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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-09-01 · 35 (1.9.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
35 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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dein Erbarmen über alle Seine Geschöpfe!" (Talmud Sota 14). ״Heil, wer bedacht ist für den Armen; am Unglückstage errettet ihn der Ewige!" Pf. 41,2. ״Nicht nützt Reichthum am Tage des Unglücks, aber צדקה (Gerechtigkeit, Milde, Almosen) rettet vom Tode." Spr. Sal. 10,2. Denn nicht allein die drückende Armuth, das Elend, das harte Unglück, ist ein Fluch Gottes, sondern auch der verstockte, übermüthige, geizige, hartherzige Reichthum, der kein Herz für das Unglück und oas Leiden seiner Mitmenschen hat, nicht die süße Belohnung des Gutesthuns kennt, nicht den Funken der Göttlichkeit, nicht die Erhabenheit seines himmlischen Ebenbildes in sich fühlt. Von ihm spricht der Pred. Sal. 6,12. ״Es giebt ein Hebet unter der Sonne, welches gewöhnlich unter den Menschen ist- — Ein Mann, dem Gott Reichthum, Ehre gab, so daß ihm Nichts mangelt, aber es fehlt ihm die Gabe es zu genießen! Es ist Eitelkeit, und ein Uebel!" das. 5,13. ״Es giebt ein Uebel unter der Sonne — Reichthum, der seinem Besitzer aufbewahrt ist zum Unglücke!" Ja, eilt solcher Reicher, der erbarmungslos, ungöttlich gegenüber seinem elenden Bruder steht, ist verflucht! Er hat nicht die Fähigkeit seinen Reichthum zu genieße!!, und inmitten seines Reichthums ist er arrn, inmitten seines Ueoerflufses durstet, hungert er. Er tappt am Mittage umher, wie der Blinde in der Finsterniß, und hat kein Glück auf allen seinen Wegen. Ein Haus baut er sich, und ein Anderer wird es bewohnen, einen Weinberg pflanzt er sich, und ein Anderer wird ihn lösen. 27,30. Spr. Sal. 1,19. ״So sind die Wege eines Jeden, der den Gewinn giert, das Leben seines Besitzers wird genommen!" Schön betet daher der weise König, Spr. Sal. 30,7 ff, ״Zwei Dinge habe ich von dir gewünscht: Verweigere sie mir nicht bevor ich sterbe! Eitelkeit und Trug halte von mir fern! Gieb n!ir weder Armuth noch Reichthum! Gieb mir mein zukommendes Brod! Daß ich nicht angefüllt bin, und dich leugne, und spreche: Wer ist der Herr! Und daß ich nicht arm bin, und stehle, und entweihe den Namen Gottes!" Und vor Uebermuth und Stolz uns zu bewahren, befiehlt in der heutigen Sidrah das Gotteswort Israel, wenn es ftine Heiligthümer dem Vn-m! daxbrinot: zu sprechen: ״Als Aramite irrte "mein Väter umher,' und er zog hinab nach Mizrajirn, und hielt sich dort auf, in geringem Haustein! 26,5, Israel soll in seinem Reichthum nicht seines Ursprungs, der gering und klein war, vergessen, sondern bekennen, daß Alles dem Herrn gehört und von ihm gegeben wird! Pf. 24,1, dem Ewigen gehört die Erde und was sie füllt, die Welt und ihre Bewohner!" L>o wollen denn auch wir in wahrer Buße, in Rückkehr zu dem Ebenbilde, in dem wir geschaffen ind, dem heiligen Tage entgegen gehen, an welchen! bestimmt wird מי יעשר ומי יעני wer reich und wer arm werden soll, und den Glückeswandel bedenket, laßt uns den Armen, dem im Ebenbilde Gottes ge: fchaffenen Bruder aufhelfen, und so unserm Ebenbilde ähnlich roerden, und in Reichthum laßt uns bescheiden fein, und demüthig Gott, von dem wir Alles haben, die Ehre geben, und bedenken, daß die Wohlthütigkeit, צדקה einen so wichtigen Theil der Versöhnung