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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-09-08 · 36 (8.9.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
36 (8.9.1882)
Date
1882-09-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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KeEir. Der Kaiser hat der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Annahme eines Capitals von 11,000 Mark, welches derselben von einem nicht genannt sein wollenden Mitglied zu Zwecken der jüdischen Armenplege zugewendet worden ist, die Genehmigung ertheilt. Die Stiftung soll nach dem Wunsche des Geschenkgebers den Namen ״Louisen-Stiftung" erhalten. — (Nachwehen der Reichstagswahl.) Gegen den Redacteur des ״Deutschen Tageblattes",August von Zabeltitz, wurde unlängst vor der III. Strafkammer hiesigen Landgerichts I eine Anklage wegen Beleidigung verhandelt. In Nr. 204 vom 28. October v. I. brachte das Blatt einen Localartikel über Berlins Physiognomie am Tage der Reichstags wähl und in demselben wurde gesagt, daß vor dem Wahllocale des Hotel de,Saxe in der Burgstraße die Zettelvertheiler des Candidaten Lieberman von Sonnenberg vielfach von den Juden insultirt, theilweise sogar zur Erde geworfen worden seien, namentlich hätten sich darin die Juden Gideon und Hamburger hervorgethan. Der Kaufmann Gideon, welcherMitglied des im Hotel de Saxe versammelten Wahlvorstandes war, mußte diesen Artikel auf sich beziehen, und da er vergeblich eine Berichtigung dieser gänzlich aus der Luft gegriffenen Behauptung nachgesucht hatte, so veranlaßte er die gerichtliche Verfolgung des Herrn v. Zabeltitz. Letzterer suchte sich in sehr sinnreicher Weise dadurch zu exculpiren, daß er unter Verwerthung der in seinem Blatte beliebten Schreibweise, ״Gidion" bestritt, Herrn Gideon überhaupt gemeint zu haben. Da nun aber in ganz Berlin ein Gideon nicht existirt und außerdem auch nur der Zeuge an jenem Tage im Hotel de Saxe anwesend war, so erachtete der Gerichtshof diesen Einwand für gänzlich verfehlt, und der Staatsanwalt beantragte, mit Rücksicht auf die gehässige Tendenz, welche das ״Deutsche Tageblatt" den jüdischen Mitbürgern gegenüber überhaupt hat und die auch in diesem Artikel besonders grell hervorgetreten, ferner auf die Thatsache, daß hier dem Zeugen, der an jenem Tage eine gewisse amtliche Function hatte, eine nichtswürdige Handlungsweise zum Vorwurf gemacht worden, eine Geldstrafe von 150 Mark. Der Gerichtshof erkannte auch dem entsprechend, indem er die Beleidigung als eine schwere ansah. Kveslau. Die ״hebräische Unterrichtsanstalt" beging auch in diesem Jahre die Sedanfeier im Saale der städtischen katholischen höheren Bürgerschule, in welchem der Director der Schule, Herr Prediger Dr. P. Neustadt, die Zöglinge versammelt ״hatte._Llachdem der Schülerchor den Psalm 113 vorgetragen, hielt der 1. Lehrer der Anstalt die Festrede über den Patriotismus des Judenthums, dem sich Ermahnungen des Leiters der Schule und ein Gebet für den Landesfürsten anschlossen. Der Gesang des Liedes ״Herr der Welt" beschloß die Feier. — Der hiesige Privatier Baruch Stoller feierte nit seiner Frau, geb. Kalisch, die goldne Hochzeit m Kreise aller Familienangehörigen. Allgemein cheilt man die Freude und die Wünsche für das fernere Wohl des glücklichen Ehepaares. — Unser Glaubensgenosse Herr Rittergutsbesitzer S. Schottländer