Israelitischer Reichs-Bote
- Journal
- Israelitischer Reichs-Bote
- Volume
- 8 (1882)
- Issue
- 31/32 (11.8.1882)
- Date
- 1882-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i Organ für religiöse, Wissenschaftliche und p >■:<>״ zemeinnühige Interessen des Iudentßums. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. erscheint jeden Freitag. Herausgeber und Redakteur Moritz Baum Redaktion und Expedition: Unterer Atzemer Nr. 9. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dien sta g erbeten. Frankfurt a. M., 11. August 1882 (5642). Ur. 30 und 31. Achter Jahrgang. M.- י?./« 'S, סדרה עקב »3 (Unlieb verspätet.) Den Erklärern und Auslegern der heil. Schrift ist seit jeher die Eigenthümlichkeit der hebräischen Sprache bei ihrer Exegese zu Statten gekommen, daß dieselbe wie alle Sprachen gleicher Abstammung, keine bestimmte Bezeichnungen für die Vokale besaß, sondern von Uransang her eine Consonantenschrift war. Solange die hebräische Sprache eine lebende war schützte der bekannte und allgemein verstandene Sinn und die Bedeutung des Zusammenhangs der Rede, der Ton, welchen genau bestimmt jedes einzelne Wort im Satzbaue der orientalischen Sprache besitzt, verschiedene Vokale vertretende Consonanten wie die Zeichen א ה 1 י vor einer sinnentstellenden, falschen Lesart. Als sich aber der Gebrauch der hebräischen Sprache verlor, sah man sich genöthigt, nach dem Vorbilde der sirischen Sprache, bestimmte Zeichen für die Vokale anzunehmen, und nach gewissen Gesetzen die ganze vorhandene heilige Schrift zu interpunktiren. Diese, nach Ueberherkommen, nach Ueberlieferung,מסרה arbeitenden Punktatoren bildeten die Maßora, von welcher Rabbi Akiba Aboth 3.13, sagt מסרת סיג לתורה. In den gelehrten Schulen, welche die Juden besaßen, bildete sich die Maßora. Sie erfanden neue Lautzeichen, und mußten dieselben dem heiligen Texte unterlegen. In großer Ehrfurcht vor der heiligen Schrift ließ man die alten Vokalzeichen, selbst als man die neueren erfunden hatte, stehen, und während man die neue Lesart קרי für die öffentliche Vorlesung schrieb, blieb das כתיב die alte Schriftform stehen, und ward beim Abschreiben der Thora stets beibehalten, daher die Ausdrücke כתיב ולא קרי קרי ולא כתיב. Daß aber bei einem solchen riesenhaften Werke, als es dasjenige ist, eine ganze verlorengegangene Aussprache eines umfangreichen Schriftthums zu ersetzen, nicht an Zwistigkeiten und Abweichungen der Schulen und Gelehrten unter sich fehlen konnte, bis sich eine allgemein angenommene Punktation bildete, ist einzusehen. Wie heute ein Unterschied zwischen der portugiesischen nnd polnischen Aussprache der Vokale besteht, so bestand damals eine östliche, (der Babplouer) und eine westliche (palästinensische) Punktation. Der ganze heilige Text ward durch die Hineinlegung der Vokale gewissermaßen commentirt, und die große Freiheit der Commentatoren in der Zugabe der Vokalzeichen, und in der Auslegung der - Schrift in Folge dessen, ward ein charakteristisches Merkmal der hebräischen Bibelexgese. Alle Wörter mit ähnlichen Consonantenzeichen haben auf diese Weise gleichsam eine verwandtschaftliche Beziehung unter einander, und können bei der Erklärung für einander substituirt werden, und wohl dies hat viel zu dem Ausspruche beigetragen: רברי תורה פנים הרבה Die Worte der Thora haben viele Auslegungen. Wir benutzen diese Freiheit in der Auslegung zur Erklärung des heutigen Sidrahverses: והיה עקב תשמעון את המשפטים האלה וגו' Und es soll geschehen, zum Lohne, daß ihr gehorchet diesen Rechten und sie beobachtet und thut, daß der Ewige dein Gott dir bewahren wird den Bund, und die Gnade, die er deinen Vätern zugeschworen. Man könnte hier mit Recht die Frage aufwersen: Ist es wegen