und Buße ausmacht! Und wenn Israel feinem Ebenbilde, feinem Gotte ganz nachstrebend, mildthätig, hülfreich gegen Leidende und Unglückliche ist, ihren Fluch aufhebt, ihnen Segen spendet, dann werden sich die schönen Segensworte der heutigen Haphtora über es erfüllen: ״Auf leuchte, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Ewigen strahlt über dir auf! Denn siehe, die Finsterniß bedeckt die Erde, und düsteres Gewölk die Nationen, aber über dir wird aufstrahlen der Ewige, und seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen! Und hingehen werden Völker zu deinem Lichte und Könige zu dem Glanze deiner Strahlen!" :ועליך יורה ד׳ וכבודו עליך יראה pir Einweihung der Synngnee!11 Krühl. (Forts, und Schluß.) Die große Betheiligung an dem Festzuge erinnert an Festlichkeiten größter Städte, in so unübersehbarer Länge bewegte sich der schön und regelmäßig geordnete Zug. Wenn in dem gegebenen Berichte auf die große Theilnahme Andersgläubiger hingewiesen ist, so muß man immerhin die Einigkeit zwischen den verschiedenen Confessionen, wie sie früher erfreulicher Weise der Fall war, heute nur mit einer gewissen Einschränkung anerkennen. Wohl waren einige von Nichtjuden bewohnte Häuser mit Fahnen geschmückt, es waren aber meistens Wirthsod. Geschäftshäuser. Das große, katholische Lehrseminar, welches der alten Synagoge gegenüber liegt, blieb während der Feier still und stumm, keine Fahne zeigte sich an ihm. Auch hat die katholische Geistlichkeit trotz Einladung des Vorstandes sich nicht an der Feier betheiligt. Der Andrang zu der Feierlichkeit in der Synagoge war so groß, daß Contusionen Quetschungen, u. s. w. stattfanden. Man mußte Kinder tragen und in die Höhe heben, um sie vor Erstickung zu bewahren. Von allen Seiten drangen Hülfsrufe. Da trat der Bürgermeister in das knäuelartige Gedränge, und rief mit starker Stimme, daß Menschenleben in Gefahr seien und man zurücktreten müffe. Es gab hierauf ein wenig Luft, doch dauerte es längere Zeit bis Ruhe und Ordnung hergestellt war. Die für 700 Personen eingerichtete Synagoge faßte die doppelte Zahl. Von Cöln waren die Herren de Jonge und S. Simon, Vorsteher der Cölner Synagogenge!neinds anwesend. H. Simon spendete beim Thoraausgehen 60 Mark. Die Gebrüder Koppel, Norstandsmitglieder der Gemeinde Vornheim spedenten 100 Mark. Der Gottesdienst dauerte am Sabbathniorgen von 71/2—12 Uhr. Das Vorlesen der Thora dauerte zwei Stunden. Es wurden über 100 Personen aufgerufen, und soll der Gesammtbetrag der dabei gemachten Spenden über 900 Mark betragen. Die von der Gemeinde veranstalteten Concerte und Festbälle werden außerdem die Einnahmen derselben vergrößert haben. Daß das Cassireramt von Juden am ש׳ק׳ übernommen war ist ebenfalls von uns in einer der jüngsten Nr. gerügt worden. Zu bemerken ist noch, daß mit Ausnahme von Cöln, keine der übrigen städtischen Nachbargemeinden durch Rabbiner od. Vorsteher vertreten war. Die Feier verlief in ruhiger, von keiner Störung unterbrochener Weise. Wir können uns nicht einer Mißbilligungsäußerung enthalten über die zu große Entfernung der neuerrichteten Synagoge von dem Mittelpunkte der Gemeinde, so daß, fast auf dem Felde liegend, sie von den Besuchern nur mit Zeit, und Kraftaufwand zu erreichen ist. Die jetzige Lage der Synagoge ist gewiß eine Folge des mehr als Zehnjährigen Kampfes in der Gemeinde über den ihr anzuweisenden Ort, wo sich denn als