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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-09-08 · 36 (8.9.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
36 (8.9.1882)
Date
1882-09-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für religiöse, wistenschaMHe und gemeinnützige Interessen des Iudentkums. lscaefiti|dicc Jtpi£s־l10fe Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. erscheint jeden Freitag. Herausgeber und Redakteur Moritz Baum Redaktion und Expedition: Unterer Atzemer Nr. 9. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. Frankfurt a. M., 8. September 1882 (5642). Ur. 36. Achter Jahrgang. Zu פדרה נצבים Wir haben in unseren bisherigen Sidrahbetrachtungen die Eigenschaften und Veränderungen der hebräischen Sprache genauer betrachtet, und kommen nunmehr immer näher zu jenen sprachlichen Besonderheiten, welche die heilige Sprache in einen melodischen Takt und Rithmus besitzenden, schönen Gesang verwandeln. Schon die gewöhnliche Sprache der Hebräer war eine Art durch Ton und Rithmus belebter Gesang. Die Musik ist so alt wie die Rede, wenn nicht älter. Die das ganze Weltall verbindende Harmonie, der erhabene Einklang zwischen allen Wesen und Erscheinungen der Schöpfung, der das ganze Weltall allmächtig durchziehende einheitliche Gedanke, mußte auch das menschliche Gemüth zur Bewunderung und Nachahmung Hinreißen, und der Harfe des Psalmisten die hehrsten Laute und Loblieder entlocken: Ps. 148. ״Preiset den Herrn, preiset ihn in den Himmeln, preiset ihn in den Höhen! Preiset ihn alle seine Engel, preiset ihn all seine Heere! Preiset ihn Sonne und Mond, preiset ihn alle Sterne voll Licht! Preiset ihn ihr Himmel der Himmel, und ihr Wasser, die ihr über den Himmeln. Laßt sie preisen den Namen des Herrn, denn er befahl, — sie wurden geschaffen!" Die Erfindung der Harfe, dieses schönen, seinsaitigen Jnstrumeutes, welches die Gemüther beschwichtigt, und die bösen Geister verscheucht, wird schon frühe jn der Geschichte der Menschheit erwähnt, und ihre "Erfindung einem^MHkömmen "Kains, dem Jubäl zugeschrieben. 1. B. M. 4.20. Die religiöse Macht und wunderwirkende Kraft der Harfe, die einst in Händen unserer Sänger und Sängerinnen, Propheten und Prophetinnen die Geister erhob, und die Herzen rührte, ist in der Neuzeit verstummt; — sie selbst, das liebliche Instrument, hat durch ihre Anwendung zu profanen Zwecken, durch Harfenmädchen und blinde Sänger, die sich ihrer zu niederem Broderwerbe bemächtigten, ihren Ruf eingebüßt, und selten ist es, daß sich ein gläubiges Gemüth ihrer erinnert. Hat doch die schöne zarte Himmelsblume, die Religion heute überhaupt von ihrem schönen, sanften Dufte und Schmelze soviel eingebüßt, weil sie so oft von »nheiligen, profanen Händen berührt worden ist. Aber einst war der Gesang und die religiöse Tonkunst in Israel eine Macht, und Israel sang: 2 :עזי וזמרת יה ויהי לי לשועה. B. M. 15,2 und Ps. 118,14. ״Meine Macht und mein Lied ist Gott, der mir zur Rettung ward!״ ״Gesänge waren mir deine Satzungen im Hause meiner Jugend." Ps. 119,54. Wir wollen daher immer inniger die heilige Sprache, in der unsere Vorfahren sangen und dichteten, mit deren Klänge sie die 40 Jahre der Wüsten- Wanderung und die Jahrhunderte des späteren Exils erheiterten und verschönten, wir wollen sie immer inehr betrachten und kennen lernen, und vielleicht wird durch fleißiges, inniges Studium seiner heiligen Sprache Israel wieder dahin gelangen, daß es die heilige Harfe ergreift, und wiederum seinem Herrn begeistert ein neues Lied anstimmt, Ps. 98.1, ״Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er hat Wunder gethan!" Wir knüpfen sunsere Sprachbetrachtung an den Wortton in der hebräischen Sprache an. Der Ton, d. i. der Wortklang, oder bestimmter, die Kraft der Aussprache jedes Wortes vom Vokale aus hebt bei einem mehrsilbigen Worte nur