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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-08-18 · 33 (18.8.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
33 (18.8.1882)
Date
1882-08-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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י) er Heidis־ JJok Organ für religiöse, wissenschaftliche und gemeinnützige Interelfen des Iudenthums. erscheint jeden Freitag. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Herausgeber und Redakteur Moritz Baum Redaktion und Expedition: Unterer Atzemer Nr. 9. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. Frankfurt a. M.) 18. August 1882 (5642). Ar. 33. Achter Jahrgang Ku סדרה שפטים Wie jedes Wort der heil. Thora mit tiefer Ueberlegung und Nachdenken und größter Sorgfalt von dem Urheber, dem gottbegeisterten Moses, und denjenigen, welchen er das göttliche Werk überlieferte, heilig bewahrt, wie jedes Wort von den Männern der Massora genau geprüft, gezählt und behütet ward, sollte jedem Israeliten genau bekannt fein, und ihn mit tiefer Ehrfurcht vor dem heil. Text erfüllen, und ihn davor bewahren, leichtsinnig sich über irgend ein Thorawort zu äußern, und ihn selbst zur größter Aufmerksamkeit auf seine gewöhnliche Sprache veranlassen! כלינו שינינו כמו הגה Pf. 90. ״Wir verbringen unsere Jahre wie ein Geschwätz!" sagte unser göttlicher Moses, der wohl die Bedeutung der Sprache kannte, und wie durch leichtsinniges Reden oft der schönste Theil des Lebens vergeudet werden kann! למנות ימינו כן הודע, Lehre uns unsre Tage zählen! fuhr er weiter fort, — lehre uns gütiger Gott, jedes Wort unserer Zunge achten, damit unsere Lebenswege, die doch so kurz sind, gebührend benutzt, und angewendet werden! Und so auch der göttliche Sänger David, Ps. 39: ״Herr ich will Acht haben aus meinen Weg, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge; Ich will meinen Mund mit einem Zaume bewahren, während der Frevler vor mir ist! Herr mE^^urich mein Ende wissen, und meiner Tage Maäs/"wM״xs״stst; daß ich weiß, wie schwach ich bin! Und so finden wir Tod und Leben in der Gewalt der Zunge!" Spr. Sal. 18,21. Nicht ohne Ueberlegung haben daher unsre Weisen die Worte des Hohen Liedes: קוצותיו תלתלים (Deine Locken sind herabhängend, (im Traktat Erubin) dahin ausgelegt: ״Jedes Strichlein im göttlichen Worte ist von hoher Bedeutung (״^p-Strich, ״'^-Hügel.) Und die Kabalisten gingen so weit, daß sie sagten: כל ״ התורה כלה שמותיו של הקב״ה היאDer ganze Pentateuch enttjält lauter göttliche Namen!" (Daher kommt es auch, daß ein Exemplar des Pentateuch's, worin ein Fehler vorkommt, er betreffe auch nur ein falsch oder mangelhaft geschriebenes Wort, dadurch unbrauchbar wird, und obgleich in Rücksicht der Verständlichkeit daran nicht das Geringste gelegen ist, so wird es doch in anderer Hinsicht unbrauchbar, weil Alles ursprünglich von Gott herkommt, und eine tiefe Weisheit enthält.) Daher wird auch ein Werk der Erlösung Israels die reine geläuterte Sprache sein: Zephanie 39. ״Denn einst wandle ich den Völkern eine geläuterte Sprache, daß sie alle den Nauren des Ewigen anrufen und ihn einmüthig verehren!" Ich komme zu dieser Betrachtung durch die ausfallende Verdopplung so vieler Ausdrücke der heutigen Haphtoravorlesung, die gleich beginnt, אנכי אנכי הוא ״ מנתמכםIch, ichjbin es der Euch tröstet!יי d. h. Gott der mit dem Ausdrucke אנכי .die heiligen zehn Gebote eröffnet hat, wird Euch wenn ihr diese Gebote haltet, trösten! Auch die Wiederholung der heutigen Thora- Vorlesung 5. B. 16,20: ״ צדק צדק תרדוףDer Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollt ihr nachstreben!" ist ausfallend. Da doch sonst solche Verdoppelung deren die hebräische Sprache sich nur in ungewöhnlich leidenschaftlicher Rede bedient, sonst von dem Gottesmanne Moses nie in seiner Anrede an das Volk gebraucht wird. Wir finden di sie Verdoppelung des Ausdruckes mehr bei dem leidenschaftlich entzündeten Jesaiah, der sogar 6,3, eite zweimalige Wiederholung gebraucht, bei dem Ausdrucke der Heiligkeit Gottes, um dadurch anzuzei;en, daß diese Heiligkeit über alle Begriffe ist. Eine ähnliche Wiederholung kommt freilich auch 2. B. M. 15,1, bei dem