Israelitischer Reichs-Bote
- Journal
- Israelitischer Reichs-Bote
- Volume
- 8 (1882)
- Issue
- 33 (18.8.1882)
- Date
- 1882-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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E Jubiläumsfest geehrt wird, treu und ergeben zu bleiben. Alsdann -ergriff der ehrwürdige Jubilar das Wort. Einleitend mit dem Vers der H a f t o r a שאי □ביב עיניך וראי כולם נקבצו באו לך bekündete der gefeierte Redner feine Rührung, seine Wonne, die derselbe beim Anblick all der Ehrenbezeugungen empfunden und sprach in ergreifenden Worten feinen Dank aus, für die ihm gegebene Veranlassung, mit voller Empfindung den Segensspruch שהחינו zu beten. Im Verlaufe der trefflichen Rede gedachte der Jubilar in der edelsten Weife feiner hochwürdigen Lehrer, des Herrn Rabbiner I. S ch i l e r נ״י und des Herr Oberrabbiner Dr. Feuchtwanger נ״י , wie auch des berühmten Gründers der Anstalt s. A. Den Schluß des feierlichen Vortrags bildete wieder der Vers שאי בביב עיניך, indem der Redner die Zeit herbei wünschte, die der Prophet in diesen Worten verkündet. Mit dem Chorgesang שלום רב לאוהבי חורחיך rmd dem Minchagebet war der Festgottesdienst beendigt. Dann wurden im Hause des Jubilars die Gratulationen und die Ehrengeschenke dargebracht. Herr Schuldirektor Ludwig Stern, aus Würzbürg, Mitglied des Curatoriums für die Angelegenheilender Präparandenschule überreichte dem Jubilar im Namen des Curatoriums eine Prachtvolle Adresse, worin auf die großen Verdienste desselben und ihm das Anerbieten, der Annahme eines Ehrengeschenkes und einerGehaltserhöhung gestelltwurde Herr Neu mann, Lehrer an der Talmudtoraschule zu Burgpreppach, ebenfalls ein Mitglied des Festcomites, überreichte unter einer passenden Rede die Ehrengeschenke der früheren Schüler und ein gegenwärtiger Schüler der Anstalt überbrachte in einer mit Beifall aufgenommene Ansprache die Gratulationen und das Präsent der jetzigen Schüler der Präparandenschule. Es folgten die einzelnen Gratulationen, die Ueberreichung der Privatgefchenke und der wahrhaft rührende Dankesspruch des Gefeierten. Alsdann wurde das Festessen im Haufe des Jubilars abgehalten, bei welcher Gelegenheit vielfach toastirt und begeisternde Reden gehalten wurden.; In heiterer Stimmung verabschiedeten sich spät Abends die Gäste, mit dem Bewußtsein, einer erhadenen, würdigen Feier beigewohnt zu haben. Möge es dem hochwürdigen, so hochverdienten efeierten vergönnt fein, lange für das Wohl des Judenthums und der Menschheit, zur Verherrlichung der Gotteslehre und zum Glücke der Jugend zu wirken. E. C. a. I. (Wir werden, s. G. w. einen eingehenden Bericht über das Lehrinstitut in Höchberg, wie eine nähere Betrachtung über ähnliche und Siminar-Jnstitute für jüdische Lehrer im allgemeinen bringen. Redkt.) Frankfurt a. M. Aus Frankfurt und den süddeutschen Gemeinden, die sich ihm angeschlossen haben, sind bis jetzt für die russischen Verfolgten ca. 340,000 M. eingegangen. In ganz Europa sind wie das ״Jewifh Chronicle" berechnet, Z,600,000 M. für die russischen Flüchtlinge zusammengebracht worden, nämlich 1,400,000 Mark in England, 800,000 in Frankreich 600,000 in Deutschland 400,000 in Oesterreich 400,000 M. in den ändert! europäischen Ländern. f; ,m '"Jv. . "1 , ־־ri Anschließend an unfern Bericht über Sy nagogeneinweihungen theilen wir hiermit auch das für