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Jüdische Wochenschau · 1940-11-08 · 29 (8.11.1940) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
1 (1940)
Issue
29 (8.11.1940)
Date
1940-11-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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r JÜDISCHE WOCHENSCHAU §Ü!’ Rabb. Dr. H. Fuchs SYNAGOGEN IN DEUTSCHLAND Die K-'. £ mehr als neunhundertjährige Synagoge in Worms Frauensynagoge in Schnaittach Der 10. November, Luthers ähnlichen hohen Tora-Schrein. Geburtstag, ist für uns Judei der Tag des deutschen Pogrom geworden, der an 5000 Juden das Leben gekostet hat. Der „Synagogenbrand” dieses Tages reiht sich an den „Brand de Tora”, die Verbrennung von 24 Wagenladungen Talmudhandschriften in Paris 1242, an die wir noch heute am 9. Aw in dem Trauerlied „Scha’ali s’rufa” des R. Meir Rothenburg denken. Es ist noch nicht die Zeit gekommen, den 10. November richtig zu würdigen. Aber den zerstörten Synagogen darf man schon ein Denkblatt widmen! Die 50 bis 60 Grosstädte in Deutschland besasson jede eine, die grösseren mehrere architektonisch wertvolle Synagogen, weiche Zierden der Städte selber waren. Auch viele Mittel¬ und Kleinstätte besassen solche Synagogen. Nur in den grössten Städten wurden einige wenige verschont, im ganzen sicher keine zwölf. Es sind also viele Hunderte, vielleicht an 1000 Synagogen an diesem einen Tage zerstört worden. Die meisten sind radikal dem Erdboden gleich gemacht worden. In viele Städten mussten die Gemeinden ausserdem die Kosten der Zerstörung selbst bezahlen. Manche Gebäude sind allerdings nur innerlich ausgebrannt worden, und die Mauern stehen noch, — unsere jüdischen Burgruinen, — ein Zeugnis für — ja wofür .. .? Die deutschen Synagogen haben ihre Geschichte. In früheren Jahrhunderten waren sie meist klein und schmucklos. Besonders berühmt sind die von Worms, deren älteste Teile 1034 entstanden sind, — sowie die Scheunensynagogen von Hall- Unterlimburg und Bechhofen, deren hölzerne Decken und Wände innen reich bemalt und beschriftet sind. Noch die Barocksynagogen des 17. und 18. Jahrhunderts hatten als Schmuck meist nur ihre hochgestreckten Fenster. Doch hatte immerhin die von Halber - stadt eine schön gemalte Decke, die Mergentheimer ein jonisches Tempelchen als Heilige Lage, und einen Mäander-Fries als Brüstung der Frauen-Empore, die alte Breslauer ein Giebeldach über dem Eingang, und die älteste Synagoge von Berlin einen freistehenden, altar- Der Tempel in Hamburg: Inneres der Scheuensynagoge in Bechhofen Die letztere war viele Stufen tief in 7die Erde hineingebaut, um innen an Höhe zu gewinnen. Man sagte, diese Bauart versinnbildliche das Psalm wort: „Aus den Tiefen rufe ich Doch, Gott!” Als aber seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts die Judenheit in Deutschland einen materiellen Aufschwung nahm, gestaltete sie ihre Gotteshäuser schöner aus. Schon die erste liberale Synagoge in Hamburg war ein solcher „Tempel”; er wurde 1818 eingeweiht und gab Anlass zu dem berüchtigten „Tempelstreit”. In den 20er Jahren folgte München und Hannover und 1837 Dresden (von dem berühmten Semper erbaut). Um die Erlaubnis zu diesen Bauten musste noch stets Jahre lang mit den Behörden gekämpft werden. Seit 1848 änderte sich das, und vollends das Kaiserreich bereitete den Juden keine Schwierigkeiten mehr. Im Stil kann man mehrere Perioden unterscheiden. Die Synagogen aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts hatten noch die klassizistischen Formen, so auch die kleinen Bauten von Laupheim (1822) und Buschau (1838). Seit etwa der Mitte des Jahrhunderts betonte man die Verschiedenheit des Judentums vom Christentum durch den maurischen Stil, weil die Araber in Sprache und Herkunft den Juden nahestehen und ihre Religion ebensostark wie die jüdische die Einzigkeit und Unbildlichkeit Gottes betont. Farbenreiche Arabesken waren deshalb hier wie dort der gemalte Schmuck, so in der grössten Synagoge von Deutschland, der „Neuen Synagoge” in Berlin, die Knobloch 1866, mit zwei übereinanderliegenden Frauengalerien und über 4000 Plätzen erbaute. Diese Synagoge hat ein entzückendes Tempelchen vor der Heiligen Lade (das übrigens auch sonst, z. B. in Wiesbaden vorkommt. Maurisch waren dann auch die Synagogen von Stuttgart, Leipzig, Beuthen, Braunschweig, Stettin und Nürn berg. Letztere trugen innen eine romantisch-märchenhafte hellblaue Bemalung. Die Kaiserzeit brachte dagegen die endlich errungene bürgerliche Gleichheit zum Ausdruck und ahmte — übrigens wie auch die Christen — die mittelalterlichen Kirchenstile nach. Der häufigste war wohl der romantische (Berlin Fasanenstrasse, München, Chemnitz, Synagoge der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in Hämburg Synagoge von Nürnberg *4%' «ft. c Synagoge der Adass Jisroel in Berlin

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