Lobgesante der Kinder Israels vor, als sie in höchster Leid nschast sangen: ״ אמירה לד' כי גאה גאהSingen will ich dem Herrn, der hoch erhaben ist!" Woran Rasa! die Bemerkung knüpft: כ־ גאה גאה על בל השירות וכל מה שאקלם ב׳ עוד יש בו ר ־תפור. ולא במדת מלך בשו׳ד שמקלסין ״ אותו ואין בוHoch erhaben ist er über alle Länder, und .... Alles, weswegen ich ihn oreise, hat noch Höheres, das ich nicht drreichen tunch^^nd ״r ist nicht wie ein irdischer König, den man preist und keine gute Eigenschaften, weswegen man ihn preisen könnte, besitzt." Es muß also auch mit diesem צדק צדק eine besondere Bewandniß haben, weswegen sie hier, von der sonst Nüchternheit, ja große Sparsanlkeit liebenden hebräischen Sprache angewendet wird. Gewiß ist das Recht, die Einsetzung von Richtern, schon eine so wichtige, so ernste Angelegenheit, daß sie wohl einen gewissenhaften, eifervollen Gesetzgeber in die höchste Leidenschaft zu versetzen vermag! ('חרב בא לעולם על עבדי הדין ועל עוות הדין(אבות ה ״Das Schwert kommt in die Welt wegen falscher Aussprüche und Verschuldigungen des Rechtes!" Und wohl wenden auch die Propheten bei der Verurtheilung des rechtlosen Volkes, Verdoppelungen in der Sprache an, wie Jerem. 22,24, Jes. V. 32. Diese Leidenschaft, diese Ueberströmung des Gemüthes unseres großen Gesetzgebers, giebt uns besonders Anlaß zur eingehenden Betrachtung in der Zeit, in welcher wir uns nun besinden, indem wir immer näher dem großen Tage, יום הדין, dem Tage des Gerichtes entgegen gehen, dem Tage wo der Höchste in seiner Eigenschaft als Richter erscheint, der furchtbarsten seiner Eigenschaften, um über die zitternden Creaturen, über die, vor Furcht und Sündenbewußtsein erbebende Welt zu Gericht zu sitzen! Wohl ist das Gericht Gottes כי המשפט לאלקים 5 הוא. B. M. 1,17, darum ״ לא תגרו מפני אישsürchtet Euch vor Niemanden, vor keinem Menschen." (das.) ״Wer das Joch Gottes aus sich nimmt, dem nimmt man das Joch der weltlichen Regierung vom Nacken." (אבות ג׳יז') Aber das Gericht Gottes ist furchtbar. Jeremiah 17,10. ״Ich der Herr untersuche das Herz, prüfe die Nieren, zu geben einem Jeden nach seinem Wege, nach der Frucht seiner Thaten." Und als der Heilige die Welt schuf, da schuf er sie in seiner Eigenschaft der Barmherzigkeit, als אלקים, denn würde er sie in seiner Eigenschaft ד׳ als Richter geschaffen haben, wie würde da die Welt bestehen gekonnt haben!!שאיך העולם מתקיים (Raschi). Aber in seiner göttlichen Gnade hat sich der Allheilige den Menschen genähert. Er entkleidet sich gewissermaßen seiner erhabenen Eigenschaften und läßt sie hienieden auf der Erde, sei es in Institutionen, sei es in Menschen, verkörpert vor uns hintreten, damit wir indem wir, diese schauen, diesen nachahmen, den Lohn finden, als ob wir dem Höchsten selbst in seinen höchsten Eigenschaften gefolgt, und nachgeahmt, ihn erreicht hatten! So sagen unsere Weisen: Zur Stunde da ד״ der Richter, dem Abraham erschien und zu ihm sprach:1 אני אל שדי התהלך לפגי והיה תמים. B. M. 17Z1DDM—dw- ^t--dLL^2lllm(ick;tige. wandle vor mir, und werde vollkommen." Da sttterieDldra-- haut, und sprach: Wie kann ich fehlerhafter, ichwacher Mensch vollkommen, sein? Und der Allheilige fuhr weiter fort und sprach: ואתנה בריתי כני ובניך Ich werde meinen Bund setzen zwischen mir und dir b. h. ich will die heilige Lehre, meinen Bund geben, durch deren Befolgung du vollkommen wirst!" So hat der Heilige auch früh Männer erstehen lassen, die ihn in seiner Eigenschaft des Rechtes aus Erden vertraten. So treffen wir schon Zu Zeiten Abraham's einen König,?der Priester des höchsten Gottes genannt ward, den 1 מלכי צדק. B. M. 14,18, welcher König von Salem, Jerusalem war, welche Stadt besonders עיר הצדק die gerechte Stadt genannt wurde. Jes. 1,26. Darum hat auch der sromnte Jude zu benedeien, bei dem Anblicke eines Königs, dem Verwalter des Rechtes auf Erden, dessen Regierung ein Abglanz ist der Herrschaft Gottes int Himmel. מלכותא Hirchel Kevy. (Nach dem Annuiare de la Societ6 des 6tudes juives) Gin Aapitek ans der Ghronik des jüdischen Martyriums. (Fortsetzung.) Die Ungerechtigkeit dieser schrecklischen Sentenz wird augenscheinlich werden, wenn wir die Vertheidigungsmittel der Angeklagten