uns neue Faktum mit, daß man nunmehr Einla- Lungen zu Conzert- und Festbällen die gelegentlich der Einweihung vor sich gehen, erläßt, und gleichsam als unbedeutenden Zusatz am Ende dieser Einladung in xetit den Festgottesdienst, (morgens 9 Uhr) bemerkt. Wir finden diese Thatsache in der Einladüng zum Festballe bei der Synagogeneinweihung zu Soest in Westphalen. Ueber die in Brühl stattgehabte Synagogeneinweihung werden wir einen ausführlichen Bericht aus unserer Feder bringen, indem wir, wie schon Ln voriger Nummer berichtet, der Festlichkeit beiwohnten. Wegen Mangel an Raum wird derselbe erst in nächster Nummer erscheinen. Der Herzog von Sachsen Coburg und Gotha hat dem Vorstand der Privatkanzlei des Bankhauses M. A. von Rothschild und Söhne hier Herrn Jak. Leop. Golschmidt, das Ritterkreuz II. Claffe des Herz. Sachs. Ernestinischen Hausordens verliehen. .,׳ י י Hohes Alter. In der aus nur 11 Familien bestehenden israelitischen Gemeinde zu Lohrhaupten befinden sich vier Personen, welche zusamwen nicht weniger als 371 Lebensjahre zählen. Der jüngste dieses Vierblattes ist ein 82jähriger Mann, ihm voransteht ein 84jähriger, der aber ßinem 100jährigen, dessen Auge allerdings fafr ganz umnachtet ist, an Rüstigkeit und leichter Beweglichkeit noch übertroffen wird. Die älteste Person ist eine 106jährige Frau. Berlin. — Die ״Post" berichtet über eine Gerichtsverhandlung, in welcher durch richterliche Entscheidung sestgestellt ist, daß die gegen ein Restaurant gerichtete Bezeichnung ״Antisemit e n- Kneipe" eine Beleidigung involvire. Der Bericht der ״Post" lautet: ״Ein Privatbeleidigungsproceß zwischen dem israelitischen Kaufmann Lissenheimer und dem Restaurateur Döbert wurde vor der sechsten Strafkammer des Königlichen Landgerichts I. als Berufungsinstanz verhandelt. Herr Dö'bert hatte den Herrn Lissenheimer verklagt, weil dieser geäußert haben sollte, die Döbert'sche Restauration sei eine AntisemitenKneipe, aus welcher er hinausgewiesen worden. In dieser Bezeichnung fand der Wirth die Beleidigung und erbot sich betreffs der letzteren Aeußerungen den Nachweis zu führen, daß sie auf Unwarheit beruhe, und in der That wurde in dem Termin vor dem Königlichen Schöffengericht durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß Herr Lissenheimer keineswegs ausgewiesen wordenfei. Daß der Ausgewiesene die Äeußerung ״Antisemiten-Kneipe" gethan haben sollte, konnte nicht erwiesen werden, wurde auch von dem Beklagten ausdrücklich bestritten. Unter solchen Umständen wurde der Kläger mit seiner Klage abgewiesen und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. Hiergegen legte Döbert die Berufung ein. Auch in dieser ergab die Beweisaufnahme dasselbe Resultat. Der Gerichtshof bestätigte deshalb das erstanzliche Urtheil, führt; aber dabei aus, die Bezeichnung ״Antisemiten-Kneipe" involvire allerdings eine Beleidigung, die geahndet worden wäre, wenn deren Anwendung nachgewiesen worden. — Sanitätsrath Dr. Bär, Bezirks-Physikus und Oberarzt an dem Strafgefängniß zu Plötzensee, eine Autorität aus dem Gebiete der durch Trunksucht verursachten sanitären und sozialen Schäden, ist von der ״American Association for the Cure of Inebriates“ Zum Ehrenmitglied ernannt worden. — Ueber das Ableben des Geheimen Commerzienraths Jakob Landau am 3 August wird berichtet: Von einer Cur in Neuenahr nach seinem