Resultat die Einigung über eine derartig ungeeignete Situirung derselben ergab. Möge nunmehr das Gemeindeleben in Brühl ohne irgend welche Störung, ohne irgend welche Disharmonie eine friedliche, zum Ruhm der Religion und der jüdischen Gesammtheit gereichende Entwicklang nehmen, und nach den Worten des Rab. Di־. Frank durch ihr würdiges Verhalten der neugebauten Synagoge die richtige Weihe zu Theil werden. Schließlich gedenken wir noch der Brühler Frauen, die sich in rühmlich hervorzuhebender Weise an der inneren Ausstattung des neuerftandenen Heiligthumes betheiligt haben. Ein von ihnen gebildeter Frauenverein spendete einen schönen Kronenleuchter, wie ein entsprechend schönes ברוכה. Frau Johanna Schweizer spendete ein prachtvolles ס״ה Mäntelchen. Ein Festesten fand nicht Statt, und unterblieben daher Toaste und Festreden auf die wohl Mancher sich nicht wenig vorher vorbereitet und gefaßt gemacht haben mag. Es fei uns nun auch gestattet, hier einige nun im Grabe ruhender Männer zu gedenken, welche durch ihre Unterstützung zu dem Entstehen des neuen Gotteshauses beigetragen haben. Joel Heumann, ע״דד׳ hat mit anerkennungswerther Energie und regem Eifer den Grundstein zu dessen Bau mit gelegt, dessen Vollendung er leider nicht erleben sollte. Er war nur ein einfacher, schlichter Geschäftsmann, nicht mit irdischen Glücksgütern gesegnet, aber unter seiner Mitwirkung als Vorsteher der Gemeinde, brachte er es dahin, daß schon ein Theil des Baucapitals zusammengebracht ward zu der Errichtung des neuen Hauses, und unermüdlich förderte und betrieb er das Fortschreiten des unternommenen Werkes. Bei seinem Ableben*) dessen Augenzeuge der Herausgeber d. Bl. in Bonn war, wo er unter unseren ihm dargebotenen Hülfeleistung und Pflege unter schweren Leiden gestorben ist, sprach er noch den sehnlichen Wunsch aus, das Zustandekommen des Gotteshaufes zu erleben. Ebenso war es Herr Moritz Kaufmann ע״ה (Schwiegervater des jetzigen Vorstands- Mitgliedes Herrn Wolf Manes,) dem es nicht vergönnt war, die שמהה zu erleben, wofür er so eifrig bestrebt gewesen. Ein dritter Mann, dessen wir nicht unerwähnt lassen können, war ein Christ. Er hieß Johann Willmen. Wir betonen, er war Katholik; Nicht deshalb erwähnen wir es, als ob ein Unterschied in dem Glaubensbekenntnisse herrscht in dem Wirken und in dem Verdienste für eine gute, edle That! Nein, der Verstorbene war ein Katholik, חסיד מצבוה העולם ein Gerechter einer andern Confession, wie er oft viele Israeliten sogar zu beschämen vermag! Er stand uns selbst persönlich nahe, und wir sind ihm verpflichtet für manche rettende, gute, brave Handlung die er gegen uns in den Jahren 1864/65 erwies! Es wäre eine Undankbarkeit gegen den edlen Heimgegangenen sein Verdienst bei dieser Gelegenheit zu übergehen? Wie er bei den Mitgliedern seiner eignen Confession in Ansehen und Ehre stand, so wußte er sich auch die Liebe und Freundschaft der Brühler Israeliten zu erwerben. Er gab s. Z. seinen Beitrag zu dem neuen Bau. Viele andere, schöne Handlungen gegen jüdische Mitbürger sind von ih!n zu erwähnen! So waren wir Zeuge, daß er einst einem unbemittelten jüdischen Knaben einen comoleten Anzug zur .בר מצוד verschaffte. Mehr als einmal hat er dem Herausgeber d. Bl. 3—5 Thaler für arme jüdische Wöchnerinnen gegeben. Er ruhe in Frieden! Wir schließen mit dem Wunsch für die Brühler isr. Gemeinde, die in Eintracht und Liebe sich ein Gotteshaus gegründet hat' daß diese Eintracht und dieser Friede auch ferner hin bewahrt bleiben mö- 06״ יהי שלום בחילך שלוה בארמנותיך.