auseinandergesetzt'haben. Zuerst die Wiedersprüche, und die Hinfälligkeit der An- . klage, und die Unregelmäßigkeiten in der Prozeßführung. Nichts beweist in den Schriftstücken, welche uns vor Augen liegen, daß die Justiz sich selbst über die Existenz des Verbrechens aufznklären gesucht hat. War es wahr, daß die Wittwe gebunden, mißhandelt, bestohlen worden war? Konnte sie das Vorhandensein einer so großen Geldsumme in ihrem Hause beweisen? War sie wirklich verwundet? Wo waren die Sachen, welche die Diebe fortgenommen hatten, und hatte man sie bei den Angeklagten oder anderswo gesucht? Es scheint, daß die Justiz sich mit keiner dieser Fragen beschäftigt hat. In der Aufregung der ersten Stunde hatte die Angeklagte formell, vor dem Profoß, ihrem Sohne, die drei Beschuldigten, Hirtzel, Menke und Lang angeklagt, siethat dasselbe vor dem Berittenen der Gensdarmerie, aber vor dem Sergeanten der Gensdarmerie, sagte sie aus, daß sie die Schuldigen nicht kenne, aber, daß sie vermuthe, daß es die drei genannten Beschuldigten seien. Endlich, nachdem sie mit den Angeklagten confrontirt ward, in Gegenwart des Schulzen, erklärte sie, daß sie gestörten Geistes sei, und daß sie nicht im Stande wäre einen der Angeklagten wieder zu erkennen; sie würde in diesem Augenblicke von der Klage zurückgetreten sein, wenn der, vielleicht mit Unrecht dazwischentretende Schulze, ihr nicht, als eine Folge solchen Entschlusses eine Verurtheilung in die Prozeßkosten, und vielleicht Gerichtskosten und Schadenersatz, in Aussicht gestellt hätte. Uebrigens, wenn es wahr ist, daß die Schuldigen, nach Aussage der Wittwe, ein maskirtes Gesicht gehabt haben, so fragt man sich, wie sie dieselben habe erkennen können; aber dieses Detail gehört vielleicht zu der Legende des Verbrechens. Das Zeugniß der Magd war über einen gichtigen Punkt in Widersprnch mit demjenigen ihrer Herrin. Diese hatte behauptet, daß Hirtzel der hauptsächliche Urheber der Gewalt, welche man an ihr übte, gewesen fei, während nach der Aussage der Magd, sich Hirtzel während der Zeit an ihrer Seite gehalten haben soll, um sie aufzuhalten, und ihr Schweigen aufzulegen, während seine Mitschuldigen das Verbrechen begangen, und die Wittwe mißhandelten. Außerdem sagte die Magd, daß man sie an ihre Herrin befestigt habe; diese aber wußte nichts von diesem Vorfälle. Endlich, wenn die Frauen von den Dieben gebunden worden waren, wer hatte sie von ihren Banden befreit? Weder der Schulze noch der Gerichtshof hatten sich diese Frage vorgelegt. ״Man findet nur Zuviele dieser Menschen" sagt 068 Essarts ״welche aus strafbarem Fai natismus sich weder Angst noch Gewissensbisse machen, r auf ungerechte Weise Zu dem Ruine und selbst zu dem 1 Tode eines fälschlich angeklagten Juden beizutragen." Indem die Einbildungskraft des Volkes nun noch hinzutrat, fand man noch einige belastende Zeugen. Eine Frau aus Wedelsheim, Namens Marie Keller, welche früher wegen Diebstahls von dem Tribunale zu Saverne verurtheilt worden und sogar mit dem rothen Eisen gezeichnet worden, und für s5s Jahre verbannt worden war, gab vor, daß sie Menke um 11 Uhr Nachts, in der Nacht vom 25 — 26 Kislew (9 — 10 Dezbr.) in Wedelsheim gesehen habe. Das würde nicht unmöglich gewesen fein, da, in Wirklichkeit, wie wir ferner sehen werden, dieses erbetene Zeugniß der Wahrheit conform gewesen wäre. Ein gewisser Peter Bayer, aus Ribeauville, ebenfalls den 12. Sept. 1753 von dem oberen Gerichtshof zn 5 Jahren Verbannung verurtheilt, sagte aus, daß am Dienstag, 10 Sept. zwischen 5—6 Uhr Morgens, er zwischen Ribeauville und Ostheim einem Menschen begegnet wäre, den er grüßte, und welcher den Gruß erwiederte, und den er, an der Stimme für Lang zu erkennen glaubte. Ein Portier der Stadt Ribeauville sagte aus, Lang am 9 Dec. aus der Stadt hinausgehen gesehen zu haben, um 9 Uhr Morgens, und daß er ihn nicht wieder zurückkommen gesehen habe. Endlich sagten zwei am Morgen des 10 Dee. von dem Profoß von Hauzell nach Colmar gesandte Bauern aus, daß zwischen 4-5״ Uhr Morgens sie auf dem Wege nach Schoppenwihr zwei Personen begegnet seien, die sich bei ihrem Annähern entfernt hätten. (Schluß folgt.)

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