Gut am Rhein gekommen, fühlte der jetzt Verstorbene dort schon sich etwas unwohl, und kehrte deshalb nach Berlin zurück. Hier traf ihn gestern Nachmittag ein Schlaganfall, heute Morgen erlag er einer Lungenlähnmng. Jacob Landau war im Jahre 1871 von Breslau nach Berlin übersiedelt, wo er seine Firma bald in die erste Reihe der großen Finanzhäuser treten sah. Er nahm an den großenstaatsfinanziellen Transactionen in Oesterreich- Ungarn Theil. Die Hauptstadt des Reiches vertraute seinem Hause die Durchführung ihrer großen finanziellen Unternehmungen an. Wir lassen über die Wirksamkeit des nun Hingeschiedenen, und über die Beerdigung, folgende, uns zugegangene, nähere Nachrichten folgen. In Breslau, wo er seit dem Jahre 1847 als Mitglied vieler wohlthätiger Stiftungen, wie der Ahabath Jerusalem Vereines, und vieler humaner Gesellschaften an allen edlen, wohlthätigen Bestrebungen Theil nahm, und bei seinem Umzuge nach Berlin die wohlthätige Commerzienrath Landau'sche Stiftung, zu milden Zwecken, gründete, stand der Verewigte in seltenem Ansehen, und im vorzüglichsten Ruhme. An der Beerdigung seiner sterblichen Hülle betheiligten sich die hervorragendsten Persönlichkeiten der Regierung und des Parlamentes, wie Finanzminister Scholz, Oberbürgermeister Dr. v. Forkenbeck, u. s. w. Dr. Rab. Joel aus Breslau, langjähriger Freund des Verstorbenen, hielt die Gedächtnißrede auf dem alten Friedhof auf der Schönhäuser Allee. Friede seiner Asche! — Man schreibt aus Berlin, daß sich Fürst Bismarck neuerdings über׳ das Wiederaufleben der Antisemitenbewegung sehr mißliebig ausgesprochen hat. Bresla«. Die von der Mutter von Ferdinand Lassalle testamentarisch mit einem Capitale von 30 000 Mark gegründete Stiftung für arme Arbeiter und kleine Handwerker, welche wegen des der Gräfin v. Hatzseldt im Testament ausgesetzten lebenslänglichen Zinsgenusses jenes Capitals erst nach deren Tode wirksam werden .konnte, ist nunmehr durch Cabinetsordre aus Ems vom 19. Juni d. I. bestätigt worden. Verwaltet wird die Stiftung von dem Oberbürgermeister Friedensburg, Geh. Commercienrath Isidor Friedenthal und dem Stadt- Achter a. D. Friedländer Hierselbst. — In Papa beschädigte der Pöbel die drei nächsten Tempel, die Rabbinerwohnung, die Häuser, Läden und Fabriken von Juden. Die Polizei blieb unsichtbar. Die Regierung hat ernste Maßregeln ergriffen. Arabisch. Der Bezirkshauptmann von Hradisch und der Staatsanwalt haben den Urheber einer Judenhetze, welcher in der Stadt Wesely Plakate anheften ließ ermittelt. Derselbe wurde verhastet und dem Gerichte überliefert. Die weitere Untersuchung ist im Zuge. In Trencsin wollte die Volksmenge, durch die Erzählung einer Magd empört, daß ein jüdischer Schächter ihr das Blut abzapfen wolle, das Haus des Schächters in Brand setzen, als plötzlich der Stuhlrichter erschien und durch sein ebenso besonnenes wie energisches Einschreiten die erregte Menge von Tätlichkeiten abhielt. Derselbe nahm sofort den Schächter und dessen Familie sowie die Magd in Gewahrsam. Nach einem strengen Verhöre gestand letztere, daß sie von zwei Einwohnern des Dorfes unter dem Versprechen eines später zu erfolgenden Geldgeschenkes zu der schmählichen Anklage bewogen worden sei. Aus Duna- Szerdahely, (Ungarn) wird gemeldet: Heute Mittags übersiel bei der Tökeser Donau-Ueberfuhr der wohlhabende Bauer Ignaz Szöllö, inderil