit einer schönen langen Nase geschildert hatte. Schön lang war ja die Nase, aber schön war sie nicht. Da war auch noch eine Tochter hn Hause, Ulrike, ein grosses, überschlankes, älteres, sehr braves Mädchen, das mit Vorliebe und Begeisterung patriotische und schmalzige Lieder sang. Das Lied “Unser Kaiser liebt die Blumen” habe Ich von ihr gelernt; und wenn sie die letzten Verse ertönen Hess: “Draussen pflückt er sie ün Feld. . Eine kleine blaue Blume, Die er für der schönsten hält”, dann fingen alle Kater der Nach- Von Max Chodziesner barschaft zu jaulen an... Es fand sich dann noch ein Chossen für sie ein, und die Mutter erzählte mir mit Stolz, er sei ganz “chalisch” nach ihr, d. h. er wisse sich vor Liebe nicht zu fassen. Aber eines Tages schnapp e er wieder ab, weil wohl die Mitgift nicht aufzubringen war. So wechselt Liebesglück und Liebesleid- Einst war es diesen Leuten gut gegangen, er handelte mit Produkten, und die grossen irdenen Töpfe mi; Gänseschmalz, Butter und Honig waren nie leer geworden. Die Mürbekuchen und Bobes der tüchtigen Frau Droschenern waren eine Berühmtheit ' von Mieczisko, Janowitz, Znin bis Regäsen, Lekno und Schubin”. Wo man sie hinlegte, blieb ein deutlicher Fetifleck sichtbar. Aber jetzt war Leib Laser alt, das Geschäft ging nicht mehr, und die verheirateten Töchter halten wohl viel vom einstigen Wohlstand fortgeschleppt. Und nun war es manchmal so knapp mit Geld bestellt, dass die — ach — so herrlichen gefüllten IFsche am Freitagabend nicht beschafft werden konnten Da ging ich denn sehr oft am Freitag Nachmittag durch den Garten zum Ufer der Wolna und fing mit meiner Angel ein Dutzend Barsche und Plötzen, die dann am Abend wunderbar mit den eingebrockten Barche.1 schmeckten. Gar oft habe ich mich in späteren Jahren wohl und weh dieser Dinge erinnert und leise dazu gesummt: “Bei Fisch und Fleisch und Kidduschwein, Du heiliger Freitagabend.” Dicht neben uns, gerade gegenüber dem Tempel, wohnte der alte j Reb Hirsch Klausner, seiner Zeit ’ ein angesehener Talmudgelehr-, ter, dessen Kommentare zu den hebräischen Schriften sehr begehrt waren. Es war dies ein Mann, wie es ihn heutzutage wohl nirgends mehr gibt. Er war damals schon über % Jahre alt und hatte ein richtiges Gottvatergesicht, zu dem das Pelzkäppchen und der Pelz, den er Sommer und Winter trug unerlässlich waren. Stets lag auf seinem Antli’z ein mildes, friedlij ehe« Lächeln wie das eines uni schuldigen Kindes. Und wie ein | Kind stand er auch dem praktij sehen Leben gegenüber- Fnmimet, eine wohlhabende Witwe, hatte ihn sich “genommen”, wie meine Mut- I ter mir erzählte, damit er sorglos lernen” könne. Und ich habe oft neben ihm auf seinem Bänkchen vor dem Hause gesessen und auf seine Worte gelauscht; denn er hatte auch weltliche Bildung, und seine Rede war reich an WTz und zierlichen Wortspielen. Einmal kam die arme Frau Hirsch zu ihm mit einer “Kasche”. Ihr Mann war ein kleiner Flickschneider mit dem bezeichnenden Beinamen “Mannekchen”. Sie waren mit Kindern reich gesegnet. Diese arme Frau brachte einen eisernen Topf und jammerte, dass ihr der versoffene Burkewiczaus Gemeinheit Schweineblut hineingegossen habe; sie wüsste nun nicht mehr, worin sie den Kindern das Essen kochen' solle. Da lächelte der alte Reb Hirsch sein gütiges, kindliches Lächeln und sagte: “Nu, nu, Sie mögen den Topf mit heissen Steinen “kaschern” und mit heissem Was-; ser blühen; dann ist er wieder j brauchbar ”. Mit herzlichen Damj kesworten ging Frau Hirsch nach | Hause. Gleich darauf erschien mit 1 einem irdenen Topf ihre Kauswir- Ol £ WELT WO CH kommt! Wir erwarten noch im Monat No vorüber die regelmässige Ankunft dieser schweizer Wochenschrift, welche dank ihres reichen. Inhaltes und vorzüglichen Mitarbeiters^ abs ihre Leser ständig über NEUESTE WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNGSERGEBNISSE — WELTPOLITIK — WELT WIRTS C HAFT — REZENSIONEN UEBER NEUERSCHEINUNGEN DER WELTLITERATUR — AKTUALITAETEN — KUNST — MODE — HYGIENE — auf dem Laufenden hält. Einzelnummer m$n. 0.50. Vormerkungen werden schon angenommen von der GENERA LVERTRETUNG |§ MAIPU 441 CI 1*11 Q U. T. 31 - 4513,32.1311 Belgrano; JURAMENTO 2368 U. T. 73-4777 TECHN. LITERATUR IN ALLEN SPRACHEN ANTIKE BUECIIER kauft und verkauft ROTHSTEIN Chartas 934, Dep. 24 U. T. 31-3296 ( 8—14 Uhr) “Ein mit Geschmack herausgegebenes Buch*.** (Diario Israelita) (6 Dieses Buch, das ebenso gefaeUig wie aus» fuehrlich Zitate und Erzaehlungen weltbekannter Autoren bringt,..*' (Mundo Israelita) tmrd sich dieses Buch sicherlich viele Freunde gewinnen...” , (Gemeindeblatt -VasBUCHÄs LEBENS bv^enkeu Sie dieses mit Enthusiasmus »tilgenommene Buch, das den Traditionen der jue* dischen Familie gewidmet ist, Ihren Frenndeil und Angehoerigen zu Chanuka! Zu erhalten hei Barna, Cosmopolita, Herzfeld, Kaplanski, Pigmalion, Siga!, allen einschlägigen Buchhandlungen des Auslande« und direkt beim Editorial -Estrellas’-. Victoria 2481, 47 -1925.