dahier, dessen Verlagsbuchhandlung und Druckerei stch eines Weltrufes erfreut, hat von Sr. Majestät dem König von Rumänien die königliche rumänische Medaille ״Bene Merenti“ am Bande; von Sr. königlichen Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg - Schwerin die große Medaille für Wisienschast und Künste; von Sr. königlichen Hoheit dem Fürsten von Hohenzollern die fürstlich hohenzollernsche Medaille ״Bene Merenti/‘ erhalten. Goltbirs (Unlieb verspätet.) Herr Edm. Lichtenstein Hierselbst, z. Z. in Sandershausen, welcher ein Exemplar des von ihm unter dem Titel: ״Den Manen Berthold Auerbachs" kürzlich herausgegebenen Schriftchens dem deutschen Kronprinzen übersandt hat, ist darauf mit folgendem Schreiben beehrt worden. Neues Palais, Wildpark, den 16. Juni 1882. Wohlgeboren benachrichtige ich ergebenst, daß Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des von Ihnen eingesandte Buch gern und mit Interesse empfangen und mich beauftragt hat, Ihnen für die freundliche Ueberreichung desselben in höchst Seinem Namen bestens zu danken, v. Norm ann K. Kammerherr und Schloßhauptmann. An Herrn Edmund Lichtenstein. Prolog gesprochen bei der Theatervorstellung zu Gunsten der hartbedrängten russischenJuden am 16. Juli. Verfaßt u. vorgetragen von Frau Polizei-Komissarius Bertha Hillmer in Cottbus. Willkommen hier an dieser Stätte, Wo uns ein edler Zweck vereint Zu mildern des Kummers herbe Thränen Die der bedrängte Bruder weint. Der Haß vertreibt ihn aus dem Land Wo lange Jahr' er Zuflucht fand. Drum wollen freudig wir an's Werk, Den Nächsten beizustehen, Getheilter Schmerz ist halber Schmerz Für die, die Hülfe erflehen. Denn wer des Bruders Noth vergißt Verdient nicht, daß er glücklich ist. Es sprach der Heiland einst, Ob Heide, Jude oder Christ, Bei Gott da sind wir Alle gleich. Und schmachbeladen ist, wer das vergißt Doch wollen wir den Stab nicht brechen, Wir empfinden nur Mitleid mit ihren Schwächen. Wir sind vereint in dem Gedanken, Wohlzuthun wo es gebricht, Von diesem wollen wir nicht wanken, Wir halten es für unsere Pflicht! In des bedrängten Bruders Namen erflehen wir von Gort sein Amen! — Der Großorient von Ungarn hat an alle unter seinem Schutze arbeitenden Logen und an alle regulären Freimaurer ein Circularschreiben erlassen, in welchem darauf aufmerksam gemacht wird, daß gegenüber den antisemitischen Wühlereien der Stand- Punkt der Freimaurer laut Verfassung und gemäß den Grundprincipien des Bundes klar vorgezeichnet sei. Nachdem längst niedergekämpfte Vorurtheile auf's Neue ihr Haupt erhoben und unter dem Deckmantel der Religion der Racenhaß gepredigt wird, müsse jeder Freimaurer nach seiner Stellung, seinem Einfluß und seiner Fähigkeit bestrebt sein, seine geistig zurückgebliebenen Mitmenschen aufzuklären, damit man die an gedeutenten Vorurtheile siegreich bekämpfen könne. Starker Wille und aufrichtiges Zusammenwirken würden in dieser Richtung von segensreichem Erfolge sein. Der Circular-Erlaß ist von dem Gr oß mei st er und dem Kanz l eidire ct o r des Großorients von Ungarn ausgefertigt. (In Berlin soll ein ähnliches Schreiben gegen die Antisemiten in Circnlation gesetzt werden. 