eine Silbe vor den anderen empor und giebt ihm so Halt und Einheit. Ursprünglich hat jedes, auch der kleinste seinen eigenen Ton, (Accent): treten aber mehrere in die Einheit eines größeren Wortes zusammen, so lehnt sich das erste an das zweite so fest und unzertrennlich an, daß nur dieses zunächst den Ton behält, und der eine Ton dann auch die vollzogene Einheit des Wortes wiedergiebt. (Ewald.) Jn der Wortbildung der hebräischen Sprache verwachsen oder verschmelzen die zusammengesetzten Wörter so eng mit einander, daß der ursprüngliche Ton des Stammwortes bleibt, aber je abgekürzter und schwächer die Endungen werden, sich nach vorn zurückzieht. Vorherrschend hat er ihn auf der letzten Silbe Milra von Ara Erde, Boden, unterhalb. (Manche sagen auch dafür למטה Lematha.) Nur unter folgenden Bedingungen kann der Ton auf der vorletzten Silbe ruhen, מלעל oder לעל, Mileil, Leil, oberhalb, von Maal. 1. Wenn die letzte Silbe entweder eine einfache ist, wie katabta, galitt, tiktöbna. 2. Wenn in einer zusammengesetzten Silbe sie einen kurzen Vokal hat und einer einfachen Silbe folgt, wie Ködesch, k’tavätam. Durch den Ton werden ursprünglich kürzere Vokale gedehnt. Der Ton schützt sowohl den nachfolgenden Vokal, und erhält manchen Vokallaut unmittelbar vor sich. Wenn ein zum Stamme gehörender Mitlaut ganz einzeln ohne eigenen ursprünglichen Vokal vor der Tonsilbe steht, so wird er mit a gesprochen, wie kathaw, jakum. Nur dann fehlt der Vordervokal, wenn ein gedehnter Vokal nur die kürzeste Vokalaussprache erlaubt, wie j’wul, j'ßod. Ist das Wort vor dem Tone vielsilbig, so fällt auf eine vor der eigentlichen Tonsilbe nothwendig ein schwächerer Gegenton. Ein Zusatz trennt, wenn er mit einem Vokale beginnt, die Endsilbe eines Hortes und zieht den Vokal derselben zu sich herüber, wie Sißro von Seßer. ״Cs - ist das bcso«id§rL. bei der Anhängung, von Suffixen der Fall. Sifriche von Sefer. Durch den Satzton werden einzelne Veränderungen, doch nicht so viele wie in manchen anderen Sprachen in den Wörtern hervorgebracht, so verwandelt sich wohl ein 1 in מ nach einem mit ם schließenden Worte, Vokale in einsilbigen Wörtern senken und verkürzen sich, um sich selbständigen Wörtern anzuschließen, so wird aus Mo vor mit ihm verbundenen Wörtern Ma. Die älteren Lehrer nennen durch den Satzton veranlaßte Verstärkung od. Verdoppelung der Mitlaute Dochik. דהיק drängend, weil der vorhergehende Ton, der schneller gesprochen wird, auf ihn gewiffermaßen drängt. Wichtigere Veränderungen fallen durch die Pause oder Ansichhalten und Zurruhekommendes Lautes am Ende des Satzes vor- Der Wortlaut tritt zurück und verkürzte Vokale verlängern sich vor einer Pause. Die Sprache, das Wort werden wir immmermehr als den höchsten Vorzug Israels erkennen lernen, als seinen Vermittler mit Gott und den Menschen. Jes. 9,7. ״Das Wort hat Gott Jakob gesandt, es fiel nieder in Israel." Jes. 2,2. Denn von Zion ging aus die Lehre, das Wort Gottes von Jerusalem." Jn dem Munde Israels, soll die Thora fortwährend eine Stätte finden, und wenn zwei sich unterhalten, und die Worte der Thora sind nicht zwischen ihnen, so wird es ein מושב לצים ein Sitz der Spötter genannt, von dem es heißt: ״Du sollst nicht sitzen, wo Spötter sitzen." (Awoth 3,3.) Wir haben in diesem Sinne die Worte der heutigen Sidrah auszulegen: ״Denn dieses Gebot, das ich dir heut gebiete, ist nicht zu wunderbar vor dir und nicht zu fern. Nicht im Himmel ist es, das du sprächest: Wer steigt für uns in den Himmel, und holt es uns, daß er es uns hören lasse, und wir es thun. Und nicht jenseits des Meeres ist es daß du sprächest, wer fährt für uns jenseits des Meeres und holt es uns, daß er es uns hören lasse, und wir es thun. Sondern sehr nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen es zu thun!" Nahe, und leicht zu wahren und zu beobachten ist das Gesetz für den