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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-08-18 · 33 (18.8.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
33 (18.8.1882)
Date
1882-08-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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:דאו יעה כעין מלכותא דרקיע (Talmud, Berachoth 58). Und wohl uns, wohl der Menschheit, daß sie sich diesen Richterspruch zu unterwerfen vermag, wohl uns, daß es ein irdisches Gericht, eine Personifikation Gottes aus Erden giebt, daß Alles was oben in der Höhe sich befindet, auch zur Versöhnung und Nachahmung hienieden auf Erden gegeben ist. :כל אשר בעליונים גם בתחוזונים Alles was in der Höhe ist, ist auch hinieden! Nicht eher vermochte Moses den Leuchter im Heiligthum zu verfertigen, als bis der Allheilige ihm einen Leuchter von Feuer gezeigt hatte, und ihm sagte: Dies ist das Werk des Leuchters, und nach der Gestalt, die der Ewige dem Moses sehen gelassen hatte, machte er ihn! 4. B. M. 8,4. So verkörperte im Heiligtbum ein jedes Geräth eine Eigenschaft Gottes, wie der Leuchter das Licht Gottes, die Lehre, so לרם רבנים, das Schaubrod, welches auf dem Tische des Heiligthums lag, die ernährende, erhaltende Eigenschaft Gottes! Darin liegt die Versöhnung, der Trost, die Hoffnung der schwachen Menschheit, daß sie den Herrn, dessen ganze Herrlichkeit und Heiligkeit sie nicht erreichen kann, dennoch in einzelnen guten Eigenschaften nachzuahmen, zu erreichen streben kann! Selbst die Patriarchen besaßen nicht alle gute Eigenschaften in höchster Weise vereint. Wie sich Abraham besonders in der Gastfreundschaft auszeichnete, so Isaak im kindlichen Gehorsam, und Jakob in der Anhänglichkeit an Gott, in der Kraft des Gebetes. So lehren unsere Weisen, nach Job 33, אם יש עליו מלאך מליץ אחד מני אלף וגוי ויחננו ויאמר ״ פדעהו מרדת שחת מצאתי כפר:Wenn nur ein Engel (eine gute Eigenschaft) für ihn Fürsprache thut, so wird ihm Gnade; wenn neunhundertneunund neunzig Engel ihn anklagten, so wird er durch die Vertheidigung und Fürsprache des einen begnadigt!" So gütig ist der Allheilige und Allgerechte gegen die Menschheit. Nur eine einzige gute Eigenschaft, o reumüthige, bußfertige Israeliten, entwickelt in euch zur schönen Blüthe, nur in einer einzigen Tugend zeigt euch vollkommen, und wie die Tugenden in gegenseitiger Verbindung mit einander stehen, und wie eine Tugend eine andere nach sich zieht, so werdet ihr bald in Vollkommenheit, im Glanze Herrlichster menschlichster Vollendung, im weißen Priesterlichen Gewände, vor eurem Gotte erscheinen und gerechtfertigt werden! Darum legt unser hehrer Gesetzgeber soviel Gewicht aus das einzige Wort!?צר. Eine Eigenschaft allein ist es, eine einzige Tugend, die Tugend des Rechtes, der Gerechtigkeit allein, die uns Versöhnung und-HsÄ ״verschaffen kann, und darum sagt auch der Prophet in der Haphtora: אנכי אנכי הוא מנחמכם ^Schon durch ein Gebot, das da beginnt, אנכי ד׳ Ich der Richterderrechtende Gott, könnt ihr getröstet werden!" Recht und Frieden, sind die schönsten Eigenschaften der jüdischen Religion! Recht und Frieden selbst dem Feinde gegenüber, selbst im verderblichen Kriege! Wie es in der heutigen Thoravorlesung auch heißt: 5. B. M. 20,10. ״Wenn du dich einer Stadt nahst, um gegen sie zu streiten, so sollst du ihr zurufen zum Frieden! :וקראת אליה לשלום Frieden gegen alle Welt ist die Parole