er ausries: ״Ich muß heute noch alle Juden umbringen", den Duna-Szerdahelyer isrealitischen Bäcker Hermann Steiner, welcher in Gesellschaft mehrerer Personen vorüberfuhr, schlug dessen Knecht Michael Stöckler das linke Auge aus, versetzte dem Israeliten Heinrich Kohn Messerstiche in den Hals nnd prügelte das Mädchen Betty Weiß durch. Krim«. Der israelitische Geschäftsmann Vallon wurde anläßlich einer Differenz mit einem Arbeiter puncto 30 Kreuzer von dem massenhaft angesammelten czechischen Pöbel insultirt und bedroht. Unter feindseligem Rufen gegen die Juden bombardirte der Mob das Gewölbe mit Koth und Steinen. Nur dem raschen und energischen Einschreiten der Polizei, welche die Masse auseinandertrieb, ist es zu danken, daß die Ruhe wieder hergestellt wurde. Eine strenge Untersuchung wird eingeleitet. Kirnberrkerg (Mähren) 6.Aug. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit begingen hier der Kaufmann und Jndustriebetreiber Herr Markus Hoffmann im Verein mit seiner Frau Josepha Hoffmann. Das überall im hohen Ansehen stehende Ehepaar verlebte das schöne Fest im frohen Kreise einer zahlreichen Familie. Brody. Die in Czernowitz weilenden und der. Repatriirung Lntgtzgensehenden Zllüchtlrnge״ lassen sich dortselbst bei allerlei Arbeiten, hauptsächlich aber bei Häuserbauten u. bergt., als fleißige und tüchtige Maurer, Zimmermeister, Tischler u. s. w. verwenden. Im Laufe der vorletzten Woche wurden über Brody in! Ganzen 6000 Flüchtlige repatriirt. — Belgrad. Der Fürst von Serbien, erklärte gelegentlich eines in Belgrad ausgebrochenen Judenkcawalls, daß er fest entschlossen sei, die Agitatoren, die es lediglich darauf abgesehen haben, die Regierung Verlegenheiten zu bereiten, exemplarisch zu bestrafen. Jassy. In Tirgul-Frumos sind jüngst wieder 100 Häuser abgebrannt; 1000 Einwohner, meist Juden, sind völlig obdachlos. — Die Feuersbrunst in Smyrna zerstörte am 18. ds. das dortige jüdische und türkische Viertel. Dieselbe dauerte 9 Stunden. 1010 jüdische, 250 türkische, 150 griechische Familien sind obdachlos geworden. Der Schaden beträgt über 200 000 türkische Pfund. — In Warschau hat der dortige Oberpolizeimeister an die ihm untergegebenen Polizeiorgane eine Surrende gerichtet,derzufolge letztere streng darüber zu wachen haben, daß die vom Minister des Innern, Grafen Tolstoy vorgeschriebenen Vorsichtsmaßregeln sofort und rechtzeitig zur Anwendung gelangen. — In diesen Tagen sind einige jüdische Familien, welche während der jüdischen Osterseiertage aus Odessa nach Amerika auswanderten, bereits wieder zurückgekehrt. — Zwei jüdische KaufleuteausKiew, welche aus Rußland vertrieben, wurden auf der Reise nach Amerika via Hamburg von dem christlichen Eigenthümer des Hauses begleitet, in welchem die beiden gewohnt hatten. Der Hauseigenthümer zahlte alle Kosten der Reise aus seiner Tasche. Kemkerg. Wie wir vernehmen, hat die Alliancn Jsraelite von Paris beschlossen, 30 0 F a m i l i e e, nach Paris zu befördern, indessen wird die Kenntniß eines guten Handwerksjzur Bedingung der Uebersiedlung gemacht. (Es ist dieser Schritt der Alliance ganz unserem stets und häufig gegebenen Rathe gemäß, daß alle größeren Gemeinden eine Anzahl Flüchtlinge unterzubringen hätten. Es würde bei früherer Befolgung dieses, unseres Rathes, viel Elend und Jammer erspart geblieben sein. Red.) w.• ׳*5 \ \ ) t \