gehörsamen, und willigen Israeliten. ״Buße und Rückkehr zu Gott, wird dem israelitischen Volke nahe und leicht gemacht. Es hat nicht, wie andere Völker jenseits des Meeres zu gehen und sich in harter, grausamer Weise Peinigungen und Strafen aufzulegen, nein nahe ist ihm die Buße und durch diese drei: Mund, Herz und Ausübung (מעשה) zu erreichen, wie es heißt, in deinem Munde, deinem Herzen, es zu thun!" Mit dem Munde wird die Buße, die Sühne, durch Bekenntniß der Schuld vollbracht, wie es heißt 3. B. M. 5. ״Wenn er sich verschuldet hat in einem der Dinge, so bekenne er, daß er daran gesündigt habe." Mit dem Herzen wird die Buße vollbracht, wie es heißt, Joel 2,13. ״Zerreißet eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehret zurück zu dem Ewigen, eurem Gotte, denn Er ist gnädig und barmherzig, langmüthig und von großer Huld, und bereut das Böse." 3. In vollkommener Besserung, in der That, indem wir mit aller Kraft den Weg der Sünde verlassen, die alten Fehler ablegen und zur ernsten That der Besserung schreiten. 3. B- M. 5,23. ״So geschehe es, wenn er also gesündigt und sich verschuldet hat, so gebe er zurück den Raub, den er geraubt, oder das Vorenthaltene, das er vorenthalten, oder das Anvertraute, das ihm anvertraut worden, oder das Verlorene, das er gefunden." Nahe, nicht zu wunderbar ist dieses Wort des Herrn, keine Entschuldigung hat derjenige, der es vernachlässigt. Ueberall, aus jedem Munde, aus jedem Herzen dringt das Wort des Herrn, und umschwebt und umlebt -ihn, - - er trägt es ja auch im eigenen Herzen, im eigenen Munde — er vermag es' zu halten! Jn ׳ diesen dreien besteht das ganze menschliche Glück, sein Geschick hienieden und im Jenseits. Darum folgen die Worte darauf: Siehe, ich lege dir heute vor das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. Der ich dir heute gebiete, zu lieben den Ewigen, deinen Gott zu wandeln in seinen Wegen, und zu beobachten seine Gebote und seine Satzungen und seine Rechte, daß du lebest und dich mehrest, und dich segne der Ewige, dein Gott, in dem Lande, wohin du gehest, es einzunehmen." Gott selbst legt uns unser Glück, unser Lebensheil nahe! Ps. 16. ״Ewiger, Antheil meines Kelches, du selbst hast mein Loos gelegt! In das Liebliche siel meine Schnur, und mein Besitz ist mir günstig! Ich danke dem Herrn, der mich berathen! Selbst in der Nacht unterweisen mich meine Nieren. Ich stelle den Herrn mir stets gegenüber, er ist zur Rechten mir, ich wanke nicht! Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, mein Fleisch wird sicher wohnen! Denn du überläffest meine Seele nicht der Unterwelt, läffest deine Frommen nicht Verwesung schauen. Du machst mir kund den Pfad des Lebens, Freudenfülle ist vor deinem Antlitze, Lieblichkeit in deiner "Rechten, auf ewig! Diese Güte Gottes, mit der er uns zeigt, was gut ist, und ihm gefällt, 10,12, diese väterliche Milde, mit der er uns selbst den Pfad des Lebens kund thut, ist es auch, was den sündhaften, wankelbaren, dem Jrrthum unterworfenen Menschen aufrecht hält, und ihn vor Verzweiflung schützt zu der Zeit, wo er unter der Last seiner Schuld zu erliegen fürchtet. Als Israel nach der Verkündigung des göttlichen Fluches verzagt und entsetzt da stand und ausrief: ״Wer kann da bestehen! Wer kann unter solcher Strenge des Richters leben!" Da trat tröstend der Gottesmann Moses zu ihnen, und sagte: Sehet, wie oft habt ihr euch nicht verschuldet gegen den Heiligen und wie oft habt ihr ihn gekränkt durch eure Vergehungen, und er hat euch nicht vernichtet, ihr seid noch lebend, ihr stehet heute Alle vor dem Ewigen eurem Gotte, eure Stammhäupter, eure Aeltesten, eure Beamten, ein jeder Israelit! Eure Kinder, eure Weiber, selbst der Fremde, der sich in deinem Lager aufhält, vom Holzhauer bis zum Wasserschöpfer!" Alle ohne Ausnahme, hat euch

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