des Judenthums. Jes. 57,12, Ich schaffe die Frucht der Lippen: Frieden, Frieden dem Nahen und dem Fernen, sagt der Herr!" Frieden dem Israeliten wie dem Nichtisraeliten. Nicht wie es z. B. der Islam, die muhamedanische Religion thut, welcher die Welt in zwei Theile in das Dar ul Islam, und Dar ul Harb in das Reich des Islams und das Reich der Barbaren theilt, und gegen alle Ungläubigen den ewigen Krieg, Djihud, predigt, bekämpft das Judenthum die übrige Menschheit, nein, es ist zufrieden mit seinem Wohnplatze, und Eroberungskriege sind ihm verboten, wie es in der heutigen, Thoravorlesung 17,15, dem Könige verboten wird, sich zu vielPserde zu halten, und das Volk nach Mizraim zurückzuführen! Selbst der Chiwi, die Einwohner von Gibeon, Einwohner Palästinas, wurden geschont, weil sie zum Judenthum übertraten. Gegen Ammon und Moab durfte ein Krieg nie begönnen werden. Nur gegen Amalek, den Feind Gottes, mußte Israel stets im Kampfe verharren. Frauen und Kinder mußten geschont, und die Gefangenen edelmüthig behandelt werden; die Krieger durften das Eigenthum des Feindes nicht muthwillig beschädigen und während einer Belagerung die Fruchtbäume nicht umhauen. So ist die jüdische Religion eine Religion des Rechtes und des Friedens. Mit den Worten der Liebe und des Friedens naht sie sich sogar dem Gegner, dem Feinde. Der Talmud bemerkt zu der Stelle der heutigen Sidrah: Wenn ihr znm Streite herannahet, soll der Priester hervortreten und zum Volke sprechen: ״Es spreche der Priester zum Volke in heiliger Sprache, so geschehe es auch vor dem Krieger!" So wollen auch wir die heiligesSprache לשון הקרש gegen einander sprechen, וקוראת עליה שלום und friedliche Wort, gegen unsere Brüder gebrauchen, wenn sie von der heil. Thora schon dem Feinde gegenüber anzuwenden geboten sind! Versöhnung, Friede, Aufmerksamkeit aus unsere Sprache, wie es heißt Ps. 34,12—14. ״Wer ist der Mann, der Leben wünscht, und viele gute Tage zu sehen: Bewahre deine Zunge vor Bösen, und deine Zunge vor betrüglichen Reden. Halte dich ferne vom Bösen, thue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach! Dann wird man versöhnt, in Frieden, in wahrem Gottesvertrauen dem יום הרין dem Tage des Gerichtes entgegen gehen können! Versöhnt wird der himmlische Richter die Hand von seinem heiligen Throne dem reumüthigen, bußfertigen Kindern darreichen, und sie in Gnade und Versöhnung zu sich aufnehmen; dann werden sich auch die Worte der heutigen Haphtora erfüllen! Darum soll mein Volk kennen lernen meinen Namen, darum an demselben Tage, daß ich es bin, der da redet: hier bin ich! Wie lieblich sind auf den Bergen die Tritte des Heilverkünders, der Frieden anmeldet, Gutes verkündet. Hülfe anmeldet, zu Zion spricht: Dein Gott regiert! Horch, die Stimme deiner Wächter! Sie erheben die Stimme, allesammt jauchzen sie; denn von Auge zu Auge schauen sie, wie der Ewige zurückkehrt nach Zion. Brechet in Jubel aus, jauchzet allesammt Trümmer, Jeruschalajims! Denn getröster hat der Ewige sein Volk, verläßt Jerusalem! כי נחם ד' עמו גאל ירושלים אמן Frankfirvl *. M., Ende Juli. (Unlieb verspätet.) Den ersten Juni fand eine neue, eingehendere Volkszählung in Deutschland statt. Dieselbe wird in Beziehung gesetzt, zu den neuen Arbeiter- und socialen Verbesserungsgesetzen, welche Reichskanzler Fürst Bismarck plant, und schon seit Jahren alle Schichten der Bevölkerung in tiefste Gährung