500 Exemplare sollen auf schwarzes Papier gedruckt!dem antisemitischen Concil in Dresden zugesandt werden. Red.) Wir führen noch den Ausspruch des berühmten Patrioten Kossuth über die T. E. Angelenheiten an, indem wir uns Vorbehalten, einige, wie wir in vor. Nr. d. Bl. berichten, uns persönlich mitgetheilte auf die Angelegenheit sich beziehende Erzählungen wegen diesmaligen Mangels an Raum in nächster Nr.^zu bringen. Der Abgeordnete Ignatz Helfy, der sich einige Wochen in Italien aufhielt, stattete auch Kossuth in Turin einen Besuch ab, bei welchem zahlreiche, das Vaterland betreffende Angelegenheiten zur 'Sprache kamen. Unter Anderem gelangte auch die Affaire von Tisza- EßlarIausts Tapet. Ludwig Kossuth erklärte, daß er den Fall von Tisza-Eßlar als ein Unglück für das Land betrachte, denn entweder wird sich herausstellen, religiöser Fanatismus sei die Quelle des Verbrechens und die Menge wird den einzelnen Fanatiker nicht von der ganzen Confession unterscheiden, dann können solche Dinge entstehen, welche die ganze Nation compromittiren; oder es stellt sich heraus, daß von einem gewöhnlichen Verbrechen die Rede ist — und dann werden unsere Gerichte compromittirt, daß sie die öffentliche Meinung so lang in solcher Aufregung ließen. — In Folge einer Eingabe an die Ober-Staatsan- Waltschaft hat dieser den Leiter der Nyiregyhazaer Staatsanwaltschaft angewiesen, in der Angelegenheit der Zerstörung der Eszlarer Synagoge und der Scharf'schen Wohnung, sowie der Entweihung von gottesdienstlichen Gegenständen und Entwendungen, die daselbst verübt worden sollen, die sofortige Untersuchung einleiten zu lassen. Keenirz. Die hier vorgefallenen Juden- Unruhen verursachen nicht nur, wie schon gemeldet ist, ein Zerschlagen der Fensterscheiben, sondern ein Zerstören ganzer Geschäftseinrichtungen. Wie sich nachträglich herausstellte, hatten sich nicht nur Bauern, sondern auch dortige Bürger an den Zerstörungen betheiligt, was die andern Tags an Ort und Stelle vom Stuhlrichter Adamovics eingeleitete Untersuchung ergab. Es wurden denn auch am 18. und 19. d. ungefähr dreißig Personen, welche sich notorisch an dem Excesse betheiligt hatten, von den Panduren geschlossen in Scenicz eingebracht und werden hoffentlich ihrer gerechten Strafe nicht entgehen. Kremster, im September. Der hiesige Probst, Graf Potolucki nahm vor Kurzem Anlaß von der Kanzel aus, die jüngsten Antisemitenhetze zn verdämmen. ״Wir müssen ja den Juden dankbar sein/ erklärte er, ״sie waren es, aus deren Mitte der Heiland hervorging." Gäbe es viele Priester, die in diesem Sinne ihre heilige Mission auffaßten, die Eintracht zwischen den Confessionen würde nie gestört. — Der in Olmütz den 1 Aug. verstorbene Privatier Veit Mandl der hier seinen Geburtsort hatte, vermachte der hies. isr. Cultusgemeinde etwa 35,000 Gulden. Nach den Special-Bestimmungen sollen der jährliche Zinsenertrag von 58 Staatslosen des Jahres 1854 zur Unterstützung armer Kranken und etwaige größere Gewinnste zur Erbauung eines Krankenhauses dienen. Das Armen« Institut der Gemeinde erhält 8000 Gulden. Ferner ist der Zinsengenuß von 5000 Gulden für fünf arme Waisen der Gemeinde, von 2000 Gulden für Heiratsausstattungen, von je 1000 Gulden für arme Studirende und für das Talmud-Thora-Jnstitut zu verwenden. Fünfkivcherr. Gelegentlich des Geburtssestes des Kaisers ward von den hier garnisonirenden Honvedofsizieren und Offizieren der gemeinsamen Armee ein Bankett wie ein Diner beim Bischof veranstaltet. In dem Speisesalon des Hotels ״Zum wilden Mann" ließ Herr Honved-Oberlieutenant