Israelitischer Reichs-Bote
- Journal
- Israelitischer Reichs-Bote
- Volume
- 8 (1882)
- Issue
- 31/32 (11.8.1882)
- Date
- 1882-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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sagte ihnen Worte des Lobes, und prophezeite ihnen angenehme Dinge: Wahrlich ihr seid wunderbar, alles dies Werk zu thun! Und sie standen auf und sagten : Wahrlich sind wir wunderbar, solches Werk gethan zu haben! Und sie stießen in die Tronlpete, und ihr Klang ward weit gehört! Nun kamen zwei der Arbeiter, welche die Ernte gesammelt hatten, vorbei, und sie hörten die Freude und erkundigten sich über den Lärm und dessen Grund, und sie erstaunten, und lachten herzlich. Und Einer sagte zu dem Andern: Wahrlich die Drohnen summen außergewöhnlich, und die Bienen welche beu Honig machen, sind schweigsam! Und die Andern antworteten: Die Bienen machen den Honig, doch nicht sür sich selbst! (Ein Römer sagte: 816 vos 11011 vobis mellificatis apes!) Warum sollen sie summen? Und sie gingen ihres Weges in Freude, denn das Werk ihrer Hände war geschehen. So ist die Stellung Israels, Jacobs in der Geschichte. Es hat die Aufgabe die Arbeit, die'Mühe, alle, selbst die kleinsten und geringsten Gebote seines Gottes zu halten, damit alle andren Menschen, Nationen und Religionen den Segen und die Wohlthat derselben genießen. Es ist der Arbeiter der den Boden bearbeitet, und die Ernte einführt. Es ist die Biene, welche den Honig einsammelt. Wohl ist oft Leid und Schmerz und Gefahr und Drangsal über es verhängt. Wohl mag es wie Raschi zu Klagelieder 1. 21, sprechen: ״Denn du hast es gethan!" :״ כי אתה עשיתDu hast mir den Haß der Völker eingebracht, du hast mich von ihnen fern gehalten, hast mir ihre Speisen, ihren Wein verboten, mir verboten mit ihnen in ehelicher Beziehung zu leben: würde ich mit ihnen verschwägert gewesen sein, sie würden sich nieiner und der Kinder ihrer Tochter erbarmt haben." Aber eben in diesen Leiden, in diesem Tragen, in der Erfüllung der göttlichen Gebote liegt der Beruf Jakobs, in dem Kampfe nüt Gott und Menschen, 1. B. M. 32. 29, weswegen es ״Israel" genannt wird. Und sür diese Erfüllung seines Berufes ist es, daß Israel gesegnet wird und der Bund Gottes ihm erhalten bleibt.? במה תרום קרן ישראל fragte Moses nach R. Abuhu den Herrn: Wodurch begründet sich die Größe und der Glanz Israels? Worauf ihm der Weltenherr zur Antwort gab: ״Im Dulden und Tragen Im Dulden und Tragen fahre fort, o gläubiger Israelit, und wie dein Erzvater Jakob wälze für - Andere.Ltatr..rreir berr Stein vom 'Brünnen. Warum spricht Zion: sagt die heutige Haphtora, Jesaiah 49. 14, 11, hat mich der Ewige verlassen? der Herr mich vergessen? Wird denn ein Weib vergessen ihres Kindes, daß sie sich nicht erbarmt des Kindes ihres Leibes? Möge selbst diese es vergessen, so will ich dich doch nicht vergessen! Und sollte auch Leid über Leid über dich ergehen, sollte auch Verbannung, Verwüstung, Zerstörung und Verfolgung dein Loos sein, harre aus in der treuen Erfüllung der göttlichen Gebote in Krümme, in der Verbannung, bis daß die Krumme zur Grade wird, :והיה העקב למישור Jes. 40.4, bis der Herr sich deiner erbarmt und du wieder nach Bethel konimst, 1. B. M. 35.6, wo dir der Herr erscheint und zu dir spricht: Dein Ghalutname Jakob soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel! Der Name des Ruhmes. Bis sich die