versetzen. Die sociale Frage ist ja eine solche, die früher oder später Lösung verlangt, und das Land der ״Denker und Philosophen״ muß auch die nöthigen Reformen aus dem Arbeits- sowie politischem Felde endlich vollsühren. Es wird dabei auch die Judenfrage in Anregung gebracht werd»A Man will Seitens der Gegner die statistischen Mittheilungen als Waffe gegen die Juden ansnutzen. Vor Allem richten sie ihre Angriffe auf den Umstand, daß sich verhältnißmäßig wenige Juden dem Handwerker-, und überhaupt dem Arbeiterstände angeschlossen haben. Es ist diese Frage so oft erörtert worden, daß sie kaum einer Widerlegung bedarf. Und doch verdient sie, fortwährend wieder discutirt zu werden. Man vergißt zu oft, daß, seitdem die Juden das ungestörte Recht besitzen, jedes Handwerk treiben zu dürfen, sich eine große Menge von ihnen dem Handwerke widmete. Jede größere Stadt besitzt eine große Anzahl jüdischer Handwerker. Bevor die Juden dieses Recht hatten, bevor überhaupt sie nicht die Aussicht aus einen stabilen Gewerbszweig hatten, war es naturgemäß, daß sie sich nicht einem Handwerke widmeten, welches sie nicht gesetzmäßig betreiben dursten. Die Einwirkungen dieser langen Zeit der Ausnahmgesetze, seit 1848 sind noch nicht so viele Jahre vergangen, — machen sich immer noch fühlbar. Innerhalb der Zeit eines durchschnittlichen Menschenalters, (33 Jahre werden von den Statistikern dafür gehalten,) läßt sich nicht eine so kulturbedeutende Umwandlung vollzieh», wie es die Annahme einer verschiedenen Existenzweise ist. (Bemerken wir, daß sich überall Vereine zur Förderung von Handwerken unter den Juden gegründet haben, wie in Münster, in Westphalen, die Haindorff'sche Stiftung, und hier in Frankfurt der Verein zur Erlernung von Handwerken). In vielen Ländern wo die Gewerbfreiheit schon länger existirte, treiben die Juden mit größter Anerkennung die schwierigsten Handwerke, oft die niedrigsten Beschäftigungen. In Böhmen, z. B. werden viele unter den geschicktesten Glasern und Dachdeckern gezählt, die letzteren müssen jedenfalls Muth besitzen, den man ja den Juden absprechen will. In Amsterdam kann man Juden oft das Geschäft des Stiefelputzens aus den Straßen verrichten sehen. Viele sind dort Steinhauer. Man macht den Juden den Vorwurf, daß sie nur Sinn für den Handel hätten. Es ist dies besonders der Kleinhandel, der Hausirhandel, der gehäffig geworden ist. Der Handel en gros hat niemals Angriff erfahren. Der Grund rührt daher, daß der kleine Geschäftsmann und Hausirer, um etwas bei seinem kleinen, und wenig Kundschaft besitzenden Geschäfte zu verdienen zu Mitteln seine Zuflucht nehmen muß, die wie Betrug aussehen, und nur von der geschäftlichen Usance gerechtsertig werden. Ein Großhändler braucht solche Mittel nicht zu ergreifen. Wenn aber ein Hausirer seine Waare theuerer verkaufen muß, als man sie in der Stadt erhält, wenn er dieselbe Maaren, — aber so, daß ein kleiner Defekt an Qualität oder Quantität vorhanden ist, verkauft, so hält Mancher sich nachher für betrogen, und schreit über den betrügerischen Juden, wenn es ein solcher ist, der die Maaren verkauft hat. Grade bei Juden tritt dann ein solcher Fall auf das eklatanteste hervor. Als der Schwindel mit Tomback aufkam, als Halbleinen u. s. w. zuerst Mode ward, und die Hausirer sich mit Vorliebe dieser Artikel bemächtigten, oa waren es besonders die Juden, denen man die Erfindung