des zu erwartenden Lohnes, daß Jsrael die Satzungen und die Rechte des Ewigen hält, verhalten sich die Juden zu ihrem himmlischen Vater :כעברים המשמשים את הרב על מנת לקבל פרם Wie Knechte, die ihrem Herrn des Lohnes wegen dienen? Es muß gewiß noch ein tieferer Sinn in diesen Worten der Thora enthalten sein; und wir finden diesen, wenn wir der Bedeutung des Wortes עקב nachgehen, wo wirdanne rsehen, daß Okeiw das Krumme, die Ferse heißt, und Raschi erklärt die Stelle; את המצות קלות שאדם דש בעקביו תשמעון den geringsten Gebote, welche der Mensch mit der Ferse tritt, sollt ihr folgen. Wir finden in dem Worte עקב auch das Stammwort des Namens יעקב des Ghalutnamens des jüdischen Volkes, und würde der Sinn dieses Verses also sein: Wenn ihr in der Verbannung, in der Krümme, in der Roth die Gebote des Herrn haltet, dann wird der Herr seinen Bund halten und die Gnade, die er deinen Vätern zugeschworen. Eine morgenländische Parabel giebt das Verhältniß Israels zu den übrigen Völkern, welche von der Religion, der Tugend, der Frömmigkeit Israels ernten und Lohn finden, an. In einer der Gegenden des Ostens lebten Männer von mächtiger Tapferkeit, groß in ihrem Zeitalter, berühmt durch Vielredsamkeit. Und obgleich ihrer Werke wenige waren, suchten sie das Wohl ihrer Brüder, und redeten viel mit einander, und riefen laut in den Thoren, was ihr Geist ihnen eingab, und ihre Seele begehrte, und sie schrieben Viel an Völker anderer Länder, so daß Viele sagten: ״Sie sind wirklich weise und verständige Menschen, und ihr Ruhm soll aus ewig bestehen!" Aber ihrer Werke waren trotzdem wenige. Nun ereignete daß eine. Hungersnoch in ihr Land, kam und Viele von ihnen gingen unter durch Hunger und Pest; und viel Wehklagen und Leid war im Lande. Doch nun gingen die Tage des Nebels vorüber, und tausendfältig gab die Erde ihren Ertrag, so daß die Menschen sich verwunderten und sagten: ״Die Tage des Himmels kamen auf die Erde." Da versammelten sich die tapferen Männer und sahen die Felder voll Korn's, fertig für die Schnitter, und die Obstgärten beladen mit Obst, und die Weinberge voll der Früchte des Weinstocks, und die Olivenbäume reich an Oel, und die Ebenen überschwellend mit Getreide. Und sie berathschlagten weise miteinander und sagten: ״Wie sollen wir diese reiche Ernte einsammeln?" Und ein Kluger unter ihnen sagte: ״Schaut, ich weiß Arbeiter, welche wenig reden und viel thun! (אמור מעט ועשה הרבה אבות א׳ טו Das ist Israel.) Laßt uns sie bitten, die Ernte zu sammeln." Und die Sache war gut in den Augen der Tapferen, und sie baten sie. Und jene willigten ein, zu arbeiten, denn sie liebten die Arbeit. שמעיה אומר, אהב את המלכה ושנא את הרבנות(אבות א') Und einer sprach zu dem Andern: ״Laffet einen Jeden sein Werk thun!" Und die tapferen Männer sagten: ״Wohl ist es recht, daß Jeder sein Werk thue." Und siehe: Unser Werk soll das des Zusehens sein, wir wollen sehen, wie hart die Arbeiter arbeiten! Ist das nicht genug! Wir sind groß in unserem Zeitalter, suchen wir nicht das Wohl unserer Brüder? Deshalb freuen wir uns höchlichst über den Reichthum der Ernte." Und die Arbeiter arbeiteten hart, und einige schnitten das Korn mit der Sichel, und einige banden es in Garben, und einige brachten es zu der Dreschtenne, und sie preßten die Oliven und die Trauben und der Erlös war groß. Und sie arbeiteten ohne ein Wort der Eine zu dem Anderen zu sprechen. Und die Sonne stand hoch am Himmel, und die Hitze war über dem Haupte wie ein Ofen, und sie arbeiteten und zögerten nicht, bis späte Nacht. Und der Hauptmann der tapferen Männer sprach: ״Wir haben ein gutes Werk gethan, indem wir auf die Arbeiter sahen. Aber es ist ein hartes Werk, zu sehen wie diese Arbeiter in der Sonne arbeiten, und der Schweiß gleich Thau von ihren Stirnen rinnt. Es ist gut einer Ernte beizuwohnen. Lasset uns essen und trinken, und unsre Herzen sich des Weines erfreuen." Und als die Nacht kam, waren die Arbeiter, welche das Werk thaten, müde, uud sie Legren sich hin und schliefen, wie es geschrieben steht: Süß ist der Schlaf der Arbeiter, ob sie essen wenig oder viel! (Pred. Sal. 5. 