Tröstung des Herrn erfüllt, fahre muthig fort Jakob, rüstig und muthig sür die Erfüllung des göttlichen Gebotes zu wirken, und in allen Theilen dem göttlichen Berufe nachzukommen, und es sei, wie es heißt Micha 5.8, der Ueberrest Jakobs soll in der Mitte der Völker sein, wie der Thau des Herrn, wie Regengüsse auf das Gras das sich nicht Sorge macht um Menschen, und nicht wartet auf Menschensöhne. Und wenn sich der Rathschluß und die Wege des Herrn auch noch nicht absehen lassen, sieh, Israel aus das Bild der Propheten, der in der Haphtora der heutigen Vorlesung weiter sagt: ״Meinen Rücken gab ich hin den Schlagenden, und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor-Schmähungen und Speichel; denn der Herr, Gott, wird mir beistehen, darum werde ich nicht beschämt, dazu machte ich mein Angesicht zum Kiesel und weiß, daß ich nicht zu Schanden werde. Nahe ist mein Rechtfertiger, wer will mit mir hadern? Wir wollen auftreten zusammen! Wer ist mein Gegner, er trete her zu mir! ואדוגי יעזר לי על כן לא נכלמתי Der Herr wird mir beistehen, darum werde ich nicht beschämt. Irr בררה ראה Eine Eigenschaft der hebräischen Sprache ist besonders auch die Kraft, die Stärke, bei aller Anmuth und Lieblichkeit im Wortklang und Ton. Der Beweis dafür ist, daß andre Sprachen keine bestimmte Form für Verstärkung, Gewalt, Fertigkeit oder schnelle Wiederholungen in der Rede besitzen, als das hebräische?1611 bezeichnet. Wenn 1״a langue c’est 16 peuple“ die Sprache das Volk ist, der Charakter des jüdischen Volkes aber sich in dem Herzen zeigt, in dem Gefühle, in dem Verkehr mit Gott, Spr. Sal. 4. 5, Vor Allem bewahre dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus; — so drücken sich auch in der Sprache dieses jüdischen Volkes mit besonderer Kraft alle Bewegungen des Herzens aus. Da braucht man nur einen Ton, einen Laut anzuschlagen, und eine ganze Fluth von anklingenden Gefühlen und Herzensbewegnngen klingt mit diesem Laute an, und eben weil Gefühl und Laut in den Ur- und Kindersprachen der Menschheit so innig mit einander verbunden sind, so zeigen alle lautverwandte Wörter der heiligen Sprache auch in gewisser Hinsicht sinnverwandte Wörter an. Vergleichen wir z. B. das Wort ברך segnen mit רחב weit, בהר auserwählt alles gleichbedeutende Wörter L1I611 fluchen mit Ivlankeil verächtlich, 4. B. M. 21. 5, Kilkal heftig, bewegen, schütteln Jech. 21,7 welche Sinnverwandtschaft bietet sich uns hier dar! Die Sprache nimmt hier gleichsam Theil am Gefühle, formt sich nach seinen verschiedenen Regungen, und ist deshalb eine heilige, weil sie der unmittelbare Ausdruck der Gedanken ist, die an der Stätte entspringen, die von uns heilig bewahrt werden soll! Wenn in dem hohen Liede Salomonis, Israel unter der Gestalt einer göttlichen Geliebten besungen wird, so lassen sich die dort in Bezug auf ihren Geliebten gebrauchten Ausdrücke, wie es Raschi an seiner Stelle auch thut, sämmtlich auf die schöne Sprache Israels und auf die in dieser Sprache gegebene ״Thora" anwenden. ״Ich bin die Rose Sarons, die Lilie des Thales. Wie die Lilie unter Dornen so bin ich unter den Töchtern! H. L. 2. Wie eine Lilie, die stets von den Dornen umdrängt und gestochen — aber auch dadurch geschützt wird. So liebt auch die hebräische Sprache Keuschheit und Bescheidenheit. ״Wie der Apfelbaum unter den Waldbäumen, ist mein Geliebter unter den Söhnen. Unter seinem Schatten saß