und den Vertrieb dieser unechten Artikel zuschrieb. Schließlich will man das zu große Drängen nach der Börse, das übermächtige Banauierthum den Juden zur Last legen. Wir geben zu, daß die Börse mehr jüdische Mitglieder besitzt, als man unter normalen Verhältniffen erwarten sollte. Es liegt dies aber in besonderen Zeitverhältniffen, und hängt von zufälligen Bedingungen ab. In Frankfurt a. M. zum Beispiel, hat das, zu solcher Weltbedeutung gelangte Haus Rothschild die Mehrzahl der hiesigen, ältern Banquierfirmas aus seiner Mitte erzeugt, die Gründer der namhaftesten Häuser, wie B. H. Goldschmidt, Sulzbach waren Anfangs im Comptoire Rothschild beschäftigt, waren Makler und schließlich eigene Banquirs. Diese machten wiederum Schule, und erzeugten eine bedeutende Anzahl anderer Banqiergeschäfte. In Provinzialstädten, wie Cöln, Breslau, Königsberg findet man ähnliche Verhältniffe unter jüdischen Banquirs nicht. Es r'L dies also ein besonderer Umstand, der keineswegs für die zu große Betheiligung der Juden an dem Banqierwesen spricht. In großen Weltstädten, wie London, Paris, Amsterdam, Berlin, mußte sich der Natur der Sache gemäß ein mächtiges Banquierwesen bilden, in Folge des großen Zusammenflusses von Menschen und Reichthümern aus aller Herrren Ländern. Im Ganzen genommen wird daher auch die letzte, statistische Aufnahme nicht ungünstiZ-.ffLr Ne' Juden ausfallen. Bemühen wir uns, uns immermehr durch ehrliche, thätige, und zugleich ehrenvolle Arbeit die Gunst aller Freunde, und das gezwungene Verstummen unserer Feinde zu erwerben. Hochtrevg, bei Würzburg, den 3 August. In wahrhaft würdiger Weise verlief das im ״Jsr. Reichsboten" angekündigte Fest des 25 jährigen Lehrerjubiläums Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner I. Ehrenreich. Von Nah und Fern strömten frühere Schüler, Freunde und College» des gefeierten Jubilars herbei, um demselben ihre dankbaren Glückwünsche darzubringen und sich an der Feier zu betheiligen. Da an demselben Tage die Lehrerversammlung zu Würzburg stattfand, und der Jubilar selbst derselben beiwohnte, so nahm die Feier dem Programm entsprechend, erst um 4 Uhr Nachmittags ihren Anfang. In geschmückten Wagen wurden der Jubilar und die Gäste von Würzburg abgeholt und von den Präparanden im feierlichen Aufzug empfangen. Herr Carl Rosenthal inWüiHburg, Mitglied des Festcomittzs, begrüßte die Gäste im großen Lehrzimmer der Präparanden schule in einer kurzen, gelungenen Ansprache. Der gefeierte Jubilar wurde dann von einer Deputation in die Synagoge geleitet, woselbst bereits alle Gäste, unter diesen der Rabbiner von Würzburg, der Rabbiner von Kissingen u. a. ml versammelt waren. Beim Eintritte überraschte denselben ein trefflicher Chorgesang ברוך הבא. Herr Präparandenlehrer Nathan Eschwege, (Schwiegersohn Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Fromm) hies., als früherer Schüler des Jubilars ebenfalls dem FestcomitH angehörend, hielt die Festrede. Anlehnend an den Schlußvers der Hymne ברוך הבא הודו לד׳ כי טוב כי לעולם חמדו schilderte der Redner in begeisternden, trefflichen Worten die Bedeutung der Feier, die Würdigkeit des Jubilars, wies an der Hand der Worte unsere Weisen 'את ד אלקיך תירא לרבות תלמידי חכמים ומורא רבך כמורה 04שמים die Verpflichtung gegen den Lehrer hin und mahnte, den weisen Lehren der Thora, die durch das

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