12. Trost für die leidenden Gerechten im Tode: ״Das Uebermaß der Reichen duldet ihren Schlaf nicht!") Und früh am Morgen erhoben sie sich, bevor die Sonne aufgegangen war, und arbeiteten wieder in dem Felde, und in dem Weinberge, und in den Oltvengärten, aber die tapferen Männer schliefen fort, dcnn ihre Augen waren schwer 001t Schlaf. Und als die Sonne hoch am Himmel stand, standen sie auf, und gewahrten die Arbeiter noch an ihrer Arbeit, kein Wort redend, nicht Zur Rechten noch zur Linken sehend. Und die Anderen sagten: ״Wahrlich! Ihr arbeitet gut!" Und sie sagten kein Wort. Dann sagten sie: ״Warum arbeitet ihr so sehr?" Und sie antworteten: ״Die Arbeit ist viel und der Arbeiter sind wenig." היום קצר והמלאכה מרובה והפעלים עצלים והשכר הרבה ובעל הבית רותק (אבות ב') So machte es Jacob gegenüber den Hirten Labans, die müffig am Brunnen lagen, da der Tag noch lang war, עוד היום גדול, er wälzte den Stein von der Mündung des Brunnens ריגל את האבי מעל פי 1 הבאר. B. M. 29,10. So sollen es auch die Nachkommen Jacobs machen." Aber einer vonchen Tapsereif-- lachte und sagte: ,)Stehen wir Wahrlich alle unsere WeUe und Arbeiten sollen in ein Buch geschrieben werden." Als nun die Ernte eingesantmelt war, und es war eine so reichliche Ernte, wie sie seit Menschengedenken nicht gesehen war, da hielten die Arbeiter ein mit ihrer Arbeit, denn sie war vollendet. Und die tapferen Männer versammelten sich, hielten Rath und sagten: Laßt uns einen Bericht aussetzen, daß unser Name groß wird auf der Erde, und unser Ruhnt sich in die fernsten Länder verbreite, selbst zu den Inseln des Meeres. Und Einer von ihnen, der die Wahrheit liebte, antwortete: Wir haben nur Wenig gethan, laßt uns daher schweigen! Doch sie schrien heftig gegen ihn, und nannten ihn einen Sohn von Belial, und sie sandten nach einem gelehrten Schreiber, welcher in vielen Sprachen zu schreiben verstand, und befahlen ihm. Alles niederzuschreiben, was sie gethan und nicht gethan hatten im vergangenen Jahre, und von der Ernte, und der Größe ihres Ertrages. Und es ward in ein Buch geschrieben, daß da 10,000 Maaß Korn gesammelt waren, und 20,000 Omer Gerste, und 30,000 Hin Oel, und 40,000 Hin Wein, und wie groß die Arbeit war mit welcher sie die Ernte gesammelt! Und es war mit List geschrieben, so, daß diejenigen, welche es lasen, denken konnten, daß die Tapferen alles selbst gethan hatten, im Schweiße ihres Angesichtes! Und sie freuten sich höchlichst ihrer Schrift, und sie bliesen die Trompete laut und sandten Boten und Abgesandte, selbst eilige Fußläuser, durch alle Provinzen des Königthums und den vier Enden der Welt; und Abschriften der Schrift sandten sie an alle Städte und zu den Ländern über die See, und sogar zu den Jweln. Und man verwunderte sich des Buches sehr, (denn es war in der That ein großes und gutes Werk) und die Namen aller Tapferen standen darin verzeichnet, auf daß ihr Ruhm für immer seststehe! (So haben alle Religionen ihre Bücher denjenigen der Israeliten entlehnt, und rühmen sich als ihrer) Und im 4. Monat mit 15. des Monats versammelten sich alle die Tapferen in einem großen Saale, welcher die Silberhalle hieß, und ihr Hauptmann saß auf dem Throne, und rings um ihn standen die Tapferen! Und er sprach zu ihnen über alles gute Werk, das in dem Buche geschrieben stand, und über die gute Ernte, und er