ich mit Ergötzen, und seine Frucht war süß meinem Geschmacke!" Wie der Apfelbaum ein edler Stamm ist, seine Frucht an Geschmack und Geruch ausgezeichnet, so auch Israel in seiner Sprache! Wahrlich man kann die Worte das. 4,7, ״Du bist ganz schön und kein Flecken ist an dir!", auf Sprache Israels anwenden, dessen Sprache schon eine versöhnende, warnende, bessernde, gewaltig wirkensvolle Kraft hat. Wie die Stelle das. 5,13, ״Deine Lippen sind wie Lilien, träufeln sanft schwellende Mirrhe!" Die Lehre deiner Lippe, die Thora ist versöhnend und gefällig, wie es von ihr heißt: ואת תורת״ 3 ".חמאת, אשם, מנחה, עולה, שלמים. B. M. 6,17. Die Thora vertritt alle Opfer und wer sich mit ihr beschäftigt wird durch sie bewahrt, als ob er Sünd-, Schuld-, Speise-, Ganz- und Friedensopfer dargebracht hat. Ich schicke diese Erwägung der näheren Beleuchtung des Anfanges der heutigen Thoravorlesung vorher: ״Siehe ich lege Euch heute vor Segen und Fluch!" Hier ist zuvörderst der Einwand zu widerlegen, ob der Allmächtige wie ein jähzorniger Mensch einen Fluch gegen den Sünder aussprechen wird? Sollte es ihm nicht besser anstehen, nur zu segnen und zu verhüten, daß der Mensch nicht in Sünde geräth? Wir wissen, daß unser heiliger Gesetzgeber Moses, von dem es heißt 4. B. M. 12,8: פה אל ,פה אדבר בו ומראה ולא בחידות ותמונת ד׳ יביט: ״Mund zu Mund rede ich mit ihm, von Ansehen nicht in Räthseln, die Gestalt Gottes schaut er," woraus man glauben könnte, daß Gott eine sichtbare Gestalt dem Propheten, dem er schon vorher gesagt hatte, לא תוכל לראת את פני כי לא יראני האדם ״ וחי:Du vermagst mein Angesicht nicht zu sehen, denn es sieht mich kein Mensch und lebt" gezeigt habe, aber unter ״Ansehen" und ״Gestalt" das מראה הדבור, das Ansehen der Rede, der Offenbarung (Raschi) gemeint ist, wir wissen, daß der Prophet Gottes Eigenschaften mit der Erlaubniß des himmlischen Vaters in menschliche Bilder und Eigenschaften eingekleidet hat und ein frommer Gelehrter sagt darüber, zu der Stelle des Gebetes, ״ מהולל בפ עמוgelobt wird er nach der Weise seines Volkes." Wenn Gott auch erhaben ist über alles Lob, und jeden Ruhm, so ist es dennoch nicht genommen mit menschlichen Ausdrücken ihn zu loben und zu preisen, בלשון בני אדם, um so mit ihm, dem Schöpfer und Vater in Verbindung zu kommen, denn ohne demgöttlichenWesen mensch- Iliche Eigenschaften beizulegen, wäre es gar nicht möglich, zu ihm sich zu erheben und ihn anzubeten. Daher sagen unsere Weisen: אי לאו דאתא משה ואמרינהו ואתו כנסת הגדולה ותקנינהו ע' Wenn Moses dem ewigen Wesen nicht göttliche Eigenschaften beigelegt hätte und hätte die große Synode nicht die Gebete hiernach abgefaßt, so wäre dem Menschen der Weg zu Gott verschlossen gewesen. — So ist auch ״Segen und Fluch" nach der Weise des Menschen, dem himmlischen Vater in den Mund gelegt worden! Und dann giebt es Ausdrücke in der heiligen Schrift die nur im propädeutischen Sinne, d. h. im vorerziehlichen Sinne, vor und früher ihre An- Wendung stattfindet, gesagt worden sind, wie der Ausdruck, 2. B. M. 21,24, Aug um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß; und das Gesetz über den störrigen Sohn, 5. B. M. 21,18, ' welche Gesetze nur als Schreckbild zur Abschreckung dienen, und nur bei Wiederholung und absichtlichem Frevel zur Anwendung Kommen. In dem Fluche Gottes scheint ,also eine starke Verweisung, eine eindringliche Abmahnung zu liegen, umsomehr