Karooly Hoffinger die Betyaren-Melodie ״Meg is hunczut a nemet/‘ (״Der Deutsche ist ein Hundssott") spielen, und zwar bei offenem Fenster. Dem Speisesalon vis-a-vis befindet sich das ״Cafe Veto." Daselbst befanden sich viele jüdische Geschäftsleute, jedoch noch mehr Christen, als: Gutsbesitzer, Gutspächter und Herrschaftsbeamte. Der Herr Oberlieutenant wollte nun seinen Muth öffentlich zeigen; er streckte seinen Kopf zum Fenster hinaus und rief mit dröhnender Stimme in die Kaffeehausgesellschaft: ״Ihr elenden Juden, ich schlage euch alle todt, schaut mich an, ich werde euch alle vertreiben u. s. w." Das ging so eine halbe Stunde; er ließ den Zigeuner-Priwas ans Fenster kommen und das Spottlied ״Hepp-Hepp" spielen. Petersburg. Das auf die jüdischen Militärärzte bezügliche Ausnahmegesetz, daß dieselben nur 5 o/o der gesammten Militärärzte ausmachen sollen, und diese Norm auch bei der Aufnahme hebräischer Studenten in die medicinische Akademie zu beachten ist, ist nunmehr in Kraft getreten. Das Avancement der jüdischen Militärärzte ist nur bis zur 5. Rangklasse gestattet. Jerusalem. Anfangs August. In Lydda, eine halbe Stunde von Jaffa, entspann sich ein Streit zwischen den Muhamedanern und Christen, der mit Bestrafung der schuldigen Muhamedaner Seitens der Behörde endigte. Allerwärts herrscht Unzufriedenheit mit den Beamten, und kann jeder Augenblick Unruhen und Störungen erwarten lassen^ Was Jerusalem betrifft, ist hier der Antagonismus"" zwischen Muhamedanern uud Christen kein besonders heftiger. Eher sind Conflicte zwischen den Ersteren und den hier ansässigen Juden zu befürchten. Die Zahl der Letzteren hat sich binnen wenigen Jahren von 8 0 0 0 auf mehr als 15,000 gehoben, und sie bereiten den muhamedanischen Kleingewerbetreibenden eine erdrückende Concurrenz, indem sie sich Geld zu 5 Procent zu verschaffen wissen, während die Muhamedaner dasselbe schwer zu 20 Procent erhalten. Alle diese Umstände nähren den Haß der Muhamedaner gegen die Juden. Der Gouverneur unterläßt aber nichts, um jeder Störung der öffentlichen Ruhe anch in dieser Richtung zuvorzukommen. Nichtsdestoweniger herrscht einige Beunruhigung und besonders auf dem flachen Lande große Angst vor den Beduinen, insbesondere vor den Stämmen in Hebron und Ghaza. Kortstarrtlrrspel. Die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland werden jetzt allmählig wieder von und nach Odessa befördert. So lange Said Pascha Großvezier ist, wird die Frage der jüdischen Ein- Wanderung nach der Türkei wohl kaum geordnet werden. סליהה: אריד בשיחי übersetzt von Adolf Oster in Xanten. Ich richte mich in mein Gebet אריד Zu Gott, durch den alles ensteht, Zum Schöpfer, den alles preist, Wend' ich mich in meinem Geist Mit Geist und Zunge laut ich klage ברוחי Die Schmach, die mich trifft alle Tage. Meine Schande ich dem Schöpfer erzähle Mit röchelnder Kehle. Der Kehle und dem Lippenpaare גרונו Das mahnende Wort entfahre; Geht' immer nur den rechten Pfad, Auf daß ihr euch den Thoren naht. Die Thore der Buße geöffnet sind, רלתים O, kehre zur Buße zurück geschwind, Abtrünnige, o kehr zu Gott zurück, Verirrte Tochter, richt' auf ihn den Blick! Verirrte, Du verstocktest dein Herz, השובבה Darum erleidest Du so großen Schmerz. Zum Schmerze Gott Dir noch entbot, Den Untergang, Abgrund und Tod. s

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