תEs sei Friede in deinem Innern Sicherheit in deinen Wohnungen" והעסק או נודר לבנות בית המקדש או לבנות ביה הכנסת הנקראת מקדש מאט עסק באורו של עולם ״Wer mit der Idee umgeht, oder wer als Gelübde auf sich nimmt, einen hl. Tempel oder ein Bethaus, das ein kleines Heiligthum genannt wird, zu bauen der beschäftigt sich mit der Verbreitung des Weltliches!" והבונה בית הכנסת לשם שמים זוכה לראות בבנין ירושלים: ״Wer Gotteswagen ein Gebethaus errichtet, wird die Erlaubung Jeruscholaiuns schauen." Auch eines Mannes wollen wir gedenken, der der lange Jahre der Schule als Lehrer daselbst und in der Synagoge als Vorbeter vorgestanden hat: und dadurch sich einen Ehrenvlätz unter den Mannern erworben hat, deren Verdienst um die Entstebung des Gotteshauses wir rühmen. Wann es heißt תלמידי חכמים מרבים שלום בעולם so hat sich gewiß den Lehrer Karg auch um die Erhaltung dieses Friedens in der Brühler Gemeinde, und unter deren Gliedern verdient gemacht. Auch die hiesige Gemeinde gewahrt es Rhum, lange Jahre einen Vorbeter in ihrer Mitte sich erhalten zu haben, während so oft die jüdischen Gemeinden nur zu sehr bereit sind, mit ihren Lehrern und Vorbetern zu wechseln, und ihm ihre Stellung zu verleiten suchen. Synagoge uud Schule sind die zwei Haupträger des Gemeindelebens, und eine Gemeinde die für beides entsprechend Sorge trägt ist zu loben Nachstehend bringen wir noch den von Fräulein Jeanette Manes bei Ueberreichung des Synagogenschlüssels an den Bürgermeister gesprochenen Prolog. Aus alter Zeit die Sage uns erzählet. Als Babels rohe Schaar des Tempels heil'ge Hallen Den Flammen preisgegeben, zogen Gottes Diener in langen Reihen. Aus dem glühenden weiten Raume. Umwaltet vom heil'gen Kleide voran der Hohepriester schreitet. Ein Greis, gebeugt von der Jahre schweren Bürde. In seiner Hand des hohen Amtew Zeichen hält er, Den Schlüssel, der für immer hat geschlossen das Tabernakel. Sieh zum Himmel wendet, spricht er: ״Da hast Du Gott der Väter, was Du einst mir anvertraut. ״Heb' ihn auf, gib ihn wieder, wenn die Liebe zu deinem Volke neues Leben spenden wird." Diese Zeit ist heut' gekommen, jener alte Schlüssel in neuer Form, ich reiche ihn dem Vater der Bürger unserer Stadt, Als Zeichen der neu erwachten Liebe, Gottes Israels, Als Friedenszeichen auch der Brühler Stadtbewohner, die Gottes Segen, Gottes Frieden lange schützen möge. Des Gotteshauses Schlüssel schließe auf die Menschenherzen, der Friedenbund fei einst, in Freude und in Schmerzen. Wir fügen noch um den Damen, die durch ihren schönen Gesang das Fest verherrlichten, die gebührende Ehre zu erzeigen, die Namen der Sängerinnen die besonders fich ausgezeichnet haben, an. Jeannete Mancs, Julia Manes, Julia Baehr, Selma Baehr, Johanna Wolff, Sophie Scherer, in Brühl. Lina Katz, Bertha Katz, aus Pingsdorf. Sibilla Heidt, aus Fischenich. Frmnkfrrvt a. M. 25. Aug. In dem hies. isr. Phylantropin fand vor einigen Tagen die interne Feier der Einweihung der über dem Turnsaal gelegenen Klassenzimmer statt. Der Vorsitzende des Schulraths Dr. Blumenthal, wie der Direktor Dr. Bärwald hielten bei dieser Gelegenheit beifällig ausgenommene Ansprachen. (*Er starb nach einer schweren Opperation in einer der Bonner Hospitäler.

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