als das Stammwort des Fluches, קללה, ein Piel Kileil ist, ein verstärktes Abreden. Der Fluch Gottes ist eine Zurechtweisung im Sinne 3. B. M. 19,17, ״ הוכח וגדweise deinen Nächsten zurecht!" Und wohl lassen sich auf die Zurechtweisung auf die קללה Gottes, die Worte Spr. Sal. 17, anwenden: ״Gut ist aufrichtige Rüge, die aus einer Liebe stammt; besser ist Wahrheit in Wunden vom Freunde, als Trug in den Küssen des Hasses!" Und Pred. 7.5, ״Es ist besser zu hören den Vorwurf eines Weisen, als den Gesang eines Thoren! Und wohl sagen unsre Weisen, Sanhedrin 105 ,b טובה קללת אחיה השילוני שקלל את ישראל ״ מברכה שברכן בלעם הרשע:Besser ist der Fluch des Propheten Achiach, des Siloniten, als der Segen mit welchem Bileam sie segnete!" Denn der Prophet Achiah, prophezeite in den Tagen, da Jerobeam das Volk zum Götzendienste verführte, um Israel vor der großen Sünde zu warnen. 1. B. K. 14, 15: ״Der Herr wird Israel schlagen, wie ein Rohr im Wasser geschüttelt wird, und wird es auswurzeln aus dem guten Lande, welches er ihren Vätern gab, und sie zerstreuen jenseits des Flusses, weil sie Grotten zur Götzenverehrung gemacht haben, des Herrn Aerger herausfordernd! Wohl Israel, wenn es damals dem Fluche des greisen Propheten—Gehör, ,gegeben hätte, §s wäre ü nicht in assyrische Gefangenschaft gerathen! Der süßredende, falsche Bileam aber brach schmeichlerisch in schöne Segenssprüche aus gegen Israel! ״Wie schön sind deine Zelten Jakob, deine Wohnungen Israel!" Aber er verführte durch heimliche Rathschläge die er dem Könige von Moab ertheilte, das Volk zum Götzendienste des Bal Peor, und sein Segen war nur ein Fallstrick, den er Israel legte! Aber des Herrn Drohungen und Zurechtweisungen sind propädeutisch. Sie bezwecken Abwehr, Besserung, Vorbeugung der bösen That des Sünders. Er sucht die Rückkehr, die Besserung des Sünders. Jech. 13,23. ״Hab ich Gefallen daran, daß der Sünder sterbe? sagt Gott, und nicht daran, daß er von seinem Wandel ablasse und lebe?" Und siehe! Er läßt die Verkündigung des Fluches und Segens, als Vorbote dem großen Tage vorangehen, dem großen und furchtbaren Tage, wo der Herr als König über die Menschheit zu Gerichte sitzt, und es von ihm bestimmt und besiegelt wird, "מי לברכה ומי לקללה Wer zum Segen und wer zum Fluchen bestimmt wird!" So gütig, so väterlich ist der Weg des himmlichen Vaters! Er warnt nicht einmal, nicht zweimal, nein er warnt oft und wiederholt den Sünder, daß er sich zu ihm wende und sich zu ihm bekehre! Lange bevor der Segen und der Fluch von ihm verhängt wird, sprach er ihn besorgt und drohend aus, damit das Herz des Sünders von seinem Wandel ablasse und sich bessere. Wir befinden uns an dem Beginne des Monats אלול, dessen Anfangsbuchstaben in dem schönen Verse, Hohes Lied 6, 3, ״ אני לדודי ודודי ליIch bin meinem Freunde, und mein Freund ist mir" niedergelegt sind! Noch liegt Sommerherrlichkeit auf der Flur, noch liegt die grüne Decke blühender Natur auf Wald und Gärten, und die süße, schmelzende Stimme des beschwingten Sängers läßt sich noch aus Wald und Gebüschen vernehmen! Wir erlaben uns überall noch des frischen, fröhlichen Schmuckes, der vielfarbig gekleideten Natur. Aber immer näher dringt schon aus der Ferne ein Hauch, ein Ton der Wehmuth und der Trauer an uns heran, als wie ein klagender Todesruf, als wie das Wimmern einer Sterbestunde, als wie der ferne Klang eines Hornes, welches der von